Wolf Harlander: 42 Grad

Deutschland erleidet eine nie dagewesene Dürre. Monatelang regnet es nicht und das bei großer Hitze. Europa trocknet aus. Hausbrunnen versiegen, in den Großstädten wird die Versorgung mit Trinkwasser reglementiert, der Rhein ist ein Rinnsal, wie alle anderen großen europäischen Flüsse auch. Wälder brennen, die Autobahnen sind nahezu unpassierbar, weil in der Hitze den Asphalt schmilzt. Unzählige Menschen versuchen in den Süden des Landes zu fahren, In Bayern fließt das Wasser noch regelmäßig aus den Hähnen. Schuld an der großen Wassernot ist das schon erwähnte „Jahrtausend-Hoch“ und ein Erdbeben mit Epizentrum in Italien, das tektonische Verschiebungen im Erdinneren verursacht, Wasserläufe verlegt und zum Versiegen gebracht hat.

Zwei Wissenschaftlern ist die Brisanz der Lage als Einzige bewusst: Elsa Forsberg, die als IT-Spezialistin und Daten-Analystin bei der europäischen Umweltagentur arbeitet, und Julius Denner, einem jungen Hydrologen. Beiden glaubt man an höchster Stelle in Brüssel aber nicht. Elsa hat als ehemalige Umweltaktivistin keine weiße Weste und sie gerät sogar in den Focus polizeilicher Ermittlungen. Zeitgleich eilt der Experte für Wasserwirtschaft Noah Luethy in ganz Europa von Wasserwerk zu Wasserwerk, weil die Versorgung zusammenzubrechen droht. Weiterlesen →

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Andreas Föhr: Unterm Schinder

Beim Versuch, seine attraktive Kollegin Lisa mit einer inszenierten Schießerei zu beeindrucken, entdeckt Polizeiobermeister Kreuthner von der Polizeidienststelle Miesbach in einem leerstehenden Bauernhof eine Frauenleiche. Diese wurde in einer Tiefkühltruhe versteckt. Es handelt sich um Carmen Skriba, Eigentümerin mehrerer Fitnessstudios. Sie wurde durch einen Kopfschuss getötet.

Kommissar Clemens Wallner macht sich mit seinem Team an die Ermittlungen und findet heraus, dass Frau Skribas Ehemann Gerry vor zwei Jahren ebenfalls erschossen wurde. Die geständige Täterin, eine Hausangestellte mit kriminellem Vorleben, sitzt hinter Gittern. Wallner eilt in die Justizvollzugsanstalt und erfährt in einigen Gesprächen mit besagter Hausangestellten interessante Details. Polizeiobermeister Kreuthner befragt inzwischen eingehend seinen Vater, der in zwielichtigen Kreisen alte Bekannte und auch noch eine Rechnung offen hat. Durch kuriose Verwicklungen findet sich Wallner als Drogendealer wieder, spielt plötzlich die Entführung einer Minderjährigen 1998 eine wichtige Rolle, führen alle Hinweise zu einer halbseidenen Autohändlerszene in Düsseldorf und muss ein abgeschlossener Fall gegen den zähen Widerstand des Staatsanwaltes neu aufgerollt werden. Weiterlesen →

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Alex Michaelides: Die verschwundenen Studentinnen

Marianna ist noch tief verfangen in der Trauer um ihren Mann. Da erhält sie einen Anruf von ihrer tochtergleichen Nichte Zoe, in deren Wohnheim in Oxford habe es einen Mord gegeben und vielleicht sei es ihre beste Freundin. Marianna ist Traumatherapeutin, also durchaus geeignet, Zoe und gegebenenfalls ihren Freundinnen beizustehen. Sie macht sich auf den Weg nach Oxford, wo sie vor Jahren selbst studierte und auch ihren Mann kennenlernte.

Vor Ort erweist sich die Lage als viel undurchsichtiger als angenommen. Zoe verdächtigt den charismatischen Professor, der angeblich vielen Studentinnen näher als erlaubt gekommen ist. Die Polizei glaubt bereits einen Täter gefunden zu haben und Marianna glaubt sich von griechischen Göttern verfolgt. Weiterlesen →

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Catherine Ryan Howard: The Nothing Man

Nachts dringt er in einige Häuser im Landkreis Cork ein. Unbemerkt beobachtet er seine zukünftigen Opfer, spielt seine Machtspielchen, um schließlich die Frauen zu vergewaltigen und teilweise zu ermorden. Eve überlebt im Alter von zwölf Jahren die Mordserie und verliert dabei Mutter, Vater und ihre kleine Schwester Anna. Danach verlieren sich die wenigen Spuren des Mörders im Nichts.

Die irische Presse nennt ihn The Nothing Man. Das Rätsel über seine Identität ruht fast zwanzig Jahre, bis Eve ein Wagnis eingeht. Sie schreibt über seine Opfer ein Buch. Und sie kündigt sowohl in ihrem Buch als auch in der Presse an, in Kürze die Identität des Mörders ihrer Familie bekanntzugeben. Sie glaubt, wenn möglichst viele Sesseldetektive ihr Buch läsen, dann würden die fehlenden Spuren ein konkretes Bild zusammensetzen, und The Nothing Man bekäme ein Gesicht und einen Namen.

Die Irin Catherine Ryan Howard wurde in Cork geboren. Sie lebt in Dublin und schreibt fesselnde Thriller. Ihr aktuelles Buch hat in ihrem Land zu Recht die Bestsellerliste erobert Weiterlesen →

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Andreas Winkelmann: Die Karte

Der erfahrene Kommissar Jens Kerner befindet sich an einem Punkt, an dem seine Arbeit eine Bürde geworden ist. Dies liegt auch an der Kollegin, die seit einer Weile wegen Krankheit fehlt. Schaut er auf sein Leben zurück, blickt er auf zwei gescheiterte Ehen, eine leere Wohnung, ein leeres Leben.

Was macht ein Kommissar, der keine Leichen mehr sehen kann und aktuell einen brutalen Serienmörder fangen muss?

Andreas Winkelmann gehört zu den erfolgreichen Thrillerautoren. Er schreibt als überzeugter Naturliebhaber und „Outdoorfreak“ ebenfalls Sachbücher. Während in seinen Thrillern das Perfide, Brutale auf die eine oder andere Weise gestoppt wird, lebt er privat mit seiner Familie zurückgezogen in einem alten, in seinen Augen gruseligen Bauernhof, weit weg von anderen Menschen.

In seinem aktuellen Thriller geht es nur vordergründig um die Ermordung schöner selbstbewusster junger Frauen in der Hansestadt Hamburg. Seine verschiedenen Protagonisten zeigen sich von ihrer menschlichen Seite. Sie treiben Sport, pflegen in den sozialen Medien Freundschaften, zweifeln, haben Angst und machen Fehler. Mal reflektieren sie ihr Handeln und versuchen aus ihrem verhängnisvollen Kreislauf auszubrechen oder sie stolpern, bis sie am Boden liegen. Insbesondere der ermittelnde Kerner erfährt sehr schnell, dass jede seiner Entscheidungen Folgen haben wird, manche kommen ohne Vorankündigung wie ein Faustschlag. Weiterlesen →

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Ursula Poznanski: Blutkristalle

Auf gerade einmal 80 Seiten schafft es die bekannte österreichische Autorin, die Leserin zu fesseln, zu erschrecken und zu überraschen. In diesem neu-deutsch Short-Read genannten Kurz-Thriller erzählt sie aus der Perspektive des Antagonisten. Wolfram ist ein Stalker. Er verfolgt Ella, der er in Liebe verfallen zu sein glaubt. Ella aber liebt Paul. Die beiden planen eine mehrtägige Winterwanderung im Gebirge, über teils lebensgefährliche Wege und Pässe. Diese Gelegenheit will Wolfram nutzen, um sich seines vermeintlichen Nebenbuhlers zu entledigen. Minutiös bereitet er alles vor, wartet auf Ella und Paul am Rande einer Schlucht …

Es fasziniert mich jedes Mal wieder, wie Ursula Poznanski Atmosphäre schafft, Charaktere entwickelt und Spannung erzeugt. Und dies nun in einer Form, die nicht viel mehr als eine Erzählung ist, ihren anderen Thrillern aber in nichts nachsteht. Besonders geschickt ist es, Wolfram immer wieder, wie in einem Selbstgespräch, Dialoge führen zu lassen, ohne dass man erkennen könnte, mit wem er spricht. Allein dies ist schon ein erhebliches Spannungsmoment, vermutet man dahinter doch eine Art von Schizophrenie. Weiterlesen →

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Beate Maxian: Die Tote im Kaffeehaus

Wien ist bekannt für den Prater, die Hofreitschule, Schloss Schönbrunn und zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten. Mit dieser Stadt fest verbunden ist aber auch deren weltberühmte Kaffeehauskultur. Vor deren Hintergrund spielt der neue Kriminalroman der österreichischen Autorin Beate Maxian.

Marianne Böhm, die Grande Dame der Kaffeehaus-Dynastie Böhm regiert das traditionsreiche Familienunternehmen trotz ihres fortgeschrittenen Alters uneingeschränkt und mit starker Hand. Ihren Sohn Clemens, der die Cafés gerne modernisieren würde, hält sie weitgehend aus der Geschäftsführung fern. Sie scheint andere Pläne für ihre Nachfolge zu haben. Bevor sie diese jedoch in die Tat umsetzen kann, verstirbt sie plötzlich und unerwartet während eines Interviews, das die Journalistin Sarah Pauli mit ihr führt. Ort des Todesfalls: ein Kaffeehaus. Weiterlesen →

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Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle

Pünktlich zum angekündigten Erscheinungsdatum liegt er im Buchhandel vor: Kommissar Dupins 10. Fall! Für den Autor sicherlich ein Grund zu feiern. Für den Kommissar auch, Duplizität der Ereignisse, der selbst sein zehnjähriges Dienstjubiläum begehen soll. Wer hier an Zufall glaubt unterschätzt die dramaturgischen Schachzüge des Autors. Auch das Erscheinungsdatum ist sorgfältig geplant. In die erste Hitzewelle des Jahres 2021 placiert sich dieser Krimi als Sommer- und Urlaubslektüre. Dass am bretonischen Schauplatz seinerseits eine Hitzewelle den Menschen den Schweiß auf die Stirn treibt, mag nun wirklich ein meteorologischer Zufall sein.

Wiederum kein Zufall ist, dass an der Küste Concarneaus eine männliche Leiche gefunden wird. Der Tote kann schnell identifiziert werden. Er war Schafzüchter und lebte auf der schönen Urlaubsinsel Belle Ile vor Quiberon.  Ebenso zügig konnte die Todesursache ermittelt werden: Er wurde ermordet. Kommissar Dupin hat eine harte Nuss zu knacken. Doch zunächst muss er die Fahrt mit dem Polizeiboot  überstehen, ohne Seekrank zu werden.

Als Schauplatz der Ermittlungen hat der Autor, der unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec schreibt und Jörg Bong heißt, einen der, wenn nicht den schönsten Ort der Bretagne ausgewählt. Mit seiner Wahl bleibt er  seiner Tradition treu und entfaltet hier seine große Liebe für  diese Landschaft. Er nimmt die Lesenden mit und ermöglicht ihnen ein kriminalistisches Reiseerlebnis mit allen Sinnen. Weiterlesen →

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Roxanne Bouchard: Der dunkle Sog des Meeres

Eine junge, an Depressionen leidende Frau reist in einen entlegenen kanadischen Küstenort. Dort will sie Frieden und ihre Mutter finden. Doch dann wird eine weibliche Leiche im Meer geborgen – eben ihre Mutter.

Ein älterer, Mid-life-Krisengeplagter Kommissar siedelt in diesen Küstenort um, wartet auf seine Frau, die später nachkommen will. Er wird, obwohl eigentlich im Urlaub, mit den Ermittlungen hinsichtlich der im Meer gefundenen Frauenleiche beauftragt.

Die im Dorf lebenden Menschen, wortkarge, wettergegerbte Fischer vor allem, sind dem Ermittler dabei keine Hilfe, verwirren ihn mit ihren spärlichen Informationen. Auch die junge Catherine, die Anschluss sucht und nicht wirklich findet, kommt den Einwohnern nicht recht nah. Dabei spielt im Grunde das Meer die Hauptrolle in diesem recht düsteren Roman.

So recht fand ich nicht den Zugang, weder zur Handlung noch zu den Handelnden. Der Kommissar Joaquín Morales, seinen mexikanischen Wurzeln zum Trotz auf die Frage nach seiner Herkunft stets Montreal nennend, ist sympathisch-verpeilt. Seine Sorgen um seine Ehe, seine altersbedingten Grübeleien kollidieren mit seiner Tätigkeit, lenken ihn ab von den Ermittlungen. Weiterlesen →

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Guillermo Martinez: Der langsame Tod der Luciana B.

Schon die beiden im letzten Jahr erschienenen Kriminalromane des argentinischen Autors haben mir sehr gut gefallen. Doch dieser neue toppt die anderen sogar noch. Die Erzählweise, die altmodisch-fesselnde Handlungsstruktur, die geheimnisvollen Figuren – all das passt perfekt und ergibt einen hochspannenden Krimi.

Der Ich-Erzähler ist Schriftsteller, noch am Anfang seiner Karriere. Als er wegen eines gebrochenen Arms eine Schreibkraft einstellen muss, engagiert er die junge Luciana, Studentin und normalerweise für den berühmten Kriminalschriftsteller Kloster tätig. Doch dieser ist gerade auf mehrwöchiger Reise, so dass Luciana dem Erzähler – der den ganzen Roman über namenlos bleibt – aushelfen kann. Er verfällt im Laufe der kurzen Wochen, die Luciana für ihn arbeitet, ihrer Schönheit, doch im Grunde geschieht nicht viel mehr als ein kurzer Kuss. Danach verlieren sie sich aus den Augen.

Zehn Jahre später jedoch kontaktiert Luciana ihn erneut und bittet um ein Treffen. Als er sie wiedersieht, ist er entsetzt von ihrem Aussehen. Völlig verstört, frühzeitig gealtert und abgemagert erscheint sie. Und sie erzählt von den Geschehnissen der vergangenen Jahre, wie ihre Familienmitglieder nacheinander verstarben, teils unter mysteriösen Umständen. Weiterlesen →

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