Niklas Natt och Dag: 1794

St. Barthelemy, 1793: Der junge Erik Drei Rosen wurde von seinem Vater ins Exil geschickt und soll in der schwedischen Kronkolonie, die sich in der Karibik befindet, abgelenkt werden. Denn zu Hause in Schweden hatte er sich als Adeliger in die Tochter eines der Bediensteten verliebt. Bis zu seiner Volljährigkeit soll Erik auf St. Barthelemy verbringen, dann darf er selbst entscheiden, was er tut. Doch der Tod des Vaters kommt dazwischen und unverhofft kann Erik mit Hilfe seines Gönners Tycho Ceton  frühzeitig nach Schweden zurückzukehren, sein Erbe anzutreten und sein große Liebe Linnea Charlotta Colling zu heiraten. Doch in der Hochzeitsnacht kommt es zu einem schrecklichen Unglück und die junge Braut ist am Morgen nicht nur blutüberströmt, sondern auch maustot.

In Stockholm im Jahre 1794 setzt dann die Haupthandlung ein. Die Witwe Colling – ihr Mann verstarb über der Sorge um die tote Tochter – sucht Jean Michael Cardells Hilfe im Zusammenhang mit Linneas Tod. Sie glaubt einfach nicht, dass ihre Tochter in der Hochzeitsnacht in den Wald verschwunden sei und dort von einem Rudel Wölfe angefallen wurde. Cardell hat anfangs kein Interesse an dem Fall. Sein alter Partner Cecil Winge ist erst vor kurzem gestorben und mit solchen Kriminalgeschichten möchte er eigentlich nichts zu tun haben. Dann hat er eine seltsame Begegnung, es ist fast, als sei Cecil wieder am Leben! Denn er steht dessen Bruder Emil Winge gegenüber, der ihm fast wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Doch Emil jagen schlimme Geister und er kann kaum für sich selbst sorgen. Dennoch nehmen die beiden schließlich den Auftrag der Witwe Colling an. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

M.R.C. Kasasian: Gower Street Detective 04: Die Geheimnisse der Gaslight Lane

1872 lebte und starb die Familie Garstang in ihrem Anwesen in der Gaslight Lane.

„… Die Garstangs hatten allen Grund anzunehmen, dass ihnen noch ein langes und gesundes Leben bevorstand. Sie hatten keinen Grund zu glauben, dass man sie wie Schweine abschlachten würde.“ (S. 9 E-Book) Mit ihnen starben drei ihrer Bediensteten sowie ihr Patensohn.

1883 geschieht im Haus der Garstangs erneut ein Mord. Dieses Mal trifft es wieder den Hausherrn, allerdings bleiben die Diener verschont. Dies erfahren March Middleton und ihr Patenonkel Sidney Grice, als sie von der Tochter und Erbin des Getöteten aufgesucht werden. Cherry Goodsmile glaubt nicht an die Ermittlungskünste der Polizei. Grice, der als persönlicher Ermittler berühmt ist, erhält von ihr den Auftrag, den Mörder ihres Vaters zu finden. Sidney Grice betrachtet das Besondere an diesem Mord als Herausforderung an seine Intelligenz. Zusammen mit seiner Assistentin March gehen sie den Fragen nach, wie konnte der Mörder in ein abgeschlossenes Gebäude und in ein verriegeltes Schlafzimmer eindringen, um den Hausherrn zu töten? Und wie war es ihm möglich, den Tatort bei abgeschlossenen Fenstern und mit von innen verriegelten Türen zu verlassen? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Stuart Turton: Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Ein Buch mit immenser Sogwirkung, unglaublich spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Gleich zu Beginn des Plots stößt uns Stuart Turton unmittelbar in ein höchst bedrohliches Szenarium hinein. „Zwischen einem Schritt und dem nächsten vergesse ich alles.“ Der Ich-Erzähler kommt in einem Wald zu sich, eine Frau schreit um Hilfe. Er weiß weder wer er ist, noch wo er ist, noch wie er hierherkam. Hektik, Durcheinander, Orientierungslosigkeit. Der Name Anna geistert durch seinen Kopf, sein Körper fühlt sich fremd an, finstere Menschen tauchen aus dem Nichts aus. Allein dies beschreibt der britische Autor so dramatisch, dass wir Leser sofort von der Hauptperson amortisiert werden. Wir sehen, was er sieht. Wir wissen, was er weiß. Wir durchleben dieselbe Entwicklung, so dass wir sofort mit der Hauptfigur verschmelzen und sympathisieren. Denn Turton führt uns ganz nah ans Geschehen– und mitten hinein in einen abenteuerlichen, meisterlich verwobenen Plot.

Der Ich-Erzähler schafft es aus dem Wald heraus, überzeugt davon, Zeuge eines Mordes geworden zu sein. Er landet auf Blackheath House, einem einstmals prächtigen Landsitz, der mittlerweile im Verfall inbegriffen ist. Dort sind zu diesem Wochenende etliche Gäste geladen. Ein Maskenball soll stattfinden anlässlich der Rückkehr von Evelyn Hardcastle, der Tochter des Hauses, die 19 Jahre lang in Paris gelebt hat. Auf Blackheath House wird der Protagonist von seinem Freund Daniel als Dr. Sebastian Bell begrüßt. Während Bell versucht, seine Erinnerung zurück zu erlangen und etwas über Anna und die Frau im Wald heraus zu bekommen, wird er immer mehr in die Geschehnisse des Hauses verstrickt. Dann der größte Schock: Am nächsten Morgen wiederholt sich der Ablauf desselben Tages exakt wieder, gleich einer Zeitschleife. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anders de la Motte: Winterfeuernacht

Wenn man davon ausgeht, wie dieses Buch angekündigt wurde, müsste es einer der besten schwedischen Krimis sein, die aktuell auf dem Büchermarkt sind. Leider kann ich diese Meinung nicht teilen. Ich bin grundsätzlich ein Fan der skandinavischen Kriminalromane, die viel spannender und oft subtiler sind als beispielsweise Möchtegern-Thriller deutscher Autoren. Doch der Roman von Anders de la Motte reicht bei weitem nicht an andere schwedische Krimis heran.

Die Protagonistin Laura erbt von ihrer Tante ein Feriendorf auf dem Land. Sie war vor 30 Jahren das letzte Mal dort. Damals kam es bei der Feier des Luciafestes zu einem schweren Brand, bei dem ihre Freundin Iben ums Leben kam.  In all den Jahren hatte Laura keinen Kontakt mehr zu ihrer Tante. Nach deren Tod kommt sie nun zurück an den Ort, um das Ferienlager zu verkaufen.

Schon bald kommen ihr Zweifel am Unfalltod ihrer Tante. Als schließlich mehrere Brände geschehen und die Dorfbewohner immer misstrauischer und ablehnender gegenüber Laura werden, beginnt sie, unterstützt von ihrem Jugendfreund Peter, inzwischen Polizist, nachzuforschen. Schon immer hatte sie sich auch selbst eine Mitschuld an dem damaligen Unglück gegeben.

Laura leidet seither unter ihren Brandnarben und einem chronischen Virus. Sie hat ständig Angst vor Ansteckungen, ekelt sich vor jeder Art von Schmutz und hat, wenn sie ihre Medikamente nicht regelmäßig nimmt, immer wieder Albträume. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Thomas Mullen: Dark Town

Extrem spannend, extrem aufwühlend. Dark Town ist ein perfekter Pageturner, der beim Lesen an Herz und Nieren geht. Autor Tom Mullen verknüpft einen fiktiven Kriminalfall mit realer Zeitgeschichte – genauer: Der ersten afro-amerikanischen Polizeidivision, die 1948 in Atlanta eingesetzt wurde. Mindestens ebenso aufregend wie der Kriminalfall sind die harten Rahmenbedingungen mit denen diese schwarzen Polizisten tagtäglich konfrontiert wurden. Weiße Cops setzten ein Kopfgeld auf jeden toten „Nigger-Cop“ aus und wurden nicht müde, ihre Kollegen verbal zu demütigen und körperlich zu attackieren. Zu einer Zeit, in der Schwarze wegen Nichtigkeiten auf offener Straße aufgeknüpft werden durften, eigene Toiletten, Busplätze und Ghettos zugewiesen bekamen, war ihr Wort nichts wert. Auch die acht farbigen Polizisten haben in diesem Roman keinen wirklichen Handlungsspielraum. Es ist ihnen untersagt, das offizielle Polizeigebäude zu betreten, ihre Division ist einem feuchten Kellerloch untergebracht. Zwar dürfen sie Waffen tragen, aber keinen Streifenwagen fahren. Akteneinsicht, Verhöre, echte Polizeiarbeit – Fehlanzeige. Sobald es ans Eingemachte geht, müssen sie die weißen Kollegen rufen, die je nach Lust und Laune weiter verfahren können. Und das Wichtigste: Schwarzen Cops ist es verboten, Weiße zu verhaften.

Diese Krux bildet den Ausgangspunkt des Falles, in den die beiden Hauptdarsteller Lucius Boggs und Tommy Smith geraten. Bei einer nächtlichen Polizeikontrolle in Dark Town – dem von Schwarzen bewohnten Stadtbereich – halten sie ein Auto an, das eine Straßenlaterne angefahren hat. Im Wagen befindet sich eine junge schwarze Frau, die offensichtlich gerade verprügelt wurde sowie ein weißer, älterer Fahrer. Da Boggs und Smith diesen nicht verhaften dürfen, rufen sie weiße „Verstärkung“. Lionel Dunlow, ein langjähriger und sehr rassistisch eingestellter Cop, scheint den Mann zu kennen und lässt ihn davonkommen, wogegen die schwarzen Polizisten aber auch Dunlows junger Kollege Denny Rakestrow, genannt Rake, machtlos sind. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

David Ignatius: Quantum Spy: Der Feind im System

… Lassen Sie uns damit anfangen, worum es eigentlich geht, wenn wir über Quanteninformatik sprechen … ein Quantencomputer, falls wir es schaffen, ihn zu konstruieren,“ kann „…Zahlen wesentlich schneller faktorisieren … als ein klassischer Computer. …“ Der „… würde für das Faktorisieren einer fünfzigstelligen Zahl mehr als zehn Millionen Jahre brauchen. Der Quantencomputer dagegen würde das Problem in weniger als einer Sekunde lösen.“ (S. 252)

John Vandel und Li Zian arbeiten in führender Position beim amerikanischen beziehungsweise chinesischen Geheimdienst. Beide haben schon einige Konkurrenzkämpfe innerhalb ihrer Behörden überstanden und glauben an ihre eigene Klugheit und Überlegenheit. Als ein amerikanisches Start-up-Unternehmen glaubt, die nächste Computergeneration, den Quantencomputer, in absehbarer Zeit bauen zu können, befindet sich der chinesische Geheimdienst im Alarmzustand. Zum Glück berichtet ihr Maulwurf beim CIA regelmäßig über den aktuellen Stand der Forschung.

Aber auch John Vandels Abteilung ist besorgt, nachdem sie über einen chinesischen Wissenschaftler von dem Leck in den eigenen Reihen erfährt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Volker Klüpfel & Michael Kobr: DRAUSSEN

Cayenne und Joshua sind Teenager und doch unterscheidet sich ihr Leben maßgeblich von dem anderer Jugendlicher. Von einem Smartphone können sie nur träumen, Fernseher und Spielekonsolen gibt es in ihrer Welt auch nicht. Dafür Eichhörnchen vom Feuer, ständige Wachsamkeit und den täglichen Kampf ums Überleben. Die beiden hausen mit einem Mann namens Stephan in den Wäldern und ziehen regelmäßig von einem Ort zum anderen, um nicht aufzufallen. Zurzeit hat es sie nach Brandenburg in Deutschland verschlagen. Doch eine brenzlige Situation, bei der Cayenne so stark verletzt wird, dass sie ins Krankenhaus muss, zwingt sie auch hier wieder, den liebgewonnenen Wohnwagen auf einem Campingplatz aufzugeben und weiterzuziehen.

„DRAUSSEN“ spielt auf verschiedenen Erzählebenen und an verschiedenen Orten. Man lernt Cayenne, Joshua und Stephan kennen, aber auch einige Politiker und ihre Handlanger, die einen großen Blackout in Deutschland fürchten. Wie das alles zusammenpasst, findet man erst später raus. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Fuminori Nakamura: Der Revolver

Auf nur 180 Seiten entwirft der japanische Autor Nakamura eine faszinierende Obsession und wagt sich tief in die Abgründe der menschlichen Seele hinein. Der Student Nishikawa führt ein unauffälliges, nahezu langweiliges Leben. Seine Wohnung ist gerade einmal sechs Tatamimatten groß, er ist eher introvertiert, vertreibt sich die Zeit mit seinem Freund Keisuke und ein paar wenigen, kurzlebigen Liebschaften. Doch etwas treibt Nishikawa um. So läuft er öfters bei Wind und Wetter planlos durch die Nacht, bis seine Füße schmerzen. Warum, vermag er selbst nicht zu sagen. Auf einem dieser nächtlichen Streifzüge macht er völlig durchnässt Halt unter eine Brücke. Dort findet er die Leiche eines Mannes, der augenscheinlich Selbstmord begangen hat. Neben ihm befindet sich der dazugehörige Revolver, ein Colt. Bei seinem Anblick ist es um Nishikawa geschehen: Es ist sozusagen „Liebe auf den ersten Blick“. Der Student nimmt die Waffe an sich. Danach ist nichts mehr so, wie es war…

Nishikawa wird selbstbewusster, offener, lässt sich auf Affären und Abenteuer ein. Der Revolver scheint ihm eine neue Art von Rückhalt zu verleihen. Er kann sich nicht am silbrigen Glanz der Waffe sattsehen, erfreut sich an der „radikalen Einfachheit und Eindeutigkeit des Gegenstandes“. Stundenlang poliert Nishikawa den Colt, trägt ihn bald auch außerhalb seiner Wohnung mit sich herum, wo er ihn ständig in seiner Jackentasche befühlt. Wohl wissend, dass er ihn jederzeit ziehen und überraschende Situationen provozieren könnte. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ulf Schiewe: Der Attentäter

Juni 1914: Eine verhängnisvolle Woche, in der die Geschicke der Welt neu sortiert werden. Der habsburgische Thronfolger kommt zu einer Parade durch die Straßen nach Sarajevo. Doch nicht alle sind ihm wohlgesinnt und eine große Gefahr lauert in den Straßen. Gavrilo Princip, ein junger bosnisch-serbischer Mann, wird seit Wochen für diesen einen Tag ausgebildet. Er und seine Freunde haben nichts zu verlieren und sind bereit, alles zu tun. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Ulf Schiewe hat sich einen Namen gemacht mit historischen Romanen, die perfekt recherchiert sind, Wissen vermitteln und gleichfalls unterhalten. Diese Mischung ist ihm auch bei „Der Attentäter“ gelungen. Man entwickelt schon nach wenigen Seiten ein Gefühl für die besondere Stimmung, die im Jahr 1914 in den beschriebenen Gebieten herrschte. Die Lage war sehr angespannt, der Geheimbund „Schwarze Hand“ plante bereits ein Attentat. Schiewe macht in seinen Kapiteln klar, dass dies den Geheimorganisationen der Gegenseite keinesfalls verborgen geblieben war und man sehr wohl wusste, dass bald etwas passieren konnte. Doch wann und wo, da waren sich die Beteiligten nicht komplett einig. Eine gute Ausgangslage für einen spannenden Roman, zu denen „Der Attentäter“ auf jeden Fall gezählt werden kann. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Martina Kempff: Messer, Gabel, Kehr und Mord

Die Eifel ist ganz offensichtlich ein ziemlich gefährliches Pflaster. Oder besser Waldboden. Wenn man es an den vielen Krimis misst, die in der Eifel angesiedelt sind. Als Tatort scheint sich die Region bestens zu eignen.

Martina Kempff legt mit diesem Buch ihren zehnten Eifelkrimi um die Hobbygastwirtin und Hobbyermittlerin Katja Klein vor. Für mich war es der erste Roman, den ich von dieser Autorin gelesen habe. Und ein bisschen war es, wie wenn man auf einer Party der einzige Gast ist, der niemanden der Anwesenden kennt, während alle anderen schon lange sehr gute Bekannte sind.

Katja Klein führt mit Unterstützung von einigen Mitarbeitern, die auch ihre Freunde sind, in dem winzigen Örtchen Kehr ihre Gaststätte. Diese liegt exakt an der Grenze zwischen Deutschland und Belgien an einer Bundesstraße. Die Wirtschaft liegt auf der deutschen, Katjas Wohnhaus auf der belgischen Seite der Straße.

An einem heißen Sommerabend sitzen Katja und ihre Freunde vor der Gaststätte, als ein Auto vor ihnen scharf bremst.  Ein in eine Decke gewickelter Körper wird aus dem Wagen geworfen, das Auto fährt mit quietschenden Reifen weiter. Bevor die Augenzeugen irgendetwas unternehmen können, wird der Körper von einem zweiten Wagen abtransportiert. Wenig später wird einer der Wagen zerstört im Straßengraben gefunden, im Auto ein Toter. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: