Liane Moriarty: Neun Fremde

Zehn Tage mitten im Sommer in einem abgelegenen Wellness-Resort in Australien. Neun Menschen lassen sich auf dieses vielversprechende Abenteuer ein. Neun Fremde sind es allerdings nicht. Unter den Personen ist auch eine dreiköpfige Familie und ein Ehepaar. Die übrigen Personen kennen einander allerdings tatsächlich nicht. Und erstmal läuft alles ganz anders, als sie es erwartet hätten. Fünf Tage sollen sie zu Beginn des Aufenthalts in ständigem Schweigen verbringen.

Und ihre Taschen werden auch noch auf Schmuggelware in Form von Wein und Schokolade durchsucht. Denn hier herrschen strikte Diätvorschriften. Leiterin Masha hat sogar noch einen weitaus komplexeren Plan für die Neun.

Mich konnte „Neun Fremde“ irgendwie nicht komplett packen. Es gibt das ein oder andere interessante oder spannende Kapitel, aber bis dahin dauert es unheimlich lang. Die erste Hälfte ist in meinen Augen insgesamt sehr langweilig. Alle Personen werden knapp vorgestellt. Manche von ihnen, wie die Autorin Frances, werden dabei etwas mehr bedacht als andere, wie etwa die Alleinreisende Carmel. Weiterlesen

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R.R. Sul: Das Erbe

Manchmal braucht der Mensch eine Weile, um sich mit seinem Schicksal und den eigenen Fehlern auszusöhnen. Manchmal ist die Wahrheit die Lüge, an die man glauben möchte.

Der Ich-Erzähler steht am Ende eines ereignisreichen Lebens. Er will seinem Enkel seine Lebensgeschichte, die Geschichte seiner Familie und somit von seinem Erbe erzählen:

Als der Ich-Erzähler geboren wurde, entschied seine psychisch erkrankte Mutter, ihr Junge leide an einer seltenen und gefährlichen Hautkrankheit. Um nicht zu sterben, dürfe er nie die Sonne sehen. Deshalb schlief der Ich-Erzähler immer am Tag und spielte nachts mit seiner Mutter. In dem Leben des Jungen gab es nur die Mutter und eine große Einsamkeit. Im Alter von sieben Jahren bekam er einen Helm und ging damit zur Schule. Sonst änderte sich wenig. Er blieb ohne Freunde. In seiner Freizeit hätte er noch lange in seinem abgedunkelten Zimmer bleiben müssen, wäre nicht Bob aus London aufgetaucht.

Seine Mutter und der Brite wurden ein Paar. Schon bald schien es im Haus des Erzählers aufwärtszugehen. Bob reparierte, renovierte, putzte und kümmerte sich auch um die darin wohnenden Menschen. Die Mutter blühte auf. Und eines Tages vertraute ihm auch der Ich-Erzähler. Bob durfte das vom Helm geschützte Gesicht genauer betrachten. Weiterlesen

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Ali Smith: Herbst

Ali Smith (Jahrgang 1962), geboren in Schottland, lebt und arbeitet im englischen Cambridge. Mit ihren Arbeiten stand sie schon mehrfach auf der Shortlist zum Man Booker Prize. Das letzte Mal 2017 mit ihrem Roman „Autumn“ aus dem Jahre 2016, der am 21. Oktober 2019 mit dem Titel „Herbst“ im Luchterhand Literaturverlag erschienen ist. Übersetzt wurde der Roman von Silvia Morawetz. „Herbst“ ist der erste Roman aus einem Jahreszeitenquartett, an dem Ali Smith aktuell arbeitet. Die Bücher „Winter“ und „Spring“ sind auf Englisch bereits veröffentlicht worden.

„Herbst“ ist der Herbst 2016 nach dem britischen Referendum zum Austritt aus der Europäischen Union. Leider erscheint die deutsche Übersetzung erst drei Jahre später und verhindert damit für den deutschsprachigen Leser bzw. Leserin den unmittelbaren Bezug zu den politischen Ereignissen 2016 und deren Brisanz:

„Im ganzen Land wurde Trübsal geblasen und gejubelt. Im ganzen Land schnellte das Geschehene hin und her, als wäre ein Stromkabel bei Sturm von einem Mast gerissen worden und schnellte nun über den Bäumen, den Hausdächern und dem Verkehr hin und her.“ (S. 67)

Auf zwei Seiten komprimiert beschreibt Ali Smith die Widersprüche von Land und Leuten nach dem Referendum. „Im ganzen Land fiel das Land in Stücke. Im ganzen Land trieben die Stücke voneinander fort.“ (S. 69) Weiterlesen

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Dani Atkins: Sag ihr, ich war bei den Sternen

Eine typische Dani Atkins: viel Herz und Schmerz, viel Liebe und Leid. Und sooo schön. Ja, ich gestehe, ich mag solche Bücher, die man herrlich an einem verregneten Sonntagnachmittag verschlingen kann. Sicher, mit „Literatur“ hat das nichts zu tun, es trieft von Schmalz und alle Handelnden sind schön und gut. Aber wenn ein Buch so gut geschrieben ist, dass man es schon nach fünf Seiten nicht mehr aus den Händen legen mag, solange, bis man zum Wort Ende auf der letzten Seite kommt, dann darf man das auch zugestehen.

In diesem Roman von Dani Atkins geht es um die junge, schwangere Maddie, die wenige Tage vor ihrer Hochzeit mit dem gutaussehenden und erfolgreichen Ryan einen schweren Unfall hat und ins Koma fällt. Als sie wie durch ein Wunder wieder erwacht, sind nicht, wie sie zuerst annimmt, wenige Wochen seit dem Unfall vergangen, sondern sechs Jahre. Und selbstverständlich ging in dieser Zeit das Leben aller weiter, das ihrer Eltern ebenso wie das von ihrem Verlobten Ryan und auch das von ihrer Tochter. Ja, Maddie hat tatsächlich trotz Koma eine gesunde Tochter zur Welt gebracht, die nun eben schon sechs Jahre alt ist, als Maddie sie kennenlernt. Und hier beginnen die Schwierigkeiten. Mehr soll an dieser Stelle nicht erzählt werden, um die Spannung nicht zu verderben. Weiterlesen

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Clara Paul (Hrsg.): Der schöne Augenblick – Lektüre zwischen den Jahren

Ein kleines, feines Buch für Liebhaber*innen von Lyrik und Kurzprosa; ein kleines feines Geschenk für alle, bei denen Sie sich vielleicht für etwas bedanken möchten. Und ein kleines feines Buch für Sie selbst, eben für die Zeit zwischen den Jahren, die Zeit, in der wir alle in der Regel ein wenig zur Ruhe kommen, innehalten.

Der schön gestaltete Band umfasst Gedichte und Texte vieler namhafter Autor*innen, so unter anderem Rainer Maria Rilke, Hans Magnus Enzensberger, Hermann Hesse, Max Frisch, Antoine de Saint-Exupéry, Elke Heidenreich oder von Tucholsky, Ringelnatz, Brecht usw..

Gemeinsam ist den Geschichten und Gedichten das Thema Augenblick. Es geht um entscheidende, kritische, unvergessene und unvergessliche, kurz um ganz besondere Augenblicke. Weiterlesen

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Burkhard Spinnen: Rückwind

Wenn man entscheidende Daten der Weltgeschichte, wie ZB. den 8. Mai, den 6. August, den 11.September, den 9. November, etc. auf der einen Seite sieht – und auf der anderen Seite alles auf das entscheidende persönliche Datum eines Einzelschicksals herunter bricht, dann ist in diesem Fall der 9. April 2018 für Hartmut Trössner der Weltuntergang. Trössner, ein „everybodys darling“ der Ökoszene, der trotz familiärem Durcheinander doch noch Erbe eines Windkraftimperiums wird. Darüber hinaus hat Trössner eine bekannte Seriendarstellerin zur Frau – und einen Sohn mit ihr, aber er verliert an diesem besagten Datum alles: Frau, Sohn, Haus, sein milliardenschweres Windkraftunternehmen…alles. Ein beispielloses Beispiel von Murphys Gesetz. Trössner versinkt in sich selbst, verrottet innerlich, keine Therapie, kein Gespräch kommt monatelang in der Klinik an ihn heran, man kann das posttraumatische Depression nenne, aber irgendwie ist das noch schlimmer. Das wir das alles wissen, verdanken wir einer Art Schutzengel, oder seinem alten Ego, welches in ihm überlebt und der ihn tatsächlich auf seiner „Widergeburt“  begleitet. Und der als Ich – Erzähler die ganze Handlung erzählt. Langsam kommt also Hartmut Trössner zu sich selbst zurück. Und hat zum Ende dieses heißen Sommers einen Plan. Weiterlesen

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Gregor Sander: Alles richtig gemacht

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall ist das Thema Ost-West-Beziehungen immer noch aktuell. Der in Schwerin geborene und mit dem 3Sat-Preis ausgezeichnete Autor Gregor Sander macht dies ebenso zum Thema, indem er seine zwei Hauptprotagonisten vor und nach der Wende begleitet. Die Reise beginnt in Roststock, führt nach Berlin, beschreibt die Metamorphose der Stadt vom Plattenbau zur Hippster-Hochburg – und sie baut kleine Schlenker durch Irland, Frankreich und New York ein.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Freunde Thomas und Daniel, die sich im Alter von 13 Jahren in Roststock kennenlernen. Beide sind sehr unterschiedlich. Es vereint sie der Außenseiterstatus, den sie in der Klasse einnehmen. Daniel wächst mit seiner alleinerziehenden Mutter, die ihn bereits mit 17 Jahren zur Welt gebracht hat, in ärmlichen, unkonventionellen Verhältnissen auf. Für den aus einer bürgerlichen Familie stammenden Thomas ist dies Neuland. Bald wird Daniels Mutter zum Objekt seiner sexuellen Phantasien. Während die beiden sich ins Erwachsenenleben, in Partys, Drogen und erste Beziehungen stürzen, geben sie sich stets Halt. Zum Beispiel als ihre Familien zerfallen, deren Mitglieder nach Öffnung der Mauer in den Westen ziehen oder am neuen Wirtschaftssystem scheitern. Die beiden Freunde ziehen sogar als WG-Partner zusammen. Weiterlesen

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Martin Suter: Allmen und der Koi

Wahrscheinlich ist es ein Sakrileg, so etwas zu sagen und wahrscheinlich liegt es einfach an mir. Doch der Roman von Martin Suter hat mich ziemlich gelangweilt. Es ist nicht der erste Allmen-Roman von ihm, den ich lese und andere habe ich in der Verfilmung mit Heino Ferch im Fernsehen gesehen. Was, nebenbei bemerkt, den unerwünschten Effekt hatte, dass ich beim Lesen permanent die Schauspieler aus den Filmen vor mir sah. Etwas, das natürlich nicht unüblich ist, wenn man ein Buch liest, welches verfilmt wurde, oder wie hier Teil einer verfilmten Reihe ist.

Wie auch immer, die Handlung ist schnell erzählt: Allmen, ein, man muss es so sagen, einigermaßen selbstverliebter, ehemals steinreicher Müßiggänger und Inhaber der Detektei Allmen International Inquiries, bekommt den Auftrag, den verschwundenen und immens wertvollen Koi eines auf Ibiza lebenden Musikmanagers zu finden. Mit Hilfe seines Adlatus Carlos gelingt es Allmen im Laufe der 215 Seiten natürlich, das Rätsel zu lösen und den Fisch seinem Besitzer wieder zu verschaffen. Mehr passiert nicht. Weiterlesen

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Jess Kidd: Heilige und andere Tote

Schließen Sie die Tür, ziehen Sie die Vorhänge vor, dimmen Sie das Licht. Und dann: Genießen Sie. Genießen Sie die Fantasie von Jess Kidd. Die allerdings dann nichts für Sie ist, wenn Sie eher der nüchterne Typ sind, der sachliche Beschreibungen, geheimnislose Charaktere mag. Dann lassen Sie das Licht wieder herein und legen Sie dieses Buch fort.

Sonst aber: Genießen Sie. Jess Kidd zieht in ihren Bann. Wenn sie die Geschichte von Maud und Cathal erzählt.

Maud Drennan, eine Frau, die mit toten Heiligen spricht, die nur sie sehen kann, wird als Sozialbetreuerin zu Cathal Flood geschickt. Die letzte einer ganzen Reihe von Betreuern, die alle von Cathal in die Flucht geschlagen wurden.

Doch Maud ist anders. Hartnäckig und unverdrossen räumt sie auf in dem vermüllten, verwunschenen Haus von Cathal Flood. Dabei kommt sie einem – vermeintlichen? –  Verbrechen auf die Spur, angelockt von verschiedenen Indizien, die ihr – von wem oder was auch immer – zugespielt werden.  Angespornt wird die zuerst unwillige Hobbydetektivin Maud von ihrer Nachbarin Renata.

Renata ist eine Frau, die ein Mann ist, die unter Agoraphobie leidet, früher als Assistentin eines inzwischen verstorbenen Zauberers aufgetreten ist und die Kriminalromane liebt (ein bisschen Klischee darf sein). Weiterlesen

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Peter Henning: Die Tüchtigen

Der deutsche Journalist und Schriftsteller Peter Henning (Jahrgang 1959) lebt und arbeitet in Köln. 2018 erschien sein Reisebericht „Mein Schmetterlingsjahr“. Sein letzter Roman „Die Chronik des verpassten Glücks“ aus dem Jahre 2015 wurde beim Luchterhand Literaturverlag veröffentlicht. Hier erschien auch „Die Tüchtigen“ am 2. September 2019.

Darin die Geschichte der Unterhaltungsschriftstellerin Katharina Weskott, die mit ihrem Mann, dem Piloten Robert, und drei befreundeten Paaren ein Wochenende in einem niederländischen Hotel verbringt. Anlass ist Katharinas 50. Geburtstag. Die Geschichte ist gegliedert in die Tage 1 bis 4. Innerhalb der Kapitel wechseln die Perspektiven. Es wird abwechselnd aus Sicht der vier Paare erzählt. Da sind die Hausfrau und Mutter Belinda und ihr nach Nasentropfen süchtiger Ehemann Tom, ein Fondmanager. Der depressive Tontechniker Stefan und seine Frau Feline, die als Lehrerin arbeitet.  Und Anne, die die Damenabteilung einer ZARA-Filiale leitet, und ihr Freund Marc, Geschäftsführer einer Mercedes-Niederlassung. Weiterlesen

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