Manchmal braucht man im Leben eine Unbeschwertheit, eine Unbekümmertheit, um sich an Neues zu wagen. Für den jungen James Salter (geb. am 10.06.1925 in New York City, gestorben am 19.06.2015 in New York) war die Kindheit vorbei, als ihn sein Vater in eine Militärschule schickte, wo er selbst früher als Jahrgangsbester in die Analen der Schule eingegangen war. Für James, dem der blinde militärische Gehorsam nicht lag, schien der Platz des Jahrgangsbesten von Tag zu Tag weiter wegzurücken. Viel zu viele Disziplinarstrafen nahmen ihm Zeit und Kraft. Der andere ruhmreiche Platz war der des schlechtesten Schülers. Auch ihm galt eine besondere Anerkennung. Weiterlesen
Belletristik
Mhairi McFarlane: Vielleicht mag ich dich morgen
Gut sechzehn Jahre ist es her, dass Anna ihren größten Albtraum hinter sich gelassen hat. Damals ging sie endlich von der Schule ab und auf die Universität. Jahre des Mobbings lagen hinter der jungen Schülerin, bei der nicht jedes Gramm an der richtigen Stelle saß. Am schlimmsten wurde es beim Abschlussball, als ihr sogar ihr Schwarm James in den Rücken fiel und sie vor allen Mitschülern blamierte. Mittlerweile ist sie eine angesehene Historikerin und hat auch sehr viele Kilos auf ihrem Weg verloren. Doch zu dem Klassentreffen möchte sie trotzdem nicht gehen! Wer hätte schon ahnen können, dass der perfekte James mit einem mittelmäßigen Job und einer kaputten Ehe gesegnet ist? James und Anna treffen immer wieder aufeinander – und das Schlimmste: Er erkennt sie nicht einmal! Weiterlesen
Nina Blazon: Liebten wir
Fotografin Mo sieht ihr Leben in Bildern – bis sie von der Großmutter ihres Freundes unfreiwillig zu einer Reise nach Finnland gezwungen wird. Nina Blazon erzählt im Roman „Liebten wir“ von einer Reise in die Vergangenheit, denn Oma hat aus Kindertagen in Helsinki noch eine Rechnung offen.
Für alle Figuren endet die Reise dramatisch. Am Schluss sind zwei Mörder entlarvt, es gibt noch mehr Tote, aber auch neues Glück. Manchmal ist der Roman ausschweifend erzählt, aber im letzten Drittel nimmt die Geschichte richtig gut Fahrt auf.
Und dann ist es vergnüglich zu lesen, wie Oma sich auf Spurensuche nach ihrer alten Freundin Matilda und ihrem Exfreund begibt. Und das Leben von Mo verändert die Reise komplett.
Nina Blazon: Liebten wir.
Ullstein, Juni 2015.
336 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Frl. Krise & Frau Freitag: Gangster in der Aula: Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln
Wie konnte das passieren? Während der Weihnachtsfeier der Lehrer versuchen drei Bankräuber, einen nahegelegenen EC-Automaten zu sprengen, scheitern und flüchten in die Turnhalle, wo gerade das allseits beliebte Schrottwichteln stattfindet. Sie nehmen die Lehrer und zwei Schüler als Geiseln und im Laufe der Nacht kommt so manche Wahrheit ans Tageslicht. Das Verhältnis zwischen Frl. Krise und Frau Freitag war auch vorher schon leicht eingetrübt (oh man, ein gerade Ex-Raucher und ein Raucher sind wirklich eine explosive Kombi), aber jetzt droht ihre beruflich-freundschaftliche Beziehung endgültig zu zerbrechen. Weiterlesen
Dariusz Muszer: Schädelfeld
„… Ja, mit der Zeit würde er schon einen Weg finden, um wieder zum Töten zu kommen. Denn Töten bedeutete doch Leben. Jedenfalls für ihn. Und für alle seine Männer. … Draußen regnete es. Die Erde war feucht und dunkelgrau, genauso wie die verkrüppelten Bäume, die in lichten, schiefen Reihen standen, mutlos und zum Boden geneigt, als hätten sie keine Lust gerade zu wachsen.“ (S. 227)
Morden heißt Überleben. Doch zu welchem Preis?!
Dariusz Muszer, geboren 1959 in Westpolen, hat viele Themen in seinen futuristischen Roman „Schädelfeld“ gepackt. Zum einen existieren viele Parallelwelten zueinander und miteinander, bis durch die Zerstörung einer/der Erde ein Ungleichgewicht im Universum entstanden ist. Weiterlesen
Kjersti A. Skomsvold: 33
Die junge norwegische Autorin Kjersti A. Skomsvold hat bereits mit ihrem Debütroman „Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“ bewiesen, dass sie einen urkomischen und gleichzeitig eindringlich sublimen Schreibstil beherrscht.
Ihr neuer, in Ich-Form geschriebener Roman handelt von einer jungen Mathematiklehrerin die sich ein Kind wünscht. Sie will der Mathematik den Rücken kehren und träumt davon, einen Roman zu schreiben.
In Gedankensprüngen vernetzt sie ihr Leben mit dem toten geliebten Ferdinand, der stets in ihrem Kopf präsent ist und mit Samuel, den sie ebenfalls liebt.
Man muss sich von den ungewöhnlichen Gedankengängen der Protagonistin, die die Dinge wie Röntgenstrahlen durchleuchten, mittreiben lassen.
Kjersti A. Skomsvold: 33.
Hoffmann & Campe, Oktober 2015.
144 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
Hera Lind: Die Frau, die zu sehr liebte
Einmal im Jahr schreibt Hera Lind einen Roman mit einer „wahren Geschichte, die das Leben schrieb“. Und diese Bücher sind inzwischen erfolgreicher als die anderen Romane der Bestseller-Autorin. Weil das, was die Heldinnen in den realen Geschichten erleben, so unglaublich ist.
Nach Afrika und in den Orient hat Hera Lind ihre Leser schon mitgenommen. In „Die Frau, die zu sehr liebte“ erzählt sie im Vergleich dazu eine recht gewöhnliche Liebesgeschichte. Arztfrau Linda verliebt sich an der Gartenhecke einer Freundin in deren gut aussehenden Nachbarn. Der schöne Frank trennt sich zwar von seiner Frau, entpuppt sich aber als Hallodri. Weiterlesen
Ali Eskandarian: Die goldenen Jahre
Ali Eskandarian, ein aus dem Iran stammenden Musiker, kam 2013 im Alter von nur 35 Jahren bei einem Amoklauf eines Musikerkollegen im New Yorker Stadtteil Brooklyn ums Leben.
Kurz vorher hatte er den autobiographischen Roman „Die goldenen Jahre“ verfasst, der jetzt auch auf Deutsch vorliegt. Es geht darin um das wilde Leben des Autors als Musiker wenige Jahre vor seinem Tod. Weiterlesen
Vera Buck: Runa
Die neunjährige Runa wird 1884 in das Hopital de la Salpêtrière – die berühmte Nervenheilanstalt unter der Leitung von Jean-Martin Charcot – eingeliefert. Dort soll sie als Paradebeispiel für das weit verbreitete Frauenleiden namens Hysterie herhalten. Aber das kleine Mädchen trotzt allen Bemühungsversuchen Charcots. Da wittert der Medizinstudent Jori Hell seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, indem er das bis dahin Undenkbare vorschlägt: Als erster Mediziner der Welt will er dem Mädchen den Wahnsinn aus dem Gehirn schneiden. Doch schon bald bereut er seinen kühnen Vorschlag – und das nicht nur, weil sich die Wetteinsätze gegen ein Gelingen seines Experiments häufen… Weiterlesen
Friedrich Ani: Der namenlose Tag
Was vordergründig als Krimi daherkommt, entpuppt sich als eine niederschmetternde, sozialpsychologische Studie. Manchmal geht es mir auch so, wenn ich durch die Straßenschluchten und Wohnblocks der Häuser radele, und mich frage, was sich hinter diesen Fenstern und Türen für Dramen abspielen. Wie viele Familien nur noch auf dem Papier existieren, Pubertiere auf die -wie an den Händen festgewachsen – Smartphones starren und dir die Einsamkeit von überall entgegen schreit! Mit einem solchen Fall dieser dunklen Seiten aus menschlichen Wrackteilen, bekommt es unser pensionierter Kommissar Jakob Franck zu tun. Weiterlesen