Lone Theils: Falsche Gesichter

Die dänische Journalistin Nora Sand wird nach Nordengland in die Stadt Toppingham geschickt, um über die ungewöhnliche Ermordung des Kriminalkommissars Crow zu berichten. Der Leiter der Sittenabteilung wurde entführt und dessen Tötung in einem Video veröffentlicht. Während viele einen Bezug zum IS sehen wollen und Crow öffentlich in den höchsten Tönen loben, sieht Nora zunächst einige Unstimmigkeiten. Wie kann sich ein Beamter einen so teuren Wagen leisten? Und warum kommen kritische Äußerungen so verhalten? Wie ein eigenwilliger Spürhund folgt Nora ihrem Instinkt.

Kurz darauf muss sie beobachten, wie unsensibel die örtliche Polizei mit den Nöten junger Mädchen umgeht. Eine von ihnen ist Laura, die volltrunken jemandem in einem Imbiss vorwirft, an Mels Tod schuld zu sein. Als Nora in Lauras Umfeld recherchiert, geschieht ein zweiter Mord. Dieser stellt nicht nur die bisherige Richtung der polizeilichen Ermittlung in Frage sondern bestätigt auch Noras Zweifel. Je mehr Bewohner sie befragt, um so deutlicher spürt sie, dass hinter der Fassade der Normalität nichts mehr normal sein kann. Weiterlesen

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Anne Mette Hancock: Leichenblume

Den Namen dieser Autorin werde ich mir merken. Ihr Roman, der erste und bereits mehrfach ausgezeichnete der Dänin, bricht in Dänemark und anderswo bereits Verkaufsrekorde. Und ich möchte sagen, ziemlich zu Recht.

Heloise Kaldan, Investigativjournalistin in Kopenhagen, sitzt in der Bredouille, denn offensichtlich ist sie auf eine falsche Informationsquelle hereingefallen und hat nun heftigen Ärger mit ihrem Chefredakteur und auch im Kollegenkreis. In diese Situation hinein platzt ein Brief, den sie erhält. Absender ist eine seit Jahren gesuchte Mörderin, Anna Kiel. Sie macht in diesem und weiteren Briefen mysteriöse Andeutungen, bezieht sich auf Ereignisse aus Heloises Leben, die sie nicht wissen kann.

Im Zuge ihrer Nachforschungen trifft Heloise auf Kommissar Erik Schäfer, der im Fall der Anna Kiel die Ermittlungen leitete und nun die neue Spur verfolgt. Beide kommen gut miteinander aus und verbinden ihre Recherchen. Heloise, die unter anderem die Familie des damaligen Mordopfers aufsucht und die Eltern von Anna Kiel trifft, erhält weitere Briefe, die sie stets mehr verunsichern, deuten sie doch Dinge aus Heloises Vergangenheit an, die sie lieber für immer vergessen hätte. Weiterlesen

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Ingrid Noll: Kein Feuer kann brennen so heiß

Köstlicher schwarzer Humor und Männer, deren forciertes Ableben nonchalant, fast schon beiläufig erfolgt: Seit nunmehr 30 Jahren ist dies das unschlagbare Erfolgsrezept der Bestsellerautorin Ingrid Noll. Auch in diesem Roman geht die Rechnung voll und ganz auf. Zwei Frauenfiguren, die eher auf der Schattenseite des Lebens stehen, wachsen im Plot über sich selbst hinaus. Wehe, wenn die Alten, Hässlichen, Ungeliebten oder anderweitig zu kurz Gekommenen losgelassen werden!  Herrliche Dialoge, schrullige Charaktere und das „vermeintlich“ starke Geschlecht, dass sich permanent selbst bloßstellt. In „Kein Feuer kann brennen so heiß“, zeigen Nolls Protagonistinnen, dass sie ihrem Gegenüber bei Bedarf ordentlich einheizen können. Wenn Leidenschaft nur noch Leiden schafft, ist mit diesen Frauen nicht zu spaßen.

Im Mittelpunkt steht die 30-jährige Lorina, die im Leben zu kurz gekommen ist. Das Aussehen eines „Plumploris“, dazu noch Tollpatschigkeit und ihr wohl größter Fehler – kein ersehnter Stammhalter geworden zu sein – haben ihr von Kindheit an den Ruf des hoffnungslosen Mauerblümchens eingebracht. Mit Dreißig noch Jungfrau, stützt sich Lorina in ihren Beruf als Altenpflegerin, in dem sie endlich Erfüllung findet. Denn den Alten, Behinderten, Vergessenen ist ihr Äußeres samt mangelnder Grazie egal. Mit ihrer neuen Stelle in der noblen Villa von Frau Alsfelder hat sie das große Los gezogen. Die Arbeitsbedingungen sind angenehm luxuriös, zudem scheint die einsame Alte sie nicht nur als bloße Pflegekraft, sondern auch als Gesellschafterin zu schätzen. Frau Alsfelder schwimmt zwar in Geld, doch nach einem Schlaganfall wurde sie von ihrem Mann verlassen und ist als halbseitig Gelähmte nicht nur auf die Hilfe der Pflegerin angewiesen, sondern auch auf die Unterstützung ihres großspurigen Neffen Christian, der ihre Finanzen regelt. Wohl nicht ganz uneigennützig … Weiterlesen

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Thomas Ziebula: Abels Auferstehung

„Die große Kreuzung […] war von demonstrierenden Menschen, berittenen Soldaten und Kraftwagen der Reichswehr verstopft. Gewerkschaften und linke Arbeitervereine protestieren gegen die geplante Erhöhung der Fahrpreise für die Elektrische und die Besetzung Leipzigs durch General Maerckers Truppen. Geschrei, Sprechchöre und Schüsse waren zu hören.“ (S. 443)

In Leipzig brodelt es. 1920 stehen viele Veränderungen an. Während in der Politik mit harten Bandagen gekämpft wird, kommen traumatisierte Soldaten aus der Gefangenschaft zurück. Jeder von ihnen braucht einen Brotberuf. Doch nicht jeder bekommt auch einen. Gleichzeitig werden viele Frauen aus ihrem Beruf und in die Verarmung gedrängt. Auch die Karriere von Kommissarinspektor Paul Stainer ist in Gefahr. Nach der Beerdigung seiner Frau muss er den Mord an einen Künstler aufklären, der sich vor kurzem duelliert hat.

Weitere Morde folgen, und es sieht so aus, als handele es sich um einen Einzeltäter. Während Stainer und seine Kollegen nach dem verbindenden Motiv suchen, intrigieren ein paar seiner Kollegen gegen Stainer. Ihm droht die Degradierung.

Thomas Ziebula schickt seine Leser auch in seinem zweiten Kriminalroman in die Vergangenheit. Sein Kriminalinspektor Paul Stainer kämpft mit den Folgen traumatischer Erlebnisse und trauert um seine Edith. Der Autor zeigt einen sympathischen, klugen Ermittler, der viele Widrigkeiten gleichzeitig händelt. Weiterlesen

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David Klass: Klima

Wenn auch im Moment von Corona überschattet, ist der Klimawandel doch nach wie vor hochaktuell und in aller Munde. Das zeigt sich auch im belletristischen Bereich, wo mehr und mehr Bücher sich mit diesem Thema beschäftigen. Ein Beispiel dafür ist Dirk Rossmanns ‚Der neunte Arm des Oktopus‘. Nun ist im Goldmann-Verlag ein weiterer Klima-Thriller erschienen. Er stammt aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers und Drehbuchautors David Klass.

Ein als ‚Green Man‘ bekannter Terrorist verübt Anschläge auf Ziele, die eine Umweltbedrohung darstellen. Er hat dies bereits in mehreren Fällen erfolgreich getan. Zuletzt sprengte er mit Hilfe einer selbstgebauten Drohne einen Staudamm am Snake River, gegen den Umweltschutzorganisationen lange vergeblich mit friedlichen Mitteln protestiert hatten.

Bei seinen Anschlägen nimmt er jedoch in Kauf, dass Menschen ums Leben kommen. Mit dieser Einstellung kann der junge FBI-Agent Tom Smith sich nicht anfreunden. Er war zwar selbst im Umweltschutz aktiv und sieht, dass es ‚Green Man‘ vor allem um den Schutz der Welt und der Menschheit geht. Doch die unschuldigen Opfer kann und will Tom nicht akzeptieren. Er setzt alles daran, ‚Green Man‘ zu fassen, um ihn an weiteren Anschlägen zu hindern. Weiterlesen

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Lutz Kreutzer: Die Akte Hürtgenwald

Eigentlich soll Kommissar Straubinger, strafversetzt von Köln nach Stolberg bei Aachen, das Archiv im Keller der Polizeistation aufräumen. Doch dabei findet er eine alte Akte, die von einem Todesfall im Jahr 1956 berichtet, ein gut situierter Bürger der Stadt ist im Wald unter ungewöhnlichen Umständen ums Leben gekommen.

Straubinger „riecht“ Ungereimtheiten bei diesem alten Fall und, mit Erlaubnis seines neuen Vorgesetzten, beginnt er unter den Einheimischen zu ermitteln. Dabei begegnet er mitteilsamen und zugeknöpften Mitmenschen, von denen der eine oder die andere durchaus etwas zu verbergen hat. Besonderes Interesse entwickelt Straubinger für den sogenannten Wolkenmaler, ein Eigenbrötler, der allein im Wald in einer selbstgebauten Hütte haust. Als ein Mord geschieht, der offensichtlich einen Bezug zu den Ereignissen der Vergangenheit hat, übernimmt Straubinger ganz offiziell die Ermittlungen auch in dem aktuellen Fall.

Der Plot könnte wirklich spannend sein, bietet doch auch die Region, in der die Handlung angesiedelt ist, eine wahrlich geschichtsträchtige Kulisse. In der Gegend um Hürtgenwald fand gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine grausame Schlacht zwischen Deutschen und Amerikanern statt, die unzählige Todesopfer forderte. Zurück blieben von diesen Kämpfen unentdeckte Minen und Munition, die bis heute für Spaziergänger und Waldarbeiter lebensgefährlich werden können. Weiterlesen

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Marc Hofmann: Der Mathelehrer und der Tod

Ein eigenbrötlerischer Deutschlehrer als Hobbydetektiv auf der Spur des Mörders eines Mathelehrers – das ist kurzgefasst die Handlung dieses Kriminalromans.

Marc Hofmann legt seinen Protagonisten eindeutig als Serienheld an, was sogar auf dem Cover so angegeben ist. Der Nachteil dieses deutlichen Hinweises ist, dass es der Spannung abträglich ist, dazu später mehr. Gregor Horvath, Alter unbekannt, feinsinniger und nach eigenem Bekunden im falschen Jahrhundert geborener Gourmet, findet eines Morgens die Leiche eines Kollegen. Als ermittelnder Kriminalbeamter taucht, welche ein Zufall, Horvaths Zwillingsbruder auf. Doch ein weiterer Doppelmord in der Innenstadt Freiburgs unterbricht die Arbeit der Polizei in der Schule, der Tod des Lehrers wird als Suizid zu den Akten gelegt.

Horvath will sich damit nicht abfinden und mobilisiert eine Gruppe von ihm besonders geschätzter Schüler. Antrieb für seine Nachforschungen gibt ihm ein bislang unbekannter Geheimbund aus Lehrern, Eltern und ehemaligen Schülern, dem der Tote angehörte und in welchen nun er als Mitglied aufgenommen werden soll. Mit Hilfe seiner Schüler und unterstützt durch eine Mitarbeiterin seines Bruders kommt Horvath dem Täter auf die Spur, gerät dabei aber selbst in Lebensgefahr. Das ist die Stelle, wo die Spannung leidet, da man als Leserin ja weiß, dass er überleben wird, sonst könnte es schließlich keine Folgebände geben.

Wie bei den meisten Krimis liest man flott bis zum Ende, ist man doch an der Lösung interessiert. Vor allem die vielen Verdächtigen, vom Autor geschickt mit Motiv und Gelegenheit ausgestattet, machen die Handlung ausreichend spannend. Weiterlesen

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Sam Lloyd: Der Mädchenwald

„Katastrophe ist ein Wort, das viel hübscher ist als seine Bedeutung, finde ich.“ (S. 52)

Ein Schachgenie wird während der Pause eines Wettkampfes überwältigt, betäubt und entführt. Irgendwann erwacht das Schachgenie in einem Keller im irgendwo. In dem abgeschlossenen Raum ist es stockdunkel, kalt und die im Boden verankerte Kette, an der das Schachgenie mit einer Handschelle verbunden ist, erlaubt nur einen kleinen Bewegungsradius. Das Schachgenie heißt Elissa und ist dreizehn Jahre alt.

Der Brite Sam Lloyd hat mit seinem Thriller eine mitreißende Geschichte vorgelegt, die von Katharina Naumann übersetzt wurde. Sein Sprachstil, die unterschiedlichen Elemente des Grauens und seine Charaktere sind so angelegt, dass man sie ohne weiteres in einem Bestseller von Stephen King vermuten könnte.

Drei Personen erzählen, wie sie Elissas Leid erleben. Zum einen erfährt man von Elissa, wie sie den ersten Schock überwindet und geschickt zu taktieren beginnt. Ihr gegenüber steht unter anderem der altklug wirkende Elijah, der zurückgezogen in der Nähe zu wohnen scheint. Schnell fällt er mit ungewöhnlichen Äußerungen auf. Elijah nennt zum Beispiel den benachbarten Wald Mädchenwald und einen darin befindlichen See Knöchelchensee. Doch in seiner überschaubaren Welt sind nicht nur Zauber, Geister und Märchen sondern auch Unsicherheit und Angst. Als er heimlich die gefangen genommene Elissa aufsucht, könnte er sie nicht nur theoretisch retten. Weiterlesen

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Garry Disher: Hope Hill Drive

Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, wurde vor einem Jahr in Sydney degradiert. Darüber hinaus musste er sich seine Versetzung gefallen lassen. In der australischen Kleinstadt Tiverton fährt er allein Streife und kümmert sich um alle Vorfälle im wenig besiedelten Buschland. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit werden Ponys abgeschlachtet oder verletzt, und kaum haben die Medien dieses Ereignis in Szene gesetzt, findet Hirsch zwei Mordopfer.Das beschauliche Leben in Tiverton hat sich schlagartig in ein Minenfeld verwandelt.

Wer den erfolgreichen Krimiautoren Garry Disher noch nicht kennengelernt hat, dürfte mehr als nur einen Krimiautoren verpasst haben. Sein aktuelles Buch, erneut von Peter Torberg übersetzt, beginnt – wie all seine wunderbaren Geschichten – in den ländlichen Bereichen von Südaustralien. Abgesehen von dem einzigartigen Lokalkolorit begleitet man einen Einzelgänger, der auf kriminelle Machenschaften stößt, die mitunter zu einer Gewissensfrage werden. Aus der Perspektive von Hirsch erfährt der Leser in einer chronologisch aufgebauten Geschichte, wie der Constable unter der brennenden Dezemberhitze unterschiedliche Bewohner befragt. Unter der kritischen Beobachtung seiner Vorgesetzten und deren Dienstherren aus Sydney sucht der in Ungnade gefallene Hirsch Kleinkriminelle, vermisste Kinder und Mörder. Dabei findet er mehr heraus, als für sein Wohlbefinden gut ist. Weiterlesen

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Wolfgang Schorlau: Kreuzberg Blues

Spannend, politisch und hochaktuell – mit „Kreuzberg Blues“ veröffentlicht Wolfgang Schorlau bereits den zehnten Band der Kriminalreihe um Privatermittler Georg Dengler. Wie immer hat der Fall einen stark gesellschaftlichen und politischen Bezug. Diesmal geht es für Dengler in die Hauptstadt, mitten nach Kreuzberg, wo er mit den Tücken des Berliner Wohnungsmarkts konfrontiert wird und miterlebt, wie sich das neuartige Coronavirus in Deutschland ausbreitet.

Georg Dengler ist selbstständiger Privatermittler in Stuttgart. Eines Nachts bekommt seine Partnerin Olga einen Anruf aus Berlin: Das Kind einer Freundin wurde in der eigenen Wohnung von einer Ratte angefallen und die Bewohner des Mietshauses sind sich sicher, dass der Bauunternehmer Kröger hinter diesem Vorfall steckt. Im angespannten Berliner Wohnungsmarkt will Kröger die Immobilie „entmieten“, um seinen Profit durch eine Neuvermietung zu steigern – anscheinend schreckt er dafür auch nicht vor kriminellen Methoden zurück. Olga zögert nicht lange und macht sich mit Dengler auf den Weg in die Hauptstadt, um ihrer Freundin zu Hilfe zu eilen. Vor Ort zeigt sich das wahre Ausmaß der Situation.

Während Dengler in die Welt der Berliner Immobilien-Unternehmen eintaucht, deren Vorstände scheinbar nicht skrupelloser und durchtriebener sein könnten, geht Olga dem aggressiven Verhalten der ausgesetzten Ratten auf die Spur. Weiterlesen

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