Monika Fischer lebt ein beschauliches Leben als Physiotherapeutin. Sie ist 36 Jahre alt, alleinstehend, kinderlos und im Prinzip zufrieden mit ihrem Leben ohne Highlights. Weil sich kein passender Mann an ihrer Seite einstellen will, beschließt sie, auf einer Dating-Plattform nach einem zu suchen. Sie lernt Sven kennen, Investmentbanker, fast 50. Sven erfüllt alle Alphamännchen-Kriterien. Er hat Geld und zeigt es auch, trägt die richtigen Klamotten, kennt die richtigen Leute, wohnt in bester Lage. Leider hatte er bisher Pech mit den Frauen. Sagt er zumindest. Seine EX-Freundinnen Dani und Daggi hätten ihn betrogen und sich aus dem Staub gemacht. „Moni“ sei eine Granate, eine Gazelle und endlich die Richtige. Er umgarnt und umschnurrt sie, was Moni schon etwas suspekt vorkommt, trotzdem zieht sie zu ihm in seine tolle Wohnung. Sie gibt ihren Beruf auf, um gänzlich für ihn da und die Frau zu sein, die er sich vorstellt. Warnungen von Freundinnen diesbezüglich schlägt sie in den Wind. Weiterlesen
Amor Towles: Eve
Der 1964 geborene US-amerikanische Autor Amor Towles wechselt in seinem Roman „Eve“ gekonnt zwischen den Genres. Anfangs als Gesellschaftssatire konzipiert, verwandelt sich die Geschichte später in einen rasanten Thriller. Das sorgt für ein abwechslungsreiches Leseerlebnis. Towles‘ Schreibstil ist dabei stets gekonnt, unterhaltsam und flüssig.
Besonders faszinierend ist die authentische Atmosphäre des Hollywoods der 30er-Jahre, in die Towles seine Leser entführt. Man spürt förmlich den Glamour und die Aufregung jener Zeit, als Filme wie „Vom Winde verweht“ gedreht wurden und die Studios um die besten Schauspielerinnen wetteiferten. Diese lebendige Darstellung dürfte den Roman zu einem Genuss für Liebhaber historischer Settings machen.
Die Titelfigur Eve ist eine bemerkenswerte Frau, die die Männerwelt von Hollywood gleichermaßen fasziniert wie geschickt austrickst. Dieser Charakterzug steht im schönen Kontrast zu den sonst gängigen Rollenbildern der Frau in dieser Zeit und an diesem Ort. Eve ist eine starke, kluge und manipulative Figur, die sich nicht den Konventionen unterwirft. Weiterlesen
Nita Prose: Ein mysteriöser Gast
Nach den Geschehnissen vom ersten Band hat Zimmermädchen Molly ihr Glück gefunden. Ihr Freund ist bei ihr eingezogen und im Hotel weiß man ihre Fähigkeiten endlich zu schätzen. Ihr ist sogar eine recht große Rolle während der Lesung eines berühmten Krimiautors zugedacht. Nur stirbt dieser noch vor der Generalprobe im Speisesaal des Hotels. Wieder sind Mollys Ermittlerfähigkeiten gefragt und nicht nur das: Sie kannte diesen Mann. Vor langer Zeit war ihre Großmutter Hausmädchen in seinem Anwesen und nahm die kleine Molly jeden Morgen mit dorthin.
In diesem zweiten Band um das ganz besondere Zimmermädchen Molly bekommt der Leser tiefen Einblick in ihre Vergangenheit. Mit was für Schwierigkeiten sie schon als Schulkind zu kämpfen hatte, wie das Zusammenleben mit ihrer geliebten Großmutter war und warum sie eigentlich keine Mutter hatte. Wir lernen, wie sie sich schon als kleines Mädchen keine befriedigendere Beschäftigung vorstellen konnte, als Schmutz von Dingen zu entfernen. Wir lernen aber auch die erwachsene Molly besser kennen, die bei aller Naivität energisch für die ihr Anvertrauten eintritt und die Unrecht einfach nicht ertragen kann. Weiterlesen
Bianca Iosivoni: Golden Bay: How it hurts
Nachdem Holden nach Golden Bay zurückkehrte, hat Holden die Gefühlswelt von Ember wieder komplett auf den Kopf gestellt. Eigentlich sollte sie wütend auf ihn sein, denn er hat sie vor fünf Jahren einfach so stehen lassen und verschwand von der Insel. Warum er wirklich verschwand, kann er ihr nicht erzählen, auch wenn er es noch so will. Er möchte diesmal ein besserer Freund für sie sein, es gelingt ihm allerdings nur so lange, bis ihn seine Vergangenheit wieder einholt und er merkt, in welcher Gefahr seine Freundin nun seinetwegen schwebt …
Nachdem ich die Geschichte des zweiten Bandes der Canadian-Dreams-Reihe beendet hatte, musste ich mich erstmal sammeln, denn zum Ende hin hat es die Autorin wieder einmal spannend gemacht und einen extremen Cliffhanger gesetzt. So fiebere ich dem finalen Band der Trilogie entgegen, um zu wissen, was als Nächstes passieren wird. Biancas Schreibstil ist so toll, dass man nur so durch die Seiten fliegt und jede freie Sekunde zum Lesen nutzen möchte. Personen sowie auch die Umgebung beschreibt sie gut und ich hatte das Gefühl direkt dabei zu sein. Weiterlesen
Miriam Georg: Im Nordwind
Der Hamburger Dom ist diesmal einer der Schauplätze des Romans. Miriam Georg erzählt uns – in den Rückblicken auf die Kindheit der Protagonistin Alice – einiges vom Leben der Schausteller, die ständig unterwegs waren, nirgends wirklich zu Hause und meistens in großer Armut lebten. Das ist das Leben von Alice‘ Eltern. Als Kind genoss Alice es, mit ihrem Bruder über den Jahrmarkt zu ziehen, die Attraktionen zu sehen und zu erleben, aber es ist keine Heimat. Alice soll es besser haben, die Eltern brauchen das Geld und geben Alice weg. Von da an lebt sie als Christina im sogenannten Pastorenhaus in der Nordmarsch, wo sie einerseits wie eine Magd behandelt, andererseits aber als die Nichte des Pastors ausgegeben wird. Ihre Aufgabe besteht vor allem in der Pflege der todkranken Ehefrau des Pastors, Zuneigung oder gar Liebe erfährt sie hier nicht. Alice ist noch ein Kind, unbedarft und den Menschen im Haus ausgeliefert. Es kommt wie es kommen muss, Alice wird schwanger, muss das Haus verlassen. Auch das Kind darf sie später nicht behalten. Weiterlesen
Calla Henkel: Ein letztes Geschenk
Überraschungshighlight – spannend, verblüffend, wendungsreich, lesenswert
Diese Autorin werde ich mir merken. Wenn sie immer so gut schreibt wie in diesem Roman, dann hat sie einen neuen Fan gewonnen. Die Geschichte um Esther, die sogenannte Scrap Books gestalten soll, ist so voller Kapriolen, Wendungen, Höhepunkten und Spannung, dass man den Roman verschlingen muss.
Esther, die sich selbst als Kunsthandwerkerin beschreibt und Bücher von Hand bindet, lernt auf einer Vernissage die reiche Naomi kennen. Von ihr erhält sie den Auftrag, als Geburtstagsgeschenk für deren Ehemann Alben zu gestalten, sogenannte Scrap Books.
Den Auftrag nimmt Esther allerdings erst an, als sie von ihrer Lebenspartnerin Jessica verlassen wird und nun die Hypothek für das gemeinsame Haus allein tragen muss. Daraufhin erhält sie von Naomi eine ganze LKW-Ladung von Kisten mit Material für diese Alben, eine Kiste pro Jahr über viele Jahre. Darin hat Naomi alles aufbewahrt: Fotos, Kassenbelege, Klassenarbeiten und Zeugnisse ihrer Tochter, Elternbriefe, Einladungen, Zeitungsausschnitte und Kontoauszüge, auch aus der Firma ihres Mannes. Wichtigste Regel für den Auftrag: Absolute Verschwiegenheit, dafür muss Esther Naomi bürgen und etliche Unterschriften leisten. Auch der gesamte Kontakt zu ihrer Auftraggeberin verläuft auf sehr geheimnisvolle Weise.
Freya Marske: Marvellous Light: Der magische Fluch: The Last Binding 01
Ort der Handlung: das britische Emire zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Baronet Robin Blyth, ein junger Adeliger aus verarmten Familienverhältnissen, hat vor kurzem seine Eltern verloren, seine jüngere Schwester will, höchst skandalös, nach Oxford oder Cambridge, statt sich um einen angemessenen Ehemann zu bemühen.
Da kommt es geschickt, dass der junge Adelige, der im Innenministerium von Abteilung zu Abteilung geschoben wurde, einen neuen Posten zugewiesen bekommt. Eine Stelle, die nicht einfach nur vakant ist, ein Posten, den es zumindest offiziell gar nicht gibt, auch wenn er dem Innenminister höchstselbst berichten muss!
Sein Vorgänger ist spurlos verschwunden, er selbst soll als Verbindungsmann zu den Magiern des Reiches fungieren.
Magie, das darf doch nicht sein, wer hat denn schon einmal von so etwas gehört? Bis Robin gleich an seinem ersten Tag mittels eines Runenfluchs verzaubert wird – scheinbar hat sein Vorgänger einen Vertrag versteckt – er soll ihn finden und ausliefern. Was schwerfällt, da ein solcher Vertrag weder bekannt noch auffindbar ist.
Alexis Hall: Mortal Follies
Dass Miss Mitchelmore verflucht wurde, lässt sich nicht leugnen und spätestens, als sich ihr Kleid auf einem Ball in Luft auflöst, wird ihr klar, dass sie etwas dagegen unternehmen muss. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn wo findet eine Dame in der feinen englischen Gesellschaft jemanden, der sich mit Flüchen auskennt?
Ihre einzige Hilfe ist ausgerechnet die mysteriöse Lady Georgina, auch genannt der Duke of Annadale, seit sämtliche ihrer männlichen Verwandten in kurzer Zeit auf unerklärliche Weise ums Leben gekommen sind. Verständlich also, dass in der Gesellschaft gemunkelt wird, dass sie eine Hexe ist.
Doch Lady Mitchelmore hat keine Wahl, als sich dem Duke anzuvertrauen, denn es bleibt nicht bei dem Vorfall mit dem Kleid und bald ist nicht nur ihr guter Ruf, sondern auch ihr Leben in Gefahr. Und obwohl der Duke of Annadale verschlossen ist, kann sie so gefährlich ja nicht sein – erst recht nicht für Miss Mitchelmores Herz. Oder?
Javier Zamora: Solito
Ein Buch, so schön und schrecklich, wie es nur das Leben selbst schreiben kann. In diesem herzergreifenden Roman, der unter anderem mit dem Los Angeles Times Book Prize ausgezeichnet wurde, nimmt uns Javier Zamora mit auf seine Flucht als Neunjähriger im Jahr 1999. Es geht von El Salvador Tausende von Kilometern nordwärts nach „La USA“, auf Booten, Trucks, zu Fuß durch die Wüste. Seine Flucht absolviert er auf sich gestellt, „solito“, ohne seine Eltern, die bereits in der USA auf ihn warten. Mit 40 anderen Personen und ein paar „Polleros“, alias Schleusern, beginnt eine beängstigende Odyssee. Unterwegs begegnet er Menschen, die es mal gut, mal schlecht mit den Migranten meinen. So ist Javier Zamoras literarisches Glanzstück ein Plädoyer für Menschenwürde, Zusammenhalt und Empathie. Extrem kraftvoll, ohne je kitschig zu sein.
Auf der Fluchtroute findet Javier eine neue „Ersatzfamilie“, zumal sich diese vor der Grenzschutzpolizei auch als solche ausgibt. Da ist Patricia, die sich mit ihrer 10-jährigen Tochter Carla zu ihrem Mann und ihrer jüngeren Tochter in die USA durchschlagen will. Da ist Chino, noch mit Akne übersät und gerade selbst erst den Kinderschuhen entwachsen, der unversehens in eine Vaterrolle hineinwächst. Er tröstet Javier, als ihm auf dem Boot schlecht wird, er trägt ihn durch die Wüste, als er nicht mehr laufen kann, er steht ihm im Gefängnis bei, während sich andere längst abgesetzt haben. So entstehen Bande, die übermenschliche Kräften verleihen, um Unmenschliches zu bezwingen.
Catherine Cusset: Janes Roman
Etwas altertümlich anmutende Lebensgeschichte einer Frau in mittleren Jahren
Es klingt nach einer interessanten Story, nach einem spannenden Geheimnis, entwickelt sich aber leider zu einer eher drögen und zähen Geschichte.
Jane ist Professorin für französische Literatur, geschieden und lebt allein. Eines Tages liegt vor ihrer Tür ein Paket, darin das Manuskript eines Romans. Sein Titel: Janes Roman, der Inhalt: ihre Lebensgeschichte, oder vielmehr all ihre Liebesgeschichten.
Unverzüglich vertieft sich Jane in die Lektüre, liest Seite um Seite und rätselt, wer der Absender, der Verfasser dieser Seiten ist. Ständig geraten andere Menschen aus ihrem Leben, ihrer Vergangenheit in Verdacht, immer wieder ändert sie ihre Meinung.




