Joy Williams: In der Gnade

Happy Birthday Joy Williams!

Heute feiert die US-amerikanische Schriftstellerin Joy Williams ihren 80. Geburtstag. Rechtzeitig dazu bringt die dtv Verlagsgesellschaft ihren im Original bereits 1973 erschienenen Debütroman „State of Grace“ erstmals auf Deutsch unter dem Titel „In der Gnade“ heraus. Julia Wolf hat ihn aus dem Englischen übersetzt. Im letzten Jahr wurde Joy Williams für ihre „Stories“ (ebenfalls bei dtv) in Deutschland u.a. von Thea Dorn im „Literarischen Quartett“ und in der Süddeutschen Zeitung als Entdeckung gefeiert. Da ist die Spannung auf ein weiteres Stück Literatur von Joy Williams groß. Und so viel sei verraten, die Leserinnen und Leser von „In der Gnade“ werden nicht enttäuscht.

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Rebecca Maria Salentin: Iron Woman

Der Begriff Iron Woman wird meistens mit dem Triathlon verbunden, bei dem man zum Beispiel auf Hawaii unter schwierigsten Bedingungen so schnell wie möglich schwimmt, läuft und Fahrrad fährt. In Anlehnung an diesen Wettkampf bräuchte man für die herausragende Leistung der Leipziger Autorin Rebecca Maria Salentin einen neuen Begriff. Geplagt von diversen Erkrankungen und der fehlenden Fähigkeit, ein Fahrrad zu reparieren, gelingt ihr eine extreme Tour. In ihrer Einleitung schreibt sie, bisher habe nur ein Mann offiziell die gesamte Strecke des Iron Curtain Trails an einem Stück bezwungen.

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Killen McNeill: Lore und die letzten Tage

Romane, die in den 1950-er oder 1960-er Jahren spielen, sind gerade sehr modern. „Lore und die letzten Tage“ von Killen McNeill reiht sich in diese Texte ein.

2022 ist Lore Jungkunz 92 Jahre alt. Anlässlich einer Gedenkfeier für Opfer der letzten Kriegstage kommen Erinnerungen an die Jahre 1944 und 1945 in ihr hoch. Lore wohnt damals mit Mutter und Großmutter in Nürnberg. Sie wird als Erntehelferin zum Bauernpaar Waigandtnach Seilar abkommandiert, einem idyllischen Bauerndörfchen, von Nürnberg aus mit dem Zug erreichbar. Die Weigandts schließen die tüchtige Lore, die sich kein Blatt vor den Mund nimmt, schnell ins Herz. In Seilar begegnet Lore auch dem Hitlerjungen Anton.

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Stephanie Bishop: Der Jahrestag

Glückliche Ehe oder Abhängigkeitsverhältnis? Unglück oder Mord?

Selten ist man beim Lesen so nah dran an der Protagonistin, die hier auch die Ich-Erzählerin ist. So nah, ja fast in ihr drin und damit in ihren Gefühlen. Das macht diesen Roman so besonders und gleichzeitig auch so schwierig, will man sich nicht zu sehr hineinziehen lassen.

Die Schriftstellering J.B. Blackwood ist inzwischen sehr erfolgreich, soll sogar in Kürze mit einem renommierten Preis ausgezeichnet werden. Ihr Mann Patrick, der einiges älter ist als sie, ist hingegen eher auf dem absteigenden Ast, sein Erfolg ist rückläufig. Kennengelernt hat sich das Paar, als er ihr Professor an der Hochschule war.

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Kerri Maniscalco: Hunting Prince Dracula: Audrey Rose 02

Auch der zweite Audrey-Rose-Roman von Kerri Maniscalco besticht durch seine atmosphärische Dichte. Nach ihrem Treffen mit Jack the Ripper kümmern sich die junge Gerichtsmedizin-Studentin Audrey-Rose Wadswarth und ihr So-Gut-Wie-Lover Thomas Cresswell um die Nachfahren von Graf Dracula – und das nirgendwo anders als auf Schloss Bran, das in Rumänien als Draculas Schloss vermarktet wird, obwohl Vlad III., der als Vorbild für den Ober-Vampir gilt, dort nur einmal übernachtet haben soll.

Im Roman, der Ende des 19. Jahrhunderts spielt, ist dort ein gerichtsmedizinisches Lehrinstitut untergebracht, in dem unsere beiden Helden hoffen, angenommen zu werden.

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Shannon Chakraborty: Die Abenteuer der Piratin Amina al-Sirafi

Sie war eine Legende – von Aden bis Mogadischu war sie geachtet, gefürchtet und bekannt. Die Rede ist natürlich von Amina al-Sirafi, legendäre Abenteurerin, Kapitänin, Liebhaberin und Piratin.

Vor Jahren schon hat sie ihr geliebtes Schiff, die Marawati ihrem einstigen Rudergänger überlassen und sich in eine abgelegene Region zurückgezogen. Gebrochen durch den Tod ihres Gefährten, zieht sie hier, zusammen mit ihrer eigenen Mutter ihre Tochter auf. Ein Mädchen, schön und süß, ein Spross aus einer Verbindung mit einem Dschinn – so heißt es zumindest.

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Karen Sander: Der Sturm: Vergraben

„Vergraben“ ist der Auftakt einer neuen kleinen Krimi-Serie, die wie schon die Trilogie „Der Strand“ an der Ostsee angesiedelt ist, genauer, auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.

Ein schwerer Sturm lässt ein Stück der Klippen abbrechen, dabei werden die Gebeine zweier Menschen zutage gefördert, die wohl schon länger hier verscharrt gewesen sein müssen. Tom Engelhardt, der erst seit Kurzem auf dem Darß als Ermittler tätig ist, erfährt von älteren Kollegen und Einheimischen, dass es vor vielen Jahren, kurz vor der Wende, hier wohl einen Serientäter gegeben hat, der immer junge Pärchen getötet hat. Sind die beiden vor über 30 Jahren seine Opfer gewesen? Der Täter von damals wurde nie gefasst. Die Mordserie endete mit dem Fall der Mauer.

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Zadie Smith: Betrug

Verwirrender Roman mit einer faszinierenden Protagonistin

So sehr ich mich für die Hauptfigur im Roman, die wunderbare Eliza Touchet, begeistern kann, so ratlos lässt mich das Buch ansonsten zurück. Auf mehreren Zeitebenen, in kurzen und sehr kurzen Episoden, in vielen Rückblicken erzählt die Autorin von Ereignissen im 19. Jahrhundert rund um die Schriftsteller Ainsworth, Dickens und deren Kreis.

Eliza Touchet ist die Cousine – oder was auch immer – von William Ainsworth. Sie lebt seit Jahren in seinem Haushalt, erträgt seine Launen und nun auch seine neue, sehr viel jüngere und ungebildete Frau. Eliza ist eine beeindruckende Figur, mit einer ganz besonderen, geradezu mikroskopischen Beobachtungsgabe gesegnet. Diese gestattet es ihr auch nicht, sich selbst falsch zu sehen, falsch einzuschätzen, sich und ihre Rolle.

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Tessa Duncan: Wer das Vergessen stört: Die Canterbury-Fälle 01

Noch vor kurzem hat Lily Brown für die Polizei alte Fälle analysiert. Dann kam das plötzliche Ende ihrer Beziehung zu einem Kollegen und ihr fluchtartiger Ausstieg. Inzwischen sieht ihr Arbeitsalltag ganz anders aus. In einer privaten Praxisgemeinschaft arbeitet sie als Psychologin. Vielleicht will der Neuanfang nicht so recht klappen, weil in ihr noch immer die Herangehensweise einer Polizistin aktiv ist. Ihr analytischer Blick hat schon immer mehr erkannt als ihre früheren Kollegen. Als ihre Patientin Vera angeblich den Freitod gewählt hat, erkennt Lily  – wie schon bei anderen Gelegenheiten – mehr als die Ermittler. Und wie in der Vergangenheit verbittet sich der Ermittlungsleiter jede Einmischung. Denn von einer Frau wie Lily will er aus Prinzip nichts annehmen.

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Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade

Pralinésoldat verliebt sich in geheimnisvolle Frau – eine Geschichte wie Karamell

Es geht vor allem um Düfte in diesem Roman aus dem Wien der Kaiserzeit, so dass er, wenn auch gänzlich anders, doch ein wenig an das berühmte „Parfüm“ von Patrick Süßkind erinnert.

Dabei sind die beiden Bücher überhaupt nicht zu vergleichen, es sei denn aufgrund der beiden Geschichten innewohnenden Mystik um Gerüche und Düfte und das, was sie in bestimmten Menschen auslösen.

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