
Nach dem Tod von Mickey Mable, der offiziell als Suizid gilt, ist die Stipendiatin Poppy die Einzige, die nicht an diese Theorie glaubt. Sie ist überzeugt davon, dass mehr dahintersteckt, und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Ihr Hauptverdächtiger ist Adrian Ellis, der „Golden Boy“ der Schule. Er ist reich, charmant und wird von allen geliebt. Doch Poppy gelingt es, hinter seine perfekte Fassade zu blicken…
Die Protagonisten sind hier keine klassischen Helden, und so manche Grenze zwischen Liebe und psychotischer Besessenheit wird überschritten. Poppy ist eine Protagonistin, bei der ich schon zu Beginn merkte, dass mehr in ihr steckt, als sie zugeben will. Sie kann sich gut verstellen und zeigt ihren Mitmenschen immer nur die Version von sich, die sie gerade für richtig hält – das macht sie interessant. Adrian hingegen ist ein Typ Mensch, den man schwer einschätzen kann. Ich mochte ihn zu keinem Zeitpunkt, da er etwas Düsteres und Besitzergreifendes an sich hatte und man nie wusste, was er eigentlich im Schilde führt.
Zugegeben: Ich konnte die doch leicht fragwürdige Beziehung der beiden nicht wirklich verstehen. Sie ist mehr als toxisch, und ich konnte nie ganz nachvollziehen, dass Poppy das alles über sich ergehen ließ. Klar, Adrian hatte sie in gewissem Maße in der Hand, überschritt dabei aber auch etliche Grenzen. Doch selbst wenn ich ihre Beziehung nicht völlig begreifen konnte, haben beide Charaktere Geheimnisse, die sie interessant machen und zur Entwicklung der Geschichte beitragen.
Die Handlung verläuft in eine ganz andere Richtung, als man anfangs annimmt. Ich dachte zuerst, der Fokus würde auf Mickeys Tod liegen, aber bald trat etwas ganz anderes in den Vordergrund: Die Geschichte konzentrierte sich mehr und mehr auf die Beziehung zwischen Adrian und Poppy. Bei so mancher Szene blieb bei mir jedoch ein Fragezeichen im Kopf zurück.
Das Internats-Setting fand ich gut gewählt; es verlieh dem Buch die nötige düstere Atmosphäre. Generell beinhaltet das Buch einige moralisch mehr als fragwürdige Momente, die jedoch zur Spannung beigetragen haben. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, da sie die Emotionen und die Zerrissenheit der jeweiligen Charaktere glaubhaft vermittelt. Einmal angefangen, fällt es schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Nach diesem Ende, das definitiv anders war als erwartet, bin ich schon sehr gespannt, was der zweite Band zu erzählen hat. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!
H. C. Dolores: Limerence
Aus dem Englischen übersetzt von Christina M. Eschbacher.
LYX, März 2026.
512 Seiten, Paperback, 16,90 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Katja Plattner.