Der Originaltitel des Romandebüts der Autorin Sofia Montrone lautet Nymph(e). Ihre Geschichte beginnt mit der heranwachsenden Leo, deren Vater ein amerikanischer Gelehrter ist und ihre Mutter eine unter Depressionen leidende Italienerin. Den Sommer verbringt die Familie in Süditalien im familiengeführten Hotel, zu dem Ländereien und Tiere gehören.
Für Leo und ihren jüngeren Bruder Max könnte es das pure Paradies sein. Wenn Leo ihre kindliche Perspektive behielte, hätte Max wiederum ungetrübte Spielerlebnisse. Doch den Verlauf der Natur kann Leo nicht aufhalten. Hormone durchfluten ihren Körper, und sie beginnt sich neu wahrzunehmen.
Auch ihr Vater nimmt sie anders wahr. Seine Gespräche mit Leo über Odysseus‘ Abenteuer erklären ihr die Rolle des Vaters, des abtrünnigen Abenteurers und Kriegers neu.
Sofia Montrone kommt aus Los Angeles und war Chefredakteurin der Columbia Review. Heute lebt sie in New York. Sie unterrichtet kreatives Schreiben an der Columbia University.
Ihr Debütroman erzählt über das Erwachsenwerden in einer frischen Perspektive. In zwei Kapiteln entwickelt sich Leo zu einer Entdeckerin, die unter anderem die Metapher über ihre eigenen Häutungen am Beispiel eines Grashüpfers in Szene setzt. Das Insekt braucht bei seinem Wachstum immer wieder größere Hüllen. Diese sind anfangs weich und empfindsam. Der harte Schutzpanzer kommt später, wenn es erwachsen ist. Bis dahin bleibt es (wie Leo) biegsam.
Die Kehrseite des Erwachsenwerdens erhält in diesem Roman ebenfalls ihren ganz eigenen Raum. Es sind die Abschiede: die vom Vater; das Revidieren alter Erkenntnisse und vieles mehr.
Der frisch erzählte Roman führt seine Leserschaft in die heiße Sommerzeit Italiens, zum Duft reifer Pfirsiche, frischem Brot und lang geköchelter Tomatensoße mit Knoblauch, Zwiebeln und Olivenöl. Die Arbeit der Hotelführung verlangt nicht nur Leo viel ab. Jeder in der Familie hat seine Pflichten.
Die Hinterlassenschaften der abgereisten Gäste verraten Leo einiges über deren Privatsphäre. „Das Zimmer der Abgereisten zu putzen, ist eine öde Arbeit. Am besten kommt man da durch, wenn man es als Spiel betrachtet. Leo kann nicht aufhören, Leben zu spielen in der Hoffnung, endlich einmal zu gewinnen. Sie hofft, über alles zu siegen, was sie stört und verwirrt …“ (S. 123)
Sofia Montrone: Der Tag war schön und ich dachte an dich
Aus dem Englischen übersetzt von Eva Bonné
Rowohlt Hardcover, Juni 2026
272 Seiten, gebundene Ausgabe, 24,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.
