Francesca Maria Benvenuto: Dieses Meer, dieses unerbittliche Meer

Der fünfzehnjährige Zeno sitzt auf einer kleinen Insel im Jugendgefängnis fest. Er kann nicht schwimmen, und das unüberwindbare Meer verabscheut er.

Als ihm seine Lehrerin Anregungen zum Nachdenken und eine besondere Aufgabe gibt, beginnt bei Zeno eine Zeit der Selbstreflexion. Er soll über seine Erlebnisse und Gefühle schreiben. Also fängt Zeno an, über sein Leben zu berichten, wie es um ihn steht und er so nach und nach verschiedenen Auflagen nachkommt, damit er über Weihnachten zwei Tage bei seiner Mutter verbringen darf.

Und während er nachdenkt, schreibt und über das Leben philosophiert, ist seine Fantasie erwacht. Zeno beginnt das Meer zu lieben.

Francesca Maria Benvenuto, Autorin und promovierte Anwältin für internationales Strafrecht, stammt aus Neapel und arbeitet inzwischen in Paris. Sie hat mit ihrem Debüt über ein „fiktives“ Ereignis vor 33 Jahren ein Tor geöffnet, das für Außenstehende kaum begreifbare Lebensumstände offenbart.

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Marc-Uwe Kling: Views

Eigentlich möchte BKA-Hauptkommissarin Yasira Saad nur ihr schlechtes Date genießen und eine kleine Auszeit von der Arbeit haben. Doch dann wirft ein brutales Video ihre Pläne durcheinander. Darin sieht man, wie die 16-jährige Lena Palmer, die am Vortag verschwunden ist, von drei Männern vergewaltigt wird, dem Eindruck nach sind es Flüchtlinge.

Yasira bekommt den Fall zugeteilt – politische Gründe. In den nächsten Tagen versucht sie mit aller Kraft, das verschwundene Mädchen zu finden, aber es ist nicht der Kriminalfall allein, der ihr den Schlaf raubt. Das viralgehende Video löst eine Welle der Empörung aus und rechte Gruppen nutzen es wachsend als Rechtfertigung für Hass und Hetze, die sich irgendwann nicht nur auf die Onlinewelt beschränkt.

Es geht nicht mehr nur darum, das verschwundene Mädchen zu finden, sondern darum, die aufgebrachte und kippende Gesellschaft von drohender Selbstjustiz abzuhalten. Ein immer unmöglicher scheinendes Verfangen, in dem bald auch Yasira selbst um ihr Leben fürchten muss.

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Janine Ukena: Vor uns das Rauschen des Meeres

Sophie war früher jeden Sommer auf Sylt, bis zu dem Tag an dem ihr Vater verhaftet wurde, da er angeblich illegale Geschäfte hatte. Dadurch verschwand er komplett aus dem Leben der jungen Frau und als dieser nun starb, vermachte er ihr das Ferienhaus. Nun kann sie nicht anders, als zurück auf die Insel zu kehren und die Wahrheit herauszufinden. Nur hat sie nicht mit Maximilian Rose gerechnet, denn dieser macht es ihr dank seines Aussehens nicht gerade einfach, ihren Plan in die Tat umzusetzen, dabei war er nur als Mittel zum Zweck gedacht gewesen.

Für mich hat in der kompletten Geschichte die Spannung gefehlt, wodurch ich mich echt schwertat mit dem weiterlesen und das, obwohl ich den Schreibstil von Janine als sehr angenehm empfand. Sie erzählt bildhaft und hat eine große Wortgewandtheit. Dennoch kann ich zu dem Buch keine allzu positive Rezension schreiben.

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Clare Chambers: Scheue Wesen

Fesselndes, auf wahren Ereignissen beruhendes Drama – hervorragend geschrieben

Schon allein auf dieses wunderschöne Cover könnte man Hymnen singen. Es passt perfekt zum Inhalt dieses genialen Romans, ebenso wie der Titel. Denn die Protagonisten der Geschichte sind in der Tat sehr scheue Wesen.

Was sich aber im Laufe der Zeit ändert. Zu Beginn ist die im Mittelpunkt stehende Helen, Anfang dreißig und ledig, sehr schüchtern und zurückhaltend. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist, dass sie mit einem verheirateten Kollegen eine Affäre hat. Sie arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischenKlinik in London, es ist das Jahr 1964.

Da wird sie eines Tage zusammen mit Gil, ihrem Liebhaber, der einer der leitenden Ärzte der Klinik ist, zu einem alten Haus gerufen. Nach Beschwerden der Nachbarn hatte die Polizei in diesem Haus eine verwirrte alte Dame gefunden und einen völlig verwahrlosten jungen Mann. William Tapping, so sein Name, spricht nicht, sein Bart reicht ihm bis zu den Knien, er hat offensichtlich seit Jahrzehnten das Haus nicht verlassen, keinen Kontakt zu anderen Menschen als seiner Tante gehabt.

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Ross Macdonald: Schwarzgeld (1965)

Man sieht Lew Archer an, dass er nicht zum mondänen Tennisclub Montevista gehört. Dies liegt unter anderem an seinem einfachen Anzug und den direkten Fragen, die er Angestellten und Mitgliedern über Francis Mantel stellt.

Sein Mandant, ein junger reicher Mann, erklärt, Francis Mantel sei seit zwei Monaten hier, und plötzlich stünde seine ehemalige Verlobte unter Mantels Einfluss. Es sei keine normale, keine gesunde Beziehung. Er mache sich schreckliche Sorgen um sie.

Für den Detektiv Archer aus Los Angeles scheint es ein ganz normaler Fall zu sein, bis er auf Ungereimtheiten stößt. Dieser Mantel bringt auf der einen Seite alles mit, was ein reicher Mann unter seinesgleichen braucht: Arroganz, Geld und den Anspruch, nur das Beste sei gerade gut genug für ihn. Doch auf der anderen Seite hat er die Angewohnheit, genauso schnell zu verschwinden, wie er gekommen ist. Nur dieses Mal will er die Exverlobte des Mandanten mitnehmen.

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JP Delaney: Die Erbin

Finn erinnert sich noch allzu gut an seine Kindheit auf Mallorca. Eine Finca hoch oben auf dem Berg, heruntergekommen und von Hippies bevölkert, mit allen Konsequenzen. Irgendwann floh seine Mutter mit ihm und seiner Schwester nach England und er vergaß den ungeliebten Vater beinahe. Jetzt ist dieser gestorben und hinterlässt eine relativ frisch angetraute Frau mit ihrer erwachsenen Tochter. Aber die beiden können die Finca nicht erben, denn sie gehört bereits seit Jahren Finn und seiner Schwester und der Vater hatte nur Wohnrecht. Finn reist nach Mallorca und findet an Stelle der heruntergekommenen Finca ein luxuriös renoviertes Anwesen, mit dem die neue Frau seines Vaters und ihre Tochter bereits Pläne haben. Aber natürlich wäre ihnen klar, dass es ihnen nie gehören würde.

Die Polizei beginnt Fragen zu dem vermeintlichen Unfalltod des Vaters zu stellen und Finn hat immer mehr Mitleid mit den beiden Frauen, die sich als Flüchtlinge erweisen und bereits so viel Geld und Arbeit in die Wiederherstellung der Finca gesteckt haben. Kann er ihnen das wirklich einfach so wegnehmen? Will er das?

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Anuschka Roshani: Truboy: Mein Sommer mit Truman Capote

In diesem Buch dreht sich alles um Truman Capote, das geniale, schillernde Enfant terrible der amerikanischen Literaturszene. Anuschka Roshani hat bereits Truman Capotes Gesamtwerke beim Verlag Kein & Aber herausgegeben und schreibt ihre Dissertation über Capote. Roshani hat Verhaltensbiologie studiert und war viele Jahre Reporterin und Redakteurin beim Spiegel.

Truman Capote lebte von 1924 bis 1984. Schon früh wurde er als literarisches Ausnahmetalent und Sensation gefeiert. Mit neunzehn Jahren erhielt Capote den „O.-Henry-Preis“ für seine Kurzgeschichte „Miriam“. Sein Roman aus dem Jahr 1948 Andere Stimmen, andere Räume  machten ihn zum umworbenen Debütautor der USA. Auch „Frühstück bei Tiffany“ oder der Tatsachenroman „Kaltblütig“ stammen, wie viele weitere Klassiker, aus Capotes Feder. Hier darf angemerkt werden, dass es sich unbedingt lohnt, Truman Capote zu lesen. Seinen Zeilen haftet eine Aura an, der man sich schwerlich wieder entziehen kann.

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Natalie Erlach: Meine Lieblingsfarbe in unserem Ozean

Kalea lässt ihr altes Leben hinter sich, um in Hawaii Schildkröten zu retten, ihre Eltern sind dagegen und wollen sie zur Rückkehr zwingen, noch dazu ist sie vollkommen pleite. Als Malio in die Rettungsstation platzt, da er beim Surfen aus Versehen eine Schildkröte verletzt hat, ist das Chaos vorprogrammiert. Inmitten von Zweifeln und Problemen zaubert er Kalea das Lächeln zurück aufs Gesicht. Während milder Sommerabende umgeben von Musik und Wellenrauschen versteht sie, was Freiheit wirklich bedeuten kann.

So gerne hätte ich dieses Buch geliebt – vor allem wegen des schönen Settings, doch leider hat es mir die Geschichte und vor allem deren Aufbau schwerer gemacht als gedacht. Eigentlich bin ich ein Fan von kurzen Kapiteln, doch hier haben sie mich gestört und ich kam nie richtig in die Geschichte hinein, denn bei jedem Kapitel wurde ich auch wieder in eine neue Situation hinein geworfen und es hat mich manches Mal ein wenig verwirrt. Auch hat mir die Tiefe gefehlt, sowohl in der Beziehung der Beiden als auch mit den Lösungen von Kaleas Problemen, denn die Lösung war definitiv zu einfach. Den Charakteren, sowie der Storyline selbst auch, haben einigen an Tiefe gefehlt.

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T. M. Logan: The Parents

Eltern machen sich zwar immer irgendwie Sorgen um ihre Kinder, aber Andy kennt seinen Sohn und weiß, dass das eigentlich nicht nötig ist. Connor ist ein schlauer Junge, ein guter Junge, der Problemen aus dem Weg geht. Aus reiner Gewohnheit wirft er um drei Uhr morgens einen Blick in Connors Zimmer, der friedlich in seinem Bett liegt. Alles gut.

Aber der Junge in dem Bett ist nicht Connor und Andy ahnt nicht, wie falsch er mit seiner Einschätzung über den eigenen Sohn liegen könnte. Fünf Teenager sind letzte Nacht in den Wald gegangen, doch nur vier kehrten zurück. Bald muss Andy sich nicht nur um seinen Sohn sorgen, sondern sich auch die Frage stellen, wie weit Eltern gehen, um ihre Kinder zu beschützen.

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Iida Turpeinen: Das Wesen des Lebens

Iida Turpeinens Roman „Das Wesen des Lebens“ ist ein wissenschaftlich fundiertes Werk, das historische Ereignisse aus verschiedenen Jahren miteinander verbindet. Bindeglied ist die Stellersche Seekuh, ein riesenhaftes Meerestier, das 1741 entdeckt worden war, aber schon ein paar Jahre später als ausgestorben galt. Der Roman beginnt 1741 mit der Großen Nordischen Expedition, angeführt von Georg Wilhelm Steller, und endet 1952 mit der Restaurierung eines Seekuh-Skeletts in Helsinki.
Die wissenschaftliche Präzision des Buches ist unbestreitbar. Turpeinen lässt den Leser in die Welt der Naturforscher eintauchen und vermittelt anschaulich die Bedeutung ihrer Entdeckungen.

Allerdings wirken die Protagonisten zuweilen etwas spröde und distanziert. Obwohl die Geschichten von Steller, Furuhjelm, von Nordmann und Grönvall faszinierend sind, gelingt es Turpeinen nicht vollständig, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Als Leser bleibt man emotional auf Distanz und kommt den Charakteren nicht wirklich nahe. Diese Distanz könnte darauf zurückzuführen sein, dass der Fokus stark auf den wissenschaftlichen Aspekten liegt und die persönlichen Geschichten und Emotionen der Protagonisten dadurch in den Hintergrund geraten.

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