Terézia Mora: Fleckenverlauf: Ein Tage- und Arbeitsbuch

Terézia Mora wurde 1971 in Ungarn geboren, aktuell lebt sie in Berlin. Für ihre Werke, die sie in Deutsch schreibt, bekam sie u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1999), den Deutschen Buchpreis (2013) und den Georg-Büchner-Preis (2018). Außerdem arbeitet sie als Übersetzerin ungarischer Werke ins Deutsche.

Für das Tage- und Arbeitsbuch „Fleckenverlauf“ wollte sie sieben Jahre ihres Lebens, vom 43. bis zum 50. Lebensjahr, dokumentieren. Das veröffentlichte Experiment umfasst nun die Zeit von 2014 bis 2020. Terézia Mora gewährt den Lesenden Einblick in ihre Alltags- aber auch in ihre Schriftstellerinnenwelt.

Dabei sammelt sie Momentaufnahmen vom Tag, Skizzen und Gedanken für ihre Bücher (u.a. die Kopp-Trilogie oder Die Liebe unter Aliens) und Begegnungen, aber immer wieder auch Gejammer über Schreibbe- und verhinderungen, Reisestress und Krankheiten.

Ihre Notizen sind nicht immer einfach zu lesen. Anders als Moras Prosa kann ich dieses Arbeitsbuch nicht in einem Rutsch durchlesen. Weiterlesen

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Shichiro Fukazawa: Die Narayama-Lieder (1956)

Als Shichiro Fukazawas Mutter sehr krank war, wollte sie ein letztes Mal ihre Felder sehen und ob sie gut bearbeitet worden sind. Also trug der Autor seine Mutter auf dem Rücken dorthin, wohin ihr Finger zeigte. Irgendwann hatte sie alles begutachtet und war zufrieden. Sie konnte sterben.

In Shichiro Fukazawas berühmter Erzählung aus dem Jahr 1956 ist die fast siebzigjährige Orin noch rüstig und gesund. Sie angelt die meisten Fische, führt den Haushalt für ihren verwitweten Sohn und die Enkel. Zu ihrem Leidwesen kann sie keine der üblichen Zahnlücken vorweisen und muss deshalb häufig Spott hören. Orin, die vom Dorf auf der anderen Seite des Berges kam, um zu heiraten, lebt das Leben einer Außenseiterin.

Kurz vor ihrem letzten Geburtstag liegt noch eine Aufgabe vor ihr. Orin will ihren Haushalt organisieren, bevor sie in die Berge gehen kann. Weiterlesen

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Paula Hawkins: Wer das Feuer entfacht

Paula Hawkins, bekannt durch ihren Bestseller „Girl on the train“ legt hier einen hochspannenden Roman vor, der insbesondere von den sehr professionell und tiefgründig ausgearbeiteten Figuren lebt.

Daniel Sutherland wird ermordet auf seinem Boot gefunden, das in einem Kanal in London ankert und ihm als Wohnung diente. Seine Leiche findet seine Nachbarin Miriam, die ebenfalls auf einem Boot lebt. Etwa zum errechneten Zeitpunkt seines Todes wurde in der Nähe seines Bootes die junge Laura gesehen, blutbesudelt und offensichtlich verstört. Verstört von seinem Tod ist auch seine Tante Carla, zumal Davids Mutter, ihre Schwester Angela, gerade erst kürzlich ebenfalls verstorben ist. Deren Nachbarin wiederum ist Irene, eine betagte einsame Dame, die dankbar Lauras Hilfe bei täglichen Erledigungen annimmt.

Um diese Frauen dreht sich der Roman, um ihre Vergangenheit, ihre Geschichten und ihre Störungen. Denn die haben alle vier oder vor allem drei, die auch alle drei unter Mordverdacht geraten, auch wenn die Polizei ihre Ermittlungen vorrangig auf Laura konzentriert. Weiterlesen

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Katharina Kramer: Die Sprache des Lichts

Die Sprache des Lichts: Die Sprache, in der Gott die Welt schuf und der noch immer nachgesagt wird, alle mit ihr gesprochenen Worte würde sich materialisieren. Kein Wunder also, dass es Menschen gibt, die alles dafür tun würden, sie zu erlernen. Ende des 16. Jahrhunderts begleiten wir drei sehr ungleiche Charaktere bei ihrer Suche nach der Engelssprache: Ausgerechnet ein gescheitertes Genie, ein gutherziger Hochstapler und eine talentierte Spionin verfolgen alle dasselbe Ziel, wenn auch mit unterschiedlichen Intentionen.

Jacob ist Lateinlehrer aus Sachsen mit einer Begabung für Sprache, die sein Aufgabengebiet weit überschreitet. Der ständige Außenseiter ist mit seinem Leben mehr oder weniger zufrieden, bis er auf Edward trifft, einen Betrüger, der sich als Apotheker durchschlägt und ihm anbietet, ihn als Engelsmedium an John Dee zu vermitteln, den Hofastronom der englischen Königin. Dort soll er helfen, die Sprache der Engel zu entdecken – und diese dann an Edward weitergeben. In einer überstürzten Reaktion willigt Jacob ein, doch auch bei Dee hält er es nicht lange aus, denn das Verlangen, die unbekannte Sprache zu erlernen, treibt ihn von einem Ort zum nächsten, bis er und Edward auf die Spionin Margarète treffen, die ihrerseits ganz eigene Pläne für die Sprache des Lichts hat. Weiterlesen

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John Ryan Stradal: Die Bierkönigin von Minnesota

Ich gebe zu, dass ich dieses Buch in die Leseliste aufgenommen hatte, war ein Freud’scher Verleser – ich hatte „Bienen“ statt „Bier“ gelesen. Daher habe ich die Lektüre auch ein wenig vor mir hergeschoben. Doch einmal angefangen, konnte ich die Geschichte kaum mehr aus der Hand legen – das Buch hat mich von der ersten Seite gepackt.

Im Zentrum des Romans stehen drei Frauen: Helen, die mit 15 zum ersten Mal Bier getrunken hat, lebte von da an nur für ein Ziel – sie wollte selbst Bier brauen. Um ihre Brauerei finanzieren zu können, überredete sie ihren Vater, seine Farm zu verkaufen und ihr das gesamte Erbe zu überlassen. Ihre Schwester Edith ging leer aus und verweigerte fortan den Kontakt Helen.

Nach dem Unfalltod ihrer Tochter nimmt Edith ihre 15jährige Enkelin Diana bei sich auf. Diese unterstützt ihre Oma, indem sie neben der Schule arbeiten geht, aber auch durch den Verkauf gestohlener Werkzeuge. Bei einem dieser Einbrüche wird sie erwischt und einigt sich mit dem Besitzer auf einen Deal – sie darf in seiner Brauerei arbeiten, um die Schulden abzugelten. Dabei erliegt sie der Faszination des Getränkes. Weiterlesen

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Kenneth Bonert: Toronto: Was uns durch die Nacht trägt

Der Schriftsteller Kenneth Bonert wurde 1972 in Südafrika geboren, als Teenager wanderte er nach Kanada aus. Er lebt in Toronto. Und „Toronto“ ist auch der Titel seines Romans, der am 29. September 2021 im Diogenes Verlag in einer Übersetzung von Stefanie Schäfer erschienen ist.

Darin erzählt Kenneth Bonert in vier Geschichten vom Leben und der Liebe in der kanadischen Metropole Toronto. Seine Protagonisten sind „waschechte“ (also in Kanada geborene) und eingewanderte Menschen.

Da ist in der ersten Geschichte des Buches eine namenlose, zweimal geschiedene Endvierzigjährige, die nach dem Tod ihres ältesten Sohnes dessen Zimmer an einen jungen Künstler vermietet. Sie beginnt eine Affäre mit ihm. Als ihr neuer Mieter eine andere Freundin hat, kündigt sie ihm. Aber der junge Mann will die Wohnung nicht verlassen.

Oder Trevor (54), der sich nach einer tröstlich gemeinten Umarmung in seine Arbeitskollegin Ping verliebt. Die junge Taiwanerin verlässt die Firma. Trevor sucht nach „Berührung“ (so auch der Titel der Geschichte) in asiatischen Massagesalons. Dort lernt er u.a. die Ärztin Marta kennen, die aus Belarus stammt. Er schreibt seiner Frau Trudy einen Brief. Weiterlesen

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Martin Becker: Kleinstadtfarben

Kommissar Peter Pinscher wird strafversetzt nach Mündendorf, wo er als Bezirksdienstbeamter eingesetzt werden soll. Heißt im Klartext: Bürgersprechstunde, Gewaltprävention an Schulen, Puppentheater in Grundschule und Kindergarten und was sonst noch anfällt. Der Grund: Pinscher hält sich nicht an Regeln und fällt immer wieder durch ruppiges Verhalten gegenüber Bürgern und Kollegen auf.

Also Versetzung, muss er akzeptieren. Von der Großstadt am Rhein in die Kleinstadt am Rand des Mittelgebirges – Mündendorf – ausgerechnet Mündendorf. Da kommt er her. Da steht das Häuschen, indem er seine Kindheit verbracht hat. Da wohnt seine demente Mama im Altersheim.

Letzteres ist ist zumindest ein Pluspunkt. Für seine Mama tut er alles und nun kann er sie täglich besuchen.

Auf der Minusseite: In Mündendorf trifft er auf alte Schulkameraden – vor allem auf Goranek, der jetzt sein Chef ist. Und was außer ihm keiner weiß: In Mündendorf holen ihn die Ängste ein, vor denen er schon seit langem davonläuft. Vor allem sein Elternhaus, welches er ohne Wissen seiner Mutter verkauft hatte, birgt viele schlimme und schreckliche Erinnerungen. Weiterlesen

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Håkan Nesser: Schach unter dem Vulkan

Herbstzeit ist Krimizeit. So auch für Håkan Nesser, den schwedischen Schriftsteller (Jahrgang 1950), der nach fast genau einem Jahr, nach dem „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ erschienen ist, nun den 7. Band der Kommissar Barbarotti Reihe veröffentlicht. Am 4. Oktober 2021 kam bei btb Nessers „Schach unter dem Vulkan“ in einer Übersetzung von Paul Berf heraus.

Kommissar Gunnar Barbarotti ermittelt in diesem Fall im Schriftsteller/innenmilieu. Im November des Jahres 2019 verschwindet der Autor Franz J. Lunde nach einer Lesung in Kymlinge spurlos. Zunächst ist Barbarotti auf sich allein gestellt, denn seine Kollegin und Lebenspartnerin Eva Backmann ist nach Australien geflogen, um zu klären, warum ihr Sohn Kalle dort in Untersuchungshaft gelandet ist.

Barbarotti erfährt, dass Lunde während seiner Lesungen von einer weiblichen Person aus dem Publikum bedroht wurde. Lunde arbeitete an einem Text mit dem Titel „Letzte Tage und Tod eines Schriftstellers“. In seinem früheren Roman „Das feinmaschige Netz“ beschreibt Lunde einen perfekten Mord. Weiterlesen

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Uwe Hermann: Nanopark

Zunächst erinnert „Nanopark“ an „Westworld“ mit seinen Fortsetzungen und Adaptionen, denn Schauplatz des Thrillers ist Deutschlands modernster Freizeitpark, der titelgebende Nanopark.

Hier verschmelzen für die Besucher virtuelle Welten und Wirklichkeit, denn mit Eintritt in den Park atmen die Besucher winzige Roboter ein, die von nun an steuern, was die Gäste sehen und erleben. Die Beschreibung der Attraktionen und der technischen Voraussetzungen für das Spektakel macht den Reiz des Buches aus, wie auch ein Nebenpfad der Handlung: Ein junger Mann „bucht“ illegal ein Feature zum Parkbesuch dazu und die Begegnung mit seiner virtuellen Traumfrau überrascht (ihn und die Leser).

Die Handlung ist in der nahen Zukunft angesiedelt, der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts, und viele Entwicklungen, wie das autonome Fahren, sind zum Alltag geworden. Weiterlesen

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Marion Hellweg & Frederike Treu: Tiny Homes: Wohnideen für kleine Räume

#Wohnraum ist knapp und wird gerade in den Städten immer teurer. Es ist schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden, der ästhetische Anspruch muss meist hinten angestellt werden. „Tiny Homes“ verspricht dafür eine Lösung zu finden und auch den kleinsten Wohnraum so zu organisieren, dass er zum persönlichen Paradies wird. Es verspricht „praktische Einrichtungstipps und Stauraum-Lösungen“ (Cover). Doch hält es dieses Versprechen?

Nach dem Durchlesen des Buches stehe ich ihm mit geteilter Meinung gegenüber. Es ist großartig designt mit tollen Fotos von kreativ eingerichteten und außergewöhnlichen Wohnungen, wer sich für Innenarchitektur begeistert, wird mit dem Buch seine Freude haben, es liefert spannende und persönliche Einblicke in das Leben verschiedener Tiny-Homes-Bewohner.

Was leider weniger viel Sinn macht, sind die empfohlenen Möbelstücke. Nicht jeder hat die Wahl, in eine kleine Wohnung zu ziehen, weil es gerade ein modischer Lebensstil ist, manchmal sind Kleiderbügel für 55 Euro das Stück oder eine metallene Pinnwand für 80 Euro einfach nicht drin – und das sind nur die harmlosen Accessoires, die Möbel selbst spielen in einer ganz anderen Liga. Weiterlesen

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