Jürgen Klahn: Bio-Tod: Ein Hygge-Krimi

Gerade als Kommissar Jens Peter Jensen mit seiner Wochenendbeziehung Grete in eine Urlaubswoche starten will, erreicht die Meldung von einem Mord das Kommissariat.  Die resolute Umweltaktivistin Britta Gronbaek wurde in ihrem Haus ermordet.

Obwohl eigentlich schon in Urlaub, kann es Jensen dennoch nicht lassen, am Tatort vorbeizuschauen. Zu gerne wäre er gerne bei den Ermittlungen dabei, aber Grete ist inzwischen ankommen und erwartet ihn. Glücklicherweise teilt sie seine kriminalistische Leidenschaft mit ihm. Wie mit einer Lupe betrachtet der Autor die Verdächtigen, die Jensen und seine Grete ins Fadenkreuz nehmen. Denn natürlich können sie nicht untätig bei der Aufklärung eines Mordes zusehen, sondern beteiligen sich tatkräftig am Geschehen.

Hat der Schweinezüchter Vendelbo Britta Gronbaek ermordet? Grund dazu hätte er, war sie doch tatkräftig mit dabei, als Tierschützer in einer spektakulären Nacht- und Nebel- Aktion seine Schweine freigelassen haben. Oder kommt der Besitzer der fleischverarbeitenden Fabrik als Mörder in Frage? Oder gar ihre Freundin und Konkurrentin, das Ex-Model Vera Clement? Und was ist mit deren Gärtner? Ist der am Ende der Mörder? Weiterlesen

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Marie Aubert: Erwachsene Menschen

Die Norwegerin Marie Aubert (Jahrgang 1979) legt mit „Erwachsene Menschen“ ihren ersten Roman vor. Das Buch ist am 21. April 2021 im Rowohlt Verlag erschienen. Ursel Allenstein übersetzte den Roman aus dem Norwegischen.

Darin erzählt Marie Aubert die Geschichte der vierzigjährigen Ida, die sich mit ihrer Familie in einem Ferienhaus an der Küste Norwegens trifft. Ida ist Architektin und möchte ihre Eizellen in einer Klinik in Schweden einfrieren lassen, damit sie, wenn sie den richtigen Partner gefunden hat, Kinder mit ihm bekommen kann. Marthe, ihre jüngere Schwester, ist mit Kristoffer verheiratet, der eine sechsjährige Tochter namens Olea hat. Sie wollen den fünfundsechzigsten Geburtstag der Mutter feiern. Diese reist mit ihrem Lebensgefährten Stein an. Idas und Marthes Vater hatte sich vor Jahrzehnten von der Familie getrennt und ist inzwischen verstorben. Bevor Ida von ihren Kinderwunsch-Plänen erzählen kann, erklärt Marthe ihr, dass sie schwanger ist. Und Ida erfährt, dass sich eine Eizellenentnahme bei ihr nicht mehr lohnt. Ida lässt ihre Enttäuschung an Marthe aus, flirtet mit Kristoffer und bricht nach einem Streit zu einer Bootstour mit der kleinen Olea auf. Weiterlesen

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Tove Ditlevsen: Abhängigkeit

„Abhängigkeit“ ist der dritte Teil von Tove Ditlevsens autofiktionaler Kopenhagen-Trilogie.

Tove hat den Verleger Viggo F. Møller geheiratet. Sie ist Dichterin geworden, was in „Kindheit“ noch unmöglich schien. Ihre Gedichte und Erzählungen werden veröffentlicht, sie hat sich vom Arbeitermilieu losgelöst. Die Einsamkeit und das Gefühl des Andersseins jedoch sind geblieben. Mit dem viel älteren Viggo verbindet sie keine Liebe. Sie hat Affären, lässt sich scheiden, heiratet wieder, bekommt ein Kind. Ihr zweiter Mann Ebbe liebt sie, doch er kann sie nicht halten, Tove ist alles zu eng, sie träumt von … Das weiß sie selbst nicht recht, nur das Schreiben, das muss sein. Sie schläft mit Carl, einem Mediziner, wird schwanger. Carl hilft ihr bei der Abtreibung und spritzt ihr zum ersten Mal Pethidin. „Während die Flüssigkeit aus der Spritze in meinem Arm verschwindet, breitet sich eine nie gekannte Seligkeit in meinem Körper aus. Der Raum erweitert sich zu einem strahlenden Saal […]“ (Zitat Erster Teil Kap. 12). Toves Abhängigkeit beginnt. Immer wieder will sie dieses Gefühl haben, keine Erwartungen erfüllen zu müssen, der Wirklichkeit entkommen zu können und vollkommen glücklich zu sein. Sie heiratet Carl, damit die Pethidinspritze jederzeit verfügbar ist. Und er gibt ihr, was sie will, wann immer sie will. Immer öfter. Dass er ein Psychopath ist, ahnt die Leserin bald, Tove verschließt die Augen vor unangenehmen Wahrheiten und gerät immer tiefer in den Strudel der Sucht. Anfangs kann sie noch schreiben, am besten gelingt es mit der Hilfe von Methadontabletten, später kann und will sie nichts mehr, nur noch die Erlösung der nächsten Dosis. Mit letzter Kraft schafft sie es, sich in eine Klinik einweisen zu lassen und ihr Leben zu retten. Die Spirale aus Sucht, Entzug und Rückfällen wird erst mit Toves Selbstmord enden. Weiterlesen

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Sophie Hardcastle: Unter Deck

Die junge Protagonistin Olivia hat während ihres Studiums bei ihrem Großvater in Sydney gewohnt. Ihre Eltern leben woanders, zudem ist das Verhältnis zu ihnen nie sehr eng gewesen und seitens des Vaters mit ständigen Erwartungshaltungen verknüpft. Wegen ihm hat sie, anstatt ihrem Wunsch ein Kunststudium aufzunehmen, nun ihren Master in Wirtschaftswissenschaften absolviert.

Die Beerdigungsfeier für den Großvater ist für Olivias Eltern eher eine Pflichtveranstaltung, bei der das Tragen korrekter Kleidung wichtiger scheint als überhaupt zu trauern. Dennoch bricht die Mutter dann doch noch in Tränen aus: Die Farbe ihres Geheuls ist ein unbehagliches Orangerot wie nasses Herbstlaub, matschig und halb verrottet (E-Book S. 56) – In diesem Satz wird wie im gesamten Romanverlauf immer wieder verdeutlicht, wie mit Olivias Leben – vornehmlich mit ihren Gefühlen – Farben verwoben sind.

Der Dominanz ihres langjährigen Freundes Adam ist Olivia ebenso ausgeliefert wie zuvor dem Vater. Als sie eines Tages völlig verkatert auf einem Segelboot unter Deck zu sich kommt, ändert sich ihr Leben durch den Bootsführer Mac und dessen Partnerin Maggie. Die beiden, die eigentlich ihre Eltern sein könnten,  werden zu engen Vertrauenspersonen für Olivia. Vor allem in Maggie findet sie eine Seelenverwandte. Weiterlesen

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Joshua Tree: Singularity

Die Zukunft – die Meere sind übersäuert, Dank der zu lange geleugneten globalen Klimaerwärmung sind die Polkappen geschmolzen und ganze Landstriche unter Wasser. Das Land ist ebenso übersäuert wie das Meer, das kaum mehr einen Lebensraum für Tiere bietet. Die allermeisten Fische und Meeressäuger sind ausgestorben. Passend dazu fällt saurer Regen, der bei Hautkontakt zu juckenden Ekzemen und Krebs führt.

Dank Fortschritten in der Nanotechnologie und der Entwicklung von KIs sind Menschen, zumindest die Begüterten unter diesen, körperlich unsterblich geworden. Mittels implantierten Hub sind sie permanent online, wird alles was sie erleben, was sie denken hochgeladen. Dem Alltag entflieht man in virtuelle Welten, die von der Wirklichkeit nicht länger zu unterscheiden sind. Längst haben die KIs die Entwicklung neuer Technologien übernommen, haben sie kognitiv wie kreativ den Menschen, auch den Homo Superior überflügelt.

Doch wo es Licht gibt, da ist auch immer Schatten. Ein Zug, der letzte von unzähligen Zügen, rollt durch das was früher als die USA bekannt war. An Bord Menschen, Homo Sapiens, die angeleitet von einer KI dafür sorgen, dass verstrahlte Bauwerke geschliffen und renaturiert werden. Als Dank winkt der kurzfristige Aufenthalt in einer virtuellen Welt ohne Sorgen und Gefahren. Irgendwann einmal werden diese überflüssigen Menschen vergessen werden, werden einen langsamen, unbetrauerten Tod sterben. Weiterlesen

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Frida Gronover: Dänische Gier

Als regelmäßiger Skandinavienurlauber spricht mich der Titel natürlich an. Und so wage ich mich an den dritten Band der Krimi-Reihe von Frida Gronover heran. Bisher war mir die Autorin unbekannt.

Die 1969 im westfälischen Hamm geborene Autorin studierte Pädagogik und Kunsttherapie an der Universität Münster. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet sie freiberuflich als Klinik-Therapeutin. Von Literatur begeistert begann sie  begann sie selbst Geschichten zu erzählen und fand Zugang zum Krimigenre.  Unter ihrem bürgerlichen Namen veröffentlichte sie bereits eine Reihe Münsterland-Krimis. Im Jahr 2018 erschien ihr erster Krimi unter dem Pseudonym Frida Gronover: „Ein dänisches Verbrechen“. Die Insel Falster in der dänischen Südsee bietet für sie die ideale Bühne ihrer Romane, da sie in ihrer Kindheit zahlreiche Sommer auf Falster verbrachte. Seitdem fühlt sie sich der Insel sehr verbunden. Frida Gronover lebt zusammen mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihren Haustieren auf dem Land in Nordrhein-Westfalen.

Gitte Madson lebt seit einem knappen Jahr in Marielyst, einem kleinen Dorf auf der Insel. Sie arbeitet als Bestatterin beim Bestattungsinstitut von Paul Larstsen. Ihr eilt der Ruf voraus, über Leichen zu stolpern. Und da passiert es auch schon. Gitte und Paul sind zu einem Richtfest am Strand eingeladen. Der Hausherr bietet seine Getränke in Särgen an. Als der Polier August Borg einen missglückten Richtspruch (das Glas zerbricht nicht) hinlegt, gehen die ersten von einem schlechten Omen aus. Das Unglück lässt nicht lange auf sich warten. Weiterlesen

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Claudia Durastanti: Die Fremde

Was für ein Buch. Ich tauche ein in den Wechsel der Ereignisse, versinke im Strudel von Verlieren und Wiederfinden, stehe staunend vor Gedankengebäuden und Sprachkunstwerken. Hin und wieder blitzt etwas Vertrautes auf, ich fühle mich erkannt. Oft genug fühle ich mich fremd.

„Die Fremde“ von Claudia Durastanti ist ein erstaunliches Buch. Jetzt, am Ende des letzten Kapitels, frage ich mich: Was habe ich gelesen, was war der Plan und wo das Ziel?

Zuerst und vor allem: Es handelt sich um eine wahre Geschichte. Die Ich-Erzählerin entrollt vor den Augen des Lesers die Welt ihrer Familie, ein Puzzle aus Orten und Ereignissen. „Die Geschichte einer Familie ähnelt eher einer topographischen Karte als einem Roman“, lese ich und sehe Schicht um Schicht ein kraftvolles und facettenreiches Bild vor mir entstehen, Banales, Schönes, Abgründiges; Wut, Glück, Alltag. Woher kommen wir, was macht uns aus, welche Verletzungen tragen wir mit uns herum? Was macht uns stark?

Claudia Durastanti erzählt uns die Geschichte ihrer Familie: Italienische Vorfahren, in den 60er Jahren ausgewandert und in Bensonhurst/Brooklyn neu begonnen. Sie verwebt Beziehungsfäden zu einem dichten Geflecht aus Banalem und Besonderem, aus Liebe und Wut und Alltag; ein Muster aus eigenen Erinnerungen und Berichten. Weiterlesen

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Kerstin Campbell: Ruthchen schläft

Ein Buch genau nach meinem Geschmack. Denn es sind vor allem die charaktergetriebenen Geschichten, die ich mag. Die Geschichten, in denen die Figuren, möglichst sonderliche Sonderlinge, die Handlung vorantreiben. Dabei sind es dann gerade die Schrullen, die Macken und Ticks, die diese Protagonisten so liebenswert machen.

Ein solcher liebenswerter Charakter ist Georg. Seine langjährige Freundin Linda hat ihn verlassen, eineinhalb Jahre ist das jetzt her und noch immer wartet er auf ihre Rückkehr. All ihre Sachen befinden sich unverändert in seiner Wohnung. Georg lebt in seinem eigenen, vom Großvater ererbten Mietshaus. Seine Mieterin Frau Lemke ist für ihn gleichzeitig die wichtigste Bezugsperson, seit seiner mehr als problematischen Kindheit.

Frau Lemke nun soll auf Wunsch ihres Sohnes Wolfgang zu diesem nach New York umziehen. Sie möchte das zwar nicht, wagt aber gleichzeitig nicht, sich diesem Wunsch zu widersetzen. So lautet die Vereinbarung: solange ihre Katze Ruthchen noch lebt, wird sie in Berlin in ihrer Wohnung bleiben. Nur dann segnet Ruthchen das Zeitliche und sowohl Frau Lemke wie auch Georg suchen verzweifelt nach einer Lösung. Weiterlesen

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T. J. Klune: Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte

Linus Baker ist vierzig. Nun trifft dies auf viele Menschen zu, auch auf Menschen, die, wie Linus Baker seit dem Ende ihrer Schulzeit bei demselben Unternehmen angestellt sind. Linus Baker ist ein Einzelgänger, ein etwas weltfremder, introvertierter Mensch, der ganz in seiner Arbeit aufgeht. Linus Baker, das müssen Sie wissen, arbeitet für die Behörde für die Betreuung Magischer Minderjähriger kurz BBMM, eine Sonderabteilung des Jugendamts, das sich administrativ um die Kontrolle der Waisenhäuser kümmert. Allerdings nicht aller Waisenhäuser, sondern eben nur die Anstalten, in denen magisch begabte Kinder untergebracht sind. Linus Baker ist ein fleißiger, kompetenter und ja auch ein einfühlsamer Kontrolleur. Wenn es dunkel wird, befindet er sich am Liebsten in seinem kleinen, sicher verschlossenem Haus, in seinem Pyjama mit Monogram, den ihm die Firma zum Jubiläum geschenkt hat. Auf seiner Victrola dreht sich eine Platte, zu der er – alleine versteht sich – in seinem Wohnzimmer tanzt. Calliope, seine etwas eigenwillige, eingebildete Katze ist sein einziger Freund.

Und doch ist, nein besser war Linus Baker zufrieden mit sich und seinem Leben. Bis, ja bis ihn die Vorgesetzten aus dem fünften Stock, dem Büro des allerhöchsten Managements, auf eine Kontrollmission entsenden, die nicht nur geheim, sondern, nun ja, auch ein klein bißchen gefährlich ist. Es geht an die Küste. Linus Baker sieht zum ersten Mal das blaue Meer, riecht die salzige Luft und bestaunt die Wellen. Die Überfahrt zur Insel von Marsyas, auf der das Heim liegt verschafft ihm das etwas zweifelhafte Vergnügen der Bekanntschaft mit dem Elementargeist der Insel, doch die wirklichen Überraschungen liegen noch vor ihm. Weiterlesen

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Julie Estève: Ich, Antoine

Die Französin Julie Estève lebt und arbeitet in Paris, wo sie 1979 auch geboren wurde. Ihr erster Roman „Lola“ erschien 2017 auf Deutsch. Nun hat sie bei dtv ihren zweiten Roman mit dem Titel „Ich, Antoine“ in einer Übersetzung von Christian Kolb veröffentlicht.

„Ich, Antoine“ lebt in den 1980er Jahren auf der Mittelmeerinsel Korsika und ist der Dorftrottel, der „Scheißspasti“. Antoine Orsini saß im Gefängnis. Man hatte ihn für schuldig am Tod der 16jährigen Florence Biancarelli befunden. Nun ist er zurück, spricht mit einem kaputten Plastikstuhl und erzählt ihm seine Geschichte. Antoines Mutter stirbt bei seiner Geburt. Er wächst bei seinem Vater gemeinsam mit seinem Bruder Pierre und seiner Schwester Tomasine auf. Antoines „bester Freund“ ist ein Diktiergerät, das er Magic nennt. Nur die Lehrerin Madame Madeleine kümmert sich um ihn und fördert ihn. Als sie stirbt und Tomasine nach Paris geht, bleibt Antoine traurig und verlassen zurück. Im Dorf wird er von den anderen Bewohnern gemobbt. Er wird zum Außenseiter, der lieber in der Macchia, in den Bergen und Wäldern herumstreift. Antoine terrorisiert Pariser, er klaut ihnen Benzin aus den Tanks ihrer Autos, er belästigt sie mit Anrufen aus der einzigen Telefonzelle des Dorfes. Er schließt einen Deal mit Yvan Castelli, dem Außerirdischen, der heimlich in Florence verliebt ist. Antoine soll Florence im Auge behalten. Antoine fährt sie mit seinem Mofa heimlich in die Disco und erfährt so manches Geheimnis. Weiterlesen

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