Heinz Strunk versteht es in seinen Büchern scheinbar ganz locker, Tragik in Komik zu verwandeln. Seine Erzählweise ist oft deftig, manchmal heftig, seine Milieu- und Charakterstudien lesen sich treffsicher und stimmig. Genau das erwarten seine Leser und werden so gut wie nie enttäuscht.
Bereits Heinz Strunks erster Roman „Fleisch ist mein Gemüse“ aus dem Jahr 2004 wurde ein Erfolg. Seither hat er 16 weitere Bücher veröffentlicht.
Im Leselust-Portal sind folgende Rezensionen seiner Bücher zu finden: Kein Geld Kein Glück Kein Sprit (2025), Zauberberg 2 (2024), Ein Sommer in Niendorf (2022), Es ist immer so schön mit dir (2021), Jürgen (2017), Der Goldene Handschuh (2016).
Nun aber zu Strunks aktuellem Buch „Memories of Heidelberg“, in dem ein Ehepaar anstatt einer entspannten Woche in der Neckarstadt ein bitteres Desaster durchlebt.
Ältere Leser werden sich bei dem Titel an den von Peggy March gesungenen Schlager aus den sechziger Jahren zurückerinnert fühlen. Womit wir schon mitten in der Handlung sind, denn mit genau diesem Lied werden die Protagonisten Bertram und Isolde durch das gesamte Buch immer wieder beschallt. Das ältere Ehepaar aus Oldenburg hat einen Aufenthalt in einem Heidelberger Luxushotel direkt am Neckar gebucht. Doch die Woche, die sie dort verbringen, wird immer mehr zum Horrortrip. Das Hotel entpuppt sich als alter Schuppen, der keineswegs ihren Vorstellungen, geschweige denn den geforderten Kosten entspricht. Das gemeinsame Abendessen wird den beiden über der Straße auf einem alten Neckarschiff serviert. Mit jedem Mal wird dieser Gang ungemütlicher. Die Küche des Schiffsrestaurants ist allenfalls gehobenes Mittelmaß, das Personal flapsig. Der Aufenthalt im unschönen Außenbereich dort wird von italienischer Musik und Peggy Marchs Schlager „Memories of Heidelberg“ in einer Endlosschleife untermalt. Hier erleben wir Situationskomik pur. Doch auch in der restlichen Zeit stehen Bertram und Isolde regelrecht unter Strom. Permanenter Stress und Ärger dominieren ihren Aufenthalt und lassen die beiderseitige Anspannung zum Zerreißen anwachsen, obwohl sie sich wirklich bemühen. „Wie so viele unzulänglich verheiratete Paare bleiben sie jetzt in einer Art Totenstarre zusammen“ (eBook S. 51). Anstatt das Flair der Stadt gemeinsam zu genießen, gehen beide frustriert ihre eigenen Wege. Vor allem Bertram verfällt dabei zwischendurch in alte Gewohnheitsmuster. So frönt er unter anderem heimlich immer wieder seiner Fresssucht.
Wer zwischendurch denkt, schlimmer kann es eigentlich nicht mehr kommen, wird von Heinz Strunk auf jeder weiteren Seite eines Besseren belehrt. Er lässt die Situation kippen, bis die Katastrophe perfekt ist.
Die Peinlichkeiten, die seinen Figuren widerfahren, weidet Heinz Strunk bis aufs Mark aus. Sprache und Dialoge lesen sich authentisch, als säße der Autor direkt zwischen seinen Protagonisten.
Lachen ist hier garantiert.
Heinz Strunk: Memories of Heidelberg.
Rowohlt, Juli 2026.
176 Seiten, gebundene Ausgabe, 23,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
