Eine starke Liebe, politisches Kalkül und viele Widerstände, denen die Liebenden trotzen müssen.
All das findet sich in Eva-Maria Basts „Die letzte Pharaonin“. Interessanterweise geht es nicht um die Liebesgeschichte von Kleopatra und Cäsar, sondern um die Beziehung eines seiner Nachfolger und der ägyptischen Königin: Marcus Antonius. Normalerweise wird in der Populärkultur Kleopatras und Cäsars Liebschaft erzählt. Für Cäsar war Ägypten wichtig als Kornkammer Roms. Dafür half er ihr, den Thronstreit gegen ihren Bruder Ptolemaios zu gewinnen. In der Beziehung zu Marc Antonius ging es beiden jedoch vorrangig um die Ausweitung ihres Reiches. Diese Beziehung schien gleichberechtigter zu sein: Kleopatra war weniger abhängig von Marc Antonius, hatte keine grundsätzlichen Existenzängste.
Bast schreibt wortreich, in einem „ausgefüllten“ Erzählstil von der großen Liebe, die ständig Widerständen trotzen muss. Und wenn die beiden endlich gemeinsam einen Winter in Ruhe verbringen können, gibt es anschließend die nächste große Katastrophe. Herrscher eines großen Reichs zu sein, ist wirklich kein leichtes Leben.
Man fiebert beim Lesen richtig mit. Bast nimmt den Leser in die Antike mit, lässt durch ihren Erzählstil prachtvolle Bilder im Kopf entstehen. Besonders eindrucksvoll ist das Aufeinandertreffen von Kleopatra und Marc Antonius nach seinem Amtsantritt geschildert. Der Römer hatte sie schon lange eingeladen, um die Beziehung von Ägypten und Rom unter der neuen Regierung nach Cäsars Tod zu besprechen. Die Königin hat seine Einladung jedoch nie angenommen. Schließlich fordert er sie in einem Brief ausdrücklich auf, ihn in Tarsos auf römischem Gebiet zu besuchen. Kleopatra dreht den Spieß jedoch um: Sie lädt Marc Antonius auf ihr Schiff ein – im Hafen von Tarsos. Kleopatra inszeniert sich dabei auf besondere Art:
Sie trug keine Pharaonen-Krone, sondern ein Diadem in Form des Isis-Knotens. Ihr Gewand war hell, die Schultern frei, der Gürtel hoch. Sie wollte keine Königin sein, wenn sie Marcus Antonius begegnete – sondern eine Göttin.
Das erste Abendessen der beiden auf Kleopatras Schiff fällt äußerst pompös aus. Für das Gastmahl am nächsten Tag gibt sie neue Order an ihre Dienerschaft:
„Bereitet alles vor. Morgen Abend soll er glauben, das heutige Mahl sei nur ein bescheidener Auftakt gewesen.“ (…) Die Diener hatten ihre Anweisungen nicht nur erfüllt, sondern noch übertroffen: Purpurne Teppiche spannten sich über die Wande, Hunderte von Lampen brannten, die Flämmchen flackerten und spiegelten sich im Öl und in den goldenen Schalen. Zwölf Tische standen in präziser Ordnung, an jedem zwei oder drei Klinen mit Polstern, die im sanften Licht schimmerten. Überall türmten sich Speisen, so verschwenderisch, dass selbst sie für einen Augenblick innehielt.
Inmitten dieses Luxus` verliebt sich Marc Antonius in die göttlich erscheinende Königin Ägyptens – und sie sich in ihn. Die beiden führen fortan eine Art Fernbeziehung: wenige Treffen, einige Briefe. Und doch bleibt die Anziehung zwischen ihnen über die Jahre bestehen. Die gemeinsamen Kinder verstärken das Band noch.
Am Ende des Buches gibt es von der Autorin noch einen Hinweis zu den wahren historischen Bezügen, auf die sich das Buch größtenteils stützt.
Fazit: Es ist ein Leben voller komplizierter Machtstrukturen und Verstrickungen, das Kleopatra führt und das seine Spuren bei ihr hinterlässt. Besonders ihre Gedanken und Strategien inmitten der Wirrungen sind spannend. Dennoch ist sie eine liebevolle Mutter, strategische Feldherrin und kluge Pharaonin, die stets im Sinne ihres Volkes handelt. Kleopatra stellt fest: Ich habe bewiesen, dass ich keinen Mann brauche. Weder als Frau noch als Mutter und schon gar nicht als Pharaonin.
Eine wunderbare Liebesgeschichte mit prachtvollen sprachlichen Bildern! Leseempfehlung!
Eva-Maria Bast: Die letzte Pharaonin
Piper, April 2026
384 Seiten, Paperback, 15,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Kati Szangolies.
