Roxanne Bouchard: Der dunkle Sog des Meeres

Eine junge, an Depressionen leidende Frau reist in einen entlegenen kanadischen Küstenort. Dort will sie Frieden und ihre Mutter finden. Doch dann wird eine weibliche Leiche im Meer geborgen – eben ihre Mutter.

Ein älterer, Mid-life-Krisengeplagter Kommissar siedelt in diesen Küstenort um, wartet auf seine Frau, die später nachkommen will. Er wird, obwohl eigentlich im Urlaub, mit den Ermittlungen hinsichtlich der im Meer gefundenen Frauenleiche beauftragt.

Die im Dorf lebenden Menschen, wortkarge, wettergegerbte Fischer vor allem, sind dem Ermittler dabei keine Hilfe, verwirren ihn mit ihren spärlichen Informationen. Auch die junge Catherine, die Anschluss sucht und nicht wirklich findet, kommt den Einwohnern nicht recht nah. Dabei spielt im Grunde das Meer die Hauptrolle in diesem recht düsteren Roman.

So recht fand ich nicht den Zugang, weder zur Handlung noch zu den Handelnden. Der Kommissar Joaquín Morales, seinen mexikanischen Wurzeln zum Trotz auf die Frage nach seiner Herkunft stets Montreal nennend, ist sympathisch-verpeilt. Seine Sorgen um seine Ehe, seine altersbedingten Grübeleien kollidieren mit seiner Tätigkeit, lenken ihn ab von den Ermittlungen. Weiterlesen

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Guillermo Martinez: Der langsame Tod der Luciana B.

Schon die beiden im letzten Jahr erschienenen Kriminalromane des argentinischen Autors haben mir sehr gut gefallen. Doch dieser neue toppt die anderen sogar noch. Die Erzählweise, die altmodisch-fesselnde Handlungsstruktur, die geheimnisvollen Figuren – all das passt perfekt und ergibt einen hochspannenden Krimi.

Der Ich-Erzähler ist Schriftsteller, noch am Anfang seiner Karriere. Als er wegen eines gebrochenen Arms eine Schreibkraft einstellen muss, engagiert er die junge Luciana, Studentin und normalerweise für den berühmten Kriminalschriftsteller Kloster tätig. Doch dieser ist gerade auf mehrwöchiger Reise, so dass Luciana dem Erzähler – der den ganzen Roman über namenlos bleibt – aushelfen kann. Er verfällt im Laufe der kurzen Wochen, die Luciana für ihn arbeitet, ihrer Schönheit, doch im Grunde geschieht nicht viel mehr als ein kurzer Kuss. Danach verlieren sie sich aus den Augen.

Zehn Jahre später jedoch kontaktiert Luciana ihn erneut und bittet um ein Treffen. Als er sie wiedersieht, ist er entsetzt von ihrem Aussehen. Völlig verstört, frühzeitig gealtert und abgemagert erscheint sie. Und sie erzählt von den Geschehnissen der vergangenen Jahre, wie ihre Familienmitglieder nacheinander verstarben, teils unter mysteriösen Umständen. Weiterlesen

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Christoffer Holst: Gefährliche Mittsommernacht

Krimi oder Romanze? Auch als Autor mit analysierendem Blick auf Inhalt und Stil wird mir erst zur Mitte des Romans klar, wo der Genre-Schwerpunkt dieses Cross-Over-Romans von Christoffer Holst liegt oder liegen soll. Dafür werden sofort wohltuende Assoziationen wach: Von Smørrebrød (dem Klang der Ortsnamen wegen, obwohl die Geschichte in Schweden spielt) hin zu Bestsellern aus dem Heyne-Verlag. Wegen der Ich-Perspektive und der Ironie, die einem aus jeder Zeile entgegenlacht, vergleiche ich die „Gefährliche Mittsommernacht“ unwillkürlich mit Karsten Dusses Reihe „Achtsam morden“.

Aus Frust über das Ende ihrer Beziehung entflieht die Journalistin Camilla Storm, genannt Cilla, der Großstadt Stockholm auf die winzige Insel Bullholmen, wo sie in ein Schrebergartenhäuschen einzieht. Gleich in der ersten, der Mittsommernacht beobachtet sie den heftigen Wortwechsel eines jungen Paares. Am nächsten Morgen wird die Leiche des Mädchens am Badestrand aus dem Wasser geborgen, und Cilla muss dem Polizisten Adam Rede und Antwort stehen. Das Knistern zwischen ihr und dem attraktiven Ermittler macht die Lösung des Falles nicht einfacher. Weder von der Suche nach Spuren und Motiv noch von der Achterbahn ihrer Gefühle her. Auch nicht nach einem zweiten Mord. Weiterlesen

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Christine Cazon: Lange Schatten über der Côte d‘Azur

Mit „Lange Schatten über der Côte d’Azur“ ist nun der achte Band der Krimireihe um Kommissar Léon Duval bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Wie der Titel schon besagt, spielt auch die Handlung dieses Romans an der Côte d‘Azur. Genauer gesagt in Cannes. Dort lebt und arbeitet Kommissar Duval zusammen mit seiner Lebensgefährtin Annie und seiner kleinen Tochter Julie.

Duval wird auf den historischen Friedhof Le Grand Jas in Cannes gerufen, wo auf dem Grab einer 1942 verstorbenen Familie jüdischer Herkunft die Leiche eines Mannes gefunden wurde. Die Identität des Toten ist zunächst unbekannt. Hinweise auf den Täter oder die Tatwaffe sind auch nicht zu finden. Daher beginnt Duval mit seinen Nachforschungen, indem der versucht, mehr über das Grab und die verstorbene Familie herauszufinden. Dabei taucht er immer tiefer in die französische Geschichte dieser Zeit und die Judenverfolgung ein.

Da ich die vorherigen Bände der Serie nicht kannte, war ich gespannt, wie mir der Einstieg gelingen würde. Es war völlig unproblematisch. Die Autorin schreibt leicht und locker, Weiterlesen

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Alida Leimbach: Tod unterm Nierentisch

In einer interessanten Zeit lässt die Autorin ihren Kriminalroman spielen. 1954, während der Fußballweltmeisterschaft, wird in Osnabrück ein angesehener Friseur erschossen. Nicht nur unter den Kunden, auch innerhalb seiner Familie gibt es reichlich Verdächtige. Derer annehmen muss sich Kommissar Johann Conradi. Dieser wird nicht nur durch seinen unsympathischen Vorgesetzen genervt, er leidet auch noch immer heftig unter dem Tod seiner Frau und seines Kindes, die bei einem Bombenangriff während des Krieges starben.

Rolf Schmalstieg, das Mordopfer, lebt in einer sogenannten „Onkel-Ehe“ mit Lieselotte zusammen. Sie hat drei Kinder aus ihrer Ehe mit Otto Korittke, der nicht aus dem Krieg heimkehrte und den sie für tot erklären ließ, und zwei Kinder von Rolf.

Doch am Tag vor dem Mord steht Otto plötzlich im Frisiersalon. Aber nicht nur Otto gerät in Verdacht, auch Lieselottes Sohn Karl hätte ein Motiv, seinen „Stiefvater“ zu töten. Ebenso wie ein ehemaliger Soldat, der von Rolf im Krieg im Stich gelassen worden war. Bis es dem Kommissar gelingt, die Spuren richtig zu deuten, die Motive zu beleuchten, vergehen etliche Tage. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Vanitas: Rot wie Feuer

Endlich erfahren wir das Ende der Geschichte von Carolin, der Wiener Friedhofsgärtnerin, die sich vor ihren Verfolgern durch eine falsche Identität schützt. Wie schon im zweiten Band der Trilogie „Vanitas: Grau wie Asche“ ist die Protagonistin in großer Gefahr. Nur hat sie sich diesmal selbst hineinbegeben.

Carolin Bauer, so ihr falscher Name, ist ständig auf der Flucht vor einem Gangsterboss, gegen den sie ausgesagt hatte, woraufhin sie eine neue Identität erhielt. Nun hat sie, nach den dramatischen Ereignissen in Wien, die im vorigen Band geschildert wurden, die Stadt verlassen und ist nach Frankfurt zurückgekehrt. Der Stadt, in der ihr größter Feind zu Hause ist, wo ihre Verfolger ihren dubiosen und illegalen Geschäften nachgehen. Sie hat beschlossen, aus der Gejagten zur Jägerin zu werden. Ihr in die Hände spielt die Konkurrenz zwischen zwei gefährlichen Gangsterbanden, der russischen, die ihr auf den Fersen ist und einer armenischen. Diese hetzt Carolin nun mit perfiden Tricks gegeneinander auf.

Auch dieser dritte und letzte Teil der Trilogie ist wieder hochspannend. Carolin gerät von einer lebensgefährlichen Situation in die nächste, in letzter Minute stets entkommend, wobei ihr oft der Zufall zu Hilfe kommt. Aus ihrer Zeit als Mitglied der russischen Gangsterbande kennt sie viele der Verbrecher und muss daher aufpassen, von diesen nicht erkannt zu werden. Gleichzeitig aber hat sie gerade dadurch auch viele Tricks und Ideen, schlägt die Gangster mit ihren eigenen Waffen. Weiterlesen

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Inga Vesper: In Aufruhr

1959, an einem Sommertag in Santa Monica beschließt Joyce, ihren Mann ein letztes Mal zu küssen und ihr Leben von Grund auf zu ändern. Am gleichen Tag meldet Ruby der Polizei ein Verbrechen. Die junge Putzfrau wird kurz darauf von der eintreffenden Polizei rüde behandelt und verhaftet. Niemand hilft ihr. Über 24 Stunden bibbert sie in ihrer Zelle vor Angst. Niemand befragt sie, niemand glaubt ihr. Sie wird wie eine rechtlose Person behandelt, mit der ein Polizist machen kann, was er will. Als Detektive Blanke sie erst nach Sichtung des Tatortes sehen darf, sieht Ruby einen Hoffnungsschimmer. Der Neue im Revier glaubt ihr und gibt ihr die Freiheit zurück.

Blankes Chef ist darüber verärgert, denn für ihn ist Ruby die Hauptverdächtige bei einem möglichen Verbrechen ohne Leiche. Ruby ist eine junge Farbige und trägt in seinen Augen ein Schild auf dem Rücken: „Schwarze sind immer schuldig.“

Inga Vesper hat in ihrem ersten Kriminalroman, übersetzt von Katharina Naumann und Silke Jellinghaus, die Thematik Abhängigkeit verpackt, die sie schon lange beschäftigt. In der Anmerkung der Autorin findet sich hierüber die Geschichte aus den Neunzigern, als ihr Englischlehrer das Leben im amerikanischen Traum lobte: Ein Vorstadthaus, Dad und zwei gesunde Kinder am Esstisch und Mom, die einen Truthahn serviert. Die Autorin fand es gruselig Weiterlesen

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Jérôme Loubry: Der Erlkönig

Dieser Krimi ist so verwunden, so verschachtelt, dass wohl niemand imstande ist, das Ende vorauszuahnen. Leider hat mir jedoch der ungelenke Schreibstil die Freude an der Lektüre verdorben.

Die Journalistin Sandrine soll den Hausstand ihrer verstorbenen Großmutter auflösen. Sie hat ihre Großmutter nie kennengelernt, die immer auf einer Insel lebte. Diese Insel war für andere Menschen tabu und sie selbst durfte sie nie verlassen. Als Sandrine auf der Insel ankommt, begegnen ihr mehrere alte Leute, die ihre Großmutter kannten und schätzten.

Ihre Großmutter Suzanne war 1949 auf die Insel gekommen als Betreuerin für eine Gruppe Kinder, die hier die traumatischen Kriegserlebnisse verarbeiten sollten.

Einige Tage nach ihrer Ankunft auf der Insel wird Sandrine blutverschmiert am Strand des Festlandes gefunden, ohne Erinnerung, immer wieder vom Erlkönig erzählend, der die Kinder hole. Kommissar Damien Bouchard wird mit dem Fall betraut. Er hat selbst mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen, denn vor Jahren verschwand seine eigene Tochter spurlos. Weiterlesen

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Jürgen Klahn: Bio-Tod: Ein Hygge-Krimi

Gerade als Kommissar Jens Peter Jensen mit seiner Wochenendbeziehung Grete in eine Urlaubswoche starten will, erreicht die Meldung von einem Mord das Kommissariat.  Die resolute Umweltaktivistin Britta Gronbaek wurde in ihrem Haus ermordet.

Obwohl eigentlich schon in Urlaub, kann es Jensen dennoch nicht lassen, am Tatort vorbeizuschauen. Zu gerne wäre er gerne bei den Ermittlungen dabei, aber Grete ist inzwischen ankommen und erwartet ihn. Glücklicherweise teilt sie seine kriminalistische Leidenschaft mit ihm. Wie mit einer Lupe betrachtet der Autor die Verdächtigen, die Jensen und seine Grete ins Fadenkreuz nehmen. Denn natürlich können sie nicht untätig bei der Aufklärung eines Mordes zusehen, sondern beteiligen sich tatkräftig am Geschehen.

Hat der Schweinezüchter Vendelbo Britta Gronbaek ermordet? Grund dazu hätte er, war sie doch tatkräftig mit dabei, als Tierschützer in einer spektakulären Nacht- und Nebel- Aktion seine Schweine freigelassen haben. Oder kommt der Besitzer der fleischverarbeitenden Fabrik als Mörder in Frage? Oder gar ihre Freundin und Konkurrentin, das Ex-Model Vera Clement? Und was ist mit deren Gärtner? Ist der am Ende der Mörder? Weiterlesen

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Frida Gronover: Dänische Gier

Als regelmäßiger Skandinavienurlauber spricht mich der Titel natürlich an. Und so wage ich mich an den dritten Band der Krimi-Reihe von Frida Gronover heran. Bisher war mir die Autorin unbekannt.

Die 1969 im westfälischen Hamm geborene Autorin studierte Pädagogik und Kunsttherapie an der Universität Münster. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet sie freiberuflich als Klinik-Therapeutin. Von Literatur begeistert begann sie  begann sie selbst Geschichten zu erzählen und fand Zugang zum Krimigenre.  Unter ihrem bürgerlichen Namen veröffentlichte sie bereits eine Reihe Münsterland-Krimis. Im Jahr 2018 erschien ihr erster Krimi unter dem Pseudonym Frida Gronover: „Ein dänisches Verbrechen“. Die Insel Falster in der dänischen Südsee bietet für sie die ideale Bühne ihrer Romane, da sie in ihrer Kindheit zahlreiche Sommer auf Falster verbrachte. Seitdem fühlt sie sich der Insel sehr verbunden. Frida Gronover lebt zusammen mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihren Haustieren auf dem Land in Nordrhein-Westfalen.

Gitte Madson lebt seit einem knappen Jahr in Marielyst, einem kleinen Dorf auf der Insel. Sie arbeitet als Bestatterin beim Bestattungsinstitut von Paul Larstsen. Ihr eilt der Ruf voraus, über Leichen zu stolpern. Und da passiert es auch schon. Gitte und Paul sind zu einem Richtfest am Strand eingeladen. Der Hausherr bietet seine Getränke in Särgen an. Als der Polier August Borg einen missglückten Richtspruch (das Glas zerbricht nicht) hinlegt, gehen die ersten von einem schlechten Omen aus. Das Unglück lässt nicht lange auf sich warten. Weiterlesen

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