Wolfgang Knauer: Black and Blue: Louis Armstrong, sein Leben und seine Musik

Black and Blue ist der Titel eines Songs von Fats Weller, den Louis Armstrong durch eine kleine Änderung im Text zu einer Anklage gegen die Diskriminierung der Schwarzen werden ließ.

Black and Blue ist folgerichtig der Titel von Wolfgang Knauers neu aufgelegter und erweiterter Biographie über Old Satchmo.

Knauer beschreibt den Werdegang Louis Armstrongs, von der Kindheit in New Orleans bis zu seinem  Tod am 06. Juli 1971. Er geht ausführlich auf jede Station ein, ob Chicago, New York oder seine Auftritte in Europa und Afrika. Ich lese von seinen vier Ehefrauen, von Freunden, von seinen Lebensgewohnheiten und Vorlieben, auch von liebenswerten Schwächen. Knauer schildert Armstrongs Lebensverhältnisse, sei es am Anfang, als er in New Orleans auf der Straße sang und spielte, um Geld zu verdienen, sei es später, als er finanziell erfolgreich war.

Parallel dazu hat Wolfgang Knauer die Karriere des Musikers Armstrong dargelegt. Ich erfahre, was ihn zum Musiker gemacht hat, welche Einflüsse es gab, von wem er lernte und wer ihn förderte. Wegbegleiter, Kollegen, Bands werden ausführlich besprochen. Weiterlesen

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Kent Haruf: Ein Sohn der Stadt

Die beschauliche, fiktive Stadt Holt im Mittleren Westen der USA ist den Lesern von Kent Harufs Büchern längst bestens bekannt. Und wie könnte es anders sein – auch sein neuer Roman spielt in dieser typischen amerikanischen Provinzstadt, die möglicherweise unter einer anderen Ortsbezeichnung tatsächlich existent ist.

Jack Burdette war acht Jahre aus Holt verschwunden und taucht plötzlich wieder auf. Er parkt seinen roten Cadillac mitten in der Stadt und bleibt einfach darin sitzen. Niemand aus Holt hatte je damit gerechnet, dass er irgendwann freiwillig zurückkommen würde, nach all den Ungeheuerlichkeiten, die er angerichtet hat. Der Griff in die Kasse seines Arbeitgebers, die Schulden bei den Ladeninhabern der Geschäfte, in denen er sich vor seinem Verschwinden neu eingekleidet hat und obendrein ist da noch seine Familie, die er ohne jegliche Andeutungen verlassen hat. Bis nach Kalifornien hatte man seine Spur damals ergebnislos verfolgt. Es gibt in Holt niemanden mehr, der ihn in seinem Haus aufnehmen würde. Auch nicht seine Mutter und schon gar nicht seine Frau Jessie, die sich mit zwei Kindern durchschlagen musste und obendrein noch monatelang von den Bewohnern aus Holt traktiert worden war. Burdette, mittlerweile dick und schmuddelig geworden, braucht nicht lange in seinem protzigen Auto zu warten, bis der Sheriff ihm Handschellen anlegt und ihn abführt. Er leistet keinen Widerstand, offenbar weiß er, dass ihm nichts passieren wird, weil seine Straftaten verjährt sind. Weiterlesen

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Carla Berling: Was nicht glücklich macht, kann weg

Das ist wieder einmal so ein Titel, der keinerlei Bezug zum Inhalt des Buches hat. Manchmal frage ich mich wirklich, wie ein Verlag zu solchen unpassenden Titeln kommt, die noch dazu die falschen Erwartungen wecken.

Denn dieser Titel hier, zusammen mit dem Cover, vermittelt den Eindruck, man habe einen heiteren, unbeschwerten Roman vor sich, der locker-flockig unterhält. Doch weit gefehlt, das Buch von Carla Berling, von der ich bereits den Roman „Der Alte muss weg“ mit großem Vergnügen gelesen habe, hat viel mehr Tiefgang und Ernst, als man anhand eben von Titel und Cover erwartet.

Billie lebt mit Ehemann Thilo in einem gemütlichen, aber etwas stillen Haus in der Provinz. Mit ihren Nachbarn verbindet sie wenig, Freundschaften pflegt sie keine, Rituale und Gewohnheiten sind ihr wichtig. Zu ihrem Sohn Jonas, der mit seiner Familie in Köln lebt, hat sie keinen Kontakt, ihren Enkel August hat sie nur einmal als Kleinkind gesehen, bei der Beerdigung ihrer früh verstorbenen Schwiegertochter. Das nagt an Billie, die nie verstanden hat, warum sich ihr Sohn so rigoros von ihr abgewandt hat und sich niemals bei ihnen meldet. Die Schuld dafür hat sie stets bei ihrer Schwiegertochter gesucht. Weiterlesen

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Elke Heidenreich: Hier geht’s lang – Mit Büchern von Frauen durchs Leben

Elke Heidenreich und Bücher – diese Verbindung gehört einfach zusammen. In ihrem Buch „Hier gehts lang zeigt sie auf, wie Bücher ihr Leben von klein auf geprägt haben. Das Lesen hat schon früh entscheidenden Einfluss auf ihr Denken und Werden genommen: Hineingeboren in das Kriegsjahr 1943 durchlebte Elke Heidenreich eine entbehrungsreiche Zeit. Vor allem das schwierige Verhältnis zur Mutter, das von wenig Empathie geprägt war, bewirkte, dass die junge Elke sich gern und oft aus dunklen Momenten heraus in ihre Bücherwelten flüchtete. Immer gaben Bücher ihr einen Halt und Kraft.

Als ihr erstes wirkliches Literaturerlebnis führt sie „Die wundersame Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen von Selma Lagerlöf an. Dieses Buch zog sie schon als Zwölfjährige in Bann und vermittelte ihr eine ganz andere Leseebene als die typischen Mädchenbücher wie „Nesthäkchen oder „Trotzkopf.

Später, während ihrer Studenzenzeit, wurde ihr klar, dass Frauen in der Literaturwelt einen schweren Stand in der von Männern dominierten Szene hatten. Dabei war und ist sie von weiblichen Literaten immer viel mehr angetan. Weiterlesen

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Bernard Cornwell: Die Uhtred-Saga 13: Der Herr der Schlacht

Mit dem nunmehr erschienen 13. Band der Uhtred-Saga kommt die Romanserie um die Gründung Englands zum Abschluss. Bernard Cornwell hatte seine Leserinnen und Leser in den vorherigen Bänden auf unterhaltsame und spannende Art und Weise miterleben lassen, wie sich aus den einzelnen Königreichen auf der britischen Insel nach und nach der Vorläufer des heutigen Englands bildete.

Sein Protagonist Uhtred war zu Beginn von Band 1 noch ein kleiner Junge und ist nun in ‚Der Herr der Schlacht‘ zu einem alten Mann geworden. Er verfolgt keine anderen Ziele mehr, als auf sein Leben zurückzublicken und den Rest der ihm verbleibenden Zeit auf seiner geliebten Bebbanburg mit seiner Familie und seinen Freunden zu verbringen.

Doch, wie so oft, ist sein Wunsch nicht der der wirklich Mächtigen. Einer von ihnen ist König Aethelstan. Denn dieser hat offenbar vergessen, dass Uhtred ihm zum Thron verholfen und er ihm einst versprochen hatte, zu dessen Lebzeiten seinen Machtbereich nicht auf Northumbria ausdehnen zu wollen. Doch auf einmal ist alles anders und Uhtred sieht sich und seine Bebbanburg nicht nur von den Machtansprüchen Aethelstans, sondern auch von denen des schottischen Königs Constantine bedroht. Weiterlesen

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Kevin Brooks: Bad Castro

Judy ist Polizistin. Sie bekommt per Mail einen Hinweis und ist tatsächlich dabei, als zwei ihrer Kollegen den Gangführer Bad Castro verhaften. Aber diese Nacht ist keine ruhige Nacht, seit dem Abend schon gibt es an allen Ecken Ausschreitungen. Es ist eine seltsame Nacht, denn es scheint sich um keinen „normalen“ Bandenkrieg zu handeln, sondern jeder gegen jeden und alle gegen die Polizei. Der Wagen, in dem sie Castro transportieren wird gerammt und als Judy aus einer kurzen Bewusstlosigkeit erwacht, sind ihre beiden Kollegen erschossen und sie muss mit Castro aus dem brennenden Auto fliehen. Er bleibt bei ihr und sie bleibt bei ihm in dieser hochgefährlichen Nacht.

„Bad Castro“ ist eine faszinierende psychologische Ausarbeitung über die Komplexität des Zusammenspiels von Gang-/Bandenwesen und Polizei. Da ist auf der einen Seite Castro, ein Gangleader, jemand mit Macht, jemand, der bereits getötet hat und wahrscheinlich auch Morde in Auftrag gegeben hat. Man kommt nicht durch Wattebäuschchenweitwurf in eine solche Position. Er ist abgebrüht, der kennt sich aus, er weiß, wie man diese Nacht überleben kann. Und doch ist er noch ein Kind. Weiterlesen

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Rebekka Eder: Die Schokoladenfabrik – Die Tochter des Apothekers

In diesem 614-seitigen ersten Teil der Stollwerck-Saga dreht sich alles um die Tochter des Apothekers, Anna Sophia, und ihre Liebsten. Beschrieben werden die frühen Anfänge einer späteren Schokoladendynastie, daher gibt es erstmal keine Schokolade, sondern Hustenbonbons. Denn 1838 existierte nur „Gesundheitsschokolade“ (ohne Kakao, dafür mit Eicheln) aus der Apotheke oder Gesundheitskakao.

Historisch fundiert und mit Liebe zu den Details – etwa den interessanten Arbeitsschritten der Bonbonherstellung oder den sinnlichen Beschreibungen der Düfte – lässt die Autorin die Leserschaft tief in die Gegebenheiten der damaligen Zeit eintauchen. Anhand einer außergewöhnlichen Familiengeschichte dürfen wir so vieles hautnah miterleben. Sie gibt einen Einblick in die damals nicht vorhandene Gleichberechtigung der Geschlechter oder die verpönte weibliche Homosexualität.

Der Roman ist atmosphärisch absolut gelungen, emotional aber nach meinem Empfinden noch leicht entwicklungsfähig. Weiterlesen

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Mary Lawson: Im letzten Licht des Herbstes

Wenn man auf Seite 60 noch nicht erkennt, worum es in einem Roman geht und auf Seite 120 noch immer nicht viel schlauer ist, dann stimmt in meinen Augen etwas nicht mit dem Plot.  Was dann dazu führt, dass man die Lust an dem Roman verliert.

Die in Kanada geborene und in England lebende Autorin erzählt uns mehrere Geschichten, die nebeneinanderher laufen und sich dabei nur hin und wieder berühren. So scheint es zumindest.

Da haben wir die kleine Clara, 7 Jahre alt, deren ältere Schwester Rose seit Tagen verschwunden ist. Clara hat sich selbst einige Regeln gegeben, deren Befolgung die Wiederkehr ihrer Schwester sichern soll. So zum Beispiel, dass sie sich außer zum Schlafen und zum Schulbesuch nicht vom Fenster wegbewegt, dort sogar isst und ihre Hausaufgaben erledigt. Von ihrem Fensterplatz hat sie einen guten Blick auf das Nachbarhaus, das der alten Mrs Orchard gehört. Diese ist im Krankenhaus – so glaubt Clara – und das Mädchen versorgt derweil den Kater der Nachbarin.

Die Geschichte von Mrs Orchard erfahren wir durch sie selbst, in Rückblicken im Gespräch mit einer anderen Person, der sie ihre vergangenen Taten zu erklären versucht. Dabei geht es um Verfehlungen, die sie vor vielen Jahren beging und deren Folgen bis in die heutige Zeit reichen. Weiterlesen

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Markus Heitz: Die Rückkehr der Zwerge 1

Hunderte Zyklen sind im Geborgenen Land vergangen. Die Zwerge leben, nachdem sie ihre Heimat, die tiefen Stollen inmitten des majestätischen Gebirges zwangsweise verlassen mussten, in der Stadt Malleniaswacht. Alle paar Monate ziehen Traditionalisten und Schatzsucher in Richtung des Flusses, spülen die Schneeschmelze oder massive Regenfälle doch Zeugnisse vergangenes Zwergenkunst aus der alten Heimat an die Ufer des Flusses. Dass es dabei immer wieder einmal zu Zusammenstößen mit Menschen kommt, daran ist Zwerg gewohnt. Dann aber greifen Orks an, Wesen, die nach wie vor in den zerstörten Hallen, den beschädigten Tunnel-und Stollensystemen und den Befestigungen des Gebirges leben. Ist ein Leben im Gebirge etwa doch noch möglich?

Einer derer, die die Vergangenheit hoch halten, die auf der Suche nach Überbleibseln einstiger Größe und Kunstfertigkeit sind, ist der Zwerg und Gemmenschnitzer Goïmron. Er verehrt insbesondere den seit Jahrhunderten verschollenen Tungdil Goldhand. Als er eines Tages auf eine alte Kladde stößt, ahnt er noch nicht, dass sein Leben – nun interessant werden wird. Das Buch, das handschriftlich auf Zwergisch verfasst wurde, stammt von keinem Anderen, als seinem Idol. Mehr noch, die Eintragungen beweisen, dass Tungdil offensichtlich vor kurzer Zeit noch unter den Lebenden geweilt haben muss. Weiterlesen

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Malachy Tallack: Das Tal in der Mitte der Welt

Das kleine Tal im Norden der Shetlandinseln beherbergt nur fünf Häuser, und seine Bewohner könnten unterschiedlicher nicht sein. David lebt schon seit seiner Geburt hier, seine Frau Mary ist nach der Heirat zu ihm gezogen. Sandy ist mit Emma, der Tochter von David und Mary, hierhergekommen, doch Emma hat ihn verlassen und ist aufs Festland zurückgekehrt. Die Schriftstellerin Alice hat sich nach dem Tod ihres Mannes ein Häuschen gekauft und arbeitet nun an einem Buch über das Tal, seine Bewohner und seine Geschichte. Terry hat ein Alkoholproblem und wurde von seiner Frau verlassen. Ryan und Jo haben sich in ein vorher leerstehendes Haus eingemietet, um Miete zu sparen. Während also für die einen das Tal ein Ort fürs Leben darstellt, ist es für andere nur Zwischenstation.

Der Text fließt gemächlich dahin, so gleichmäßig wie das Leben im Tal. Die Jahreszeiten und das Wetter sind die bestimmenden Elemente. Das Klima ist rau, der Winter lang und Sonnentage sind eher selten. Der Rhythmus des Lebens wird zudem bestimmt von den Erfordernissen der Schafe, die als Nebenerwerb gehalten werden. Vor allem in Szenen, die den Umgang mit den Tieren beschreiben, werden starke Emotionen spürbar.

Abgesehen davon bleibt der Text distanziert beobachtend. Mir fällt dabei auf, dass Tallack offene Konfrontationen meidet. Weiterlesen