Per Petterson wurde 1952 in Oslo geboren und zählt zu den erfolgreichsten norwegischen Schriftstellern. Früher arbeitete er als Buchhändler und Übersetzer. Seine Bücher wurden vielfach prämiert.
Pettersons Literatur liest sich oft bedrückend, aber immer mit der nötigen Portion Verständnis der Leser für die Hauptakteure. Dieser Autor schafft es, mit einfachen Worten die meist komplizierten Seelenzustände seiner Protagonisten offenzulegen und bei seinen Lesern das entsprechende Einfühlungsvermögen dafür hervorzurufen. Seine männlichen Protagonisten stecken vornehmlich in einer Krisensituation oder katapultieren sich geradewegs in eine solche hinein.
Die Geschichte in „Nach Hause kommen“ spielt, wie auch in Per Pettersons vorangegangenen Büchern, in seiner Heimat Norwegen.
Der Ich-Erzähler Kasper ist ein zutiefst empathischer Mensch. Nachdem er ein Reh mit dem Auto angefahren hat und über das Fell des verletzten Tieres streicht, empfindet er eine außergewöhnliche Nähe zu ihm. Schuldgefühle, das Leben des Rehs zerstört zu haben, keimen in ihm auf. Diese Schuldgefühle lassen ihn nicht los und lösen Erinnerungen an die zerrütteten Leben der Frauen und seiner Kinder, die er durch sein Verhalten verletzt hat, aus.
Mittlerweile ist er einundsiebzig Jahre alt und lebt längst allein in seinem Haus. Hier in der Einsamkeit nährt er sich aus den Erinnerungen:
Alles war in Ordnung gewesen in seiner Ehe. Seine Frau Inger und er arbeiteten im Schichtbetrieb. Abwechselnd kümmerten sich beide um ihre zwei Kinder, die mit dem Bus überall hingebracht werden mussten. So hätte es ewig weitergehen können. Doch dann verliebte sich Kasper in die gemeinsame, ebenso verheiratete Freundin Signe. Er hatte geglaubt, die Liebe zu seiner Frau und zur Freundin auseinanderhalten zu können. Seine Fluchten aus dem geordneten Alltag redete er sich schön. Die Emotionen waren stärker als der Gedanke an die möglichen Konsequenzen. So ließ er den Gefühlen ihren Lauf.
Am Ende versucht er sich selbst durch einen Brief Klarheit zu verschaffen.
Trotz aller Tragik ein ruhiger Roman ohne jegliche reißerische Ambitionen.
Für Leser, die gerne in die Psyche der Hauptfiguren eintauchen.
Per Petterson: Nach Hause kommen.
Übersetzung aus dem Norwegischen: Ina Kronenberger.
Hanser, September 2026.
208 Seiten, gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
