Frieda Hughes: George und ich

Frieda Hughes ist Jahrgang 1960 und die Tochter des einstigen Literatenpaars Sylvia Plath und Ted Hughes. Doch sie hat sich längst selbst als Künstlerin einen Namen gemacht. Regelmäßig werden ihre Bilder in London ausgestellt. Außerdem war sie Lyrikkolumnistin für die Times und hat mehrere Kinderbücher, Lyrikbände und Zeitungsartikel verfasst.

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter waren Frieda Hughes und ihr jüngerer Bruder ständig mit dem Vater unterwegs. Nie verweilten sie längere Zeit an einem Ort, und Frieda sehnte sich immer nach einer richtigen Heimat. Diesen Wunsch hat sie sich viele Jahre später mit einem Grundstück samt einem alten, renovierungsbedürftigen Haus in Wales erfüllt. Hier konnte sie ihrer Leidenschaft frönen, einen Garten nach ihren Vorstellungen anzulegen. Endlich war sie in ihrem eigenen Zuhause angekommen. Hier konnte sie malen, schreiben und gärtnern. Damals ahnte sie nicht, wie viel Kraft, Zeit und Geld sie in das marode Haus samt Grund investieren sollte. Ihr diagnostizierter chronischer Erschöpfungszustand machte alles noch komplizierter.

Als sie nach einem Sturm ein verwaistes Elsternküken im Garten entdeckte, beschloss sie, den Vogel, dem  sie den Namen George gab, unter ihre Obhut zu nehmen und ihn aufzupäppeln.

So ist dieses Buch, das sich aus Frieda Hughes‘ Tagebucheinträgen über ihr Leben mit George in der Zeit zwischen Mai 2007 und Januar 2009 zusammensetzt, entstanden.

Die junge Elster zieht nicht nur Frieda in Bann, sondern auch deren Hunde, die ihren Platz in der Küche haben. Frieda ist von Anfang an nur noch auf den Vogel fixiert und richtet ihren gesamten Tagesablauf nach ihm aus. Sie gibt ihm den Zufluchtsort, den sie selbst als Kind immer vermisst hat. Auch der Autor Charlie Gilmour hat in seinem 2021 erschienenen Buch „Elsterjahre“ beschrieben, wie eine junge Elster sein gesamtes Leben durcheinanderbrachte und sogar seine Hochzeitsvorbereitungen gefährdete.

Wenn Frieda Hughes sich nicht um George kümmert, schuftet sie im Garten, pflanzt oder betoniert unermüdlich. George wächst ihr mit jedem Tag mehr ans Herz, obwohl er so gut wie alles, was ihm in den Schnabel kommt, zerlegt oder verwüstet. Doch Frieda Hughes entwickelt mehr und mehr übermenschliche Kräfte im Chaos, das George anrichtet, und verzeiht der Elster so gut wie alles. Auf Drängen ihres Lebenspartners will sie George den natürlichen Lebensraum draußen nicht vorenthalten. Wie sich das gestaltet und welche Eskapaden der Vogel weiter unternimmt, soll hier nicht verraten werden. Obwohl sich die Tagesabläufe nicht groß unterscheiden, bleibt alles doch irgendwie spannend.

Frieda Hughes gewinnt durch George eine andere Sicht auf sich selbst und das Leben. Sie findet ihr inneres Gleichgewicht wieder und kann sich mit Veränderungen arrangieren. Alles ist möglich, auch das, was lange unmöglich scheint, weiß sie jetzt. 

Mit ihrer feinfühligen Beobachtungsgabe animiert sie ihre LeserInnen zu neuen Blickwinkeln auf Tiere und auf alles, was in der Natur vor sich geht.

Für naturverbundene LeserInnen besonders interessant.

Frieda Hughes: George und ich.
Übersetzung aus dem Englischen: Niklas Wagner.
Illustrationen: Frieda Hughes
Eisele, Juli 2026.
304 Seiten, gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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