Anne Stern: Wenn die Tage länger werden 

Ein wunderbar einfühlsamer, emotionaler, manchmal traurig machender und doch positiver Roman.
Lisa, die Protagonistin sieht man direkt vor sich. Immer abgehetzt, eigentlich nie mal richtig ausgeschlafen, voller Selbstzweifel, weil sie glaubt, es keinem, auch sich selbst nicht, recht zu machen. Ihr Selbstbewusstsein ist irgendwann zwischen „ich werde sicher keine berühmte Violinistin“ und Pauls Geburt auf der Strecke geblieben. Statt Violinistin zu werden, wie ihre Mutter sich das erträumt hatte, schließlich hat Lisa das Talent vom Großvater geerbt, hat Lisa Musik für Lehramt studiert und unterrichtet mehr oder weniger begeistert. Seit Janusz, Pauls Vater vor gut einem Jahr aus beruflichen Gründen von Freiburg nach Oldenburg gezogen ist, lebt Lisa mit dem inzwischen sechsjährigen Paul in einer kleinen, ständig unaufgeräumten Wohnung, alleinerziehend mit Teilzeitstelle, ohne wirkliches Back up, wenn’s mal hakt. Lisas Verhältnis zu ihrer Mutter ist nicht besonders gut, schon gar nicht innig, Barbara ist gehört nicht zu der Sorte Oma, die sich drum reißt, Zeit mit dem Enkel zu verbringen. Auch wirkliche Freundinnen hat Lisa nicht, auf die sie zurückgreifen könnte. Da ist eigentlich nur Nina, aber deren Leben ist völlig anders als Lisas.

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Jennifer Bright: Almost isn´t enough 02: Echoes of the Past

Damian kann seinen Augen nicht trauen, als er plötzlich eines Nachts seiner Jugendliebe Hazel gegenübersteht, den sie ist vor Jahren aus der Kleinstadt verschwunden. Sie hilft nun ihrem erkrankten Großvater in dessen Buchhandlung und er ist gezwungen sich abzulenken, wenn er sein Herz nicht erneut brechen will. Jedoch knistert es zwischen den Beiden wieder, bis Hazels Probleme sie wieder einholen.

Dieses Buch war ein echter Pageturner, emotional und mit greifbaren Gefühlen wurde hier eine unvergessliche Geschichte erschaffen.

Auch hier hat es die Autorin meisterhaft geschafft, mich von Anfang an zu fesseln, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, genauso wie bei dem ersten Band der Reihe.

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Liz Tomforde: Caught Up

Ich habe schnell in die Geschichte hineingefunden und habe sie geliebt.

Wir treffen auf Kai, Single-Helikopter-Dad, heißer Baseballspieler und er will nur das Beste für seinen Sohn Max, nachdem dessen Mutter den Kleinen einfach so bei ihm zurückgelassen hat. Er braucht allerdings einen Babysitter für seinen Sohn, während er bei den Spielen/beim Training ist, doch keine kann es ihm recht machen. Sein Trainer zwingt ihn daraufhin seine Tochter als Nanny zu nehmen und auch wenn er keine Lust drauf zu haben scheint, bleibt ihm natürlich keine andere Wahl als Miller einzustellen und ihr seinen Sohn anzuvertrauen …

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Lisa Eckhart: Boum

Ein bitterböse Satire – echt Lisa Eckhart eben! Viel Sex, wahnwitzige Einfälle und jede Menge Schläge unter die Gürtellinie. Vom Bodyshaming zur Islamophobie, von Obdachlosen, Freaks, Femen-Aktivistinnenbis z u Männern mittleren Alters mit Hang zu schnellen, großen Autos – sie alle bekommen im zweiten Roman der Kabarettistin gehörig ihr Fett weg. Wer Wordplays mag und tiefschwarzen Humor nicht scheut, wird sich bestens unterhalten fühlen. Allerdings serviert uns Lisa Eckhardt weniger eine stringente Story mit Spannungsaufbau, als eine Aneinanderreihung absonderlicher Szenen. Ein „Boum“ – aka Knaller – folgt hier auf den nächsten. Wobei Boum auch für die titelgebende Figur steht, einen Terrorexperten, der außer Eskalation und gebrochenen Frauenherzen nicht viel auf die Reihe bekommt. Für ihren Plot entführt uns die in Österreich geborene Autorin nach Paris, wo sie selbst einmal studiert hat.

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Siân James: Ein Nachmittag im Mai

Die Waliserin Siân James (1930-2021) veröffentlichte 1975 ihr preisgekröntes Erstlingswerk, den Roman Ein Nachmittag im Mai. Darin geht es um die sechsunddreißigjährige Anna. Sie ist seit vier Jahren Witwe, Mutter von drei Töchtern und lebt in der walisischen Countryside. Seit dem Tod ihres Mannes Giles steht sie in einer Art Sackgasse. Nur mit viel Mühe kann sie aus den Einkünften eines kleinen Vermögens ihre Familie finanzieren. Und seit die Jüngste das Schulalter erreicht hat, glaubt sie an einen Ausweg: Sie will im kommenden Herbstsemester ihr Studium wieder aufnehmen. Es wird Zeit nach vorn zu schauen, denkt Anna. Als Lehrerin kann sie ihr eigenes Geld verdienen und damit leichter Rechnungen bezahlen.

An einem Tag im Mai geraten Annas Pläne und Gedanken durcheinander, als sie dem gutaussehenden Schauspieler Charlie wieder begegnet. Der jüngere Mann küsst sie spontan und ausgiebig bei der Begrüßung, als wären sie bereits ein Liebespaar. Auch sonst sind seine Umgangsformen einnehmend.

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Katherine Mansfield: In der Bucht

Die neuseeländisch-britische Schriftstellerin Katherine Mansfield wurde 1888 in Wellington/Neuseeland geboren und starb im Alter von nur 34 Jahren an Tuberkulose in Fontainebleau/Frankreich. Während ihrer schriftstellerischen Schaffensphase hat sie keinen Roman veröffentlicht, sondern ihren Bekanntheitsgrad durch 73 kurze Erzählungen erlangt. „In der Bucht“ ist eine ihrer bekanntesten und längsten Geschichten, die in Neuseeland angesiedelt sind. Der kleine, schmale Erzählband gehört zum Quartett aus Klassikerbänden mit ausschließlich weiblichen Autoren aus dem Verlag Mare.

Katherine Mansfields Vorbild war Anton Čechow, der ihr eigenes Schreiben geprägt hat.

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Annegret Liepold: Unter Grund

Franka ist das Schweigen in Fleisch und Blut übergegangen. Das merkt man schon am Anfang des Buches, als Franka als Referendarin mit Schülern die Prozesse gegen Beate Zschäpe in München besucht. Da ist sie weit über zwanzig. Sie fühlt sich von Anfang an unwohl, den Grund dafür erfährt der Leser erst nach und nach. Als einer der Schüler „Nazischlampe“ ruft, brechen alte Erinnerungen hervor. Erinnerungen an das Jahr 2006, als Deutschland im Fußballfieber war, auch in dem Dorf, in dem Franka aufgewachsen ist. Um wieder zu sich zu finden, reist sie dorthin zurück und bricht alte Wunden auf.

Franka war so furchtbar wütend damals. Ihr Leben war nach dem frühen Tod des Vaters ohnehin nicht einfach, gefangen zwischen all den Frauen: ihrer Großmutter – der alles mit ihrer Meinung überragenden „Fuchsin“ – , deren Schwester, ihrer Mutter, ihrer Tante. Nichts schien wirklich Sinn zu machen und lernt sie Patrick und Janna kennen, die sie ernst nehmen, die sie nach ihrer Meinung fragen. Und die etwas tun wollen gegen eine Umwelt, die sie kaputt macht. Das gefällt Franka und so gerät sie immer tiefer in die rechtsradikale Gruppe hinein. Bis sie bei einer Aktion erwischt werden, bis ihre Mutter sie auf ein entferntes Internat schickt und sich Schweigen über die ganze Angelegenheit legt. Schweigen, wie es auch die Fuchsin schon erfolgreich praktiziert hat, nach dem Ende des Dritten Reiches.

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Colum McCann: Twist

Colum McCanns neuer Roman „Twist“ beschäftigt sich mit der Reparatur von Unterwasserkabeln, die weltweit Internetdienste bereitstellen. Die Geschichte spielt auf einem Reparaturschiff, der „Georges Lecointe“, das durch die Tiefsee kreuzt, um beschädigte Kabel zu reparieren. Der Journalist Fennell ist an Bord, um eine Reportage über Kommunikation und ihre Störungen zu schreiben, was ihn in einen Konflikt mit dem wortkargen Missionschef John Conway verwickelt.

Die Passagen über Unterwasserkabel und ihre Reparatur sind faszinierend. McCann beschreibt das Leben auf einem Schiff und die Herausforderungen der Tiefseekabelreparatur mit großer Detailtreue.
Allerdings bieten die psychisch labilen Charaktere wenig Identifikationspotenzial. Conways Motivationen für sein widersprüchliches Handeln sind ebenso wenig nachvollziehbar wie die Besessenheit des Ich-Erzählers von ihm. Auch die Beziehung Conways zu seiner Partnerin Zanele, einer aufstrebenden Schauspielerin, bleibt mysteriös und unvollständig entwickelt.

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Alice Kellen: The Map of Longing

Grace existiert aus einem Grund: Sie sollte das Leben ihrer krebskranken Schwester retten. Nach deren Tod weiß sie nicht mehr, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, hat mit Selbstzweifeln zu kämpfen und sieht keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Bis sie eines Tages ein Spiel mit Aufgaben erhält, dass sich ihre Schwester vor dem Tod ausdachte. Den Anweisungen folgend sucht Grace nun nach einem Fremden namens Will, dieser ist geheimnisvoll und dennoch spürt sie eine tiefe Verbundenheit mit ihm. Gemeinsam folgen sie nun der Karte und begeben sich auf eine Reise voller Schmerz, neuen Möglichkeiten und vergessenen Träumen …

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Susanne Gregor: Halbe Leben

Zwei Frauen, die das Leben zusammenführt und die trotzdem nicht zusammenkommen

Klaras Mutter Irene hatte einen Schlaganfall und braucht Betreuung. Paulína kommt ins Haus, wird Teil der Familie, wird immer mehr vereinnahmt. Dafür lässt sie ihre eigene Familie, ihre Söhne, in der Slowakei zurück.

Immer für zwei Wochen kommt Paulína zu Klara und Jakob und ihrer Tochter Ada, um sich um Irene zu kümmern. Wenn sie dann für zwei Wochen zurückfährt in ihre Heimat, zu ihren Kindern, kommt Radek. Doch mit ihm werden Klara und Jakob nicht warm. Paulína hingegen übernimmt immer mehr Aufgaben, putzt, räumt auf, muss sich irgendwann um den neuen Hund kümmern.

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