Timon Karl Kaleyta: Heilung

Der Protagonist in Timon Karl Kaleytas Roman „Heilung“ leidet an Schlafstörungen und lässt sich von seiner Frau dazu überreden, sich in einer Nobelklinik in den Bergen behandeln zu lassen.

Dort gefällt es ihm aber nicht. Er gerät mit dem Leiter, Professor Trinkl, aneinander und flieht schließlich.
Es gibt gleich mehrere Probleme an diesem Buch. Erstens ist der Held keine Identifikationsfigur. Er wirkt wie ein willenloser Spielball, der sich von anderen herumkommandieren lässt: von seiner Frau, von besagtem Professor, von einer (mutmaßlich) anderen Patientin der Klinik und schließlich von einem alten Freund. Einmal beispielsweise befiehlt ihm der Professor, eine Bären-Mutter zu töten. Warum tut er es, obwohl er es eigentlich gar nicht will?

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Megan Miranda: Der Pfad

Thriller sollten nicht so langatmig sein.

Ich lese die letzte Seite, so wie ich jede einzelne Seite gelesen habe. Dann schlage ich den Deckel des Buches behutsam zu und bin enttäuscht. Einiges hat mich berührt, doch meine literarische Seele wurde nicht wachgekitzelt. Ich wollte diese Geschichte wirklich lieben. Schaut euch nur das Cover an. Auch der vielversprechende Klappentext versprach wahnsinniges Potenzial!

Worum geht’s?

In dem idyllischen Ferienort des kleinen Bergstädtchens Cutter’s Pass in North Carolina, dem Ausgangspunkt für Wanderer auf dem Appalachian Trail, sind in den letzten 25 Jahren sieben Touristen spurlos verschwunden …

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Evelyn Skye: Damsel: Der Pfad des Feuers

Prinzessinnen sollten hübsch, nett und zurückhaltend sein – so zumindest die landläufige Meinung. Nun, Elodie von der kargen, verarmten, ja hungernden Insel Inophe entspricht, zum großen Leidwesen ihrer Stiefmutter, aber auch gar nicht diesen Erwartungen. Sie klettert auf Felsen, fällt auch gerne einmal in eine Felsspalte, reitet wie der Wind über die Dünen und trägt – ein Skandal – Hosen unter ihrem Rock! Damit noch nicht genug, hat sie von den die Insel besuchenden Seefahrern, deren Idiom gelernt, weiß mit ihren Sextanten aus Haarnadeln den Standort zu bestimmen – ich denke, sie sehen das Bild? Ein Wildfang mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

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Elias Hirschl: Content

Elias Hirschl, geboren 1994, war 2022 für einige Monate Stadtschreiber in Dortmund. Und tatsächlich finden sich in seinem Roman „Content“ einige Dortmund-spezifische Motive: ein legendärer Stahl-Magnat, den es nie gegeben hat (Karl Hoesch) und ein See, dessen Ufer eine Thomas-Birne ziert.
Im Nachwort bedankt sich der gebürtige Wiener bei der Stadt Dortmund, ohne deren Stipendium der Roman nicht möglich gewesen wäre.

Inhaltlich ist „Content“ eine ungemein witzige Satire auf moderne Internet-Eigenheiten wie die Künstliche Intelligenz ChatGPT oder Soziale Medien wie Instagram, Facebook und Co.
Die namenlose Erzählerin arbeitet in einer Firma namens „Smile Smile“, die quasi fließbandmäßig absurde YouTube-Videos oder Listenartikel („Listicles“) produziert – beispielsweise „Die 13 drogensüchtigsten Filmstars (Nummer 7 ist komplett gestört)“. Seltsamerweise wird davon nie etwas veröffentlicht, was die Erzählerin neugierig macht.

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Jonas Jonasson: Wie die Schweden das Träumen erfanden

Herzerfrischende Geschichte für alle, die den Elch lieben

Dieser kleine Roman macht soviel gute Laune, soviel Spaß, dass man ihn fast gleich noch einmal lesen möchte. Jonas Jonasson, dessen „Hundertjähriger“ immer noch unvergessen ist, hat sich hier eine so leichter, locker-flockige Geschichte ausgedacht, die genau das richtige ist für trübe Novembertage.

Dabei ist das Ganze schon recht absurd, völlig unmöglich aber vielleicht auch nicht. Und es zeigt, wie leicht es sein kann, Grenzen zu überschreiten.

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Gigi Pandian: Geister der Vergangenheit: Die unglaublichen Fälle der Zoe Faust 02

Zwar ist es Zoe gelungen, Dorian vor der endgültigen Rückverwandlung in Stein zu bewahren, doch das Heilmittel stellt sich lediglich als kurzweilige Übergangslösung heraus und der Gargoyle ist noch immer in Gefahr. Zusätzlich zerrt es auch an Zoes Kräften, die falsche Alchemie zu praktizieren.

Ausgerechnet jetzt, wo sie doch völlig andere Sorgen hat, tauchen zwei Show-Magier in der Stadt auf und es sieht so aus, als seien sie ebenfalls Alchemisten wie Zoe – mit einem beträchtlichen Unterschied: Einer von ihnen sieht dem Abbild eines Mörders zum Verwechseln ähnlich. Als dann ein Mann tot im Theater der Magier gefunden wird, ist es an Zoe, das Verbrechen aufzuklären. Denn wie sollte sie der Polizei und ihrem neuen Freund Max von den übernatürlichen Phänomenen überzeugen, die sich in der Stadt zutragen?

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Martha Wells: Übertragungsfehler: Ein Killerbot Roman 03

Man sollte es ja nun wirklich einmal begriffen haben – ich, eine ehemalige, frei drehende Security-Unit – bin, auch wenn mein Name vielleicht etwas Anderes andeutet, kein frei laufender, manischer Massenmörder. Ich bin sehr zufrieden damit, wenn meine Schutzbefohlene friedlich ihr Leben leben kann und ich nichts zu tun bekomme.

Gestatten, dass ich mich vorstelle – Killerbot der Name und auf Preservation Station so etwas wie die Persona non grata. Die Sicherheitschefin kann mich nicht ausstehen, verwehrt mir jeglichen Zugang zu den Überwachungs-Drohnen der Station – und ich musste doch versprechen, meine eigenen kleinen Informanten schön zurückzuhalten – wie soll man denn da seinen Auftrag, den Schutz vor den Killern von GrayCris, eines mega-sauren Konzerns, erfüllen?

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Hilde Rød-Larsen: Diamantnächte

Diamantnächte“ ist in Norwegen zum Bestseller avanciert.

Hilde Rød-Larsen bedient sich in diesem Roman verschiedener Erzählperspektiven.

Schreibend nähert sich die Protagonistin Agnete ihrer Vergangenheit an. Es ist an der Zeit, dass sie alles notiert, um endlich Klarheit über sich selbst zu bekommen. Bereits während der ersten Sätze wird klar, dass die Geschichte problembehaftet werden wird.

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Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt

Der Mordclub ermittelt wieder – Krimi mit Tiefgang, spannend und gleichzeitig berührend

Den ersten Band um den Seniorenclub, der immer donnerstags einen Mord aufklärt, habe ich zwar nicht gelesen, dafür alle anderen. Und dieser neue ist in meinen Augen fast der beste bisherige, hat er doch neben der eigentlichen, spannenden und überraschenden Krimihandlung noch weitere Aspekte, die der Autor mit Feingefühl und Empathie behandelt.

Es ist Weihnachten in Coopers Chase und unsere vier Freunde, Joyce, Elizabeth, Rob und Ibrahim wünschen sich eigentlich nur ein Jahr ohne Mord. Doch natürlich werden ihre frommen Wünsche nicht erhört, im Gegenteil, es ist ausgerechnet ein Bekannter und guter Freund von Elizabeths Ehemann Stephen, der ermordet aufgefunden wird. Kuldesh wird erschossen in seinem Auto auf einem Waldweg gefunden, niemand hat eine Ahnung, was geschehen sein könnte.

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Stefanie Lasthaus: Schneewittchens dunkler Kuss

Einst war der Vater von Cyntha der Hirte des Lords – bis er eine Heldentat beging. Bei einem verheerenden Feuer rannte er in den Stall und ließ die dort eingesperrten Rinder frei. Seine Tat bescherte ihm schmerzhafte Narben, einen Arm, der kaum mehr zu gebrauchen war und ein Hinkebein. Seitdem zieht er als fahrender Händler durch die Grafschaften, seine Tochter ist bei der Lady beschäftigt. Dass ihre Mutter die Gabe hatte, lässt die einfachen Menschen des Dorfes auf Distanz zu ihr gehen. Überall stößt sie auf Misstrauen und Ablehnung.

Als der Earl eines Tages zu Besuch weilt, hofft sie, dass sie statt des unfähigen Bauern, der gerade als Hirte angestellt ist, den Posten erhält. Doch dann kommt alles anders als erhofft oder erwartet. Der Earl macht ihr, der Hirtentochter, einen Hochzeitsantrag – einen Antrag, den sie unmöglich ablehnen kann.

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