Jan Beck: Dorn: Zimmer 103

Der Auftakt der neuen Thrillerreihe rund um Simon Dorn. Dieser ist aus dem Polizeidienst ausgeschieden und lebt nun alleine und völlig abgeschieden in dem heruntergekommenen Hotel seiner Familie, in jedem Raum hat er einen anderen Cold-Case aufgebaut. Als seine berufliche Partnerin Karla auf eine Spur in Hamburg stößt, wird sie dort ermordet und die junge Lea Wagner arbeitet sich in den Fall ein, sie ist Dorns Kontakt zur Außenwelt und legt sich ordentlich ins Zeug, um auf der Spur der Wahrheit zu kommen.

Kurze Kapitel und viele Cliffhanger lassen den Lesern kaum eine Atempause, sodass man das Buch sehr schnell beendet hat.

Die Geschichte mag zwar teils kunstvoll konstruiert sein, aber meine Begeisterung war dennoch durchgehend da und es hatte mich ausnahmsweise mal nicht gestört. Es kommen viele verschiedene Figuren in der Geschichte vor, weshalb man einige Zeit braucht um dort einen guten Überblick zu bekommen, hat man die Namen allerdings eingeordnet, so ergibt alles einen Sinn und dem Lesevergnügen steht nichts mehr im Wege.

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Marcel Huwyler: Der Herr Wälti

Genialer neuer Roman des genialen Schweizer Autors mit genialen Protagonisten

Nicht immer funktioniert es, wenn Autoren aus ihren bisherigen Erfolgen eine Nebenfigur zum Protagonisten einer neuen Reihe machen. Dass es diesem Autor, dessen großer Fan ich bin, gelingen würde, ist hingegen keine Überraschung.

Er macht aus dem Taxifahrer Wälti, der in der Reihe um die Privatermittlerin Eliza Roth-Schild diese zu ihren Einsätzen fuhr und ihr auch stets zur Seite stand, hier nun die Hauptfigur. Wälti, der aus seinem Vornamen ein großes Geheimnis macht – was für einen witzigen running gag sorgt – trauert Eliza hinterher, die zu ihrem Lebensgefährten nach New York zieht (sich eine Rückkehr in die Schweiz aber zum Glück offen hält).

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Ursula Poznanski: Teufels Tanz

Das ist der dritte Band um die Wiener Ermittlerin Fina Plank und meiner Meinung nach bislang der beste von allen. In der Nähe eines Straßenstrichs wird ein über 80-jähriger Mann ermordet aufgefunden. Die Wiener Mordgruppe glaubt, in einem Zuhälter schnell den Täter gefunden zu haben, aber weiterhin werden alte Männer ermordet. Alle ungefähr im gleichen Alter, aber haben sie noch mehr gemeinsam? Fina glaubt ja, aber damit steht sie zunächst alleine. Dazu kommt, dass bei ihren letzten beiden aufgeklärten Mordserien der prinzipiell geständige Täter immer einen Mord vehement abgestritten hat. Und jedes Mal war das Mordopfer ebenfalls nicht mehr jung. Zufall?

Ursula Poznanski versteht es sehr geschickt, falsche Spuren zu legen und mit den Erwartungen des Lesers zu spielen. Ein weiteres Opfer wird mit einem Rosenkranz ermordet. Ja klar, da muss doch Missbrauch und Kirche im Spiel sein. Und bei einem Täter geht es um Hühnerfedern in Körperöffnungen. Iihh, was mag der mit dem Kind gemacht haben. Am Ende stellt sich das alles als falsche Annahme heraus und es war viel simpler und zugleich tragischer als angenommen.

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Nicola Förg: Verdammte Weiber

Im 16. Teil der Alpenkrimis ist Hauptkommissarin Irmi Mangold seit Kurzem in Pension. Ein Zustand, an den sie sich erst noch gewöhnen muss, so ganz angefreundet hat sie sich damit noch nicht. Es bleibt ihr allerdings auch nicht viel Zeit dazu, denn sie wird recht bald schon wieder in einen Fall verwickelt, der ihre kriminalistischen Fähigkeiten fordert.

Mehr von ihren Freunden dazu gedrängt als aus eigenem Antrieb hat Irmi sich überreden lassen, einen Skikurs für Wiedereinsteiger oder solche, die in fortgeschrittenem Alter mit dem Skilaufen anfangen wollen, zu buchen. Eine Woche – das sollte ihr ganz gut tun, auch wenn sie einigermaßen skeptisch an die Sache rangeht. Sie tut sich ein bisschen schwer mit der Koordination, die Ski wollen nicht immer so wie sie, und dass ein bisschen mehr Geschwindigkeit ganz hilfreich sein könnte, wenn man einen Stemmbogen fahren möchte, das gefällt Irmi auch nicht unbedingt. Viel schöner findet sie die Gespräche mit Cordula, ihrer Skilehrerin, in den Pausen oder am Abend in ihrer Ferienwohnung. Coci, wie sie genannt wird, ist eine Frau, die viel Interessantes erzählen kann. Coci ist sehr engagiert in allem, was sie tut, kompromisslos fast, manchmal aufbrausend, aber immer nur, wenn es um Menschen geht, nie, wenn es um Tiere geht.

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Ian Moore: Mord im Chateau

Trotz sympathischem Personal eher langweiliger, zu oft abschweifender Kriminalroman

Nun folgt also die dritte Episode um das ungleiche Paar Richard und Valérie, die beiden selbsternannten Detektive. Oder Sicherheitsleute, wie sie sich in diesem Band nennen, in dem sie eine Filmcrew beschützen sollen.

Hauptrolle in besagtem Film spielt eine Nichte Valéries, weswegen diese auch sehr besorgt ist. Denn Lionel, so der Name der Schauspielerin, wird bedroht, gestalkt, verfolgt. Richard hingegen soll all die am Filmset beteiligten Menschen schützen während des Drehs auf einem Schloss in der Nähe des Dorfs, in welchem Richard ein kleines Hotel betreibt, dessen Dauergast inzwischen Valérie ist.

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Marie Kärsting: Dolce Vita Mortale

Antonia sitzt mitten in einer Seniorengruppe auf einer Busfahrt in die Toskana. Niemals würde sie das von sich aus machen, doch sie hat die Reise von ihrer Freundin vererbt bekommen und beschlossen, auf diese Weise ihr Andenken zu ehren. Auch wenn sie mindestens 30 Jahre jünger ist als ihre Begleiter. Und als Vegetarierin mit Allergien nicht nur tadelnde Blicke kassiert, sondern auch mit dem Bus-Special Wurst mit Toast und „optional Senf“ nicht sonderlich viel anfangen kann. Die nicht endenden Funfacts der Reiseleiterin interessieren sie ebenso wenig.

Das stellt dann nach ihrer Ankunft im hübschen italienischen Hotel aber ihr geringstes Problem dar, denn bereits am zweiten Tag wird die Reiseleiterin tot im Pool aufgefunden. Verhaftet wird ein Zimmermädchen, aber Antonia ist sich sicher: Hier stimmt etwas nicht. Gemeinsam mit zwei älteren Damen und unterstützt von einer ganzen Reisegruppe Senioren und einem verboten charmanten Polizisten, macht sie sich an die Ermittlungen.

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Jack Jordan: Die Schlafwandlerin

Der Fall Darling ist in London ein Medienereignis, bei dem die Sensationsgier der Berichterstatter reichlich Nahrung erhält: Ein dreifacher Mord, ein Feuer, das ein luxuriöses Anwesen bis auf die Grundmauern zerstört und ein Überlebender, den die Polizei für den Täter hält. Es ist ein Fall, der das Renommee eines jeden Strafverteidigers nach oben schnellen lässt. Und wäre der Verteidiger von Wade Darling nicht kurz vor der Eröffnung der Verhandlung gestorben, hätte Neve Harper diesen Fall als Zaungast verfolgt. Aber jetzt ist alles anders. Sie soll Wade Darling verteidigen. Und für die Vorbereitung hat sie nur wenige Tage Zeit. Anfangs glaubt Neve, nach diesem Fall könne sie ihre Karriere mit dem Titel Kronanwältin zieren. „Ich erinnere mich, wie stolz ich war … An all meine jugendliche Hoffnung für die Zukunft. …Mein Glaube an richtig und falsch war so konzentriert, so unantastbar.“ (S. 277)

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Emily Rudolf: Das Dinner

Mäßig spannender Krimi um ein Jahre zurückliegendes Verbrechen

Im Ansatz eine gute Plot-Idee: Eine Gruppe von Freund:innen findet sich zu einem Krimi-Dinner zusammen, welches sich als die von allen vor Jahren miterlebte Geschichte des Verschwindens einer jungen Frau aus ihrem Kreis herausstellt. Doch dem Roman fehlt es an Spannung, an Twists und an fesselnden Charakteren. Auch der Schreibstil ist wenig herausfordernd, eher simpel.

Fünf Menschen versammeln sich in einem – natürlich – einsam gelegenen Restaurant in der Eifel. Das Restaurant wird geführt von einem aus ihrer Gruppe, Jonathan, der sie zu einem Krimidinner geladen hat, wie sie es früher öfter veranstaltet haben. Damals waren sie noch sechs: Jonathan, seine Schwester Hanna, seine heutige Verlobte Lotta, Tristan, Hannas Ex und Kiano, Jonathans damaliger bester Freund. Es fehlt seit ihrem letzten Zusammensein in einem Zeltlager Maria, damals die beste Freundin Hannas.

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Sven Petter Naess: Schuld: Team Oslo ermittelt Band 03

Willkommen in Elvestad, einem Ort, in dem das Schweigen und Verbrechen scheinbar zu Hause ist. Für Harinder Singh, der hier seine Kindheit und Jugend erlitten hat, ist Elvestad ein Ort, aus dem eine Flucht unmöglich geworden ist. Erneut sieht er sich gezwungen, mit Menschen zu reden, die ihm in der Vergangenheit übel mitgespielt haben. Manche von ihnen haben nicht nur ihre Finger in allen möglichen Geschäften, sie profitieren auch vom plötzlichen Tod unbequemer „Nachbarn“. Der große Gewinner ist in der Regel der alte Georg Davidsen, der Harinder anblafft:

„… Glauben Sie ja nicht, ich wüsste nicht, was Sie da treiben. … Bilden Sie sich etwa ein, Sie können diese geisteskranke Person dafür benutzen, mich und meine Familie anzugreifen? … Mein Sohn sitzt Ihretwegen im Gefängnis.“

„Nein, er sitzt im Gefängnis, weil er Frauen vergewaltigt und die Übergriffe gefilmt hat.“ (S. 130)

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Hendrik Streeck: Das Institut: Im Schatten der Wissenschaft

Eigentlich ja naheliegend, dass Wissenschaftler auch gerne mal das Genre wechseln. Immer nur Fachbücher, Publikationen in Fachmagazinen oder Sachbücher, das weckt vielleicht ja auch die Lust, mal was Neues zu probieren und einen Krimi zu schreiben. Mit „Das Institut“ hat der renommierte Virologe Hendrik Streeck jetzt einen wirklich packenden Thriller geschrieben, der – nicht unbeabsichtigt – auch gute Einblicke in die Welt des Wissenschaftsbetriebes gibt. Ein Metier, in dem er sich auskennt. Die Arbeit in Forschungslaboren ist geprägt von Konkurrenzdenken, vom Ringen um Forschungsgelder, um Anerkennung und Renommée, das man mit Publikationen erwirbt, die in den richtigen Fachmagazinen erscheinen. Aber auch hier geht es wohl nicht um „wer hat was geschrieben und entdeckt“, sondern darum, wer bereit ist, den Erfolg eines z.B. Assistenten auch dem zuzugestehen, dem er gebührt. Ein Haifischbecken, in dem oft nur der Stärkere überlebt und in dem auch mal mit unlauteren Mitteln gekämpft wird.

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