Andrea Weidlich: Wie du Menschen loswirst, die dir nicht guttun, ohne sie umzubringen

Nachdem ich 2020 bereits „Liebesgedöns: Der geile Scheiß vom Suchen und Finden“ von Andrea Weidlich begeistert gelesen hatte, habe ich mich direkt für „Wie du Menschen loswirst …“ vormerken lassen. Auch dieses hat mich ab der ersten Seite mit dem zauberhaft lebendigen Schreibstil verzückt. Es ist jedoch viel mehr als nur ein Ratgeber für persönliche Entwicklung. Die Autorin hat „die A*schloch-Detox-Methode“ klug in eine unglaublich interessante, romanartige Story eingeflochten. Das Ganze wird untermalt und aufgelockert durch wertvolle Zitate oder auch bedeutsame Hinweise, wie bspw. dass man das anzieht, worauf man seine Aufmerksamkeit richtet – also nichts wie weg mit destruktiven Meinungen. Jenen Leser*n, denen Persönlichkeitsentwicklung kein Fremdwort mehr ist, wird nichts bahnbrechend-neues entdecken können, dennoch dient das Werk der Selbstreflexion.

„Spannend, mit Tiefgang und schwarzem Humor führt Andrea Weidlich uns an einen mystischen See, wo eine Freundesgruppe ein Experiment wagt: Was passiert, wenn sie sich von toxischen Menschen befreien, und wie beseitigen sie die Leichen, die im eigenen Keller schlummern?“ (Zitat Klappentext)

Denn niemand muss lebenslänglich in einem Gefängnis mit toxischen Menschen sitzen bleiben. Weiterlesen

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Tim Geyer: 10 Fragen, die du dich niemals trauen würdest zu stellen: Schonungslose Interviews

„10 Fragen, die du dich niemals trauen würdest zu stellen“ ist ein elektrisierendes, scharfzüngiges Buch voller feinsinniger Betrachtungen. Tim Geyers journalistisches Gespür führt den Leser* direkt ins Leben der Menschen. Es ist ein derart delikat-modernes Lesevergnügen, dass es sich beinah verboten anfühlt. Tims Interviews riechen nach Nervenkitzel und Aufregung, schmecken nach Kontroverse und nehmen uns mit auf eine rasante Fahrt durch eine scharfe, differenzierte Gesellschaftsanalyse.

Einmal stellvertretend alle Klischees abfragen.“ (S. 6)

Ungehemmt fragt er einen Polizisten und einen Zollbeamten, ob diese gerne mal mit ihrer Dienstwaffe herumballern würden. Aus einem Sugarbabe kitzelt er heraus, dass ihr „sinnliches Kerngeschäft“ sie in ihrer Rolle als Frau bestärkt. Außerdem befragt er einen Exorzisten, wie man einen Dämon austreibt und was ein Exorzismus kostet. Weiterlesen

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Roger D. Nelson & Georg Kindel: Die Welt-Kraft in dir

Ich habe ebenso das Vorgängerbuch „Der Welt-Geist: Wie wir alle miteinander verbunden sind“ von 2018 von beiden Autoren gelesen, doch „Die Welt-Kraft in dir“ hat mich tatsächlich mehr berührt.

Der Mensch kann paranormale Fähigkeiten wie Gedankenübertragung, Hellsichtigkeit oder Telekinese aktivieren?

Das klingt nicht nur spannend, auch die Wissenschaft kann es belegen. Aber trocken wissenschaftlich-theoretisch und damit oberflächlich, ist diese Lektüre keineswegs.

Geschickt haben die Autoren Wissenschaftlichkeit mit spannenden Fakten verbunden und den Stoff auf unterhaltsame und zugleich informative Weise präsentiert. Auch im Verlauf des Buches haben sie es geschafft, mich zu fesseln.

Leider wird nur kurz angeteasert, dass 70.000 CIA-Dokumente Fernwahrnehmung dokumentieren und sogar Geheimdienste zwei Jahrzehnte lang die Forschung finanzierten. Des Weiteren wird die unfassbar bedeutsame Wirksamkeit des Placeboeffekts allein durch die Macht unseres Glaubens erwähnt. Bsp.: Aderlass.

Fakt ist: Die westliche Medizin bestand jahrhundertelang nur aus dem Placeboeffekt.“ (Zitat S. 114) Weiterlesen

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Isabell Beer: Bis einer stirbt: Drogenszene Internet

Mit 13 raucht Leyla ihren ersten Joint, ihr wird übel davon, doch sie will unbedingt die berauschende Wirkung spüren, von welcher die anderen schwärmen. Irgendwann funktioniert es und von da an raucht sie regelmäßig. Später kommen andere Drogen dazu, Kokain, Pep, schließlich auch Heroin. Sie will alles ausprobieren.

Josh hat seinen ersten Kontakt mit Marihuana mit 15 im Internat. Das Rauschmittel wird Teil seines Alltags, daran ändert sich auch nichts, als seine Eltern ihm wieder nach Hause holen. Die Schule wird immer uninteressanter, irgendwann geht er nicht mehr hin. Er experimentiert mit verschiedenen Stoffen, mit Amphetaminen, Ecstasy, mit Kräutermischungen, Marihuana, verschiedenen Medikamenten und Research Chemicals. Mehrere Male überlebt er nur knapp. Mit 19 stirbt er an einer Überdosis, bei der Obduktion wird eine Mischung verschiedener gefährlicher Stoffe nachgewiesen. Auf dem Buchcover steht vor seinem Namen ein Kreuz.

Beide Jugendlichen kommen aus einem fürsorglichen Elternhaus. Joshs Eltern trennen sich einvernehmlich und ohne Streit, nachdem er aus dem Internat zurückkommt, und ich hatte beim Lesen seiner Lebensgeschichte nie den Eindruck, dass seine Sucht Resultat dieser Trennung war. Sowohl Josh als auch Leyla werden Teil einer Community, Josh, der vorher nur für Computerspiele Interesse gezeigt hatte, schließt sich verschiedenen Gruppen im Internet an, findet online neue Freunde. Weiterlesen

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Catherine Raven: Fuchs & ich – Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft

In diesem Buch geht es um eine introvertierte Biologin, die ihr Leben einzig und allein der Natur verschrieben hat und um die außergewöhnliche Verbindung, die sie zu einem Fuchs aufbaut.

Bevor Catherine Raven in Biologie promovierte, hatte sie als Park Rangerin im Mount-Rainier-Nationalpark/Washington gearbeitet. Danach baut sie sich, abgeschottet von der restlichen Welt, in der Wildnis von Montana inmitten von Wüstenbeifuß, Kakteen und Gräsern eine kleine Hütte. Hier in der Einsamkeit heilt sie ihre Ängste und ihre Langeweile, indem sie sich gänzlich der Natur widmet. Pflanzen bestimmen, mit Wühlmäusen und Spinnen leben und wilde Tiere beobachten ist ihr Lebensinhalt. Wenn sie die Jalousien hochzieht, kommt es vor, dass sie direkt in die Augen eines Maultierhirschs blickt. Sie beginnt den Bewuchs um das kleine Cottage herum zu roden. Zwischendurch hält sie Wildbiologiekurse oder führt Exkursionen mit Studenten durch. Doch eigentlich reicht der menschenscheuen Wissenschaftlerin der Kontakt mit einer Schnecke aus. Weiterlesen

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Wolfgang Knauer: Black and Blue: Louis Armstrong, sein Leben und seine Musik

Black and Blue ist der Titel eines Songs von Fats Weller, den Louis Armstrong durch eine kleine Änderung im Text zu einer Anklage gegen die Diskriminierung der Schwarzen werden ließ.

Black and Blue ist folgerichtig der Titel von Wolfgang Knauers neu aufgelegter und erweiterter Biographie über Old Satchmo.

Knauer beschreibt den Werdegang Louis Armstrongs, von der Kindheit in New Orleans bis zu seinem  Tod am 06. Juli 1971. Er geht ausführlich auf jede Station ein, ob Chicago, New York oder seine Auftritte in Europa und Afrika. Ich lese von seinen vier Ehefrauen, von Freunden, von seinen Lebensgewohnheiten und Vorlieben, auch von liebenswerten Schwächen. Knauer schildert Armstrongs Lebensverhältnisse, sei es am Anfang, als er in New Orleans auf der Straße sang und spielte, um Geld zu verdienen, sei es später, als er finanziell erfolgreich war.

Parallel dazu hat Wolfgang Knauer die Karriere des Musikers Armstrong dargelegt. Ich erfahre, was ihn zum Musiker gemacht hat, welche Einflüsse es gab, von wem er lernte und wer ihn förderte. Wegbegleiter, Kollegen, Bands werden ausführlich besprochen. Weiterlesen

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Elke Heidenreich: Hier geht’s lang – Mit Büchern von Frauen durchs Leben

Elke Heidenreich und Bücher – diese Verbindung gehört einfach zusammen. In ihrem Buch „Hier gehts lang zeigt sie auf, wie Bücher ihr Leben von klein auf geprägt haben. Das Lesen hat schon früh entscheidenden Einfluss auf ihr Denken und Werden genommen: Hineingeboren in das Kriegsjahr 1943 durchlebte Elke Heidenreich eine entbehrungsreiche Zeit. Vor allem das schwierige Verhältnis zur Mutter, das von wenig Empathie geprägt war, bewirkte, dass die junge Elke sich gern und oft aus dunklen Momenten heraus in ihre Bücherwelten flüchtete. Immer gaben Bücher ihr einen Halt und Kraft.

Als ihr erstes wirkliches Literaturerlebnis führt sie „Die wundersame Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen von Selma Lagerlöf an. Dieses Buch zog sie schon als Zwölfjährige in Bann und vermittelte ihr eine ganz andere Leseebene als die typischen Mädchenbücher wie „Nesthäkchen oder „Trotzkopf.

Später, während ihrer Studenzenzeit, wurde ihr klar, dass Frauen in der Literaturwelt einen schweren Stand in der von Männern dominierten Szene hatten. Dabei war und ist sie von weiblichen Literaten immer viel mehr angetan. Weiterlesen

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Terézia Mora: Fleckenverlauf: Ein Tage- und Arbeitsbuch

Terézia Mora wurde 1971 in Ungarn geboren, aktuell lebt sie in Berlin. Für ihre Werke, die sie in Deutsch schreibt, bekam sie u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1999), den Deutschen Buchpreis (2013) und den Georg-Büchner-Preis (2018). Außerdem arbeitet sie als Übersetzerin ungarischer Werke ins Deutsche.

Für das Tage- und Arbeitsbuch „Fleckenverlauf“ wollte sie sieben Jahre ihres Lebens, vom 43. bis zum 50. Lebensjahr, dokumentieren. Das veröffentlichte Experiment umfasst nun die Zeit von 2014 bis 2020. Terézia Mora gewährt den Lesenden Einblick in ihre Alltags- aber auch in ihre Schriftstellerinnenwelt.

Dabei sammelt sie Momentaufnahmen vom Tag, Skizzen und Gedanken für ihre Bücher (u.a. die Kopp-Trilogie oder Die Liebe unter Aliens) und Begegnungen, aber immer wieder auch Gejammer über Schreibbe- und verhinderungen, Reisestress und Krankheiten.

Ihre Notizen sind nicht immer einfach zu lesen. Anders als Moras Prosa kann ich dieses Arbeitsbuch nicht in einem Rutsch durchlesen. Weiterlesen

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Marion Hellweg & Frederike Treu: Tiny Homes: Wohnideen für kleine Räume

#Wohnraum ist knapp und wird gerade in den Städten immer teurer. Es ist schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden, der ästhetische Anspruch muss meist hinten angestellt werden. „Tiny Homes“ verspricht dafür eine Lösung zu finden und auch den kleinsten Wohnraum so zu organisieren, dass er zum persönlichen Paradies wird. Es verspricht „praktische Einrichtungstipps und Stauraum-Lösungen“ (Cover). Doch hält es dieses Versprechen?

Nach dem Durchlesen des Buches stehe ich ihm mit geteilter Meinung gegenüber. Es ist großartig designt mit tollen Fotos von kreativ eingerichteten und außergewöhnlichen Wohnungen, wer sich für Innenarchitektur begeistert, wird mit dem Buch seine Freude haben, es liefert spannende und persönliche Einblicke in das Leben verschiedener Tiny-Homes-Bewohner.

Was leider weniger viel Sinn macht, sind die empfohlenen Möbelstücke. Nicht jeder hat die Wahl, in eine kleine Wohnung zu ziehen, weil es gerade ein modischer Lebensstil ist, manchmal sind Kleiderbügel für 55 Euro das Stück oder eine metallene Pinnwand für 80 Euro einfach nicht drin – und das sind nur die harmlosen Accessoires, die Möbel selbst spielen in einer ganz anderen Liga. Weiterlesen

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Naja Marie Aidt: Carls Buch – Hat der Tod dir etwas genommen, dann gib es zurück

Ein herzzerreißendes Meisterwerk über einen unvorstellbaren Verlust wird Linn Ullmann auf dem Buchcover zitiert – was nicht besser ausgedrückt werden könnte.

„Carls Buch“ ist ein sehr persönliches und gleichzeitig unendlich trauriges, seitenweise fast albtraumhaftes Buch.

Die dänische Schriftstellerin und Dichterin Naja Marie Aidt, die zu den wichtigsten Stimmen Skandinaviens zählt, hat darin das Schlimmste, was einer Mutter, bzw. Eltern widerfahren kann, verarbeitet: Den Tod des eigenen Kindes:

Im Alter von nur 25 Jahren kommt Naja Marie Aidts Sohn Carl im Jahr 2015 ums Leben. Er stürzt sich nach der Einnahme von halluzinogenen Pilzen aus dem Fenster. Nicht nur sein eigenes Leben ist von einem auf den anderen Tag beendet, auch seine Familie wird in ihrer Verzweiflung aus der Bahn geworfen. Wie es nach einem langen Prozess des Begreifens und des Verarbeitens der Trauer überhaupt einigermaßen wieder möglich wird, dem eigenen Leben eine gewisse Struktur zu verleihen, daran lässt die Autorin uns teilhaben. Weiterlesen

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