Jörg Hartmann: Der Lärm des Lebens

Jörg Hartmann, der im Tatort den Dortmunder Kommissar Peter Faber spielt, hat nun auch ein Buch geschrieben. „Der Lärm des Lebens“ heißt es, und es geht darin um verschiedene Episoden aus der Vergangenheit des Schauspielers. Der Roman ist zwar nicht gänzlich autobiografisch – der Name seiner Frau und Details aus der Beziehung mit ihr stimmen nicht mit Hartmanns tatsächlichem Leben überein –, jedoch dürfte der Anteil an Selbsterlebtem in diesem Text ansonsten sehr hoch sein.

„Der Lärm des Lebens“ wartet mit zwei dicken Pluspunkten auf: Zum einen ist er immer dann besonders stark, wenn es um Hartmanns Familie in Herdecke geht, wo er aufgewachsen ist. Herrlich, wie er die typische Ruhrpottsprache wiedergibt: Schlawannzuch, Kuckse, wonnich?, Mach mich nich rammdösich … Wer selbst im Ruhrpott aufgewachsen ist, kann sich über solche lautmalerischen Wortschöpfungen bestens amüsieren. Auch sonst strahlen die Erlebnisse in seinem Elternhaus schönstes Ruhrpottflair aus.

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Henri Faber: Gestehe

Jacket ist ein Star. Als Polizist der Wiener Leib-und-Leben und als Buchautor. Seit er in einer alten Lackfabrik einen Organhändlerring überführt und darüber ein Buch geschrieben hat, ist er mehr mit Interviews und Promotion beschäftigt als mit seiner Arbeit als Polizist. Die Story ist aber auch wie gemacht für einen Helden. Er und sein damaliger Partner wurden gefangen genommen und gefoltert. Schwerverletzt gelang es ihm, sich zu befreien und im Alleingang alle Bösen zu töten, um mit dem letzten überlebenden Opfer, der kleinen Beany, auf dem Arm genau in die Arme der Fotografen zu laufen. So steht es in seinem Buch und so glaubt es die Welt. Nur, dass er selbst sich nicht daran erinnert. Alles zwischen Gefangennahme und Fotografen ist wie ausgelöscht in seinem Gedächtnis, viel wurde erfunden, um die Lücken zu füllen. Wie sein Kollege gestorben ist? Genau weiß er es nicht. Seine Therapeutin Nora erklärt das mit Verdrängung. Mit der Zeit es ist ihm gelungen, selbst an das zu glauben, was in dem Buch steht. Er ist Jacket, er ist der Held.

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Jonathan Lethem: Der Stillstand

Nach dem Stillstand hat sich die USA von den Errungenschaften der modernen Zivilisation verabschiedet. Computer, Autos, Handys, Fernseherund die liebgewonnen elektronischen Gadgets des Alltags – alles weg! Lethams Protagonist mit dem Spitznamen „Journeyman“ hat Glück gehabt, dass er sich zum Zeitpunkt des beginnenden Stillstands auf einer abgelegenen Halbinsel im Osten der USA aufgehalten hat. Denn hier betreibt seine Schwester Maddy mit ein paar anderen Aussteigern eine Bio-Farm. Die kleine Gemeinschaft kann sich nach Zusammenbruch der Lieferketten selbst versorgen. Sie lebt abgeschottet von der Außenwelt, die Grenze zum Festland wird von den mysteriösen Mitgliedern der „Kordonisten“ gesichert. Gegen die Bezahlung von Lebensmitteln schützt der Trupp die friedlichen Bio-Bauern gegen feindliche, gewalttätigen Einflüsse von außen. Behauptet er zumindest. Durch das Fehlen jeglicher Kommunikationsnetze weiß niemand auf der Halbinsel, wie es um den Rest der Welt steht. Herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände beim Kampf um die letzten Ressourcen? So gehen die Insulaner lieber den fragwürdigen Schutzdeal mit den Kordonisten ein.

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Nina MacKay: The Darkest Queen: Kuss der Dämonen

Als der Prinz ihres Landes eine Brautschau ausruft, ist die Halbdämonin Skylar unter den Bewerberinnen. Nicht um den Prinzen zu heiraten, sondern um ihn zu töten. Das ist es, was der Dämon, dem sie dienen muss, von ihr verlangt und sollte sie scheitern, droht die Welt unterzugehen. Statt den Prinzen soll Skylar außerdem dessen Schwester umwerben, mit dem Ziel, am Ende diese zu heiraten und als Königin die mächtigste Frau der Welt zu werden.

Zunächst sieht sie kein Problem in dieser Aufgabe, ihre Augen sind nur auf ihr eigenes Ziel gerichtet: Sollte sie die Aufgabe des Dämons bewerkstelligen, wird er ihre Zwillingsschwester von den Toten zurückbringen.

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Ian Moore: Mord & Fromage

Verwirrender Krimi mit sympathischen Protagonisten – nicht so gut wie der Vorgängerband

Ein weiterer Fall für das ungleiche Paar Richard und Valérie – diesmal dreht sich alles um Käse. Leider ist der Roman auch ein wenig käsig geworden.

Richard, Engländer, ehemaliger Filmkritiker und Betreiber eines Bed& Breakfast im Loire-Tal, liebt eigentlich seine Ruhe. Andererseits findet er die umtriebige, stets ebendiese Ruhe störende Valérie, französische Kopfgeldjägerin, sehr attraktiv und wäre vermutlich gern mehr als nur ihr widerwilliger Partner bei der Aufdeckung von Mord und Totschlag in den beschaulichen Dörfern.

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Maxim Leo: Wir werden jung sein

Kongenial und brillant! Niemals altern, bis hin zur Unsterblichkeit: Diesen ewigen, aber gleichfalls brandaktuellen Menschheitstraum beschreibt Maxim Leo in einem treffsicheren und vielschichtigen Roman. Sein literarisches Kunststück geht moralischen Denkanstößen, Chancen und Risiken nach. Sie werden anhand der Schicksale von vier Probanden dargestellt, die an einer Studie für ein neues Herzmedikament teilgenommen haben. Bei den verjüngenden Effekten handelt es sich um eine nicht eingeplante Nebenwirkung. Die Protagonisten erleben so manche Überraschung, positiv wie negativ. Denn wie heißt es doch so schön: Alles im Leben hat seinen Preis. Sogar die ewige Jugend.

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Steve Cavanagh: Seven Days

Dass Eddie Flynn eine Vergangenheit hat, wissen wir ja schon lange – eigentlich ist das ja eines der Hauptthemen in Steve Cavanaghs Romanen um ihn. Ein alter Kontakt bittet – na ja weist an – dass Eddie sich um einen Todeskandidaten kümmern soll, dessen Verteidigung organisieren. Tief im Süden, dort wo man das Ende der Sklaverei am liebsten vergessen und die Auswirkungen ignorieren möchte, hat sich ein Staatsanwalt einen Namen gemacht. Randal Korn rühmt sich damit, noch jeden auf den Todesstuhl gebracht zu haben, den er angeklagt hat. Jetzt ist Andy dran, dort unten der perfekte Schuldige: Student, ängstlich, Afroamerikaner – und ein weißes weibliches Opfer. Sein Anwalt vor Ort verschwindet nach wenigen Tagen. Eddie macht sich auf den Weg.

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Jacqueline Kornmüller: Das Haus verlassen

Die Ich-Erzählerin besitzt ein Ferienhaus. Es ist 150 Jahre alt und aus Stein gebaut. Die Erzählerin hat es als halbe Ruine erworben, renoviert und in die Gegenwart gerettet. Jetzt aber zieht es sie zu neuen Ufern und sie geht daran, das Haus zu verkaufen. Sie inseriert es online und eine Karawane an Interessenten tritt auf den Plan, besichtigt dieses, beschaut jenes, hinterfragt und will wissen.

Die Ich-Erzählerin gibt den möglichen neuen Besitzern des Hauses Bezeichnungen wie „der Innenministermann“, „die Suchende“, „der Diamantenhändler“ oder „die Stillen“. Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass das Haus und seine Besitzerin miteinander kommunizieren. Das Haus ist manchmal empört, beleidigt, amüsiert oder es schweigt trotzig. Im Grunde ist ihm sein Verkauf recht bis egal, aber es möchte sich mit seinen neuen Besitzern im wahrsten Sinne des Wortes verstehen.

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Becky Chambers: Ein Psalm für die wild Schweifenden

Ein kleiner Mond – Panga –, der um einen großen Planeten kreist, beherbergt etwas Besonderes. Nein, ich rede jetzt nicht von den Menschen – diese gibt es, wie gemeinhin bekannt, wie Sand am Meer; ich spreche von den Robotern. Da staunen sie, was?

Nun, vor einigen Jahrhunderten war die Welt Panga dabei draufzugehen – wir kennen das von den Menschen ja, Umweltverschmutzung, das Recht des Stärkeren, Brutaleren, die Gier nach Macht und Reichtum – dann passierte etwas, das neu war!

Die Roboter in den Fabriken entwickelten ein Bewusstsein.

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Emma Törzs: Ink Blood Mirror Magic

Joanna hat den Ort ihrer Kindheit noch nie verlassen. Seit sie denken kann, hat sie ihr Leben ihrem Familienvermächtnis verschrieben: Dem Schutz einer Büchersammlung – magische Bücher, in Blut geschrieben. Um ihre Zauber wirken zu können, muss man mit dem eigenen Blut bezahlen; ein Umstand, der ihren Vater das Leben gekostet hat.

Esther, ihre Schwester, führt ein gegenteiliges Leben: Jedes Jahr zur gleichen Zeit muss sie ihr Leben hinter sich lassen und ein neues in einem anderen Land, auf einem anderen Kontinent beginnen. „Sonst finden sie dich“, hat ihr Vater gesagt. Was er damit gemeint hat, weiß sie nicht und fragen kann sie ihn nicht mehr, nun da er tot ist. Als sie schließlich beschließt, die Warnung zu ignorieren und länger an einem Ort zu bleiben, ahnt sie noch nicht, dass die Bedrohung real ist und ihre Verfolger vor nichts zurückschrecken.

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