Sarah Stankewitz: No matter what

Stellas Vater ist vor Jahren bei einem Brand ums Leben gekommen, er konnte sie retten aber sich nicht. Seitdem trägt die junge Frau Narben mit sich herum – körperliche sowie auch seelische. Als ihre Pflegemutter stirbt, kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück und darf bei ihrem Bruder in der WG bleiben. Dort trifft sie auf den Mitbewohner Austin und weiß sofort: Ihn hat sie schon mal gesehen, denn er ist der Junge, dem sie vor ein paar Jahren das Leben gerettet hat und sie ihn seitdem nicht mehr vergessen hat. Er hat sich allerdings zu einem egoistischen Playboy entwickelt, doch hinter der Fassade steckt ein anderer Mensch, der auch einfühlsam und liebevoll sein kann, wie Stelle bald feststellen wird …

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Stig Dagerman: Trost

Ich selbst jage Trost wie ein Jäger Wild. Wo immer ich ihn in den Wäldern auftauchen sehe, schieße ich.“ (E-Book S. 10).

Stig Dagerman wurde 1923 nördlich von Uppsala/Schweden geboren. Er beging 1954 im Alter von 31 Jahren Suizid. Sein kurzes Leben war von schweren Depressionen und existenziellen Krisen beeinflusst.

Exzessive Schreibphasen wechselten mit Schreibblockaden. Sein Schreiben war von privaten Erschütterungen und seinen Nachkriegseindrücken als Reporter geprägt. Während seines kometenhaften Aufstiegs wurde er als Europas literarischer Hoffnungsträger gehandelt. Stig Dagermans Literatur ist vielfältig. Außer Büchern verfasste er Reportagen, Theaterstücke und eine Vielzahl an Essays und journalistischen Texten.

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Anika Decker: Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben

Altersunterschied in der Liebe, metoo am Arbeitsplatz, Mobbing in der Frauengruppe

All diese Themen möchte dieser Roman abdecken, den Anika Decker in gewohnt witzig-unterhaltsamer Weise verfasst hat. Dennoch hat mich das neue Buch von ihr nicht so abgeholt wie der wirklich sehr berührende und doch humorvolle Roman „Wir von der anderen Seite“, den sie 2019 veröffentlichte.

Diesmal geht es um Nina, die kurz vor ihrem 50. Geburtstag steht. Sie ist geschieden, ihr Mann hat eine neue Frau und mit dieser gerade Zwillinge bekommen, während ihre eigenen Kinder längst erwachsen sind. Es geht auch um Lena, Ninas jüngere Schwester, die stets dazugehören will und sich doch ausgeschlossen, die sich immer minderwertig fühlt. Lenas Ehemann Flori wiederum arbeitet für dieselbe Firma, zu der auch Ninas Arbeitgeber gehört, eine Produktionsfirma.

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Tine Nell: Genau hier bei dir: Northern Kiss 02

Wo war der Tiefgang dieser Liebesgeschichte? Sie war zwar schön, aber mit mehr Tiefe hätte ich sie noch lieber gelesen.

Liz lebt in Stockholm und liebt ihre Arbeit als Touristenführerin, zweimal im Jahr besucht sie ihre Tante Edda in einer Kleinstadt. Letztes Mal hat sie dort Cai geküsst und das, obwohl sie den eigentlich nicht mal wirklich leiden kann und dieses-mal muss sie ihren Aufenthalt unfreiwillig verlängern. So braucht sie einen Übergangs-Job und findet den ausgerechnet bei Cai im Elchpark, kann das gut gehen? Vor allem, da er sie so abweisend behandelt. Hat er nicht verkraftet, dass sie damals ging?

Dieses Buch ist der zweite Band der Northern Kiss Reihe (Band eins, „Genau jetzt bei dir“), man kann es aber auch unabhängig voneinander lesen. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Liv erzählt und somit kann man Cai nicht immer verstehen, seine Handlungen nicht immer nachvollziehen. Fand ich schade, denn besonders bei Büchern dieses Genre lese ich einfach gerne aus beiden Perspektiven, um eben beide Charaktere verstehen zu können und zu beiden einen Bezug aufzubauen. Dadurch erhalten sie eben auch viel mehr Tiefe und dies fehlte mir hier doch ziemlich.

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Katherine Blake: Not your Darling

Margaret ist zwanzig, als sie ihren Heimatort Morcambe in England verlässt, um in Amerika ihr Glück zu suchen. Geld hat sie nicht, aber Träume. Und eine Menge Chuzpe und Frechheit, gepaart mit gutem Aussehen und Witz. Das macht es ihr einigermaßen leicht, ihre Pläne zielstrebig zu verfolgen. Die Einreise in die USA erschleicht sie sich mit einem gestohlenen fremden Ausweis, die Aufenthaltsgenehmigung mit einer Ehe, die sich schon wenige Stunden nach der Trauung als der absolute Reinfall erweist. Ihr Ehemann, ein äußerst attraktiver Nachwuchsschauspieler, ist ein Mensch, der nur an sich selber denkt und keinerlei echtes Interesse an Zweisamkeit hat. Mit ihm macht sie üble Erfahrungen in der Gesellschaft. Hollywood 1950 ist keineswegs das Paradies, in dem einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Das muss Loretta, wie sich Margaret inzwischen nennt, bitter erfahren.

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Samantha Harvey: Umlaufbahnen

Philosophische Betrachtungen unseres Planeten, von ganz weit weg

Dass dieses Buch den Booker-Preis erhielt und sicher weitere Preise erhalten wird, verwundert nicht, denn es ist durchaus etwas Besonderes. Ein Raumschiff mit sechs Astronaut:innen umkreist die Erde und wir Leserinnen dürfen ihren dabei entstehenden Gedanken folgen.

Einmal um die Erde in 90 Minuten und das sechzehnmal binnen 24 Stunden – das ist die gesamte Handlung dieses Romans. Der eigentlich eher eine Art Essay ist, ein philosophischer Essay über die Erde und ihre Bewohner und was wir Menschen mit diesem uns geschenkten Planeten anstellen.

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Wolf Haas: Wackelkontakt

Der österreichische Schriftsteller Wolf Haas (Jahrgang 1960) hat 2023 ein wunderbares Buch mit dem Titel „Eigentum“ über seine Mutter geschrieben. Nun also sein nächster Streich: „Wackelkontakt“ ist am 9. Januar 2025 im Carl Hanser Verlag erschienen.

Escher, Puzzles und die Mafia

Auf 240 Seiten in 2 Kapiteln („Off“ und „On“) erzählt Wolf Haas eine furiose Geschichte, die an die Zeichnungen und Grafiken des Niederländers M. C. Escher erinnert. So heißt denn auch Haas’ Hauptfigur Franz Escher, der an seinem 19. Geburtstag ein 1000-teiliges Puzzle der „Drawing Hands“ seines Namensvetters geschenkt bekam. Puzzles und Bücher über die Mafia sind seitdem Eschers Leidenschaften.

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Ismail Kadare: Der Anruf

Ismail Kadares Roman „Der Anruf“ behandelt ein Ereignis der stalinistischen Ära, das 1934 in Moskau stattfand: ein kurzes, legendäres Telefongespräch zwischen dem Dichter Boris Pasternak („Doktor Schiwago“) und dem Diktator Josef Stalin. In diesem Gespräch soll Stalin gefragt haben, was Pasternak von seinem Kollegen Ossip Mandelstam halte. Pasternak soll geantwortet haben, dass beide Schriftsteller unterschiedliche politische Ansichten haben. Mandelstam starb einige Zeit später entkräftet und halb verhungert in einem Arbeitslager nahe Wladiwostok. Pasternak quälte sich später mit der Frage, ob er seinen Kollegen hätte retten können. Ismail Kadare (1936-2024) nutzt diese historische Begebenheit, um Überlegungen zum Verhältnis von Macht und Kunst anzustellen.

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Leonie Lastella: Lake Of Lies 02: Found

Rivers innigster Wunsch war es immer, seine Kindheit und die damit verbundenen schmerzhaften Erinnerungen hinter sich zu lassen. Fast scheint es, als würde ihm das gelingen – am Lake Tahoe fühlt er sich endlich frei und glücklich. Bis er plötzlich vor den Trümmern seines Traums steht. Denn der kriminelle Clan, aus dessen System er sich mühsam herausgekämpft hat, bedroht nun alle, die er liebt. Auch June. Das Mädchen, das er einst in der Hölle seiner Kindheit zurücklassen musste und das keine Ahnung hat, wer er wirklich ist. Oder wie gefährlich es ist, ihm nahezukommen.

Das Buch startet sogleich dramatisch, hatte dieselbe Problematik erzählt wie Band eins. Der Kampf gegen das kriminelle Netzwerk seiner ehemaligen Pflegefamilie beschäftigt River und lässt ihm kaum Ruhe – genau das erschafft der Geschichte immer wieder Action und vor allem viel Spannung, wenn sie auch manchmal zu viel aufgeputscht wurde. Es gab auch den ein oder anderen emotionalen Punkt und die Autorin hat einen gefühlvollen Schreibstil wodurch man gut durch das Buch kam.

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Marina Neumeier: Framed Feelings

Lilli Herzog atmet Kunst, bis sie einen fatalen Fehler macht und damit nicht nur ihrem Ruf schadet, sondern auch dem Auktionshaus ihrer Familie. Als ihr daraufhin der junge Galerist und auserkorener Erzfeind Vincent Saint Clair eine Chance auf Wiedergutmachung bietet, ist Lilli alles andere als begeistert, doch es klingt zu verlockend und so geht sie auf das Angebot des Teufels ein. Gemeinsam begeben sie sich nun auf die Suche nach einer verschollenen Bildhauerin und kommen nicht nur ihrem Ziel immer näher …

Leider muss ich sagen, dass mir der Schreibstil von Marina Neumeier nicht wirklich gefallen hatte, ich wurde nie warm mit ihm und das, obwohl er eigentlich nicht schlecht ist. Sprachlich fühlt sich das Buch so an, als sei jemand gerade von einem längeren England-Urlaub zurückgekommen und hat das richtige Deutsch sprechen verlernt, was zu einem merkwürdigen Sprachgebrauch der Charaktere führte und mich zunehmend nervte. Ansonsten kommt man aber gut durchs Buch und wird durch die abwechselnden Perspektiven gut mit genommen.

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