Gabriella Santos De Lima: That Girl

Tess ist ein echtes That-Girl mit einer perfekten Morgenroutine und einem gut laufenden Instagram-Kanal. Vor kurzem hat sie ein Buch geschrieben, in dem es um ihre bisherigen Dates ging und die Verkaufszahlen sprechen für sich. Nach außen hin ist es ein perfektes Leben, doch in Wahrheit ist die junge Frau auf der Suche nach sich selbst und der großen Liebe. Durch einen Zufall begegnet sie Leo und beginnt sich zu fragen, ob das nun wahre Liebe ist und ob diese wirklich so eine große Rolle in ihrem Leben spielt wie bisher angenommen.

Ich brauchte ein bisschen, um in das Buch hineinzukommen, doch als ich die kurze Durststrecke überwunden hatte, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Diese Geschichte ist keine klassische nullachtfünfzehn Liebesgeschichte und deshalb unterscheidet sich das Buch endlich mal von all den anderen. Es geht in der Geschichte um Selbstfindung, Freundschaft und der Frage, was die große Liebe eigentlich ist. Es brachte mich zum Nachdenken und bleibt bestimmt noch lange in meinem Gedächtnis.

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Petra Hammesfahr: Die Verlierer

Rita Voss hat ihre Schwierigkeiten, sich an den neuen Vorgesetzten zu gewöhnen. Dazu kommt noch eine irre Geschichte: Fred Keller fährt mit Frau und Wohnmobil auf einen Campingplatz. Beim Joggen verschwindet seine Frau. Er braucht Tage, um das überhaupt zu melden, als Begründung gibt er an, seine Frau hätte das schon mal gemacht – einfach zu verschwinden. Der Stiefsohn kann nicht zur Aufklärung beitragen, weil er nicht auffindbar ist. Nach und nach entblättert sich eine Familiengeschichte, die mit jedem Detail trauriger wird.

Ich fand den Roman gut aufgebaut, auch durch die Einschübe von „Carli“, die das Ganze noch rätselhafter machten. Auch die verschiedenen Perspektiven tragen zur Spannung bei. Petra Hammesfahr ist bekannt dafür, tief in die dunklen Abgründe von Familien einzutauchen und dunkle Denkweisen ans Licht zu holen. Das ist ihr auch hier wieder gelungen. Am Ende gibt es einige Überraschungen, auch wenn man die ganze Zeit glaubte, den Täter doch schon zu kennen. Das Motiv fand ich wirklich gut gewählt, auch wie sich die Erzählung von „Carli“ immer wieder in die Aufklärungsarbeit einschob und dabei quasi Parallelen bildete.

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Maiya Ibrahim: Gewürzstrasse

Seit Generationen ist die Wüstenstadt Qalia und deren Umgebung von der restlichen Welt getrennt. Ein Bund sorgt dafür, dass die Menschen dort sicher sind, während sie mit ihren Kräften für den Schutz der Stadt und ihrer Umgebung sorgen. Der Misra-Tee, aus der Rinde des gleichnamigen Baumes gewonnen, verleiht ihnen magische Kräfte, Befähigungen, mit den Elementen des Landes zu interagieren, diese zu nutzen und damit Unglaubliches zu bewerkstelligen.

Als der ältere Bruder unserer Erzählerin Imani eines Tages spurlos verschwindet und dabei ein größerer Vorrat an der zauberkräftigen Rinde mit diesem vermisst wird, geht man davon aus, dass Atheer dem zauberkräftigen Tee verfallen war und letztlich den Djinns zum Opfer fiel.

Statt zu trauern, macht Imani sich auf, als Schild Rache an den Wüstenbewohnern, die ihren Bruder vermeintlich getötet haben, zu nehmen. Schnell nennen die Djinns sie nur mehr furchtsam die Töterin.

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Franziska Gänsler: Wie Inseln im Licht

Die junge Zoey ist an die französische Atlantikküste in die Nähe von Bordeaux gereist, um Abschied von ihrer Mutter zu nehmen.

Zoey hat hier einen Teil ihrer Kindheit verbracht und zusammen mit der Mutter und ihrer jüngeren Schwester Oda in einem Bauwagen am Strand gewohnt. Hier am Meer ist die Schnittstelle, die sie alle drei miteinander verbunden und irgendwann später voneinander getrennt hat.

Die Geschichte beginnt rätselhaft und bleibt fast bis zum Schluss rätselhaft. Vieles, was in der Vergangenheit geschehen ist, bleibt unerklärlich für Zoey. Da brechen die Erinnerungen an die jüngere Schwester Oda wieder auf, die plötzlich verschwunden war. Die Mutter hatte nur mit ihr, ohne die kleine Oda Frankreich verlassen. Seither hatten sie zu zweit in einer kleinen Dachwohnung in Berlin gelebt. Über all die Jahre, in denen Zoey dann ihre Mutter selbstlos und selbstverständlich gepflegt hat, ist diese ihr alle Antworten schuldig geblieben. Aus Rücksicht auf den Zustand der Mutter hat Zoey irgendwann das Fragen eingestellt. Auch sonst war niemand da, der ihr etwas hätte erklären können.

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T. C. Boyle: I walk between the raindrops

Der US-amerikanische Schriftsteller T. C. Boyle (Jahrgang 1948) schreibt jedes Jahr ein neues Buch. 2023 war es der Roman „Blue Skies“, der den weltweiten Klimawandel und seine Auswirkungen in den USA in apokalyptischer Form beschreibt. Am 13. Mai 2024 folgen nun dreizehn Stories mit dem Titel „I walk between the raindrops“, die im Carl Hanser Verlag erschienen sind. Dirk van Gunsteren und Anette Grube haben sie übersetzt.

Lebenswelten in der Kurzform

T. C. Boyle kann nicht nur Romane schreiben, sondern brilliert auch mit seinen Kurzgeschichten.

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Graham Norton: Ein Ort für immer

Für diesen Roman stellen wir Ihnen eine Doppelrezension vor.  Zwei unserer Rezensentinnen haben das Buch gelesen. Ihre Besprechungen fallen gar nicht so unterschiedlich aus. Doch während Renate Müller die absurden Komponenten des Romans als vergnüglich und unbedingt empfehlenswert einstuft,  bewertet Annegret Glock genau diese Skurrilität als zu trivial:

Renate Müllers Rezension:

Berührender und humorvoller Roman um die Frage: Sind wir da zu Hause, wo wir wohnen?

Ein Schicksal, das heutzutage sicher öfter vorkommt, als man glaubt. Plötzlich sitzt ein Partner auf der Straße, weil der andere keine Vorsorge getroffen hat.

In dem Roman des irischen Autors Graham Norton, des ersten, den ich von ihm las, geht es vor allem um das, was unser Zuhause ausmacht. Für fast alle der wunderbar ausgearbeiteten Figuren stellt sich diese Frage, nicht alle finden eine Antwort.

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Nisha J. Tuli: Trial of the Sun Queen: Die Artefakte von Ouranos 01

Lor sitzt in einem grausamen Kerker, seit sie ein Kind ist. Gemeinsam mit ihren Geschwistern wurde sie – ein Mensch – von den Fae dort eingesperrt. Warum? Sie weiß es, hält es aber geheim. Gerade als ihre Lage anscheinend nicht schlimmer werden kann, wird sie befreit und findet sich im Luxus wieder. Sie wurde auserwählt, als eine von 10, als „der letzte Tribut“ um die Hand des Sonnenkönigs zu kämpfen. Dabei ist nicht nur Wissen gefragt – das sie nicht haben kann, wie sollte sie im Kerker auch lernen, welcher König wie viele Töchter hatte – , sondern auch Geschick – hat sie – und nicht zuletzt die Frage, wem man in dieser Schlangengrube vertrauen kann und wem nicht. Mit am spannendsten an diesem Buch fand ich Lors Erkenntnis, dass sie mit ihrer Taktik des Null-Vertrauens auch nicht bestehen kann.

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James J. Butcher: Dead Man´s Hand

Wie überall auf der Welt teilen sich auch in Boston, Massachusetts die Gewöhnlichen ihre Heimat mit den Paranormalen. Und Department für unorthodoxe Angelegenheiten sind die Auditoren die magische Elite, staatlich zugelassene Hexen, die über Kevlarmaske, Zaubersprüche und die damit verbundene Macht und das Prestige verfügen. Grimshaw Griswald Grimsby ist … trotz eines mehrjährigen Studiums leider keiner dieser Auditoren.

Nachdem er bei der Ausbildung durchfiel und von seiner Ausbilderin, der gefährlichsten Hexe der Welt, als „nicht für die Abteilung geeignet“ entlassen wurde, versuchte Grimsby, sich mit einem Leben als mittelmäßiger Hexer abzufinden. Aber er kann nicht anders, als zu hoffen, dass er irgendwie, irgendwo eine weitere Chance bekommt, seine Fähigkeiten zu beweisen. Bis dahin arbeitet er als Clown-Zauberer für Geburtstagskinder im versifften Burger-Paradies des Gewerbegebiets – ab und an darf er dort auch die Toiletten reinigen.

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Anne Stern: Das Opernhaus: Rot das Feuer

Elise Jacobi, geborene Spielmann, hat sich in Dresden mittlerweile einen Namen als begnadete Violinistin gemacht. Ihr Wunsch nach Anerkennung ihres Könnens wurde also erfüllt. Nicht zuletzt hat sie das den Kontakten ihres wesentlich älteren Ehemannes, des Komponisten und Journalisten Adam Jacobi zu verdanken. Dessen ist sich Elise durchaus bewusst, was sie aber nicht daran hindert, auch immer mal wieder, im Rahmen einer Soirée oder eines Empfanges, im Gespräch, mit ihrer Meinung zur Kunst nicht hinter dem Berg zu halten. Sehr zum Missfallen ihres Ehemannes, der streng auf Etikette und Konventionen achtet und der Meinung ist, Frauen haben keine Meinung zu haben.

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Christina Lauren: The Soulmate Equation

Das Buch entführt seine Leser in eine Welt voller Statistiken und Zahlen, ebenfalls wird die große Liebe gesucht. Genau deshalb wird die neue Dating-Agentur gegründet, die DNA-Tests macht, um zu schauen, ob man mit einer Übereinstimmung dieser die große Liebe finden kann. Jess ist erstaunt, als ihr Ergebnis mit dem von Dr. River Peña übereinstimmt und das zu 98 %. Er ist einer der Mitgründer der Agentur und sie beginnt zu zweifeln, ob die Analyse wirklich so zuverlässig ist wie angenommen.

Die Idee mit der Gen-basierten App fand ich sehr toll, mal was anderes, und es wurde sehr gut umgesetzt. Die Diskussionen zwischen den Protagonisten war herrlich, so erfrischend und manches Mal musste ich schmunzeln während dem Lesen.

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