Der Titel von Donna Leons neuem Brunetti-Krimi ´“Das goldene Ei“ ist genau so rätselhaft wie der Fall, mit dem es der venezianische Kommissar in seinem 22. Fall zu tun hat. Und eigentlich ist das gar kein Mord, dem Brunetti da auf die Spur kommen will, sondern ein Selbstmord.
Ein taubstummer, junger Mann stirbt an einer vermeintlichen Überdosis Tabletten. Die Menschen kennen ihn als Hilfskraft in einer Reinigung, aber dieser Mann hat ein Geheimnis, ist eine Art Kaspar Hauser: Er ist von seiner Familie als Baby vernachlässigt worden, hätte vermutlich sprechen und hören können, wenn seine Mutter ihm nicht jegliche Sprache verweigert hätte. Weiterlesen
Krimi & Thriller
Arne Dahl: Neid
Mit „Neid“ legt Arne Dahl den dritten Fall um seine Opcop-Gruppe – der geheimen multinationalen Ermittlungsgruppe in Den Haag – vor. Und dieser Fall ist wieder wesentlich gelungener und schlüssiger als sein Vorgänger. Mit Themen wie dem Menschenhandel und dem Kampf gegen die Energielobby hat er sich großen gesellschaftspolitischen Themen gewidmet.
Wie üblich gibt es zwei zunächst unabhängige Fälle, in denen die Gruppe ermitteln muss: Während das Opcop-Team die Hintermänner eines internationalen Menschenhandelsrings observiert, begegnet Paul Hjelm bei einem Galadiner der französischen EU-Kommissarin Marianne Barrière. Sie bittet ihn um Hilfe in einem blutigen Kriminalfall von europäischer Tragweite: Weiterlesen
Stefan Spjut: Troll
Können Sie sich vorstellen, dass in den einsamen nordschwedischen Wäldern Trolle leben? Nachdem Sie diesen Fantasy-Thriller von Stefan Spjut gelesen haben, fällt Ihr „Nein“ vielleicht nicht mehr ganz so entschieden aus.
Der schwedische Autor arbeitet mit einer Technik, der sich beispielsweise auch Stephen King in vielen seiner Bücher bedient. Er lässt das Übernatürliche in eine ganz normale Alltagswelt hineinplatzen und verschafft ihm so mehr Glaubwürdigkeit. Weiterlesen
Andrea Camilleri: Der Tanz einer Möwe
Andrea Camilleris sizilianischer Kommissar Montalbano hat inzwischen schon fast so viele Fälle gelöst wie sein venezianischer Kollege Brunetti von Donna Leon: 15 in Romanen und vier in Kurzgeschichten.
In seinem 19. Fall lässt der italienische Bestseller-Autor den Commissario die Wahrheit am Horizont entdecken: „Der Tanz der Möwe“ ist einer der spannendsten Krimis der Reihe.
Das Bild, mit dem der Roman beginnt, lässt den schrulligen Ermittler und die Leser nicht mehr los: Montalbano beobachtet auf seiner Terrasse den Todestanz einer Möwe. Das Tier bäumt sich noch einmal auf, dreht sich um sich selbst, bevor es zusammensackt und stirbt. Weiterlesen
Paul Finch: Mädchenjäger
„Mädchenjäger“ ist der erste Fall von Detective Sergeant Mark Heckenburg, von den meisten nur „Heck“ genannt. Er reiht sich ein in die Riege der hartgesottenen, einzel- und draufgängerischen Haudegen, die als hart-boiled detectives bekannt wurden. Und hartgesotten muss er auch sein, denn er ermittelt gegen eine gefährliche Verbrecherbande.
Zwei Jahre hat er sich bereits dem Verschwinden von 38 Frauen gewidmet, ohne eine konkrete Spur, ein Muster oder gar einen Verdächtigen zu haben. Aber er ist davon überzeugt, dass keine der Vermissten freiwillig verschwunden ist, standen sie doch alle mitten im Leben, waren berufstätig oder junge Mütter. Also widersetzt er sich den Obrigkeiten, die den Fall einstellen wollen, und ermittelt undercover. Eine riskante Jagd gegen eine unsichtbare Macht beginnt… Weiterlesen
Martin Suter: Allmen und die verschwundene Maria
Der letzte Band um den High-Society-Ermittler Johann Friedrich von Allmen endete mit dem Verschwinden von Maria, der Freundin von Allmens rechter Hand Carlos. Zwar wurde das gestohlene Dahlienbild erfolgreich widerbeschafft, dafür aber Maria entführt – ebenfalls wegen des Dahlienbildes. So tauchen in dieser Fortsetzung also sämtliche Personen des Vorbandes unverändert wieder auf und die Geschichte geht nathlos weiter. Von daher ist es mir ein Rätsel, warum das in zwei Bücher aufgeteilt wurde, eigentlich handelt es sich um eine zusammenhängende Geschichte.
Das ist aber das einzig Ärgerliche an diesem – nicht sehr dicken – Buch. Ansonsten ist die Geschichte gewohnt gut erzählt, witzig und doch hintergründig mit einem ganz besonderen Protagonisten.
Fazit: Wer es noch nicht kennt, sollte beide Bücher zusammen erstehen, ansonsten empfehlenswert.
Martin Suter: Allmen und die verschwundene Maria.
Diogenes, März 2014.
223 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,90 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.
Koji Suzuki: Der Graben
Der japanische Schriftsteller Koji Suzuki ist der Autor der Bücher, auf denen die „Ring“-Filme basieren. Das sind die Filme, die mich am helllichten Tag zum Gruseln gebracht haben und deswegen war ich neugierig auf sein neues Werk. Schon am Anfang beweist er, dass der Horror nicht nur in den Filmen entstanden ist. Ich weiß nicht, wie er das macht, aber bei den ersten 20 Seiten wurde mir schon ganz unheimlich zumute. Verlassene Autos, einsame Wüstenstraßen, all das bringt er auf ganz besondere Weise zu Papier, sodass beinah alltägliche Situationen höllisch werden. Weiterlesen
Patricia Cornwell: Knochenbett
„Knochenbett“ ist jetzt schon der 20. Fall für Dr. Kay Scarpetta. In diesem muss die Rechtsmedizinerin im Fall einer verschwundenen Paläontologin ermitteln, von der nur noch das Foto ihres abgeschnittenen Ohrs existiert. Außerdem muss sie die Mumie einer Frau im Bostoner Hafen bergen, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als sie als Zeugin im Prozess gegen einen Öl-Tycoon geladen ist, dem der Mord an seiner spurlos verschwundenen Ehefrau vorgeworfen wird. Handelt es sich bei der Toten um die vermisste Industriellengattin? Diese Frage stellt sich auch die Anwältin des Angeklagten, die alles daran setzt, Scarpettas Reputation zu untergraben. Fieberhaft beginnt die Rechtsmedizinerin mit der Untersuchung der Mumie. Weiterlesen
Till Raether: Treibland
Wer die Kolumnen von Till Raether liebt, wird auch seinen ersten Krimi mögen und sich einlassen auf Raethers zuweilen ausschweifenden Erzählstil: „Treibland“ ist der Auftakt zu einer Reihe von Hamburg-Krimis mit dem Kripobeamten Adam Danowski, einem Anti-Held mit Hang zum Golfspielen.
Der erste Fall führt ihn (in Quarantäne) auf das Kreuzfahrtschiff „Große Freiheit“, das mit einer afrikanischen Virusinfektion an Bord in den Hamburger Hafen eingelaufen ist. Spannend ist es nicht gerade auf diesem „Pestschiff“, aber Raether erzählt diese Krimihandlung mit viel Witz, im Mittelteil aber sehr langatmig. Viel Hamburg-Atmosphäre hat dieser mit fast 500 Seiten sehr dicke Roman, aber Krimi-Fans werden die Spannung vermissen, die stellt sich erst am Schluss ein.
Till Raether: Treibland.
rororo, März 2014.
496 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Jutta Profjit: Knast oder Kühlfach
Trotz aller Versuche in den letzten Bänden, auch endlich ins Licht zu gehen, bleibt uns der tote Autoknacker Pascha mit der großen Klappe erhalten – dem Himmel sei Dank. Denn nicht nur ist Birgit schwanger, die Freundin des einzigen Menschen, der Pascha sehen und hören kann – Martin Gänsewein. Das wäre eigentlich wirklich schon genug zu ertragen für einen harmlosen Geist, denn Martin erweist sich als überaus besorgter werdender Vater. Aber auch der einzige Kriminalist, den Pascha wirklich schätzt, Martins und Birgits Freund Gregor steht unter dem Verdacht, seine Ex-Frau ermordet zu haben. Und Martin ist aus oben erwähnten Gründen nicht mit der ganzen Konzentration bei der Sache, wenn es um Gregors Rettung geht. Weiterlesen