Louise Meriwether: Eine Tochter Harlems

Als die Lehrerin Francie erklärt, wie wichtig es für sie sei, Nähen zu lernen, begründet sie dies mit der überschaubaren beruflichen Perspektive für schwarze Mädchen. Es lohne nicht, Schreibmaschine und Stenografie zu lernen, weil sie niemals Sekretärin werden könne.

Es sieht so aus, als wäre Francie in einer Sackgasse geboren, die ihr keine Chance für ein eigenständiges Leben erlaubt. Und die Zeit der großen Depression nimmt mit vollen Händen ihre Träume.

Die Amerikanerin Louise Meriwether (1923–2023) war nie der Ruhm vergönnt wie Toni Morrison oder Alice Walker. Sie fiel als politische Aktivistin und Journalistin auf. Durch ein Interview lernte sie James Baldwin kennen und schätzen. Er wurde ihr Freund und schrieb das Vorwort zu ihrem Debüt.

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Kai Meyer: Die Bibliothek im Nebel

Wuchtiger Roman über das Schicksal mehrerer Familien, die durch Bücher verbunden sind

Wie schon in seinem Roman „Die Bücher, der Junge und die Nacht“, der letztes Jahr ein absolutes Highlight für mich war, dreht sich auch sein neues Buch um Bücher, um Bibliotheken, um die Liebe zu Büchern und um die Bücherstadt Leipzig. Auf drei Zeitebenen, atmosphärisch dicht, hochspannend und voller Emotionen erzählt Kai Meyer vom Schicksal der Menschen, die ihr Leben Büchern widmen.

Im Jahr 1917 folgen wir dem jungen Artur in Russland auf seiner Flucht vor der Revolution, vor den Verfolgern, die seine Familie ausgelöscht haben. Es gelingt ihm, mit einem Schiff nach Deutschland zu fliehen. Er lernt Grigori kennen – dem wir bereits im letzten Buch begegnen konnten – der ihm ein Freund wird. Arturs Ziel ist Leipzig, wo er Mara treffen will, seine große Liebe. Sie war von seiner Tante adoptiert worden und sollte nun in Leipzig den Sohn eines reichen Verlegers heiraten.

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Jule Leuze, Thorsten Saleina: Hier kommt Kalli Wüstenmucks

Haben Sie schon einmal von der Tiergattung der Wüstenmuckse gehört? Nein? Ich bisher auch nicht. Erst als ich dieses süße Kinderbuch in die Hand bekam, bin ich auf diese anscheinend niedlichen Tierchen mit dem blauen, zarten Fell mit türkis-grünen oder grasgrünen Flecken gestoßen. Kalli sieht aus wie ein kleiner Fuchs mit ganz flauschigem Fell und großen Ohren und: Kalli kann sprechen. Mit den Tieren in der Wildtierstation, in der er urplötzlich aufgetaucht ist und auch mit den Menschen. Jedenfalls mit Leo, der ihn unter einem Busch findet. Und mit Papa, Mama und Oma Gurkenbrot.

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Philippe Djian: Ein heißes Jahr

Die Welt im Jahr 2030. Dürresommer voller Waldbrände wechseln sich mit Wintern voller Überschwemmungen ab. Das Wetter schlägt allen Menschen aufs Gemüt, zermürbt sie, radikalisiert sie, lässt sie kopflose Entscheidungen treffen. Wer es sich leisten kann, macht auf Island Urlaub, der Rest des Planeten verspicht keinerlei Erholungswert mehr. Mittendrin in Djians Roman straucheln Protagonisten voller kognitiver Dissonanzen. Denn zwischen dem Wissen, um das, was richtig ist, und dem entsprechenden Handeln danach, liegen Welten. Obwohl die Welt an die Wand fährt, sind sie nicht fähig, von destruktiven Verhaltensweisen abzulassen.

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Emily Henry: Book Lovers: Die Liebe steckt zwischen den Zeilen

Nora Stephens trägt unter den New Yorker Literaturagenten den Spitznamen „Der Hai.“ Sie ist kontrolliert, angeblich gefühlskalt, tough und erfolgreich. Beruflich. In der Liebe sieht es anders aus. Die Männer an ihrer Seite kommen ihr allesamt abhanden und hinsichtlich Dates schafft es selten ein Kandidat zu mehr als einem. Nora führt Listen, wie Männer sein sollen und kaum einer genügt ihren strengen Kriterien. Geweint hat sie das letzte Mal beim Tod ihrer Mutter.

Wegen Männern pflegt sie nicht zu weinen. Einzig ihre Schwester Libby ist ihr Augenstern. Libby überredet Nora auch dazu, mit ihr vier Wochen Urlaub in dem beschaulichen Städtchen Sunshine Falls in North Carolina zu machen. Sunshine Falls ist der Schauplatz ihres absoluten Lieblingsbuches.

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Tobias Lehmkuhl: Der doppelte Erich: Kästner im Dritten Reich

Die Bücherverbrennung in Nazi-Deutschland ist jedem ein Begriff. Auch das Werk Erich Kästners fiel hier den Flammen der Diktatur zum Opfer – mit einer Ausnahme: Emil und die Detektive, ein einfaches Kinderbuch, das trotz fehlender politischer Positionierung als „undeutsches Gedankengut“ eingestuft wurde, konnte nicht vernichtet werden. Warum? Weil es zu populär war. Ein Verbot dieses geliebten Kinderbuches hätte den Nazis zu sehr geschadet. So eine Macht besaß es und doch war es nur ein einfaches Kinderbuch.

Im Wissen um diesen Fakt habe ich mich sehr auf das Buch gefreut, das verspricht, eine Biografie Kästners zu sein, die sich auf seine Jahre während der Nazi-Zeit fokussiert. Anders als die meisten Künstler, bleibt Kästner in Deutschland, statt ins Ausland zu flüchten – und veröffentlicht weiter unter Pseudonym. Seinen echten Namen kann er kaum nutzen, immerhin hat er vor 1933 Spottgedichte über die Nationalsozialisten verfasst. Was ihn zu seinem Bleiben bewogen hat und welche Teufelspakte er eingehen musste, wie viel Moral einbüßen, das sollen wir hier erfahren.

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Karen Rose: Kaltblütige Lügen

Ähm, … gähn?!

Ein Pageturner zum Nägelkauen? Nope!

Definitiv kein mitreißender Thriller, der vor beißender Spannung vibriert …

Leider entpuppte sich der Auftakt der San-Diego-Thriller-Reihe von Bestseller-Autorin Karen Rose für mich als zäh und langatmig. Seite um Seite habe ich mich gefragt, wo denn die Spannung versteckt ist. Vergeblich suchte ich nach der bedrohlichen Atmosphäre, den Spannungsbögen, den klugen Twists.

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Christian Endres: Die Prinzessinnen: Helden und andere Dämonen

Brauchen Sie Schutz und Hilfe. Sind ihnen vielleicht Gauner, Wegelagerer, Oger oder Kobolde auf der Spur? Dann sind wir ihre Rettung!

Gestatten, dass ich uns vorstelle – wir sind die Prinzessinnen, eine, ach was sage ich, die Schutztruppe schlechthin, die ihnen Ärger vom Hals hält. Dass wir alle von adeliger Herkunft sind, schmälert unsere Kampfkraft beileibe nicht. Nein, zerstückelte Leichen böser Wesen inklusive Untoter und Zauberer säumen unseren Weg. Also zögern sie nicht, schlagen sie zu, engagieren sie uns, ich machen Ihnen auch einen Sonderpreis!

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Stefanie Sargnagel: Iowa: Ein Ausflug nach Amerika

Die österreichische Autorin und Cartoonistin Stefanie Sargnagel (Jahrgang 1986) macht sich 2022 auf den Weg in die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie fliegt nach Grinnell in Iowa, um an dem dortigen College „Creative Writing“ zu unterrichten. Begleitet wird sie von ihrer Freundin, der Musikerin Christiane Rösinger. Von dieser Reise und ihrem Aufenthalt berichtet sie in dem Buch „Iowa – Ein Ausflug nach Amerika“, das am 19. Dezember 2023 im Rowohlt (Hundertaugen) Buchverlag erschienen ist.

Im Land der übergewichtigen Flanellhemdträger und -innen

Gleich vorweg: ich glaube, ich bin zu alt für dieses Buch.

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Colleen Cambridge: Der Cocktail Mörder Club

Die Haushälterin von Agatha Christie ermittelt wieder.

Ich habe ein Faible entwickelt für Kriminalromane, die zu einer Zeit spielen, als die Ermittler:innen noch nicht ständig an ihrem Mobiltelefon hingen, ganz einfach, weil es diese zu ihrer Zeit noch nicht gab. Daher habe ich auch schon den Vorgängerband „Die Dreitagemordgesellschaft“ mit großem Vergnügen gelesen.

Was auch vor allem an dem liebenswerten Personal lag, das die Autorin in ihrem Roman erschafft. Allen voran natürlich die Hauptfigur, Phyllida Bright, ihres Zeichens Haushälterin bei der berühmten Agatha Christie. Doch sie ist viel mehr, denn die beiden Frauen sind eng befreundet, was aber außer Agathas Ehemann Max im Haushalt niemandem bekannt ist.

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