Peter Heller: Die Lodge

Peter Hellers neuer Roman „Die Lodge“ ist ein regelrechter Abenteuerroman, der in einer abenteuerlichen Landschaft – der Wildnis Colorados angesiedelt ist. Überhaupt dominiert die urwüchsige Natur das Buch. Die Geschichte lebt geradezu von Gerüchen, Bildern, Geräuschen – und dem Fliegenfischen.

Zur Handlung: Der junge Jack nimmt einen Job als Guide für prominente und wohlhabende Gäste auf einer Luxuslodge an. Als versierter Fliegenfischer bekommt er die Sängerin Allison zugeteilt.

Zwischen Allison und Jack entwickelt sich bald ein Einvernehmen, das mehr als nur Sympathie ist. Sie verstehen sich auch ohne viele Worte und verbringen viele Stunden am Tag zusammen im Fluss um zu angeln.

Etwas stimmt nicht auf dem Gelände der Lodge, das wird Jack sehr schnell klar. Nicht nur, dass er gezwungen wird, seine private Waffe abzugeben. Unter anderem bringt Jack in Erfahrung, dass sein Vorgänger auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Weiterlesen

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Guillermo Arriaga: Das Feuer retten

Schonungslos brutal und mitreißend: Arriagas Roman „Das Feuer retten“ erhitzt in der Tat die Gemüter. Seine Protagonisten spielen nicht nur mit dem Feuer, sie stürzen sich mitten hinein. Ganz nach dem Sprichwort: Wenn unser Haus schon in Flammen steht, können wir uns auch darin wärmen. Der mexikanische Autor berichtet von einem Land, das extrem gespalten ist, ächzend unter Korruption, Rassismus und Gewalt. Auf der Sonnenseite des Lebens ist hingegen Marina verortet. Verheiratet mit einem erfolgreichen Banker, lebt sie mit ihren drei Kindern in einem abgeschotteten Nobelviertel und leitet ihre eigene Tanzcompagnie. Ihre Choreografien sind gut, aber nicht überragend. Ihr fehlt die Leidenschaft, das Kraftvolle, das Überschreiten von Grenzen. Eine solche überschreitet sie, als sie mit Ihrer Compagnie das Angebot eines reichen Freundes annimmt, der sich für die kulturelle Bildung von Häftlingen einsetzt. Gemeinsam mit Ihrer Tanzgruppe führt Marina ihr Stück in einem Gefängnis auf und lernt dort José Cuauhtémoc kennen. Ein Mann, der weder optisch noch intellektuell dem Klischee eines Häftlings entspricht. Da Marina auch an einer Schreibwerkstatt für Häftlinge teilnimmt, kommt sie immer mehr mit seinen Texten in Berührung und ist fasziniert von diesem Mann. So fasziniert, dass sie sich bald in einem Strudel von Ereignissen befindet, die sie Lust, Leid und Leidenschaft auf jede erdenkliche Form erfahren lässt. Marina bricht radikal mit ihrem bisherigen Leben. Ist es Selbstbefreiung oder Selbstzerstörung? Was ist man bereit, für das eigene Glück zu opfern? Die Leserschaft wird dazu anregt, über existenzielle Fragen nachzudenken. Weiterlesen

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Stewart O’Nan: Ocean State

In diesem Buch geht es um jugendliche Mädchen und deren Mütter, um Freundschaft, Liebe, Lebenshunger, Anerkennung und den ungemeinen Drang, Freiheiten auszuleben: Marie, deren große Schwester Angel eine der Protagonistinnen ist, erzählt aus ihrer Sicht das Geschehen um einen Mord, an dem Angel beteiligt war.

Auch Angel selbst und ihre Gegenspielerin und gleichzeitiges Opfer Birdy, lassen in immer wieder wechselnden Kapiteln in ihre Lebenswelten samt aller Emotionen blicken. Die Vielschichtigkeit eben dieser Erzählweise verleiht dem Roman die entsprechende Tiefe. Dazu kommt die exakt wiedergegebene Darstellung eines amerikanischen Kleinstadtlebens am Rande der Gesellschaft. Man liest von den Müttern, die mühsam den Lebensunterhalt für die kleine Familie verdienen. Von der Chancenlosigkeit, jemals wieder in der Mitte der Gesellschaft ankommen zu können. Von Verzweiflung, Alkohol, Armut ebenso wie von Familiensinn und dem Wunsch dazuzugehören. Weiterlesen

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Christoph Poschenrieder: Ein Leben lang

Schon als Kinder sind sie Freunde, und sie glauben, sie sind Freunde für ein ganzes Leben. Und während sie sich nach ihrem Schulabschluss auf Studium und Berufseinstieg konzentrieren, wird der Onkel von einem von ihnen ermordet. Abgesehen davon, dass sie ihrem verhafteten Freund unbedingt helfen wollen, stellen sie sich zwei Fragen: Kann man mit einem mutmaßlichen Mörder befreundet sein? Und kann man mit einem verurteilten Mörder befreundet bleiben?

Christoph Poschenrieder studierte Philosophie in München und Journalismus in New York. Sein beruflicher Werdegang begann als Journalist und Autor von Dokumentarfilmen. Der Weg zum literarischen Schreiben war irgendwann die logische Konsequenz, durch die bisher sieben Romane entstanden sind. In seinem aktuellen Roman Ein Leben lang arbeitet er den Parkhausmord in München auf. Ganz offensichtlich geht es ihm nicht um die Aufklärung eines Mordes in einem Indizienprozess sondern um den Freundeskreis des mutmaßlichen Mörders. Jeder von den fünf Freunden kann einfach nicht glauben, dass einer aus ihrer Mitte zu einem Mord fähig ist. Im Laufe des langen Prozesses lernen sie, dass ein Gericht allein auf Beweisanzeichen hin ein Urteil fällen kann. Weiterlesen

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Viola Ardone: Ein Zug voller Hoffnung

Die 1974 geborene Autorin Viola Ardone aus Neapel verarbeitet ein Kapitel aus der italienischen Geschichte zu einem Roman: Nach dem Krieg wurden fast 100.000 Kinder aus dem armen Süden in den reicheren Norden geschickt.

Amerigo Speranza ist sieben Jahre alt und lebt mit seiner lieblosen und ungebildeten Mutter unter ärmlichen Verhältnissen in Süditalien. Als er in den Norden kommt, eröffnen sich für ihn neue Welten – und das gilt nicht nur für das Angebot an Nahrungsmitteln. Er lernt, wie es in einer liebevollen Familie zugehen kann, und entdeckt die Liebe zur Musik.

​Dreiviertel des Romans sind aus der kindlich-naiven Sicht des Kindes geschrieben. Das eröffnet Chancen und Risiken zugleich. Weiterlesen

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Helen Frances Paris: Das Fundbüro der verlorenen Träume

Eine versponnene, etwas skurrile Hauptfigur und eine ungewöhnliche Plotidee, das verspricht dieser Roman. Dazu kommt ein wunderschöner, bildhafter und berührender Schreibstil, mit humorigen Untertönen, ohne dabei ins alberne abzugleiten. Doch leider kollidiert dieser Stil mit einer etwas zäh verlaufenden Handlung.

Die junge Dot lebt völlig zurückgezogen, seit ihr so sehr geliebter Vater starb. Ihre ältere Schwester Philippa dominiert und organisiert nicht nur vieles in Dots Leben, sondern auch die Unterbringung und die Besuche bei der dementen Mutter. Dot arbeitet in einem Londoner Fundbüro und fühlt sich dort, zwischen all den verlorenen Gegenständen mit ihren eigenen Geschichten, sehr wohl. Dabei bricht es ihr das Herz, wenn Fundsachen, die bis Ablauf der Aufbewahrungsfrist nicht abgeholt wurden, versteigert oder verschrottet werden.

Als ein älterer Mann einen Verlust meldet, möchte sie so gerne die verlorene Tasche für ihn finden. Das und viele weitere Umstände, wie ein schmieriger Vorgesetzter, der ihr auf die Pelle rückt, führen dazu, dass sie sich immer mehr im Untergrund des Fundbüros verkriecht und dabei Gefahr läuft, in ihrer Fantasiewelt zu versinken. Doch mit Hilfe von ihrer Kollegin, ihrer Schwester und eines Arztes aus dem Pflegeheim ihrer Mutter gelingt ihr die  Entwicklung und Befreiung. Weiterlesen

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Delphine de Vigan: Die Kinder sind Könige

Was für ein Buch. Was für eine Autorin. Ich war schon von ihren anderen Romane begeistert, die ich lesen durfte. Aber dieses hier ist wie ein Faustschlag in den Magen, wie eine eiskalte Dusche. Und man kann nur hoffen, dass es viele Menschen lesen und ihre Lehren daraus ziehen. Ich bin jedenfalls sicher, dass es noch lange nachwirken wird, dass ich noch lange darüber nachdenken werde.

Die Handlung beginnt 2019. Mélanie ist eine Mutter, die ihre Kinder, Sammy und Kimmy,  vergöttert. Ihre Liebe und vor allem ihre Bewunderung für ihre Kinder sollen möglichst viele andere Menschen teilen. Und diese Menschen sollen vor allem auch Mélanie selbst lieben. Um das zu erreichen, hat Mélanie, als Kimmy gerade einmal 2 Jahre alt war, begonnen, Videos ihrer Kinder zu drehen und diese auf You-Tube zu veröffentlichen. Nach anfänglich nur gelegentlichen Filmen wird es immer mehr, bis schließlich ständig die Handykamera auf die Kinder gerichtet ist. Und die Familie unglaublich viel Geld damit verdient.

Doch eines Tages verschwindet Kimmy, kehrt vom Versteckspiel nicht zurück. Die Polizei glaubt an Entführung und setzt den in solchen Fällen üblichen Apparat in Gang. Besonders in die Ermittlungen eingebunden ist die procédurière Clara. Sie hat eine ganz andere Geschichte als Mélanie, sie führt ein komplett anderes Leben als Mélanie. Clara ist unverheiratet, hat keine Kinder und geht im Grunde völlig in ihrem Beruf auf. Weiterlesen

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Jane Gardam: Mädchen auf den Felsen

Die Handlung zeigt einen Sommer an der englischen Küste in den Dreißiger Jahren auf. Die Zeilen, die anfangs etwas schlicht und angestaubt anmuten, erfahren recht schnell eine unerwartete, ganz besondere Gewichtung.

Im Zentrum des Geschehens steht die junge Familie Marsh, die soeben zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen hat. Der Vater, ein Bankbeamter, geht vollkommen auf in seiner eigentlichen Berufung  als fanatischer Prediger einer Sekte. Das gesamte Familienleben wird von seinem Glauben dominiert, der die Darwinsche Lehre verpönt. Bereits die achtjährige Margaret ist so bibelfest, dass sie für alles Geschehen stets einen Bibelvers parat hat, den das clevere Mädchen aber genauso schnell ins Gegenteil zu widerlegen versteht und hinterfragt.

Damit sie sich nicht wegen dem neugeborenen Bruder zurückgesetzt fühlen soll, darf Margaret mit dem frisch engagierten Hausmädchen Lydia einmal in der Woche etwas unternehmen. Die lebensfrohe, frivole Lydia, die so unumwunden und ohne Hemmungen durchs Leben geht und redet wie ihr der Schnabel gewachsen ist, ist für Margaret eine Wohltat. Sie passt zwar so gar nicht in das fromme Gotteshaus der Familie Marsh, wird aber akzeptiert, weil der Vater davon überzeugt ist, dass Lydia ihnen „gesandt“ wurde. Weiterlesen

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Diane Cook: Die neue Wildnis

Amerika (oder irgendein anderer Ort auf der Welt) in nicht allzu ferner Zukunft: Alle Menschen leben in gigantischen, verdreckten Städten, die nur aus gedrängten Hochhäusern bestehen und in denen die Luft pures Gift für menschliche Atemwege ist. Alle Flächen im Umland müssen für die Versorgung der Städte oder zur Lagerung von Müll genutzt werden. Immer mehr Menschen werden krank aufgrund der ungesunden Bedingungen und da das Land ohnehin heillos überbevölkert ist, hat die Versorgung dieser Kranken keine Priorität.

Auch Beas kleine Tochter Agnes ist krank. Als klar ist, dass ihre Lunge die vergiftete Atemluft nicht mehr lange aushalten wird, entschließt sich Bea dazu, ihr altes Leben zu verlassen. Im Rahmen einer Studie will sie zusammen mit Agnes, ihrem Lebensgefährten Glenn und 17 weiteren Freiwilligen in den Wildnis-Staat gehen, um dort als Nomaden zu leben. In diesem letzten geschützten Nationalpark soll erforscht werden, wie die Gruppe mit der so rar gewordenen Natur interagiert. Weiterlesen

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Julia Mattera: Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach

Ein liebenswerter Grantler mit eigenwilligen Macken, eine wunderschöne Landschaft und dazu noch gutes Essen – also die perfekten Zutaten zu einem perfekten Roman. Die selbst im Elsass geborene Autorin siedelt die Handlung ihres ersten Romans für Erwachsene eben dort an und erzählt von Robert, dem Koch, der in der von seiner Schwester Elsa betriebenen Auberge für die kulinarischen Genüsse der Gäste sorgt.

Robert ist ein verschrobener, zurückhaltender Mann Anfang 50, der am liebsten allen Menschen, außer seiner Schwester und deren beiden Kindern, aus dem Weg geht. Viel lieber als mit Menschen unterhält er sich mit seinen Möhren, seinen Tomaten und den Zucchini, die er alle mit großer Achtung und Liebe behandelt.

In sein bisher geordnetes Leben bricht nun einmal der junge Hassan ein, der zusammen mit seiner Mutter Fatima in Elsas Auberge aushelfen und Robert zur Hand gehen soll. Aufgrund schlechter Erfahrung mit solchen Praktikanten ist Robert erst sehr skeptisch, doch mit vereinten Kräften, viel Geduld und Humor gelingt es den anderen, ihn dazu zu bringen, sich etwas mehr zu öffnen. Noch mehr ist das der Fall, als schließlich auch noch die Engländerin Maggie, eine Freundin von Fatima, in sein Idyll eindringt. Sie überwältigt ihn, er ist fasziniert von ihr und man ahnt, was kommen wird. Weiterlesen

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