Rainer Moritz: Als wär das Leben so

Eine ungewöhnliche Frau ist die Protagonistin dieses Romans. Lisa weiß schon als Kind, wie sie sich ihre Freiräume verschafft. Sie hat ihren eigenen Kopf und geht ihre eigenen Wege, schwimmt gegen den Strom und lässt sich nicht beirren. Wenn sie unschlüssig ist, hält sie inne, probiert Dinge aus und ändert ihre Richtung, ohne über verpasste Chancen oder vertane Zeit zu klagen.

Der Autor erzählt uns die Geschichte dieser Frau in Rückblenden. In der aktuellen Zeitebene sitzt sie am Tisch auf ihrem Balkon und versucht, einen Brief zu schreiben, an ihre Eltern. Doch immer wieder bricht sie ab, beginnt neu.

Dabei ist der Stil, in welchem wir von Lisas Leben erfahren, von ihren Erfolgen und ihren Irrtümern, von ihren glücklichen Momenten und den Zeiten, in denen sie unglücklich war, sehr eigentümlich. Rainer Moritz greift einzelne Szenen auf, schildert sie detailliert, überspringt andere Lebensphasen Lisas mit großen Sprüngen. Der Kunstgriff, den er verwendet, liegt in der immer wiederkehrenden Bezugnahme auf Lisas Alter: „Als Fünfjährige, als Achtjährige, als Zwölfjährige, als Fünfzehnjährige.“ (S. 17). So geht es durch das Buch, durch ihr Leben. Weiterlesen

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Michael Nast: Generation Beziehungsunfähig. Die Lösungen

Ausgehend von seiner persönlichen Situation beschäftigt sich Michael Nast in seinem Buch mit der Frage, warum so viele Singles anscheinend ausschließlich an die falschen Frauen bzw. die falschen Männer geraten. Ganz selten ergeben sich aus Dates Beziehungen und wenn, dann halten diese nicht lange. Zwei Jahre Partnerschaft gelten schon als Zeitraum, den junge Erwachsene heutzutage mit „WOW!“ kommentieren. Und als „junge Erwachsene“ bezeichnen sich mittlerweile auch viele über 40-Jährige… Was ist da los??

2016 hat sich Nast schon einmal zur „Generation beziehungsunfähig“ Gedanken gemacht und einen Bestseller gelandet. Jetzt verspricht er im Titel die Lösungen für das Phänomen.  Er entdeckt frappierende Parallelen zwischen unserem Konsum- und dem Partnerwahlverhalten.  Wir starten halbherzige Beziehungen in dem Bewusstsein, dass sie demnächst „verbraucht“ sein werden und noch etwas Besseres, Schöneres, Passenderes kommen wird, um bald darauf nach jemand noch Tollerem Ausschau zu halten.  Singles des 21. Jahrhunderts vermeiden regelrecht tiefe, ernstzunehmende Partnerschaften, weil diese nach dem ersten rauschhaften Verliebtheitstaumel bald „langweilig“ sind.  Sie berauben sich dadurch unendlich vieler schöner Erfahrungen. Weiterlesen

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Peter Richter: August

In Berlin hatten sie sich kaum gekannt, das Ehepaar Mauler und der Buchautor Alec mit seiner Frau Vera, die Ärztin ist. Mittlerweile leben alle vier in New York. Richard Mauler, der reich gewordene Immobilienmakler hat seine „alten Freunde“ eingeladen, den gesamten August über gemeinsam im Mauler’schen  Bungalow in den mondänen Hamptons auf Long Island zu verbringen. Vera sieht alles von Beginn an recht skeptisch.  Ein Urlaub zwischen den Dünen, wo siebzigjährige Bienenköniginnen „south of highway“ (E-Book S. 16) neben Hedgefonds-Managern in überbordendem Reichtum leben, erscheint ihr nicht sehr reizvoll. Dennoch folgen die beiden zusammen mit ihrer kleinen Tochter der Einladung.

Auch Stefanie Mauler, die früher in Deutschland als Musikmoderatorin bekannt war, zeigt sich nicht unbedingt begeistert davon, ihren Bungalow mit den anderen zu teilen. Richard dagegen eifert mit Vergnügen der eigentlichen Upperclass nach, zu der er dann aber doch nicht ganz gehört. Zu gern suhlt er sich in seiner Rolle als gönnerhafter, reicher Gastgeber. Die Tage dümpeln anfangs träge dahin zwischen Saxofonmusik aus den Lautsprechern, dem Wasser unter ihren Luftmatratzen im Pool, dem Sprung ins nahe Meer oder der Fahrt ins Indianerreservat, wo man günstige Zigaretten kaufen kann. Die Diskussionen der Vier sind mit vielfältigen Gedankengebäuden gespickt, die auch immer wieder in die Vergangenheit driften. Während Richard mit seinem Reichtum protzt, sucht Stefanie ihre Erfüllung Weiterlesen

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Linda Dielemans: Im Schatten des Löwen

Junhis Geschichte beginnt vor etwa 28.000 Jahren irgendwo im heutigen Frankreich. Sie lebt bei einem Stamm, der in Höhlen lebt und zum Überleben Großwild jagen muss. Seit Junhis Eltern nicht mehr im Stamm leben, wird sie häufig von Dahs, dem Anführer und besten Jäger, und von Uma, der Stammesmutter, geschlagen und gemaßregelt.

Eines Tages beginnt sie zu träumen. Sie träumt von Tieren und einem Löwenmann, und es fühlt sich so an, wäre sie in einer anderen Welt, die sie umarmt und ihr allein gehört. Leider kann sie nicht verstehen, was diese Träume sagen wollen. Nur Tukh, der Träumer des Stammes, könnte es ihr erklären. Seine Traumdeutungen haben ihrem Stamm immer Glück gebracht und das Überleben gesichert. Aber er hat bereits einen Lehrling und darf keinen zweiten ausbilden.

Als Uma ihr das Träumen verbietet, kann es für Junhi kaum noch schlimmer werden. Trotzdem erscheint in ihren Träumen der Löwenmann. Er schweigt und beantwortet ihre Fragen mit Bildern. Die offenen Fragen lassen Junhi keine Ruhe. Weiterlesen

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Luca Ventura: Bittersüße Zitronen

Auch in Luca Venturas zweitem Capri-Roman wird die italienische Sehnsuchtsinsel wieder zum Schauplatz ungewöhnlicher Verbrechen. Diesmal präsentiert der Autor die Insel von einer ganz anderen Seite. Statt „Mitten im August“ (dem Erstling der Reihe) spielt der zweite Fall der Kommissare Enrico Rizzi und Antonia Cirillo im November. Die Touristen sind fort, der Horizont in Nebel gehüllt und die Konflikte eskalieren zwischen den alteingesessenen Insulanern. Genauer: Zwischen den Citrus-Dynastien der Constantini und Bellini. Erstere liefern die hochwertigen Bio-Zitronen, welche letztere zu Limoncello-Produkten verarbeiten. Doch allerlei emotionale Verstrickungen kommen den Geschäftsbeziehungen in die Quere. Neben dem eigentlichen Krimiplot schafft der Autor ein interessantes Spannungsfeld durch das stetige Aufeinanderprallen von Gegensätzen. Norditaliener versus Süditaliener, Tradition versus Moderne, Insulaner versus Migranten, Ökonomie versus Ökologie.

Elisa Constantini kommt eines Nachts mit einer dreirädrigen Ape von einer kurvenreichen Straße ab und stirbt bei dem Verkehrsunfall. Commissario Rizzi entdeckt, dass das Fahrzeug manipuliert wurde. Doch wer will der jungen Frau und zweifachen Mutter etwas Böses tun? Was hatte sie nachts überhaupt bei den Bellinis zu suchen, den Geschäftspartnern ihrer Familie? Warum benutzte sie ein Fahrzeug, dass auf die betagte Firmenmonarchin Aurora Bellini zugelassen war? Galt am Ende der Anschlag ihr und nicht Elisa? Fragen über Fragen, welche die Inselpolizei ordentlich auf Trab halten. Zumal es nicht bei einer Toten bleiben soll… Weiterlesen

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Timon Karl Kaleyta: Die Geschichte eines einfachen Mannes

Timon Karl Kaleyta dürfte Musikfans vor allem als Frontman der Elektropop-Band „Susanne Blech“ ein Begriff sein. Nun hat der gebürtige Bochumer auch seinen ersten Roman geschrieben: „Die Geschichte eines einfachen Mannes“.

Der Held in diesem Buch ist ein Glücksritter, der zuweilen Ähnlichkeit mit Thomas Manns Hochstaplerfigur Felix Krull hat. Kaleytas Held macht sich – etwas naiv – zum Verdruss seiner Eltern zum Beispiel wenig Sorgen um die Zeit nach dem Abitur und glaubt, dass sich schon alles irgendwie finden werde. Das tut es eine Zeitlang sogar: Der Mann macht Karriere an der Uni, landet im Bett von tollen Frauen und startet mit seiner Band eine vielversprechende Musikkarriere. Weiterlesen

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Noa Yedlin: Leute wie wir

Das Ehepaar Osnat und Dror sind mit ihren beiden Kindern umgezogen. In ihrem neu renovierten Haus, das in einem etwas abgelegenen Stadtteil von Tel Aviv steht, erhoffen sie sich eine Verbesserung ihres Lebensstandards. Die Gegend ist im Moment zwar noch nicht en vogue, aber spätestens in ein paar Jahren wird es soweit sein, dann sind sie mittendrin und bereits etabliert, so denken sie. Die beiden teilen sich ihr Elterndasein. Dror arbeitet zu Hause. Er hat sich selbständig gemacht und sieht sich als eine Art Weltverbesserer, der mit seinem Computerprogramm jungen Internetusern den Zugang zu pornografischen Inhalten verwehren will.

Nach und nach lernt die junge Familie ihr Umfeld und die neuen Nachbarn kennen, deren Lebensumstände, Gepflogenheiten und Eigenarten sie dann schnell mit einiger Skepsis begegnen. Sei es ihr direkter Nachbar Israel oder die neue Freundin ihrer Tochter Hamutal, die in einer Familie lebt, die Kampfhunde züchtet. Ein ständiges Parkplatzproblem vorm Haus, ein neu gekaufter und kurz darauf demolierter Briefkasten, ein absichtlich geöffneter Gully im Garten und ein daraus resultierendes Kakerlakenproblem oder der zweimalige Einbruch ins Haus trüben die Freude und das Wohlbefinden im und am neuen Heim. Die Kampfhundezüchter schenken der Familie einen kleinen Kampfhundewelpen, den keiner will, letztlich behält man ihn aber doch. Mit derartigen Vorkommnissen und Problemen hatten wirklich weder Dror noch Osnat gerechnet. Weiterlesen

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Dr. Leon Windscheid: Besser fühlen: Eine Reise zur Gelassenheit

Noch immer wird das rationale Handeln höher eingeschätzt als Emotionen. Herr über die eigenen Gefühle zu sein, so wird gern behauptet, sei ein angestrebtes Ideal. Gleichzeitig wird das Vorurteil gepflegt, Männer/Jungen seien eher rational und Frauen/Mädchen emotional. Doch wie Gefühle das Handeln eines Menschen tatsächlich beeinflussen, ist ein so breites Themenfeld, dass sogar unzählige Forschungen und Versuche nur einen überschaubaren Bereich begreifbar machen. Ob es sich um die Macht des sogenannten Bauchgefühls dreht oder Ehrgeiz und Ungeduld der eigenen Karriere im Weg stehen, sie alle sind nur Facetten.

Wer den Titel Besser Fühlen liest, hat vielleicht eine Idee, wohin die Lesereise gehen könnte. Wohin sie dann tatsächlich geht, dürfte für jeden überraschend und bereichernd sein. Denn der Psychologe Dr. Leon Windscheid erklärt anschaulich, warum wir fühlen. Trotz unterschiedlicher Lebensweisen und Empfindungen, sieht er zwischen den Menschen verbindende Muster. Wer sie kennt, hat die Chance, sich „[…] selbst besser zu verstehen und ein zufriedenes Leben zu führen […] (S. 15).

„Das Buch, das Sie in der Hand halten, leitet Sie wie eine Karte durch zehn unterschiedliche Gefühlslandschaften.“ (S. 13) und sind das Ergebnis seiner Erfahrung als Psychologe und vieler Wissenschaftler, auf deren Forschungsergebnisse der Autor Bezug nimmt. Weiterlesen

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Judith Hermann: Daheim

Die Berliner Schriftstellerin Judith Hermann (Jahrgang 1970) erntete 1998 für ihre Debüt-Erzählungen „Sommerhaus, später“ viel Lob. 2014 erschien ihr erster Roman „Aller Liebe Anfang“. 2016 veröffentlichte sie mit „Lettipark“ wiederum ein Buch mit Erzählungen. Nun erschien am 28. April 2021 ihr zweiter Roman mit dem Titel „Daheim“ im S. Fischer Verlag. Mit diesem Buch ist sie für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021 nominiert. Und das völlig zurecht. Judith Hermann ist eine wunderbare Erzählerin. In „Daheim“ erzählt sie die Geschichte einer Frau, die nach der Trennung von ihrem Mann und dem Auszug der erwachsenen Tochter an einem neuen Ort neu anfängt.

Vor dreißig Jahren arbeitete diese Frau, deren Namen wir als Leserinnen und Leser nicht erfahren, in einer Zigarettenfabrik und hatte die Chance, mit einem Zauberer auf einem Kreuzfahrtschiff nach Singapur zu reisen. Als Assistentin, die sich in einer Kiste zersägen lässt. Damals ist sie nicht gefahren. Sie hat Otis geheiratet und ihre Tochter Ann bekommen.

An die „zersägte Jungfrau“ erinnert sie sich in dem Haus am Meer, in dem sie jetzt allein lebt. Sie arbeitet bei ihrem Bruder Sascha in einer Kneipe am Hafen. Sie lernt die Künstlerin Mimi und den Bauern Arild, Mimis Bruder, kennen. Die Frau schreibt ihrem (Ex-) Ehemann Otis kleine, zärtliche Botschaften über ihr Leben im Dorf an der Küste. Weiterlesen

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Kai Hensel: Terminal

Das Berliner Wahrzeichen hat sein Fell durch Beton- und Konstruktionsschlachten verloren. In den letzten zwei Dekaden gab es unzählige Berichte über den Flughafen Berlin-Brandenburg. Sie prangerten Inkompetenz, Schludrian und Vetternwirtschaft an. Im Zentrum des Interesses blieb der „ProblemBER“, der lange Zeit alles war, nur kein Flughafen.

Theoretisch hätte man über dieses Desaster ein Sachbuch oder sogar einen Wirtschaftskrimi schreiben können und dabei möglicherweise die Orientierung im Wirrwarr der Mängel verloren. Für dieses brisante Thema nutzte Kai Hensel seine Erfahrung als erfolgreicher Drehbuch- und Theaterautor und setzte episodenhaft eine Geschichte zusammen, die das untrennbare Für und Wider aufzeigen. Entstanden ist ein äußerst unterhaltsamer, pointierter Roman über Interessenkollisionen, in dem unterschiedliche Charaktere aufeinanderstoßen. Sie alle sind von Träumen und Wünschen beseelt. Zum Beispiel die junge Jana, die Motorradrennen über alles liebt. Während sie nachts auf einem Moped Pizza ausliefert, kollidiert sie mit dem Oldtimer des ehemaligen Bürgermeisters Pankelow. Weiterlesen

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