E.M. Lindsey: Irons & Works 03: Unser Glück auf deiner Haut

Nachdem Sages Verlobter vor einigen Jahren verstarb, schwor er einer neuen Beziehung ab und zog sich komplett zurück. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn sein Leben weitgehend in normalen Bahnen verläuft. Als er jedoch auf Will trifft, bricht für Sage eine neue Zeit an.

William sollte als Spross einer reichen Familie eigentlich einen festgelegten Lebensweg einschlagen. Statt zu tun, was man von ihm verlangte, brach er aus und eröffnete ein Café, verlor so jedoch auch jeden Rückhalt seiner Familie. Schon ab dem ersten Moment funkt es zwischen ihm und Sage, doch der Tod seiner Eltern, die neue Vormundschaft über seine kleine Schwester, sowie Sage immer noch verletzte Gefühle schieben dieser Lebe einen Riegel vor. Können die beiden dennoch zueinanderfinden?

Wie auch seine Vorgänger ist der dritte Band der Reihe wirklich gut geworden. Ganz kann er nicht mit dem ersten Teil mithalten, doch das ist nicht schlimm. Sage und Will sind beides sehr interessante und facettenreiche Charaktere, mit denen man schnell warm wird. Es macht Spaß zu sehen, wie sie sich entwickeln und welche Entscheidungen sie treffen. Allgemein betrachtet haben beide eine Art, mit der man sich leicht identifizieren kann, was den Einblick in den Charakter noch einmal vertieft. Weiterlesen

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Danielle Mc Laughlin: Dinosaurier auf anderen Planeten

Danielle McLaughlin, eine irische Autorin, legt in ihrem Sammelband „Dinosaurier auf einem anderen Planeten“ elf recht düstere Geschichten vor. Sie handeln von Armut, Tristesse, Schwermut und dem Unvermögen der unterschiedlichen Generationen, miteinander klarzukommen.

Auf eine solch durchgehend negative Stimmung muss man sich als Leser einlassen wollen. Und das fällt schon deshalb nicht immer leicht, weil sich eine Vielzahl von Figuren in den einzelnen Geschichten tummelt. Bis man sie verinnerlicht hat, ist die Story schon wieder vorbei, und es geht mit neuem Personal von vorne los.

Auch hat die Autorin einen Hang zum offenen Ende. Die Geschichten beginnen im Nirgendwo, der Leser erfährt kaum etwas über den Hintergrund der handelnden Figuren, und einige Seiten später ist die Story wieder vorbei. Gut, man könnte argumentieren: Genau das gehört zum Wesen von Kurzgeschichten. Aber sich permanent auf die Rätseltour nach der Aussage, dem Sinn der jeweiligen Geschichte machen zu müssen und ihn beileibe nicht immer zu erfassen, ist auf Dauer dann doch ermüdend. Weiterlesen

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Helge-Ulrike Hyams: Denk ich an Moria: Ein Winter auf Lesbos

Der Autorin – Psychoanalytikerin und Professorin für Erziehungswissenschaften, geboren 1942 – gelingt es, die Realität im Lager Moria auf Lesbos zu schildern, ohne zu dramatisieren. In ruhigem, und dadurch vielleicht gerade wirkungsvollerem, Ton beschreibt sie das Leben der Flüchtlinge ebenso wie die Zustände, unter denen die vielen NGOs versuchen, den im Lager untergebrachten Menschen zu helfen.

Helge-Ulrike Hyams hat einen Winter auf Moria verbracht, bevor Corona alle anderen Themen aus den Köpfen der Menschen und der Politiker verdrängt hat. Sie kommt mit der Schweizer NGO „One Happy Family“ auf die griechische Insel. Dieser nicht-staatlichen Organisation geht es vor allem darum, den zumeist schwer traumatisierten Geflüchteten so etwas wie eine Struktur im täglichen Leben zu geben. Sie sorgen für regelmäßiges Essen, für Beschäftigung, für Aus- und Fortbildung. Dass der Ort dieses Hilfsangebots etliche Kilometer vom Lager entfernt lag, hinderte die Hilfesuchenden nicht, sie gingen zu Fuß oder nahmen einen der zahlreichen Busse, die man meist für kleines Geld benutzen konnte.

In thematische Kapitel gegliedert, zeigt das Buch die Dinge abseits der großen, plakativen Nachrichten. So erfährt die Leserin von der erstaunlichen Bedeutung einer Lidl-Filiale in der Nähe des Lagers, von Häkelkursen, die die Autorin anbietet und die den geflüchteten Frauen nicht nur Beschäftigung, sondern auch Selbstvertrauen verschafft sowie die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Weiterlesen

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Ged Adamson: Komm knuddeln

Oskar ist ein kleiner Vogel. Aber er ist nicht so wie die anderen. Er hat lange, unglaublich lange Flügel. Und so sehr er auch versucht, mit ihnen zu fliegen, es will einfach nicht klappen. Doch eines Tages trifft Oskar einen Orang-Utan, dem es noch schlechter geht als ihm: „Ich bin so traurig, ich weiß gar nicht genau warum!“ Oskar umarmt und tröstet ihn. Vielleicht sind seine Flügel ja doch für etwas gut. Denn es bleibt nicht bei dem Orang-Utan, bald wollen alle Tiere von Oskar geknuddelt werden. Da erkennt der kleine Vogel, dass seine langen Flügel ein großes Geschenk sind.

Es macht Spaß, durch das Buch zu blättern. Zum Teil gehen die wunderschön leichten Illustrationen über eine Doppelseite, dann wieder sind es viele verschiedene kleine. Und manchmal muss man das Buch auch drehen. Auch hier fällt also schon mal etwas aus dem Rahmen. Weiterlesen

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Tove Ditlevsen: Jugend

„Jugend“ ist der zweite Band der autofiktionalen Kopenhagen-Trilogie. Der Vorgänger „Kindheit“ erschien bereits im Januar 2021 im Aufbau Verlag.

Tove ist der Kindheit entkommen. Doch die Jugend scheint kaum besser zu sein. Phasenweise wirkt Tove wie eine Fremde im eigenen Leben. Ihre erste Anstellung als Haushälterin dauert nur einen Tag, die Vierzehnjährige ist vollkommen überfordert. Sie schlägt sich von einem Job zum nächsten durch und ist überzeugt, dass ihr wahres Leben erst mit achtzehn Jahren beginnen wird. Als der Redakteur stirbt, der ihr einst sagte, sie solle mit ihren Gedichten in ein paar Jahren wiederkommen, liegt ihr großer Traum in Scherben. Trotzdem schreibt sie weiter, humorige Auftragsarbeiten für Geburtstage und Jubiläen, aber auch echte Gedichte; nach und nach vermag sie zu erkennen, wenn sie gut sind. Ihre Lebenswirklichkeit ist ernüchternd, das lange und qualvolle Sterben ihrer Tante Rosalia, die auch in Dänemark wachsende Begeisterung für die Nazis, die Stelldicheins mit beliebigen Jungen bei Tanzabenden. Tove spürt nichts, wenn sie geküsst wird. Weiterlesen

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Anja Baumheier: Die Erfindung der Sprache

Von einer Heldenreise der besonderen Art, mit einem überaus liebenswerten Helden, erzählt uns die Autorin in diesem wundervollen Roman.

Dr. Adam Riese, seines Zeichens Sprachwissenschaftler, spricht wenig und wenn, dann am liebsten mit seiner elektronischen Sprachassistentin. Seine Lieblingszahl ist die Sieben, er liebt Listen mit exakt sieben Punkten und sein Äußeres straft seinen Nachnamen Lügen. Aufgewachsen ist Adam auf einer winzigen ostfriesischen Insel, umsorgt von nahezu allen Bewohnern des Eilands, abgöttisch geliebt von seiner Mutter Oda, seinem Vater Hubert und seinen Großeltern, Leska und Ubbo.

Anja Baumheier erzählt seine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Ein Handlungsstrang schildert die Lebensgeschichte seiner Familie, beginnend mit der ersten Begegnung zwischen Leska und Ubbo, beschreibt die große Liebe zwischen Oda und Hubert und die vielen Sorgen, die der zu früh geborene Adam seiner Eltern bereitet. Als Adam 13 Jahre alt ist, verschwindet sein Vater spurlos, woraufhin seine Mutter aufhört zu sprechen.

Die zweite Zeitebene zeigt uns Adam als Erwachsenen, Dozent an der Universität in Berlin, alleinlebend, einzige Gesellschaft seine Sprachassistentin. Da ereilt ihn ein Notruf seiner Großmutter: seine Mutter ist beim Anblick eines Buches ohnmächtig geworden und verweigert seither die Nahrung. In besagtem Buch mit dem Titel „Die Erfindung der Sprache“ wurde Adams Vater namentlich erwähnt. Weiterlesen

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Xavier Bosch: Der Mann meines Lebens

Heimlicher Protagonist und Schauplatz des Geschehens in diesem Buch ist das Hotel „Rafaeli“ in Barcelona. Ein Grandhotel, geführt mit Eleganz und Grandezza von der Familie Rafeles. Man legt Wert auf Stil, gute Manieren, vornehme Zurückhaltung und man hat Geld.  Die beiden ältesten Söhne Alex und Roger werden den Familienbetrieb weiterführen, Joaquim, genannt Kim, macht eine Dolmetscher- und Übersetzerausbildung, weil er sonst nicht recht weiß, was er beruflich tun soll und Sprachkenntnisse in einem Hotel immer von Vorteil sind. Die Jüngst, Elsa, genießt den Status des Nesthäkchens.

An der Uni lernt Kim Laura kennen. In einem Seminar werden sie für eine Partnerarbeit zusammengewürfelt. Sie studieren im selben Semester.  Laura stammt aus weniger betuchtem Haus aber sie interessieren sich für einander, lachen über dieselben Dinge, fühlen sich sehr zu einander hingezogen.  Bevor aus dem Miteinander eine Liebesbeziehung wird, steigt Laura auf die Bremse und statt für Erotik und Leidenschaft entscheiden sie sich für eine Freundschaft ohne Sex.  Laura will nicht zu Kims unzähligen Eroberungen zählen, die er im „Rafaeli“ auf Zimmer 218 vernascht.  Bald sind sie innigste Freunde, verstehen einander ohne Worte und vertrauen einander blind. Sie necken und berühren einander, aber mehr als Freunde wollen sie nicht sein. So ist es abgemacht. Weiterlesen

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Kazou Ishiguro: Klara und die Sonne

Poetisch, magisch, tragisch, schön: Literatur-Nobelpreisträger Kazou Ishiguro ist ein Meister darin, tiefe Einblicke in die menschliche Seele zu wagen – und zwar aus Sicht menschenartiger Wesen. In seinem mit Keira Knightley und Andrew Garfield verfilmten Meisterwerk „Alles, was wir geben mussten“ waren es Klone, die dafür gezüchtet wurden, ihren Auftraggebern Organe zu spenden. In diesem Roman ist es eine KI, eine künstliche Intelligenz, deren Aufgabe darin besteht, sensible Jugendliche durch die problematische Zeit des Erwachsenwerdens zu begleiten. In der nahen Zukunft hat sich die Welt mir ihren sozialen Konstrukten verändert. Leider nicht zum Besseren.

Der Roman entfaltet seine unglaubliche emotionale Wucht durch die außergewöhnliche Erzählperspektive. Wir erleben die Geschichte aus Sicht von Klara, der „künstlichen Freundin“. Unmittelbar wirft der Autor uns ins Geschehen. Erster Satz: „Als wir neu waren, standen Rosa und ich in der Ladenmitte, wo auch die Zeitschriften auslagen, und hatten den größeren Teil des Schaufensters im Blick.“ KIs oder vielmehr KFs haben keine Vorgeschichte, keine Kindheit. Ihr Leben beginnt in dem Laden, wo sie hoffen, bald von einem Jugendlichen als Begleiter ausgewählt zu werden. Durch das Schaufenster beobachtet Klara die Welt. Sie hat eine sehr genaue Wahrnehmung, die beim Lesen sofort in den Bann zieht. Denn Klara ist sowohl hochintelligent, als auch naiv. Als hätte man das Gehirn eines Genies in die begrenzte Lebenserfahrung eines Kindes verpflanzt. Heraus kommen entwaffnend ehrliche, tiefgründige Beobachtungen, die ins Mark der Menschen treffen. Sie sagen das eine und tun das andere. Sie sind innerlich zerrissen zwischen dem, was sie wollen und dem, was die Gesellschaft von ihnen verlangt. Sie ändern ihre Meinung, wollen rational handeln, werden aber emotional zurückgeworfen. In der Zukunft mehr denn je. Weiterlesen

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Klaus Englert: Wie wir wohnen werden: Die Entwicklung der Wohnung und die Architektur von morgen

Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Es korreliert mit unserem Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit, aber auch immer mehr mit unserem Wunsch nach Individualität und nach Repräsentation – Wohnungen sind ein Spiegel unseres Lebensstils. Zudem verbringen wir auch einen großen Teil unseres Lebens im privaten Umfeld – das ist der Ort, wo wir uns erholen, soziale Beziehungen ausleben, Interessen pflegen

Grund genug, sich mit den Wohnungen von morgen zu beschäftigen, könnte man meinen. Doch in seinem Buch „Wie wir wohnen werden“ setzt Klaus Englert den Fokus auf die Probleme, die mit steigendem Wohnraumbedarf immer dringlicher werden.

Guter Wohnraum wird teurer. Vor allem in den großen Städten haben international agierende Immobilieninvestoren das Gewinnpotential von Bebauungsflächen erkannt und ständig steigende Mieten verschärfen die Wohnungsnot. Vor allem an den Rändern der Städte entstanden Wohnwüsten – Einfamilienhaussiedlungen ohne Infrastruktur – oder einfallslose Neubaugebiete. Somit wird Wohnen zum sozialen Problem. Im Vorwort zum Buch umreißt Klaus Englert „die Misere des Wohnungsmarktes“. Weiterlesen

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Louis-Philippe Dalembert: Die blaue Mauer

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Katastrophen oder Gräueltaten großen Ausmaßes für diejenigen, die davon nicht betroffen sind, nur sehr abstrakt bleiben, wenn man die schieren Opferzahlen nennt. Sobald jedoch Einzelschicksale herausgegriffen, individuelle Geschichten erzählt werden, dann sind die Zuhörer, die Leser entsetzt, schockiert, geraten in Wut oder trauern.

Diese Vorgehensweise, den wohlbehüteten Europäern die menschenverachtenden Vorgänge im Zusammenhang mit der Flucht über das Mittelmeer nach Europa vor Augen zu führen, funktioniert auch in diesem Roman.

Der Autor Louis-Philippe Dalembert wurde in Haiti geboren, er lebt heute in Paris und Port-au-Prince. Seine Geschichten und Romane wurden mit Preisen ausgezeichnet, auch „Die blaue Mauer“ war für den Prix Goncourt 2019 nominiert.

„Die blaue Mauer“ – Zu Beginn habe ich mich nach dem Sinn des Titels gefragt. Doch der erschließt sich sehr schnell und hätte prägnanter kaum gewählt werden können. Diese blaue Mauer, das ist nichts anderes als das Mittelmeer, das ist die Mauer zwischen der EU und den Flüchtenden, die aus Afrika kommen, weil alles besser ist als das Leben, das sie zurücklassen. Und die EU, so will es immer wieder scheinen, ist froh um diese Mauer. Weiterlesen

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