Louise Brown: Was bleibt, wenn wir sterben: Erfahrungen einer Trauerrednerin

Niemand beschäftigt sich wohl gerne mit dem Tod und dem Sterben. Die Journalistin Louise Brown hat sich weitreichende Gedanken über die Endlichkeit des Lebens gemacht. Der Tod ihrer Eltern war ausschlaggebend dafür. Mittlerweile ist sie Trauerrednerin und fortan ständig mit trauernden Menschen, dem Leben und dem Sterben konfrontiert. Durch viele Gespräche mit Angehörigen, die ihre Trauer bewältigen müssen und ihr vom Leben der Verstorbenen erzählen, formt Louise Brown ihre ganz eigenen Betrachtungsweisen darüber, was einen Menschen ausgemacht hat. Daran lässt sie die Leser teilhaben. Der Tod ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Wenn man in seine Stille hineinhört, kann man etwas über die Verstorbenen und sich selbst erfahren (eBook S.14).

Der erste Teil des Buchs handelt von der Konfrontation mit dem Tod. Hier geht es unter anderem um die Momente, die bleiben, um Durchhaltevermögen, um Trauergespräche in leeren Räumen oder um das Ausräumen des Elternhauses. Im zweiten Teil lesen wir zum Beispiel von widersprüchlichen Gefühlen, von Verletzlichkeit, Versöhnlichkeit, von Gedanken um den Grabstein oder darum, die eigene Abschiedsfeier zu planen. Weiterlesen

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Daniel Schreiber: Allein

Der deutsche Autor Daniel Schreiber (Jahrgang 1977) lebt und arbeitet in Berlin. Er hat 2007 eine Susan Sontag Biografie veröffentlicht. Seine beeindruckenden Essays „Nüchtern“ und „Zuhause“ erschienen 2014 und 2017. Am 27. September 2021 kam bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag sein neuestes Essay mit dem Titel „Allein“ heraus.

Wie in „Nüchtern“ und „Zuhause“ nähert sich Daniel Schreiber dem Thema „Allein“ von seiner persönlichen, subjektiven Seite. Beim Gärtnern, Wandern, Yoga und Stricken denkt er über die Bedeutung und den Wert von Freundschaften und über das Alleinsein nach. Und all dies in Zeiten der Corona-Pandemie.

Schreiber bleibt jedoch nicht im Persönlichen haften, er schlägt den Bogen zur Literatur, Philosophie, Psychoanalyse und Soziologie. Dabei lerne ich als Lesende das Phänomen Alleinsein von verschiedenen Seiten kennen. Dazu gehören Stichworte wie uneindeutige Verluste („Verluste, bei denen es unklar bleibt, was genau man verloren hat.“ S. 79), Freundschaft, Einsamkeit oder Liminalität („Schwellenzustand, eine Zeit außerhalb der regulären Zeit, in der viele alte Regeln und Normen nicht mehr zu gelten schienen.“ S. 75). Weiterlesen

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Peter Wohlleben: Der lange Atem der Bäume

Längst hat sich der TV-bekannte Peter Wohlleben einen Namen als renommierter Buchautor gemacht. Das 2016 von ihm erschienene Buch „Das Seelenleben der Tiere“ findet sich ebenfalls in der Liste unserer Rezensionen.

Wohlleben, der Förster mit einer selbst gegründeten  Waldakademie aus der Eifel, setzt sich für ein Comeback der Urwälder ein und ist davon überzeugt, dass eine nachhaltige Waldwirtschaft dem Klimawandel entgegenwirkt. In „Der lange Atem der Bäume hat Peter Wohlleben diese aktuell brisante Thematik aufgegriffen.

Anhand vieler Beispiele erläutert er, wie komplexe Vorgänge in der Natur funktionieren. Seine Erklärungen sind einfach, verständlich und einleuchtend. Er kritisiert Waldlobby, Politik, Holzindustrie und die moderne Forstwirtschaft, die mit Kahlschlägen und Plantagenbepflanzugen dazu beiträgt, dass unsere Wälder sterben.

Dazu kommt die Problematik der klimatischen Veränderungen mit zu trockenen Sommern in der Vergangenheit, die den Gesundheitszustand und die Standsicherheit der Bäume stark beeinträchtigt haben. Weiterlesen

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Luisa Neubauer & Bernd Ulrich: Noch haben wir die Wahl: Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen

Am 26. September 2021 haben wir die Wahl: Mit der Abstimmung über eine neue Bundesregierung werden auch die Weichen für die künftige Klimapolitik gestellt. Die Fridays-for-Future Aktivistin Luisa Neubauer und Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der „Zeit“, haben gemeinsam ein Buch über unseren Umgang mit der ökologischen Krise geschrieben. Die als Gespräch aufgebauten Texte behandeln umfassend verschiedene Aspekte der mit der Klimakrise verbundenen gesellschaftlichen Prozesse. Dazu gehört zum einen die Bestandsaufnahme – die Wahrnehmung des Phänomens Klimawandel aus unterschiedlichen Blickwinkeln, die Folgen der Politik der Regierung unter Angela Merkel, die Rolle der Medien bei der Beschreibung von klimatischen Veränderungen und bei der Berichterstattung über Klimaaktivisten, die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Klimadebatte oder auch die Haltung der politischen Parteien in Bezug auf die Problematik.

Zum anderen geht es auch um mögliche Folgen im nationalen und globalen Rahmen und zugleich um Strategien für nachhaltiges Wirtschaften. Wichtig dafür ist die Diskussion des Freiheitsbegriffes, der nach Ansicht beider Autoren neu definiert werden muss. Weiterlesen

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Herman van Veen: Solange es leicht ist – Geschichten übers Älterwerden

Das Älterwerden beginnt mit dem Tag der Geburt und endet mit dem Tod. Dazwischen geschieht so allerlei. In seinem Buch „Solange es leicht ist – Geschichten vom Älterwerden“ schreibt Herman van Veen über die kleinen und großen Ereignisse, die einen vom Älterwerden ablenken und auch von denen, die uns daran erinnern. Er erzählt von Begegnungen mit anderen Menschen, bekannten und unbekannten, beschreibt das Haus seiner Kinderjahre, von Alltag und Urlaub mit der Familie. Erinnerungssandalen tragen mich vom Strandurlaub mit Muscheln und Eimerchen in Katwijk aan Zee bis zum ersten Kuss in der Abschlussklasse der Oberschule. Herman van Veen teilt seine Erinnerungen an Reisen, an Lesungen und Konzerte, lässt mich seine Freude am Musizieren miterleben.

Und auch seine Freude am Zeichnen: Jedem Kapitel ist eine der Grafiken vorangestellt, welche beim Schreiben des Buches entstanden.

Die meisten Geschichten haben so etwas wie einen roten Faden, aber er trägt nicht auf. Es ist, als ob man sich mit jemandem unterhält, ein Satz ergibt den nächsten, ein Bild erzeugt ein weiteres, das Gespräch fließt dahin. Und doch behält der Autor sein Thema immer im Auge. Jeder Text beschäftigt sich auf seine Weise mit der Frage, was es mit dem Älterwerden auf sich hat, wie Menschen ihre Zeit füllen, wie sie sich verändern. Weiterlesen

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Charlie Gilmour: Elsterjahre: Wie ein kleiner Vogel mein Leben veränderte

Der Autor Charlie Gilmour ist der Adoptivsohn von David Gilmour, dem britischen Musiker und Bandmitglied der Rockgruppe Pink Floyd. Charlie Gilmour ist Jahrgang 1989 und wuchs in London und Sussex auf. Auch heute lebt er in London und schreibt für Zeitungen und Magazine. Die Geschichte über eine Elster, die er und seine Frau Yana liebevoll aufgenommen und aufgepäppelt haben, wurde zu einem Medienereignis in Großbritannien, nachdem die BBC darüber eine Dokumentation gedreht hatte.

Weil das Gefieder der kleinen Elster wie Benzol schimmert, geben Charlie und Yana dem Vogel den Namen Benzene. Von seinen Menscheneltern liebevoll zubereitet, frisst Benzene Würmer und Maden, die ihm anfangs aufopfernd und aufwändig alle zwanzig Minuten angeboten werden. Später versteckt Benzene das Fressen auch schon mal zwischen irgendwelchen Ritzen im Zimmer oder den Haaren der Pflegeeltern. Nichts scheint Yana und David zu viel zu werden, was die Beziehung zu der Elster immer enger werden lässt.  Stets sind die beiden um das Wohl des Vogels bedacht. Sogar während ihrer Hochzeitsvorbereitungen und dem späteren Fest sorgen sie sich um das Tier.  Weiterlesen

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Stefan Klein: Wie wir die Welt verändern – Eine kurze Geschichte des menschlichen Geistes

Stefan Klein erzählt mit „Wie wir die Welt verändern“ eine weitere „kurze Geschichte“ wie sie in letzter Zeit sehr populär sind. Dieses Buch also ist „Eine kurze Geschichte des menschlichen Geistes“ – und vorab gesagt: Es hält das Versprechen dieser Art Bücher. Nämlich dem Leser wissenschaftliche, oft komplexe Inhalte in interessanter Form und verständlicher Sprache nahe zu bringen

In der Schule war Geschichte schon immer eins meiner Lieblingsfächer. Besonders habe ich mich für die Antike interessiert. Und niemals losgelassen hat mich die Geschichte der Bibliothek von Alexandria. Als der Lehrer damals erzählte, dass dort, zweitausend Jahre vor unserer Zeit, angeblich schon die Pläne für eine Dampfmaschine existiert haben sollen, hat mich das bis heute beschäftigt.

Wurde lediglich aufgrund der Zerstörung der Bibliothek nichts aus diesen Plänen?? Konnten und wussten die Menschen damals viel mehr als wir heute noch ahnen? Und warum gab es dann erst jetzt, beginnend ungefähr mit der Industriellen Revolution, eine wahre Wissensexplosion? Wo es der Großteil unserer Spezies Jahrtausende lang nicht über Ackerbau und Viehzucht heraus gebracht hat? Warum ausgerechnet jetzt? Und nicht z. B. schon zur Zeit der Römer? Dieses Buch brachte mir nun endlich die Lösung: „Jedes schöpferische Denken entspricht dem Zusammenspiel vieler Menschen“. Stefan Klein legt dar, wie das Bevölkerungswachstum Innovation und Fortschritt Vorschub leistete. Weiterlesen

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Pankaj Mishra: Freundliche Fanatiker

„Man muss seine Feinde kennen, um sie besiegen zu können.“, sagte einst der chinesische General und Philisoph Sunzi. Zumindest auf der argumentativen Ebene erweist sich das Buch von Pankaj Mishra als gute Hilfe.

Als „freundliche Fanatiker“ bezeichnet der indische Autor die Ideologen des Neoliberalismus. Er beschreibt, wie sie den ideellen Unterbau des auf Freihandel und Gewinnmaximierung ausgerichteten Prinzips der Ökonomisierung und Globalisierung fast aller Lebensbereiche erdachten/erdenken und verbreiten. Selbst weitgehend im Hintergrund – ich kannte zugegebenermaßen kaum einen der genannten Autoren – liefern sie Politikern und Wirtschaftsvertretern die Argumente. Die Ideologie des Liberalismus wird als ultimative Lösung für die Menschheit dargestellt, sie beanspruchen die Deutungshoheit über unsere Wahrnehmung. Was nicht passt, wird weggelassen oder bis zur Unkenntlichkeit relativiert, Ungleichheit und Ausbeutung werden höchstens am Rande erwähnt und beschönigt.

Das Buch enthält Essays aus den Jahren 2011 bis 2020. Der Autor setzt sich mit den gängigen Narrativen westlicher Überheblichkeit auseinander, mit dem „Wir sind die Guten, also dürfen wir alles.“ Er ergänzt die weggelassenen, weil störenden Fakten. Weiterlesen

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Andrea Schomburg & Irmela Schautz: Der geheime Ursprung der Redensarten

Schon das im vergangenen Jahr erschienene Buch der beiden Verfasserinnen „Der geheime Ursprung der Wörter“ hat mich begeistert und wunderbar unterhalten. Nun bringen die Beiden einen weiteren Band heraus und das Vergnügen ist genauso groß.

Wir fragen uns doch alle hin und wieder, woher wohl die Redensart „Jemandem nicht das Wasser reichen können“ stammt oder welchen Ursprung der Spruch „Sich etwas hinter die Ohren schreiben“ hat. Wie im Vorgängerband bietet Andrea Schomburg jeweils vier mögliche Erklärungen für die Herkunft der Redensart. So kann die Leserin rätseln und grübeln, welche denn wohl die korrekte Herleitung ist. Die Fantasie der Autorin ist dabei offensichtlich grenzenlos, denn stets klingen alle vier Möglichkeiten plausibel, so dass man sich tatsächlich nicht entscheiden kann, welcher man den Vorzug gibt.

Die Lektüre dieser jeweils vier möglichen Ursprünge macht einen Heidenspaß und wenn man dann vielleicht aus dem Rätseln noch ein Gesellschaftsspiel macht, bereitet man nicht nur sich selbst eine unterhaltsame Zeit. Einen Extra-Spaß bieten die humoristischen Zeichnungen von Irmela Schautz, die jeweils die vier Erklärungen verknüpfen und wunderbar abgedreht sind. Weiterlesen

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Carina Wohlleben: Die Welt ist noch zu retten

Carina Wohlleben wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Sauerland. Eine Dokumentation verändert ihr Leben nachhaltig. Es wird ihr klar, wie sehr Massentierhaltung und industrialisierte Landwirtschaft unser Klima beeinflussen. Sie bespricht in ihrem Buch die Rodung des Regenwaldes zugunsten von Sojamonokulturen. Dieses so gewonnene Soja wird in Europa zur Tiermast verwendet. Das Problem Aquakulturen findet Erwähnung, aus denen der Großteil der Fische auf unseren Tellern stammt, oder das unermessliche Leid, das unseren „Haustieren“ Rind, Schwein und Huhn angetan wird.

Für Frau Wohlleben gibt es nur eine Lösung: den Verzicht auf Fleisch und alle tierischen Produkte. Ihre gesamte Familie hat die Ernährung umgestellt und gute Erfahrungen damit gemacht. Würden alle Menschen sich Großteils pflanzlich ernähren, gäbe es, laut Frau Wohlleben, kein Tierleid, keine zerstörten Regenwälder, keine den Boden vergiftende Gülleflut und 70% weniger in der Landwirtschaft produziertes CO2. Auch unser Umgang mit dem Ökosystem Wald liegt ihr sehr am Herzen. Sie skizziert das Problem Fichtenmonokulturen mit all seinen Auswirkungen. Weiterlesen

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