Sein sexuelles Begehren nach dem Mädchen artet immer hemmungsloser aus, seine strategische Verführung ist skandalös.
Nein, es geht nicht um Nabokovs „Lolita“. Aber Marieke Lucas Rijnevelds neuer Roman weist gewisse Parallelen hierzu auf.
Er, der namenlose Protagonist ist ein neunundvierzigjähriger Tierarzt, der auf dem Milchhof ihres Elternhauses ein und aus geht. Er kennt sie schon als kleines Mädchen, sieht sie heranwachsen, gewinnt ihr Vertrauen und das des Vaters und ihres Bruders.
Das Mädchen wächst ohne Mutter auf dem Hof auf, in dem der Veterinär eine Vertrauensstellung genießt und schon fast wie zur Familie gehört. Sie hat sich zurechtgefunden mit dem von Männern und dampfenden Kühen besetzten Zuhause. Die Kühe sichern ihre Existenz. Alles dreht sich um die schweren Tiere, um ihre Euter, Ausscheidungen, Schleim und Blut, ihre Brünstigkeit, ihr Gebären und Sterben, um Kälberflechte oder Kalziummangel. Da bleibt kein Platz für die Empfindsamkeiten und Selbstfindungsprozesse eines Mädchens. Dafür flüchtet sie sich in ihre Phantasiewelten. Als Heranwachsende ist ihre Weltanschauung morbide, besetzt von einer Weltuntergangsthematik mit 9/11, traurigen Gedichten, Songtexten, Siegmund Freud und Hitler. Der Tierarzt ist einer, bei dem sie sich verstanden fühlt, mit dem sie über alles diskutieren kann. Weiterlesen




Elke Heidenreich und Bücher – diese Verbindung gehört einfach zusammen. In ihrem Buch „Hier geht’s lang“ zeigt sie auf, wie Bücher ihr Leben von klein auf geprägt haben. Das Lesen hat schon früh entscheidenden Einfluss auf ihr Denken und Werden genommen: Hineingeboren in das Kriegsjahr 1943 durchlebte Elke Heidenreich eine entbehrungsreiche Zeit. Vor allem das schwierige Verhältnis zur Mutter, das von wenig Empathie geprägt war, bewirkte, dass die junge Elke sich gern und oft aus dunklen Momenten heraus in ihre Bücherwelten flüchtete. Immer gaben Bücher ihr einen Halt und Kraft.


