Ayanna Lloyd Banwo: Als wir Vögel waren

Einen ungewöhnlichen Debütroman legt die aus Trinidad stammende Autorin Ayanna Lloyd Banwo vor. „Als wir Vögel waren“ ist zugleich Geister- als auch Liebesgeschichte. Es ist viel die Rede vom Tod sowie von alten Mythen.

Auf einem Friedhof in einer fiktiven Stadt Trinidads verlieben sich Darwin und Yejide Hals über Kopf ineinander. Er ist Totengräber und kommt nur schlecht mit seinen Kollegen zurecht, die in irgendwelche dunklen Machenschaften verstrickt sind. Mit seiner Mutter hat er sich verkracht. Yejide kommt aus einer Familie, in der seit jeher die Frauen das Sagen haben, und – wenn sie gestorben sind – hin und wieder als Geister erscheinen.

Das alles ergibt einerseits eine recht krude Mischung, die nicht jedermanns Fall sein dürfte, andererseits geht von dieser Geschichte auch ein eigentümlicher Sog aus, der sich vermutlich aus Ayanna Lloyd Banwos Schreibstil ergibt, der – besonders zu Beginn – die Farben und das bunte Leben auf den Straßen Trinidads transparent und nachvollziehbar macht.

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Andy Klemm: Blutmähne: Sachmets Vermächtnis

Andy Klemm: Blutmähne – Sachmets Vermächtnis: Historische Fantasy mit erotischem Einschlag

Erster Eindruck:
Der kryptisch klingende Prolog erschloss sich mir erst nach einem Drittel des Buches, als ich lernte, dass die Geschichte der Unsterblichen vor Tausenden von Jahren ihren Anfang nahm. Im Mittelpunkt stehen Donatella, Elani und später Anshu als Ich-Erzählerinnen. Spannend zieht der bildgewaltige und blumige Schreibstil Leserinnen und Leser in seinen Bann, und die Identifizierung mit einer der beiden ersten Figuren – oder mit beiden – erzeugt Kopfkino.

Inhalt:
Als sich Donatella in Elanis Gewalt wiederfindet, weiß sie nicht, wie sehr sich ihre Schicksalsfäden ineinander verweben werden. Als Unsterbliche und Bluttrinkerin verhasst – das Wort „Vampir“ taucht im Roman nicht auf – lebt sie seit Jahrhunderten unter Menschen und versucht, das Geheimnis ihrer Bestimmung zu lüften und dabei nicht aufzufallen. Der Titel „Blutmähne“ bezieht sich auf ihr rotes Haar und nicht auf ihren oft gezügelten Durst nach dem Blut zumeist zufälliger Opfer.

Der Verrat durch einen früheren gemeinsamen Liebhaber macht Donatella und Elani zu Verbündeten, obwohl Elani Donatella dafür hasst, ihren Vater getötet und ihre Mutter entführt zu haben. Die Ziele ihrer Suche sind unterschiedlich: Während Elani überzeugt ist, ihre Mutter Salomé lebe noch und sie werde sie finden, sucht Donatella zu ergründen, welche Gefahr den Unsterblichen droht. Ruhender Pol ist eine Sippe der Roma um Anshu, mit der Donatella einen Pakt geschlossen hat: Die Roma schützen sie bei Tag und sie die Roma des Nachts. Von hier bricht sie mit Elani ins historische Paris auf, um den Zusammenhang zwischen dem Schicksal der Bluttrinker und dem Salomés zu enträtseln.

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Trude Teige: Als Großmutter im Regen tanzte

Trude Teige ist eine bekannte Journalistin und Moderatorin in Norwegen. Ihr Roman „Als Großmutter im Regen tanzte“ erklomm für viele Wochen die Bestsellerlisten, und das nicht ganz unverdient, wie ich finde. Sie erzählt von einem Teil der norwegischen Geschichte, über den erstaunlich wenig bekannt ist. Ihr Roman spielt auf zwei Zeitebenen.

Im Heute treffen wir Juni, eine junge schwangere Frau, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann auf die Insel ihrer Kindheit flüchtet. Dort ist sie aufgewachsen, meist behütet von ihrer Großmutter Tekla, da ihre Mutter Lilla eher durch Abwesenheit auffiel.

Juni hat nur frohe, glückliche Erinnerungen an die Zeit bei ihren Großeltern, vor allem ihren Großvater liebte sie sehr. Beide sind inzwischen verstorben und auch ihre Mutter Lilla ist bereits tot. Zu ihr hatte Juni immer ein zwiespältiges Verhältnis, suchte bei ihrer Mutter nach Liebe und fand meist nur Abweisung. Auch verriet ihre Mutter bis zu ihrem Tod nie, wer Junis Vater war.

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Florian Schwiecker/Michael Tsokos: Die letzte Lügnerin

Strafverteidiger Rocco Eberhard wird im Krimi „Die letzte Lügnerin“ immer wieder tief in seine eigenen Fälle verstrickt. So auch in diesem dritten Band des deutschen Autorenduos Florian Schwieker/Michael Tsokos. Normalerweise zur Seite mit Rat und Tat steht ihm dabei der Gerichtsmediziner Dr. Justus Jarmer.

Das ist in diesem Fall eher schwierig, denn anders als in manchen amerikanischen Thrillern kennt Jarmer seine Rechte und Pflichten und ist nicht bereit, Rocco als Verteidiger des Angeklagten mehr Informationen zu geben, als dieser im Gerichtssaal erhält.

Florian Schwieker hat Erfahrung als Strafverteidiger in Berlin, Michael Tsokos ist Forensiker, die beiden wissen also, worüber sie schreiben. Was beide nur bedingt sind (und das bedeutet hier nicht, dass sie es gar nicht sind, das Buch liest sich wirklich gut), ist Geschichtenerzähler. Der Roman ist hervorragend geplottet, hat unerwartete Wendungen und überraschende Twists.

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Jillian Scudder: In 74 Fragen durch das Universum

Das Universum: Wer ist nicht davon fasziniert? Aber was wissen wir wirklich über den leuchtenden Nachthimmel über uns? Die meisten Menschen werden mehr Fragen als Antworten haben und 74 dieser Fragen verspricht Jillian Scudder in ihrem neuen Sachbuch „In 74 Fragen um das Universum“ zu beantworten. Die Autorin ist Astrophysikerin und Assistenzprofessorin am Oberlin College in Ohio (USA), die ihr Leben dem Weltraum widmet.

Ein spannendes Konzept, das viel verspricht – auch mit dem Untertitel: „Warum Sterne funkeln und wo wir nach außerirdischem Leben suchen sollten“. Die letztendliche Zusammenstellung der Fragen, die dieses Buch leiten sollen, ist hingegen … ausbaubar. Dass einige Fragen etwas gestelzt formuliert sind, ist bei so einem Konzept natürlich verzeihbar – manchmal soll einfach ein spannender Punkt ausgeführt werden, für den die formulierte Frage die Antwort eigentlich schon vorwegnimmt.

These mit Fragezeichen

Eher eine mit Fragezeichen gekennzeichnete These als eine echte Frage. Darüber kann man hinwegsehen, immerhin ist das hier ein Sachbuch und kein literarisches Werk mit hohem rhetorischem Anspruch. Aber das führt zum echten Kritikpunkt: Es ist ein Sachbuch. Ein Sachbuch über das Weltall, von einer Astrophysikerin verfasst – „Was sind Meteore?“, „Warum leuchtet der Mond?“ und „Was ist das Polarlicht?“ sind Fragen, für deren Antwort ich kein Sachbuch, sondern nur die Allgemeinbildung aus der fünften Klasse brauche.

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Franziska Tanneberger & Vera Schröder: Das Moor

Auf einmal war dieses Bild in meinem Kopf: Auf einer für Menschen unhörbaren Frequenz dröhnt ein Alarmsignal. Es ist so gigantisch laut, dass die Bäume zittern, und allmählich der Boden unter den Füßen in Bewegung gerät. Dies könnte so bis zur Katastrophe weitergehen, wären da nicht ein paar Menschen, die etwas wahrnahmen. Irgendwann verstanden sie das Signal, und dann begriffen sie das Ausmaß der Bedrohung.

Die Autorin und Wissenschaftlerin Dr. Franziska Tanneberger verlebte ihre Kindheit in Berlin-Pankow. Die Urlaube in Usedom waren für sie das Beste, weil ihr Großvater mit ihr immer wieder ins Moor ging. Sie lernte dort die Pflanzenvielfalt und Tierwelt kennen. Ihre Liebe zu der Schönheit unberührter Natur wuchs. Nach dem Abitur studierte sie Landschaftsökologie, Naturschutz und das Hauptfach Moorökologie. Damit belegte sie eine Nische, in der besondere Menschen in ihren Fokus gerieten. Sie nennt sie die Moormenschen. Auch in den Moorgebieten in Ostpolen fiel ihr auf, dass der Mensch in die Moore stark eingegriffen hatte. (S. 48)

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Christian Schnalke: Gewitterschwestern

Zwei Schwestern zwischen denen es beständig blitzt und donnert – selten hat ein Titel besser gepasst als hier. Und wer Geschwister hat, weiß, dass man sich nicht immer wunderbar verträgt. Aber hier erzählt Christian Schnalke, dessen Roman „Louma“ für mich eines der besten Bücher der letzten Jahre war, von zwei Schwestern, Grit und Fiona, die so zerstritten sind, dass sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr haben. Ja, man glaubt, sie sprechen nicht einmal dieselbe Sprache.

Grit ist die organisierte, vernünftige Ältere. Sie lebt in einer ehemaligen Burg, schwer belastet durch die hohen Renovierungsanforderungen. Und sie erzieht Milli, die 11-jährige Tochter.

Wegen dieser kommt nun Fiona zurück, nach so vielen Jahren, in denen sie nichts von sich hören ließ, in denen niemand wusste, wo sie ist und was sie tut. Nicht einmal zur Beerdigung der Mutter war sie nach Hause gekommen. Doch jetzt ist sie wieder da, mit einem bunt bemalten Sarg auf dem Autodach. Und sie fordert Milli. Denn die ist ihre Tochter und nicht die von Grit. Was diese dem Kind nie erzählt hat.

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Susanne Kristek: Die nächste Depperte. Von einer, die auszog, um Autorin zu werden

Im Roman „Die nächste Depperte“ von Susanne Kristek versucht eine Autorin mit Namen Susanne Kristek ihr Debut, den Roman „Nur die Liege zählt. Urlaub unter deutschen Palmen“ unters Volk zu bringen. Erschienen ist das Werk zwar, aber in den Buchhandlungen liegt es nicht aus. Die Ich-Erzählerin unternimmt deshalb alles Menschenmögliche, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und die Verkaufszahlen anzukurbeln.

Sie stellt sich zum Beispiel mit einem Self-Promotion-Stand vor Buchhandlungen und bewirbt sich bei einer Lokalzeitung darum, Person des Tages zu werden, weil sie da ihr Buch vorstellen könnte. Nichts davon funktioniert allerdings so, wie sie sich das vorgestellt hat. Die Schriftstellerkarriere kommt nicht recht in Schwung. Letztendlich kauft sie einen großen Teil der Auflage selbst auf und verschenkt ihre Bücher. Nichtsdestotrotz bleibt sie beim Schreiben, nimmt über Facebook Kontakt zur österreichischen Autorin Martina Parker auf (Rezensionen ihrer Bücher hier bei Leselust!), und sogar Elke Heidenreich wird auf sie aufmerksam. Martina Parker und Susanne Kristek beschließen, „Schreibschwestern“ zu werden, die einander ihre Manuskripte anvertrauen und Feedback geben.

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Maria Isabel Sánchez Vegara, Mark Hoffmann: Charles Darwin: Little People, Big Dreams 53

In der Kinderbuchserie „Little People, Big Dreams“ erscheinen die Lebensgeschichten von namhaften Persönlichkeiten, die Herausragendes erreicht haben.

In dieser Ausgabe geht es um Charles Darwin. Die Geschichte beginnt mit Darwins Kindheit in England und erzählt zuerst davon, wer alles zu seiner Familie gehörte. Danach ist zu erfahren, was das Leben des jungen Charles ausgemacht hat, vor allem für was er sich interessierte und begeisterte und wie sein darauffolgender Werdegang war. Man erfährt, was der wissbegierige Charles erforscht und entdeckt hat, wie er daraus seine bahnbrechende Theorie über die Entwicklung der Arten erarbeitet und wie letztlich ein renommierter Naturwissenschaftler aus ihm wurde.

Alle diese Lebensstationen sind kindgerecht erläutert und bunt bebildert. Vor allem die betont groß hervorgehobenen, einfach und doch ausdrucksstark gemalten Gesichter der Figuren ziehen den Blick auf sich.

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Judy I. Lin: A Magic Steeped in Poison

Früher war Ning von ihren eigenen Fähigkeiten in der Teemagie verzaubert. Sie wusste, welche Macht ihr innewohnt: Menschen heilen, stärken, beeinflussen und das lediglich mit dem richtig zusammengesetzten Kräuterraufguss. Heute weiß sie, dass ihre Magie noch etwas anderes bringen kann: den Tod. Ihre Mutter ist durch den vergifteten Tee gestorben, den Ning aufgegossen hat; ihrer Schwester droht das gleiche Schicksal.

Um ihre Schuld zu begleichen und ihre geliebte kleine Schwester zu retten, muss Ning ein Heilmittel gegen das unbekannte Gift finden, das den Teeziegeln von einem Unbekannten Staatsfeind beigesetzt wurde. Eine aussichtslose Aufgabe und ihre einzige Möglichkeit sieht sie darin, bei dem Wettkampf der mächtigsten Teemagier des Landes teilzunehmen, um als Gewinnerin eine Bitte an die Prinzessin stellen zu dürfen. Doch auf diesen Wettkampf ist sie nicht vorbereitet und die Intrigen am Hof sind tödlich …

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