Torsten Sträter: Mach mal das große Leselicht an

Der bekannte Komiker und Slam-Poet Torsten Sträter hat wieder gesammelt: Texte aus vier Jahren zu den verschiedensten Themen.

Wie sich bereits vermuten lässt, ist Sträter ein Wortakrobat. Sein einzigartiger Erzählstil verläuft nicht geradlinig, sondern schlängelt sich von einem Thema zum nächsten, um wenig später auf den eigentlichen Erzählanlass zurückzukehren. Für Erstleser des Autors mag das zunächst verwirrend wirken. Nach etwas Eingewöhnungszeit bereitet dieser verzweigte Stil aber eine kurzweilige Unterhaltung beim Lesen.

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Herbstspecial 2026

Was das Wetter schon vor einer Weile beschlossen hat, ist heute offiziell: Der Herbst beginnt! Für einige ist diese Jahreszeit der bunten Blätter, geschnitzten Kürbisse und Kuschelpullis das Highlight des Jahres (meine Cozy-Herbst-Playlist ist fast sieben Stunden lang), einige trauern dem Sommer hinterher – und für alle haben wir unser diesjähriges Herbstspecial konzipiert! Egal ob cozy oder melancholisch; gruselig, nachdenklich, sehnsuchtsvoll: Wir stellen euch hier unsere Lesehighlights vor, die perfekt in den Herbst passen! Kocht euch einen Tee und viel Spaß beim Lesen!

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Manfred & Emilia Theisen: Kennst Du mich?

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Die Teenagerin Emma kommt mit der neuen Freundin ihres Vaters nicht gut zurecht, daher vertraut sie sich dem Chatbot ChatGPT an. Gerade die „sassy“ (d.h. freche) Version nutzt sie fortan ständig. „Blue“ – so Emmas Name für den Chatbot – hilft ihr nun nicht mehr nur bei den Hausarbeiten, sondern auch, um sie aufzumuntern und soziale Situationen zu meistern. Die technische KI wird für sie zunehmend eine Freundin und soziale Stütze.

Die Handlung des Romans basiert auf einem realen Experiment des Tochter-Vater-Autorenduos: sie haben mit ChatGPT gechattet und sich dabei als ihren Buchcharakter Emma ausgegeben. Dabei haben sie auch die Sassy-Version genutzt. Die Antworten der KI sind im Buch teils wörtlich, teils gekürzt eingebaut. Damit ist das Buch ein Mix aus Fiktion und Dokumentation eines Experiments.

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Eva-Maria Bast: Die letzte Pharaonin

Eine starke Liebe, politisches Kalkül und viele Widerstände, denen die Liebenden trotzen müssen.

All das findet sich in Eva-Maria Basts „Die letzte Pharaonin“. Interessanterweise geht es nicht um die Liebesgeschichte von Kleopatra und Cäsar, sondern um die Beziehung eines seiner Nachfolger und der ägyptischen Königin: Marcus Antonius. Normalerweise wird in der Populärkultur Kleopatras und Cäsars Liebschaft erzählt. Für Cäsar war Ägypten wichtig als Kornkammer Roms. Dafür half er ihr, den Thronstreit gegen ihren Bruder Ptolemaios zu gewinnen. In der Beziehung zu Marc Antonius ging es beiden jedoch vorrangig um die Ausweitung ihres Reiches. Diese Beziehung schien gleichberechtigter zu sein: Kleopatra war weniger abhängig von Marc Antonius, hatte keine grundsätzlichen Existenzängste.

Bast schreibt wortreich, in einem „ausgefüllten“ Erzählstil von der großen Liebe, die ständig Widerständen trotzen muss. Und wenn die beiden endlich gemeinsam einen Winter in Ruhe verbringen können, gibt es anschließend die nächste große Katastrophe. Herrscher eines großen Reichs zu sein, ist wirklich kein leichtes Leben.

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Theresa & Joseph Prammer: Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs

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Das Schauspieler-Ehepaar Theresa und Joseph Prammer hat aus ihrem erfolgreichen Theaterstück „Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs“ einen Roman gemacht. In der Kriminal-Komödie geht es um das marode Wellnesshotel „Perfekt“. Es liegt in schönster Lage, bietet zahlreiche Wellness-Angebote, besteht aus eingeschworenen Hausangestellten und ist völlig marode. Die gesamte Hoffnung liegt auf einem Investor, der als Inkognito-Gast eincheckt. Doch während man rätselt, welcher der wenigen Gäste der Investor ist, stürzt der Hotelinhaber plötzlich aus dem Fenster – mit tödlichem Ausgang. Zum Glück hat er einen Zwillingsbruder…
Was als wahnwitzige Verwechslungskomödie beginnt, nimmt schnell rasant Fahrt auf und verselbstständigt sich. Schon bald wissen die Angestellten selbst nicht mehr, wer von den Anwesenden im Hotel authentisch ist und wer nur eine Rolle spielt.

Rezension

Aus der Sicht verschiedener Figuren werden die Geschehnisse geschildert. Diese Technik haben Theresa und Joseph Prammer meisterhaft umgesetzt: Die einzelnen Bruchstücke ergänzen sich wunderbar, geben dem Leser ein umfassendes Bild der Geschichte und Einblicke hinter „die Kulissen“ jedes Charakters. Dadurch kommt auch die Spannung zustande. Während des Lesens verfolgt man mit großem Vergnügen, welche Figur welche Interessen, Ziele und Kontakte hat. Durch die Perspektivwechsel werden auch die Tiefen der Charaktere besonders gut hervorgehoben.
Es gibt immer wieder neue unerwartete Wendungen – bis zur letzten Seite, wodurch die Handlung völlig unvorhersehbar wird. Ein Genuss beim Lesen! Damit hebt sich „Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs“ deutlich aus der Masse an Kriminalromanen hervor.

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David Safier: 00-Laschet

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David Safier ist einer von Deutschlands erfolgreichsten Autoren, seine Bücher landen regelmäßig auf der Bestsellerliste. Die Kriminalroman-Reihe um die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel umfasst mittlerweile schon fünf Bände. In seinem neusten Werk widmet er sich jedoch einem anderen Politiker: Armin Laschet.

In „Agent 00-Laschet“ wird Armin Laschet Bundespräsident. Im Schloss Bellevue angekommen, erwartet ihn jedoch eine große Überraschung: sein Job ist anders geartet, als bisher bekannt. Denn unter dem Schloss liegt die geheimste Geheimagentenzentrale weltweit. Und Armin Laschet ist dafür zuständig, den Agenten Zugang zu Orten zu ermöglichen, den sie ohne ihn nicht hätten. Sein erstes Mitwirken dabei dient nichts Geringerem als die Welt zu retten. Die gesamte Hoffnung der Welt liegt nun auf Armin Laschet als Agent 00-Laschet.

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Maja Lunde: Für immer

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Ein weltweiter Ausnahmezustand: kein Mensch kann mehr sterben, Krankheiten sind eingefroren und Geburten ausgesetzt. Bringt dieser Zustand auf den ersten Blick viele Vorteile mit sich, zeigen sich im Laufe der Zeit jedoch auch die vielfältigen sozialen, psychologischen, wirtschaftlichen, biologischen Nachteile, mit denen jeder Protagonist und jede Protagonistin hadert.

Rezension

Mit „Für immer“ öffnet Maja Lunde ein interessantes Gedankenspiel. Um dem Leser die gesamte Tragweite dieser Überlegung zu vermitteln, werden verschiedene Hauptprotagonisten in der Erzählung „begleitet“. Insgesamt wird das Leben der Figuren langsam erzählt, erst nach und nach entfaltet sich das eigentliche Hauptthema des Buches. Mit dieser langsamen Erzählweise kann der Leser besonders gut in die Lebensrealität der Figuren eintauchen, mit ihnen fühlen und die Situation miterleben.

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Iliana Xander: Der Boss: Ist er ein Monster oder ein Genie?

Zum Inhalt

Natalies beste Freundin Cara verschwindet auf einer gemeinsamen Party mit einem fremden Mann und liegt am nächsten Morgen im Koma. Die Polizei kommt mit ihren Ermittlungen nicht weiter. Natalie ist jedoch fest entschlossen, den Fremden zu finden und Cara zu rächen. Ihre Recherche führt sie zu dem berühmten Millionär Geoffrey Rosenberg. Als sie einen Job für Rosenberg annimmt, kann sie ihrem Boss eine Falle zu seiner Überführung stellen – und tappt dabei in Rosenbergs eigene Falle …

Rezension

Die Handlung ist aus zwei Perspektiven geschrieben. Der Leser liest sowohl Natalies Sichtweise als auch die des „großen“ Unbekannten, der sie scheinbar beobachtet und ihr Treiben kommentiert. Die nüchternen, berechnenden Kommentare lassen einen beim Lesen schauern. Er wirkt eiskalt und zu allem bereit.

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Ursula Poznanski: Das Signal

Nach einem Unfall verliert Viola ein Bein und ist fortan auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. Einkaufen, Freunde besuchen, auf die Toilette gehen – all das geht nun nicht mehr ohne Hilfe. Damit erscheint die Geschichte anfangs harmlos und ruhig, wirkt eher wie ein Drama. Doch das wandelt sich schnell zu einem Thriller, als Adams Fürsorge in scheinbare Kontrolle umschlägt. Viola fühlt sich zunehmend im Haus eingesperrt und von ihrer persönlichen Pflegekraft überwacht. Adam lässt ihre Krücken wegsperren und lehnt ohne ihr Wissen Besuchstermine ihrer Freundinnen ab. Daher beginnt Viola, Adam mithilfe eines Peilsenders zu überwachen. Die GPS-Signale zeigen jedoch schnell einige Ungereimtheiten auf…

Damit sät Poznanski geschickt Misstrauen beim Leser: Spielt Violas Ehemann ein falsches Spiel, hat Hintergedanken und böse Absichten? Oder ist die Hauptprotagonistin psychisch angeschlagen und nimmt die Geschehnisse daher anders wahr? Ist Viola vertrauenswürdig? Welcher Sichtweise und Figur kann der Leser trauen? Auch der Gedanke, der eigene Ehemann könnte Viola kontrollieren und ihr Böses wollen, ruft beim Lesen einen Schauer hervor. Der abweisende und kalte Charakter der Pflegekraft, die offensichtlich in Adams Auftrag handelt, ständig in Violas Nähe ist, verstärkt dieses Gefühl noch.

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Dietrich Grönemeyer: Demenz

Jeder will möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen – gäbe es da nicht die Demenz.

Dietrich Grönemeyer ist Professor der Medizin und hat u. a. das Buch „Der kleine Medicus“ – mittlerweile als Kinderbuch-Serie neu im Tessloff-Verlag aufgelegt – geschrieben. Sein neuestes Buch „Demenz – Gezielt vorbeugen, ganzheitlich verstehen, liebevoll begleiten“ versteht sich als Einladung für einen neuen Blick auf diese Erkrankung.

Grönemeyer schreibt dazu: „Wir leben nicht in der gleichen „Wahrheit“. Und das ist gar nicht schlimm. [Denn] jeder Mensch lebt in seiner eigenen Schneekugel. […] Die Schneekugeln der Gesunden ähneln sich untereinander, die der Demenzkranken sind ganz anders …“ (S. 27)

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