Zwischen Tradition und Illusion …
„Manchmal wird mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdenke, wie erfüllend – nein, wie perfekt mein Leben ist und wie gut mir alles gelingt.“
Natalie Heller Mills spaltet die Gemüter, wenn Millionen von Menschen auf Instagram verfolgen, wie Natalie genau das Leben lebt, das sie sich immer erträumt hat: inmitten einer weitläufigen Berglandschaft kümmert sie sich hingebungsvoll um ihre stetig wachsende Kinderschar, bestellt leichtfüßig Haus und Hof der Selbstversorger-Farm und genießt in stiller Ergebenheit die liebevollen Aufmerksamkeiten ihres umwerfenden Vorzeigeehemanns.
Doch eines Morgens erwacht Natalie auf einer Anno 1855-Version ihrer Farm. Wie kann das möglich sein und wie soll sie ihre haus- und ehefraulichen Pflichten ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Angestellte und ohne die vor den Kameras verborgenen Hightech-Geräte erfüllen?
Auf den ersten Seiten wirkt Natalies Erzählung auf so überzogene Art überzuckert, dass ich mich fragte, ob sie das wirklich ernst meinen könne. So dauert es auch nicht lange, bis ein Blick hinter die Kulissen die inszenierte Nostalgie-Sehnsucht als das entlarvt, was sie ist: eine Inszenierung. Statt Naturverbundenheit, Romantik und Entschleunigung sehen wir Ausbeutung von geheimen Hilfsarbeitskräften und inkompetenten Nannys, eine zerrüttete Ehe und einen Strudel aus religiösem Wahn, politischem Kalkül und selbstgerechter Verbitterung.
Weiterlesen








