Andrea Camilleri: Das Bild der Pyramide: Commissario Montalbano blickt hinter die Fassaden

Der italienische Autor und Regisseur Andrea Camilleri ist im letzten Jahr mit 93 Jahren verstorben. Vor allem seine Commissario – Montalbano – Krimis machten ihn in Deutschland bekannt. Der erste Band „Die Form des Wassers“ erschien 1995 in Italien. Nun legte Bastei Lübbe am 28. Februar 2020 den neuen Roman aus der Reihe vor. Er trägt den Titel „Das Bild der Pyramide – Commissario Montalbano blickt hinter die Fassaden“ und wurde von Rita Seuß und Walter Kögler aus dem Italienischen übersetzt. Die Originalausgabe „La piramide di fango“ wurde bereits im Jahre 2014 veröffentlicht.

In Italien regnet es seit zwei Wochen. Und auf einer Baustelle wird eine männliche Leiche entdeckt. Sofort machen sich Commissario Montalbano und sein Team an die Arbeit. Schnell ist klar, dass der junge Mann erschossen wurde. Mit dem Fahrrad hatte er es noch bis zur Baustelle geschafft und war dort gestorben.

Die Ermittlungen ergeben, dass es sich um Gerlando (Giugiù) Nicotra, den Buchhalter der Baufirma Rosaspina, handelt. Seine deutsche Frau Inge Schneider ist verschwunden. Außerdem gibt es Anzeichen für die Anwesenheit einer dritten Person im Haus der Nicotras. Weiterlesen

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Antti Tuomainen: Klein-Sibirien

Seit einem Jahr und sieben Monaten ist Joel Huhta Pfarrer in Hurmevaara, einer 1000 Seelen-Gemeinde im Osten Finnlands, nahe der russischen Grenze. Normalerweise ist dieser Ort für ein überschaubares Leben wie geschaffen, wenn nicht dieser Meteorit in den Wagen eines seiner Bewohner gerauscht wäre. Wie durch ein Wunder überlebt der Fahrer, ein ehemaliger Rennfahrer, der nun auf eine Belebung seiner Karriere hofft. Denn wer dieses seltene Gestein aus dem All verkauft, darf sich um eine Million reicher fühlen.

Sechs Tage wird im Ort über nichts anderes gesprochen. Bis der Meteorit in das Weltraumlabor nach Helsinki gebracht wird, bewacht ihn das Komitee des Dorfes im Militärmuseum. Denn die nächste Polizeiwache ist etwa 90 km von Hurmevaara entfernt, und einen professionellen Sicherheitsdienst gibt es ebenfalls nicht.

Bei seiner ersten Nachtwache wird Joel im Militärmuseum überfallen. Seit dieser Nacht sieht der Pfarrer die Dorfbewohner mit anderen Augen. Jeder von ihnen könnte zu den Einbrechern gehören. Ob aus Dummheit oder Unwissenheit, sie haben eine Handgranate gestohlen. Weiterlesen

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Eric Berg: Totendamm

Dieses Buch ist bereits 2018 unter dem Titel „So bitter die Rache“ im Limes Verlag erschienen.

Die Diplomatengattin Ellen hat sich von ihrem in Asien tätigen Ehemann getrennt und kehrt mit ihrem vierzehnjährigen Sohn Tristan nach Deutschland zurück. Sie erwirbt ein Haus in Heiligendamm an der Ostsee, ein Haus in einer abgeschlossenen Siedlung namens Vineta. Erst nach dem Einzug erfährt sie, dass in diesem Haus vor sechs Jahren ein Dreifachmord geschah. Ellen versucht, sich von der Vergangenheit ihres Hauses nicht einschüchtern zu lassen; als jedoch Gegenstände verschwinden und sie mehr über die früheren und derzeitigen Nachbarn erfährt, wandelt sich ihre Distanz nach und nach erst in Neugier und schließlich in Besorgnis.

Der Roman erzählt die Vorkommnisse auf zwei Zeitebenen: einmal erleben wir die Gegenwart, als Ellen nach Vineta kommt und zum anderen die Ereignisse sechs Jahre vorher. Die Geschehnisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven berichtet und so lernt die Leserin Zug um Zug alle Protagonisten kennen. Von den Nachbarn, die zur Zeit des Verbrechens schon in der Siedlung lebten, lernt Ellen zuerst Ruben kennen, den geistig behinderten Nachbarn, mit dem sich ihr Sohn Tristan anfreundet. Ellen kämpft mit ihren Vorbehalten gegen Ruben und hat deswegen ein schlechtes Gewissen. Das führt wiederum dazu, dass sie Ruben weiter in ihr Leben hineinlässt, als sie eigentlich will. So lernt sie auch Sven, seinen amtlichen Betreuer vom Jugendamt, kennen. Weiterlesen

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Steven Price: Die Frau in der Themse

1885 stirbt Charlotte Reckitt in London – doch wo ihr Leben endet, erreicht ihre Geschichte die Pointe. Wie ist sie gestorben? Ermordet. Vermutlich. Aber wer kann das schon so genau wissen? Sie war eine schöne Frau, stolz, unabhängig und vor allem eine Gesetzlose.

Im Leben war sie das Ziel zweier Männer: William Pinkerton, ein berüchtigter Dedektiv aus Amerika, und Adam Foole, ein Dieb und Gesetzloser, genau wie Charlotte. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, doch nun werden sie gegen ihren Willen durch eines einander gebunden: Den Drang, den Mörder von Charlotte Reckitt zu finden.

Für Adam Foole ist sie die Vergangenheit: Eine teuflische Geliebte, die ihn bei seinen größten Verbrechen begleitete, die er aber seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Für William Pinkerton ist sie das Ende einer langen Suche, einer Besessenheit, denn sie hätte ihn zu einem Mann führen können, den schon sein Vater jagte: Edward Shade. Weiterlesen

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Oliver Buslau: Feuer im Elysium

Zum Beethovenjahr der Beethovenkrimi. Und ein hervorragender noch dazu.

Oliver Buslau ist mir bislang bekannt als Autor von Heimatkrimis; so habe ich von ihm gelesen „Der Bulle von Berg“, ein eher durchschnittlicher Kriminalroman. Außerdem habe ich ihn erlebt als Mitglied einer Band, die aus mehreren Krimiautoren besteht und die gemeinsam ihre Musik und ihre Texte vortragen – sehr unterhaltsam und sehr professionell. Oliver Buslau ist aber nicht nur Krimiautor und Bandmitglied, er hat auch Musikwissenschaft studiert und ein Sachbuch mit dem Titel „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen muss“ herausgebracht. Die besten Voraussetzungen also für das Verfassen einen historischen Musikkrimis.

Der eine Protagonist des Romans, Sebastian Reiser, verliert durch einen Unfall Vater, Arbeitgeber und Stellung. Er geht nach Wien, wo er noch ein paar Verbindungen aus der Zeit seines Jurastudiums hat. Er sucht eine neue Anstellung, auch weil er die Hoffnung, seine geliebte Theresia, Tochter seines verstorbenen Arbeitgebers, wiederzusehen, nicht aufgeben will. Weiterlesen

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Megan Miranda: Little Lies – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Die Journalistin Leah hat ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit und zieht deswegen aus Boston in eine Kleinstadt weitab vom Großstadtleben. Sie mietet ein Haus zusammen mit einer Freundin aus Collegezeiten, Emmy. Leah arbeitet als Lehrerin, Emmy, so hat sie ihr erzählt, verdient sich ihr Geld an der Rezeption eines Hotels und mit Putzen.

Eines Tages ist Emmy verschwunden. Leah fällt dies wegen ihrer unterschiedlichen Arbeitszeiten erst nach Tagen auf und, nachdem eine schwerverletzte Frau gefunden wird, fängt sie an, sich Sorgen zu machen. Der ermittelnde Kommissar Kyle beginnt zusammen mit ihr, nachzuforschen. Dabei finden sie vor allem heraus, dass Leah so gut wie nichts über Emmy weiß. Statt Antworten tauchen immer mehr Fragen auf: wer ist Emmy, wieso gibt es nirgendwo Spuren von ihr, keine Vergangenheit, keine Gegenwart.

Die Handlung verspricht einen Thriller mit reichlich Nervenkitzel und Hochspannung. Es gibt immer neue Wendungen, so dass man im Laufe der Lektüre nie sicher sein kann, wer die Wahrheit sagt und wer etwas verbirgt. Weiterlesen

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Thomas Ziebula: Der rote Judas

… – doch in Stainers Brust tobte er weiter, der Krieg. Und würde immer gegenwärtig sein – in jeder Schießerei, in jedem Mordopfer.“ (S. 310)

Major Paul Stainer sitzt im ersten Zug, der ihn und seine schwer verwundeten Kriegskameraden aus der Gefangenschaft nach Leipzig zurückbringt. Der ehemalige Kommissar leidet unter Gedächtnisverlust und Traumata. Nach der Kapitulation im Ersten Weltkrieg werden die politischen Folgen spürbar. Zwischen den Nationalisten und den Sozialisten geht der Meinungskrieg weiter. Die einen wollen die erlittene Niederlage in Aktionismus verwandeln, während die anderen den Frieden trotz des hohen Preises begrüssen. Gerade zurück steht Stainer als Verlierer da. Seine Frau weist ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Sie habe einen neuen Mann und wolle die Scheidung. Nur ein paar Briefe liegen für ihn bereit. Einer von ihnen lädt ihn zum Vorstellungsgespräch ins Kommissariat ein. Unverhofft warten auf Stainer nicht nur die Beförderung zum Kriminalinspektor sondern auch noch die dringende Aufklärung mehrer Morde. Abgesehen von diesem komplexen Fall erfährt Stainer viele böse Überraschungen. Schon in den ersten Minuten im Kommissariat begreift der Heimkehrer, wie viel von seiner geistigen Gesundheit abhängt: Seine Karriere und Ehe stehen auf dem Spiel aber auch sein Überleben, weil er immer mehr in den Fokus brutaler Mörder rückt.

Der freie Autor Thomas Ziebula schrieb bisher historische und Fantasy Romane. Mit seinem ersten Kriminalroman Der rote Judas wechselt er überzeugend das Genre. Ein Ermittler mit gesundheitlichen und privaten Problemen kämpft und wächst aus sich heraus, weil dies sein Überlebenstrieb verlangt. Aufgeben ist keine Option. Weiterlesen

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Hilke Sellnick: Bergab geht’s tot am schnellsten

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen erhält die junge Pianistin Henni von Kerchenstein einen ungewöhnlichen Auftrag: Die Witwe eines Filmstars feiert im Kreis einiger Freunde den 100. Geburtstag des Verstorbenen. Henni soll die Feier auf dem Klavier begleiten. Da Henni knapp bei Kasse ist, nimmt sie den Auftrag an und fährt gemeinsam mit ihrem Kartäuserkater Walter von Stolzing und ihren beiden Freundinnen Claudia und Cindy in die verschneiten Schweizer Alpen. Um genau zu sein in das „Grandhotel Alpenstern“. Leider erwartet die vier vor Ort kein Luxushotel, sondern ein zugiges altes Hotelgemäuer, das beinahe zusammenzubrechen droht. Und die Auftraggeberin sowie ihre geladenen Gäste sind maximal C-Promis.

Berge, ein eingeschneites Hotel und ein Mord in einer Kapelle: Das perfekte Setting für einen spannenden Locked-room Fall. Aber leider wird dieses Potenzial nicht wirklich ausgeschöpft. Etwa bis zur Hälfte des Buches passiert nichts Nennenswertes. Trotz des für Gruseleffekte prädestinierten Settings kommt die Geschichte viel zu brav daher. Weiterlesen

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Maria Adolfsson: Doggerland 02: Tiefer Fall

Weihnachten in Langevik – das Haus ist voll bei Kriminalinspektorin Karen Eiken Hornby. Fast ein bisschen zu voll für ihren Geschmack. Deshalb ist sie nicht allzu traurig, dass sie ihr Chef – obwohl sie nach dem „Showdown“ ihres letzten Falles noch krankgeschrieben ist – wegen eines Mordfalls auf die Insel Noorö, ganz im Norden von Doggerland, abkommandiert. Viele Kollegen leiden unter einer grassierenden Grippe, die anderen sind im Weihnachtsurlaub, es gibt keine Alternative. Gemeinsam mit dem Gerichtsmediziner und Sören Larsen von der Spurensicherung macht sie sich auf den Weg.

Der pensionierte Hochschullehrer Fredrik Stuub ist bei einem Sturz in eine mit Wasser gefüllte Kiesgrube ums Leben gekommen. Das heißt, eigentlich ist er kurz davor auf einem Felsvorsprung hängengeblieben, sonst wäre er vielleicht auf Nimmerwiedersehen in der Tiefe verschwunden. Schnell ist klar, dass er nicht einfach gestolpert und gefallen ist, sondern dass er bewusstlos geschlagen und hineingeworfen wurde. Wer könnte diesem alten Mann nach dem Leben getrachtet haben? Es gibt kaum Spuren und schon gar kein Motiv. Doch Fredrik Stuubs Wohnung wurde durchwühlt. Wer hat was gesucht? Hat Fredriks Enkel Gabriel etwas damit zu tun, der gerne reich wäre, ohne etwas dafür zu tun, oder haben die Besitzer der örtlichen Whiskybrennerei ihre Hand im Spiel? Weiterlesen

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Anne von Vaszary: Die Schnüfflerin

Ein One-Night-Stand im offenen Cabrio unter dem weiten Sternenhimmel und schon ist es passiert: Nina (die eigentlich ganz anders heißt) ist schwanger. Und das auch noch von Ricky, dem Windhund, der nichts anbrennen lässt und nicht nur sie zu Probefahrten einlädt. Die junge Frau, die ohne großen Plan durchs Leben driftet und in einem Einkaufszentrum Kaffee ausschenkt, ist selbst ohne Vater aufgewachsen und mit einer Mutter, die sich nur sporadisch blicken oder hören lässt. Die einzige Konstante in ihrem Leben war ihre Oma, doch die ist schon vor ein paar Jahren gestorben. Jetzt eine Familie gründen – das wäre vielleicht was. Aber mit Ricky?

Sechs Wochen ist Nina ihm aus dem Weg gegangen, doch nun will sie ihm erzählen, dass er Vater wird. Als sie im Restaurant sitzen, macht ihr aber erst einmal ihre seit neuestem hochempfindliche Nase einen Strich durch die Rechnung. Sie stürzt auf die Toilette, um sich zu übergeben. Zurück am Tisch, findet sie, dass die Zwiebelsuppe seltsam riecht und lässt erst einmal den Löffel liegen, während ein paar andere Restaurantgäste – auch Ricky – davon probieren. Plötzlich bricht ein Chaos aus. Die Gäste beginnen zu röcheln, rutschen auf den Boden und winden sich in Krämpfen.

Als sich die Situation wieder etwas gelichtet hat, sieht sich Nina unversehens einem Verdacht ausgesetzt: Warum hat sie nichts von der Suppe gegessen? Hat sie von dem Gift gewusst? Hat sie gar den Anschlag verübt? Gleichzeitig hat sie Angst um Ricky, der mit dem Krankenwagen abtransportiert wurde. Ob er überleben wird? Irgendwie hat sie ihn ins Herz geschlossen und sie will unter keinen Umständen, dass ihr Kind – wie sie – nichts über ihren Vater weiß. Weiterlesen

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