Hernán wird von seiner Mutter beauftragt, das Haus vom verstorbenen Großvater Martín zu verkaufen. Er erfüllt diese Aufgabe nur, weil er der Lieblingsenkel gewesen ist und als Architekt arbeitet. Mit der verborgenen Überraschung hat er nicht gerechnet. „Er starrt weiterhin die aufgebrochene Wand vor ihm an. Und dann geht er, als hätte er auf einmal begriffen, mit bloßen Fäusten auf das bröckelnde Mauerwerk los, schiebt die Stücke zur Seite.“ (S. 102)
Jeder Mensch kann in eine Ausnahmesit
uation geraten. Wenn diese dann auch noch mit einer Erkenntnis verbunden ist, haben die Betroffenen nicht nur eine Entscheidung zu treffen. Sie hat auch Auswirkung auf das eigene Leben.
In Claudia Piñeiros facettenreichen Erzählungen finden sich Personen im scheinbar harmlosen Alltag wieder. Ob es sich hierbei um so etwas Banales wie das Raustragen des Hausmülls, ein unbedachtes Wort im Spiel oder einen zweiten Koffer handelt, in jedem Ereignis verbergen sich Fallstricke, die eine Veränderung einleiten. Aus diesem Grund bleiben die Geschichten in Erinnerung. Die von Peter Kultzen übersetzten Texte berühren, erschüttern oder lassen im Kopfkino eine dramatische Fortsetzung entstehen.
Für viele Charaktere beginnt danach ein neuer Lebensabschnitt. Die Autorin bietet viele Möglichkeiten an. Dabei schafft sie es, persönliche Schicksale zu fokussieren. Unter anderem beschreibt sie ihre weiblichen Charaktere als anpackend oder hart arbeitend in ihrem Beruf. Ihre Frauen hinterfragen die ihnen auferlegte Rolle als Mutter, Tochter oder Ehefrau. Sie zeigen sowohl Mitgefühl als auch persönliche Grenzen. Weiterlesen








