Edoardo Albinati: Ein Ehebruch

Erri und Clementina verbringen ein gemeinsames Wochenende auf einer Insel irgendwo im Mittelmeer. Sie sind verheiratet, aber nicht miteinander. Ihren Ehepartnern haben sie irgendwelche Lügengeschichten aufgetischt.

Der 1956 geborene italienische Schriftsteller Edoardo Albinati hat dem Ehebruch einen schmalen Roman gewidmet, den Verena von Koskull übersetzt hat.

Die Lust der beiden Protagonisten aufeinander ist so groß, dass sie schon übereinander herfallen, als ihr Hotelzimmer noch nicht fertig ist – im Wasser, während sie sich an einem gemieteten Motorboot festklammern. Und so geht es dann die nächsten 128 Seiten mehr oder weniger weiter. Man hat Sex miteinander. Viel Sex.

Gleichzeitig sorgen sich die beiden Liebenden, die sich erst seit drei Wochen kennen. Wie wird es nach dem Wochenende weitergehen? Sollen sie ihre Ehepartner verlassen? Weiterlesen

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Valérie Perrin: Unter den hundertjährigen Linden

Eine Frau lebt auf einem Friedhof, sie ist dort Friedhofswärterin. Sie ist genügsam, schweigsam, einsam. Violette Toussaints kennt alle Gräber auf „ihrem“ Friedhof, sie besucht täglich „ihre“ Toten, sie versorgt sogar, wenn die Angehörigen verhindert sind, die Blumen auf den Gräbern. Und sie hört zu, sie hört den vielen Besuchern zu, die zu ihr kommen, mit ihr Tee trinken und ihre Geschichten erzählen.

Violette ist mittleren Alters und lebt allein, seit ihr Mann vor vielen Jahren spurlos verschwand. Er ging einfach fort und sie hat seither nie wieder von ihm gehört. Sie weint ihm keine Träne nach, er hat sie schlecht behandelt. Sie hat ihn kennengelernt, als sie noch minderjährig war. Violette wuchs in einem Waisenhaus auf und für sie war Philippe Toussaints nicht nur der Mann ihre Träume, sondern auch die Erlösung aus dem Waisenhaus. Als sie schwanger wurde, zogen sie auf ein winziges Dorf und wurden Schrankenwärter.

Und nun ist Violette Friedhofswärterin. Sie begegnet vielen Menschen, darunter auch dem Kommissar Julien Seul, dessen Mutter neben einem Mann, der auf Violettes Friedhof liegt und von dem Julien nie zuvor gehört hatte, begraben werden möchte. Im Laufe der Zeit, während Julien und Violette die Geschichte seiner Mutter in deren Tagebuch lesen, kommen die beiden sich näher. Weiterlesen

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Annie Ernaux: Eine Frau

Der Roman beginnt mit dem Ende, dem Tod der Mutter. Annie Ernaux beschreibt durchdringend, wie sie dieses Ende erlebt und blickt zurück in ihre Kindheit und das einstige Leben ihrer Mutter. Sie verbindet  die Vergangenheitsbewältigung mit dem Eintauchen in das Leben einer Frau, die um die Jahrhundertwende in der Normandie geboren wurde. Die Wahrheitsfindung ist nicht leicht, denn das Ende dieser Frau und Mutter wurde von einem langsamen Zerfall durch die Alzheimerkrankheit geprägt. Die Mutter war eine Frau gewesen, die immer kämpfte. Für ihren eigenen Status und den der Familie und dafür, dass die Tochter ein besseres, ein gutes Leben haben sollte. Die Erinnerungen an früher lassen Bilder aufleben an eine Mutter in farbenfrohen Kleidern, die sich von der Arbeiterin zur Ladenbesitzerin hinaufarbeitet, sich um Bestellungen und Abrechnungen kümmert, über das Geld herrscht und deren größter Wunsch es immer war, der Tochter all das zu geben, was sie selbst nicht gehabt hatte.

Mit dem Vater hatte sie Spaß, erinnert sich Annie Ernaux. Die Mutter war, hineingeboren in ein beherrschtes Milieu, das sie hinter sich lassen wollte, die Dominante, das Gesetz. Problemhaft war später die eigene Pubertät und der von Restriktionen und Scham begleitete Kampf der Mutter, das junge Mädchen nicht erwachsen werden zu lassen. Weiterlesen

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Ian McEwan: Die Kakerlake

Bereits sechs Monate nach seinem vorigen Roman „Maschinen wie ich“ legt der renommierte britische Schriftsteller Ian McEwan schon sein nächstes, allerdings mit rund 130 Seiten recht kurzes Werk vor: „Die Kakerlake“.

In einer umgekehrten kafkaesken Verwandlung sieht sich eine Kakerlake eines Morgens „nach unruhigem Schlaf“ in einen Menschen verwandelt, bei dem es sich – zufällig oder nicht – um den englischen Premierminister handelt.

Sams gewöhnt sich schnell an sein neues Dasein und setzt künftig all seine Kraft in die Durchsetzung von etwas, das er „Reversalismus“ nennt, den umgekehrten Geldfluss: Wer arbeitet, muss dafür bezahlen, wer einkaufen geht, bekommt Geld.

So satirisch-bissig kommentiert Ian McEwan das derzeitige Brexit-Chaos um den britischen Premierminister Boris Johnson. Weiterlesen

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Martin Schult: Anfangs sonnig, später Herbst

Frankfurt 1977. Johannes möchte eigentlich ein ganz normaler 15-Jähriger sein. Aber weil sein Vater für die RAF Päckchen durch die Gegend fährt und seine Mutter nach Indien verschwunden ist, ist er davon ein ganzes Stück entfernt.

Jetzt sitzt er in Frankfurt beim Großvater und soll sich, mit spießigem Seitenscheitel und Bundfaltenhosen ausgestattet, möglichst unauffällig verhalten. Der Schulbesuch ist bis auf Weiteres gestrichen und der Vater erlaubt nur kurze Ausflüge in die Stadt. Die meiste Zeit ist Johannes damit beschäftigt, die „American Top 40“ aus dem Radio auf Kassette aufzunehmen, Musik zu hören und sich zu langweilen. Bis er Paul kennenlernt, einen Jungen in seinem Alter, mit dem er sofort auf einer Wellenlänge ist und der ihm in Dukes Plattenladen eine neue Musikwelt zeigt.

Elisabeth, genannt Eli, Meissner ist mit ihren über 50 Jahren wohl das, was man in den 1970ern noch eine „alte Jungfer“ genannt hat. An Verehrern fehlt es ihr nicht, doch sie geht in ihrem Beruf als Archivarin auf und in ihrem Privatleben gilt es, gemeinsam mit der Mutter den Vater zu pflegen, der querschnittsgelähmt aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. Und auch ihr Bruder Hans spukt noch oft in ihren Gedanken herum.

Doch nun sind ihre Eltern in ein Pflegeheim gezogen und Eli weiß zunächst nicht so richtig, was sie mit ihrer ungewohnten Freiheit anfangen soll. Als sie beschließt, ihre Wohnung unterzuvermieten, kommen Dinge ans Licht, die sie aus der Bahn zu werfen drohen. Weiterlesen

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I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit & Geir Gulliksen (Hrsg.): Heimatland und andere Geschichten aus Norwegen

In diesem Erzählband lassen die Herausgeber AutorInnen mit Bezug zu Norwegen aufgrund der jeweiligen literarischen Aussagen ihrer Geschichten zu Wort kommen. In einem Vorwort tauschen sich die beiden Herausgeber über ihre ausgewählten Beiträge für dieses Buch aus und darüber, welchen Bezug sie selbst zur norwegischen Literatur haben. So ist das offizielle Wirken von I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit, die sich schon früh mit Literatur beschäftigt hat, häufig durch Vermittlung von Literatur geprägt. Ihr Mitherausgeber Geir Gulliksen ist in Norwegen mit mehr als fünfundzwanzig Büchern bekannt. Beide Herausgeber vereint die Faszination von Literatur, die Gewichtung und Aussagekraft literarischer Texte samt ihrer Sogwirkung mit den Prozessen, die sie bei LeserInnen auslösen können.

So unterschiedlich wie die in diesem Buch vertretenen AutorInnen sind, lesen sich auch ihre Texte, die das Leben in Norwegen in vielfältigster Form spiegeln. In ihren Beiträgen berichten sie    darüber, welche Bedeutung der Begriff Heimat, das Gefühl des zu Hause seins, im Zusammenhang mit dem Norwegischen für sie hat. Die AutorInnen definieren so mit individuellen Blickwinkeln und Herangehensweisen ihr Heimatland mit all seinen landschaftlichen und klimatischen Facetten, seinen Prägungen durch Historie, Kultur und den Menschen die es bevölkern. Weiterlesen

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Lea Streisand: Hufeland, Ecke Bötzow

Es war ganz eindeutig der Titel, der mich neugierig machte auf dieses Buch. Von der Autorin hatte ich vorher noch nicht gehört, geschweige denn, etwas gelesen.

Lea Streisand ist 1979 in Berlin zur Welt gekommen, in Ostberlin wohlgemerkt. Der Roman ist, so vermute ich mal, stark von ihren eigenen Erlebnissen beeinflusst, angereichert mit Erfundenem.

Sie erzählt von einer Kindheit in der DDR, vom Schulalltag, von Kinderspielen in dunklen Hinterhöfen und auf hohen Dächern, von Freundschaft und von Geheimnissen der Erwachsenen. Und selbstverständlich vom Mauerfall und dem Ende der DDR.

Die Handlung spannt sich von 1986, kurz vor der Einschulung der kleinen Franzi, der Ich-Erzählerin des Romans, bis zu ihrem Erwachsenwerden.

Die Autorin richtet den Blick nicht auf die großen Namen der Geschichte, stellt nicht die national bedeutenden Ereignisse in den Mittelpunkt. Die in ihrem Roman auftretenden Menschen haben mit ihrem eigenen, kleinen Alltag zu tun. Zuerst mit dem Mangel und den Verhältnissen in der DDR, später mit den Veränderungen, die sie nicht aufhalten können, aber verkraften müssen. Weiterlesen

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Cecelia Ahern: Postscript – Was ich dir noch sagen möchte

Mit Postscript legt Cecelia Ahern das Sequel zu ihrem großen Besteller P.S. Ich liebe Dich vor. Die Fortsetzung der Geschichte von Holly, deren Mann ihr, als er an einer schweren Krankheit starb, Briefe hinterlassen hatte. Diese Briefe sollten sie auf ihrem Weg in ein Leben ohne ihn begleiten.

Seit den Geschehnissen in P.S. Ich liebe Dich sind sieben Jahre vergangen. Nachdem Holly mit ihrer Schwester einen Podcast aufgezeichnet hat, in dem sie von ihrem verstorbenen Mann und diesen Briefen erzählt, wenden sich andere Menschen an sie mit der Bitte, ihnen bei ähnlichen Briefen zu helfen. Diese Menschen sind todkrank und wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben. Sie gründen den „P.S. Ich liebe Dich – Club“ und möchten, dass Holly sie dabei unterstützt, für ihre Verwandten und Freunde etwas zu hinterlassen, Briefe, Geschenke, Erinnerungen.

Holly verweigert sich dem, sie hat große Angst, dadurch in die Zeit kurz nach dem Tod ihres Mannes zurückkatapultiert zu werden, all den Schmerz und die Trauer erneut zu erleben. Sie hat inzwischen eine neue Beziehung und plant, mit diesem Mann zusammenzuziehen. Er und auch ihre Schwester raten ihr dringend davon ab, sich in diesen Club hineinziehen zu lassen. Weiterlesen

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Dorota Masłowska: Andere Leute

Wie der wahnwitzige und rasante 160 Seiten lange Text eines gigantischen Rap-Songs wirkt Dorota Masłowskas Roman „Andere Leute“. Das Ganze hat Rhythmus und Drive, und man kommt aus dem Staunen nicht heraus über soviel Sprachvirtuosität.

Der Warschauer Plattenbau-Loser und Kleinkriminelle Kamil sieht sich als Künstler und will unbedingt eine Rap-CD aufnehmen. Vorerst jedoch muss er sich mit seiner trinkfreudigen Mutter und der streitsüchtigen Schwester herumschlagen, mit denen er notgedrungen zusammenlebt.

Unerwartetes Geld: Als sich ihm bei einem Gelegenheitsjob als Klempner-Gehilfe die vom Ehemann gehörnte und gelangweilte Iwona an den Hals wirft, scheint zumindest Kamils momentaner Geld-Engpass behoben zu sein, denn Iwona hat nichts dagegen, Kamil für seine Liebes-Dienste zu entlohnen. Weiterlesen

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Kate Roseland: Mr. Hicks feiert Weihnachten

Das perfekte Buch, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Dazu trägt natürlich auch die Aufmachung bei, das Cover und die Gestaltung dieses kleinen Buches allein versetzen die Leserin schon in das vorweihnachtliche London.

Fast ein wenig wie ein Märchen wirkt die Geschichte von Mr. Mortimer Hicks, ein alter, etwas griesgrämiger Witwer, der mich ein bisschen an den Mann namens Ove erinnert hat. Mr. Hicks hat einen festen Tagesablauf, der vor allem dafür gut ist, dass er seine Tage irgendwie herumbekommt, ohne zu merken, wie einsam er ist. Seine Nachbarin auf der einen Seite ist eine aufdringliche Klatschbase, der er möglichst aus dem Weg geht. Auf der anderen Seite lebt eine alleinerziehende Mutter, die eines Tages seine Hilfe als Babysitter in Anspruch nehmen muss.

Als dann auch noch in der Wäscherei seines Vertrauens seine Hemden mit den quietschbunten Blusen einer ihm fremden Dame vertauscht werden und dazu noch eine streunende Katze bei ihm einzieht, ist es mit seiner Ruhe endgültig vorbei. Weiterlesen

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