Stewart O’Nan: Abendlied

Der amerikanische Schriftsteller Stewart O’Nan hat bislang zahlreiche, von der Kritik gefeierte Romane verfasst. In unserem Leselustportal ist eine weitere Rezension zu seinem 2022 erschienenen Roman „Ocean State“ zu finden.

Sein neuer Roman „Abendlied“ ist im Gegensatz zu „Ocean State“ eine ruhige Geschichte, was wohl an den betagten Hauptfiguren liegt.

„Abendlied“ ist in O’Nans Geburtsort Pittsburgh, Pennsylvania, angesiedelt. Hier haben sich mehrere betagte Damen zu einer Selbsthilfeorganisation zusammengefunden und den „Humpty-Dumpty-Club“ gegründet. Ihr Hauptanliegen ist es, sich gegenseitig und weitere alte Menschen zu unterstützen, damit alle noch möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können. Im Laufe der Jahre sind einige vertraute Personen gegangen, andere kamen dazu.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kylie Scott: Text Appeal

Romance-Autorin Riley hat sich ihren Traum erfüllt und ist in eine kleine Küstenstadt gezogen. Sie ist gerade in Port Stewart angekommen, als sie Textnachrichten für einen »Connor« erhält, die sie extrem neugierig machen. Wie sich herausstellt, ist Connor der Golden Boy der Stadt, der es irgendwie nicht schafft, seine Ex davon zu überzeugen, dass es wirklich vorbei ist. Ein bisschen Fake-Dating mit der Neuen, die zufällig seine alte Nummer hat, scheint die perfekte Lösung zu sein. Riley hat nichts dagegen, Zeit mit dem umwerfenden einstigen Prom-King zu verbringen – natürlich nur zu Recherchezwecken für ihren Roman und nicht, weil Connor ihr Herz von Anfang an höher schlagen lässt …

Das Buch ist perfekt für zwischendurch. Eine humorvolle, kurzweilige Geschichte mit Fake-Date-Trope erwartet die Leser hier. Im Grunde genau das, was ich liebe, aber hier hat mir das gewisse Etwas dann doch gefehlt.

Der Schreibstil ist einfach, gut verständlich und meiner Meinung nach manches Mal ein wenig zu locker.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Julian Barnes: Abschied(e)

Julian Barnes ist am Ende seiner schriftstellerischen Karriere angelangt und benennt dies auch ausdrücklich. Im Januar 2026 wird er achtzig Jahre alt. Nun ist es an der Zeit, das eigene Leben zu hinterfragen und zu ordnen, befindet er, und wendet sich damit an seine Leser.

Barnes erzählt von den Anfängen seiner Schriftstellerei und macht einen Sprung bis an das Ende. Dazwischen steht die Erzählung von der Beziehung seiner Kommilitonen Stephen und Jean aus der gemeinsamen Zeit in Oxford.

Wie Barnes selbst schreibt, verwendet er für diesen Roman Aufzeichnungen aus Notiz- und Tagebüchern. Manches erzählt er, wie es sich zugetragen hat, in anderen Teilen verwebt er Erinnerungen mit Fiktionen. Natürlich ist dadurch ein sehr persönlicher Text entstanden.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Der zentrale Satz des Buches steht direkt am Anfang:

»Ich spiele mit dem Gedanken, ihn zu enterben. Ich könnte dafür sorgen, dass er leer ausgeht.«

Bo, 89, wohnt allein in seinem Haus in Hissmofors, einem Weiler im ländlichen Schweden, seit Fredrika, seine Frau, in ein Heim für Demenzkranke eingewiesen wurde. Seine Kontakte beschränken sich auf die Pflegekräfte, seinen Sohn Hans, der ihn regelmäßig besucht, auf Telefonate mit seinem einzigen Freund Tule – und auf seinen Hund Sixten.

Und den will ihm sein Sohn wegnehmen! Hans ist der Meinung, Bo könne sich nicht mehr um seinen Hund kümmern; vor allem fürchtet er Bo könne bei den Spaziergängen in den umliegenden Wäldern stolpern und sich schwer verletzen. Der aber kann sich ein Leben ohne seinen Hund, der stets bei ihm ist, seine Einsamkeit lindert und neben ihm auf der Küchenbank schlafend Nähe und Wärme gibt, nicht vorstellen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jasmin Schreiber: Da, wo ich dich sehen kann

Schweres Thema dramatisch geschildert – kein einfacher Roman

Die Rezension dieses Buchs fällt mir nicht leicht. Denn einerseits greift der Roman ein ganz wichtiges und schweres Thema auf, über das es nicht genug Romane oder Sachbücher geben kann. Andererseits empfand ich die Art der Darstellung, die Schilderung des Schicksals der Protagonisten als nicht völlig überzeugend. So muss meine Rezension trennen zwischen diesen beiden Aspekten.

Der Roman widmet sich dem traurigen und leider längst nicht genug thematisierten Problem des Femizids, der Tötung von Frauen, meist durch den Partner oder Ex-Partner. Emma, junge Mutter, wird von ihrem Mann vor den Augen der kleinen Tochter Maja getötet. In Rückblicken schildert die Autorin, aus vielen wechselnden Perspektiven, die Folgen, die diese Tat auf die Angehörigen hat. Natürlich insbesondere auf die neunjährige Maja, aber auch auf Emmas Eltern Per und Brigitte, auf Emmas beste Freundin Liv, die auch Majas Patentante ist.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Pascal Mercier: Der Fluss der Zeit

Pascal Mercier ist im Jahr 2023 im Alter von 79 Jahren gestorben. Mit seinem Roman „Nachtzug nach Lissabon“ (2004), der 2013 auch verfilmt wurde, erreichte er Weltruhm. In unserem Leselustportal ist noch die Besprechung „Das Gewicht der Worte“ von ihm zu finden.

Wir lesen in diesem schmalen Büchlein fünf kürzere Erzählungen von Pascal Mercier. Die Gedanken und das Agieren seiner Figuren, die plötzlichen Schlüsselerfahrungen ausgesetzt sind, zeichnet der Autor so lebensnah nach, dass beim Lesen unweigerlich Selbstreflexionen erzeugt werden.

In der ersten Geschichte „Die Übergabe“ lernen wir ein Ehepaar kennen, das ein Haus erstanden hat. Die Hausübergabe von dem betagten Verkäufer zieht sich in die Länge und wird zu einer schier unerträglichen Prozedur. 

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jennette McCurdy: Half His Age

Rauschhaft, ehrlich, unvergesslich

„Und es ist die reine Folter. Es ist berauschend. Unvermeidlich. Diese Art von Anziehung ist es. Die Art, bei der man sich völlig sicher ist, dass es dazu kommen wird, nur weiß man noch nicht, wie.“ (S. 17)

Cover und Titel? Ich musste das Buch lesen!

Ich bin nicht eine von denen, die erstmal das ganze Buch nacherzählen muss, um dann zu sagen, dass es elektrisierend war. Ich sag’s gleich: „Half His Age“ hat mich erwischt! Ich habe es in drei Tagen durchgesuchtet, fast gierig, und erst danach gemerkt, wie sehr es mich unterwandert hat.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ruth Kornberger: Die Spur des Bambusbären

Das Porträt einer wagemutigen Frau, die unser modernes Verständnis von Tierliebe mitgeprägt hat: Ruth Harkness lebt als Modedesignerin in New York und ist als High-Society-Ikone für ihre legendären Partys bekannt. Ihr Ehemann Bill startet weltweit Expeditionen, um seltene Tiere aufzuspüren. Sein Traum: einen Panda zu finden. Die scheuen Waldbewohner hatten in den 1930er Jahren noch den Status eines Einhorns – viele Legenden rankten sich um sie. In der westlichen Welt hat sie noch kein Mensch zu Gesicht bekommen. Nach Bills plötzlichem Tod möchte Ruth sein Vermächtnis fortsetzen und startet eine eigene Expedition. Ihr Ansatz lautet anders: Sie möchte die Tiere nicht schießen und ausstopfen. Sie möchte lebende Pandas fangen, damit man sie in Zoos studieren kann. Auf diese Weise möchte sie Menschen dazu bringen, Tiere als etwas Lebens- und Liebenswertes anzusehen und zu ihrem Schutz beizutragen. Mit hehren Absichten gestartet, tritt Ruth unwissentlich eine Welle in Gang, die jedoch genau Gegenteiliges zu bewirken scheint … Eine tragisch-schöne Geschichte, basierend auf wahren Begebenheiten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anne Labus: Das alte Kapitänshaus: Inselstürme

Ein schöner leichter, mit viel Liebe zur Kanalinsel Jersey geschriebener Roman, der sich wunderbar so „wegliest“. Die handelnden Personen sind uns zum Teil ja schon aus dem ersten Teil der Trilogie, „Inselsehnsucht“, bekannt, neue kommen hinzu. Nicht minder sympathisch und authentisch. Seien es die spanischen Künstler, die eine Woche im „Alten Kapitänshaus“ für Leben und ein bisschen Aufruhr sorgen oder die älteren französischen Herrschaften, die mit ihren Enkeltöchtern Urlaub auf der Insel machen und Jasmin vollauf beschäftigen oder sei es auch der attraktive Architekt Christian, der Jasmin und ihren siebenjährigen, sehr aufgeweckten Sohn Tim im Laufe der Geschichte zu mehr als einem guten Freund wird, der ihnen zur Seite steht, als der Sturm den alten Wintergarten zerstört oder Murad, dem Koch, hilft, sein eigenes Restaurant zu eröffnen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Catherine Cowles: Fragile: Niemand kennt dich so wie ich

Rhodes kehrt nach Sparrow Falls zurück, um das Haus ihrer Kindheit zu renovieren – jenen Ort, an dem ein verheerendes Feuer einst ihre Familie auslöschte. Doch schon bald merkt sie, dass die Vergangenheit noch lange nicht begraben ist. Seltsame Unfälle, beunruhigende Botschaften und das nagende Gefühl, beobachtet zu werden, lassen sie zweifeln: War das Feuer wirklich nur ein tragischer Unfall?

Auf der Baustelle trifft sie auf Anson Hunt, den besten Freund ihres Stiefbruders. Er ist verschlossen, wachsam – und ganz offensichtlich nicht erfreut darüber, dass sie ihm ständig über den Weg läuft. Dennoch entwickelt sich zwischen ihnen eine unleugbare Spannung, auch wenn Anson beharrlich Distanz wahrt. Als die Bedrohungen eskalieren und Rhodes’ Leben in Gefahr gerät, steht ausgerechnet er an ihrer Seite. Widerstrebend beginnt sie, ihm zu vertrauen, denn Anson scheint mehr zu wissen, als er preisgibt.

Während Rhodes den Schatten ihrer Vergangenheit nachgeht, zieht sich die Schlinge um sie immer enger zu. Jemand in Sparrow Falls will um jeden Preis verhindern, dass sie die Wahrheit aufdeckt – und dieser Jemand hat sie schon immer im Blick gehabt. Still, geduldig, verborgen in der Dunkelheit. Nun ist er bereit, ein tödliches Spiel zu beenden, das längst begonnen hat.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: