„Mein Vater lag tot auf dem Grund des Brunnens.“ Der erste Satz von Sylvia Wages Debutroman schockiert und fasziniert zugleich.
Der Augenblick, in dem die namenlose Erzählfigur sachlich und nüchtern den Tod ihres Vaters konstatiert, ist Ende und Anfang zugleich. Ersteres, weil für alle Beteiligten etwas abgeschlossen wird. Darin liegt zugleich der Anfang, weil der Umstand, dass eine Leiche zu entsorgen ist, die Familie zu gemeinsamen Anstrengungen und damit zu Kommunikation zwingt.
Sylvia Wage erzählt die Geschichte einer nach außen hin normalen Familie. Die perfiden Manipulationen, mit denen der Vater seine Frau und die drei Kinder seinem Willen unterordnet, bleiben hinter verschlossenen Türen. In Rückblenden werden unterschiedliche Anpassungsstrategien und die daraus resultierenden Verletzungen und Zerstörungen geschildert. Während die Mutter ihre Verzweiflung mit Alkohol ertränkt, wird die ältere Schwester zum verlängerten Arm des Vaters und die jüngere kämpft um Anerkennung. Seite um Seite nähert sich der Bericht jener Nacht Weihnachten 1993, in der die Erzählfigur, das mittlere Kind, den Vater in das selbst gegrabene Loch im Keller stieß und ihn damit vor der Außenwelt verschwinden ließ. Nun, reichlich zwanzig Jahre später, gilt es, die Leiche zu entsorgen, ohne dass Nachbarn oder die inzwischen demente Mutter davon etwas mitbekommen. Weiterlesen



Die norwegische Schriftstellerin Marie Aubert (Jahrgang 1979) debütierte 2016 mit ihren Storys „Kan jeg bli med deg hjem“. Am 22. März 2022 legte der Rowohlt Verlag die deutsche Ausgabe mit dem Titel „Kann ich mit zu dir?“ in einer Übersetzung von Ursel Allenstein und Stefan Pluschkat vor. Zuvor erschien Auberts vielbeachteter Roman 
Lohnt es sich, durchzuhalten?
eren kann, wird später aber zu einer tödlichen Gefahr.
