Tim Glencross: Barbaren

barDer britische Autor Tim Glencross nimmt in seinem überzeugenden Debütroman „Barbaren“ die englische Oberschicht am Ende der Blair-Ära aufs Korn. Die Vertreter aus Politik, Kunstwelt und Wirtschaft kommen darin allesamt schlecht weg. Sie lügen und lavieren sich durchs Leben, sie gehen über Leichen, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen.

Die einzig sympathische Figur in dem 400-Seiten-Schmöker ist die haltlose Dichterin Buzzy, die verzweifelt versucht, Anschluss an die Welt der Großen zu erhalten, von diesen aber in der Regel nur als Randfigur wahrgenommen wird. Weiterlesen

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Ivana Jeissing: Wintersonnen

winterEs ist ein langer Selbstfindungsprozess, bei dem wir Gustava, die junge Protagonistin in diesem Roman, begleiten. Auslöser ist die seit ihrer Kindheit andauernde Suche nach ihrem unbekannten Vater. Die Sehnsucht, der Vergangenheit ein Gesicht zu geben, bleibt allgegenwärtig.

Gustava lebt mit ihrer Mutter – genannt Mimi, in Wien. Sie hat ihren Vater nie kennengelernt und alle ihre Fragen nach ihm prallen an Mimi ab. Vielleicht gerade weil Mimi Gustavas Nachforschungen so vehement abwehrt und blockiert, steigert dies die Sehnsucht des Mädchens nach einer vollständigen Familie, denn immer mehr fühlt sie in ihrem Zuhause eine Lücke ohne den Vater. Weiterlesen

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Catherine McKenzie: Letzte Nacht

nachtAls ihr 39-jähriger Ehemann Jeff von einem Auto erfasst wird und stirbt, bricht das Leben von Claire zusammen. Sie muss stark sein für ihren Sohn, weiß allerdings kaum, wie sie auch nur einen einzigen Tag ohne diesen geliebten Menschen schaffen soll. Misstrauisch wird sie vor allem auf Jeffs Beerdigung, zu der die 500 km entfernt wohnende Tish auftaucht. Auch Tish wurde von Jeffs Tod aus der Bahn geworfen und schafft es kaum mehr, ihre Familie am Laufen zu halten. In Claire brennt die Frage, was zwischen ihrem Mann und der Fremden passiert ist. Weiterlesen

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Doris Dörrie: Diebe und Vampire

dorisDie Handlung dieser wunderbar amüsanten Geschichte dreht sich um das Schreiben, um die damit verbundenen Erfolge und Misserfolge.
Doris Dörrie hat das Leben ihrer im Literaturzirkus beheimateten Charaktere mit erfrischend aberwitzigen und gleichzeitig doch so authentischen Allüren versehen.

„Schriftsteller sind Diebe und Vampire. Sie stehlen den Menschen ihre Geschichten und saugen sie aus“, sagt eine amerikanische Schriftstellerin zu der jungen Protagonistin Alice, deren Idol sie ist. Weiterlesen

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Brooke Davis: Noch so eine Tatsache über die Welt

brookeAls die 7-jährige Millie Bird im Kaufhaus neben der Frauenunterbekleidung auf ihre Mama warten soll, ist sie guter Dinge. Doch als das Kaufhaus langsam schließt, ist Mama noch immer nicht da! Millie übernachtet im Kaufhaus und es beginnt der erste Tag des Wartens. Im Kaufhaus lernt sie auch den 87-jährigen Karl kennen, der aus dem Altersheim abgehauen ist und sich ihrer annimmt. Als sie aufzufliegen drohen, muss Millie aus dem Kaufhaus flüchten und läuft geradewegs in die Arme der griesgrämigen 82-jährigen Agatha, die in ihrer Nachbarschaft wohnt und von allen für einen Sonderling gehalten wird. Zu dritt begeben sie sich auf die Suche nach Millies Mama. Weiterlesen

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Chantal Louis: Ommas Glück: Das Leben meiner Großmutter in ihrer Demenz-WG

ommaDemenz ist ein so aktuelles Thema, dass es auch in Romanen verhandelt wird. Nach Hera Lind nimmt sich nun auch die Journalistin Chantal Louis des Themas an und beschreibt in „Ommas Glück“ das Leben ihrer Großmutter in einer Demenz-WG. Und weil die in Wanne-Eickel ist, hat der Roman viel Ruhrpott-Charme. – Auch sprachlich.
Von Omas Odyssee von ungemütlichen, unpersönlichen Pflegeheimen in die Wohngemeinschaft mit anderen Demenzkranken erzählt Louis und lässt ihre Großmutter mit Erinnerungen an früher zu Wort kommen. Angehörige von Demenzkranken werden viele Probleme wiedererkennen, und es gibt einen Service-Teil mit vielen Tipps.

Chantal Louis: Ommas Glück: Das Leben meiner Großmutter in ihrer Demenz-WG.
Kiepenheuer & Witsch, März 2015.
208 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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Antoine Laurain: Liebe mit zwei Unbekannten

liebeAls Laurent auf der Straße eine noch intakte Frauenhandtasche findet, ahnt er bereits, dass diese eine Geschichte hat und vermutlich durch einen Diebstahl dorthin gekommen ist. Er beschließt, die Tasche mit nach Hause zu nehmen und im Fundbüro abzugeben. Doch er ist zu neugierig und kann die Finger nicht von dem Fundstück lassen und so befördert die Tasche allerhand ans Licht. Schnell weiß Laurent, dass ihre Besitzerin Laure heißt und stets Notizen in einem roten Heft führte. Völlig verzaubert von der ihm fremden Frau, beschließt er, auf eigene Faust nach der Besitzerin zu suchen. Weiterlesen

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Andreas Maier: Der Ort

ort„Der Ort“ ist Teil vier einer Romanfolge, in denen der Autor sich wesentlicher autobiografischer Züge bedient.
Andreas Maier nimmt die LeserInnen mit zurück in die achtziger Jahre, in den Lebensabschnitt seiner Adoleszenz. Alles spielt sich in und um das ihm vertraute hessische Städtchen Friedberg ab, das stellvertretend für ein typisches deutsches Kleinstadtmilieu steht. Sofort taucht man ein in die authentisch ausgeprägte Erzählhaltung, die so viel Nähe und Vertrautheit ausstrahlt, dass längst Vergessenes aus der eigenen Vergangenheit plötzlich wieder in der Erinnerung präsent ist. Weiterlesen

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Claire Hajaj: Ismaels Orangen

calurJaffa, April 1948: Es herrschen geschichtsträchtige Zeiten und ein neuer Staat Israel wird gegründet. Doch dem 7-jährigen Ismael ist das egal! Er möchte eigentlich nur, endlich die kostbaren Orangen des Baumes ernten, der zu seiner Geburt im Garten seines Vaters gepflanzt wurde. Doch als die Familie all ihr Hab und Gut hergeben muss, um zu fliehen, kommt es dazu nicht mehr. Judith hingegen wächst als Nachkomme der Holocaust-Opfer in England auf. Die beiden ungleichen Menschen treffen jung aufeinander und verlieben sich, heiraten sogar gegen den Willen ihrer Eltern und bekommen Kinder. Doch ob diese Liebe halten kann, ist ungewiss. Weiterlesen

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Augusto Cruz: Um Mitternacht

augoEiner der berühmtesten Stummfilme, die heute als verschollen gelten, heißt „Um Mitternacht“ aus dem Jahr 1927. Regisseur war Tod Browning.

Der 1971 geborene mexikanische Autor Augusto Cruz nimmt diesen filmgeschichtlichen Fakt als Ausgangspunkt für einen Roman, in dem er einen Privatdetektiv auf die Suche nach dem verschollenen Streifen schickt.
Immer wieder vermischt der Autor dabei Fakten und Fiktionen, lässt real existierende Personen etwas erleben, das sie im wahren Leben nicht erlebt haben. Darf man das eigentlich? Es ist zumindest bedenklich. Weiterlesen

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