Gestatten: Toxic, also eigentlich Tomislav Bokšić, gebürtiger Kroate, von Beruf Profikiller bei der kroatischen Mafia. Bisher hat er 66 Aufträge erfolgreich ausgeführt. Na gut, Nummer 66 hatte einen Schönheitsfehler, der Typ war vom FBI. Deswegen ist Toxic jetzt auf der Flucht. Beim Check-in am Flughafen entgeht er nur knapp einer Verhaftung, indem er, professionell, aber ungeplant und deswegen recht riskant, die Identität von Nummer 67 „übernimmt“. Dumm nur, dass sich hinter Nummer 67 der Prediger David Friendly verbirgt, welcher auf dem Weg nach Reykjavik ist. Dort wird er, also Father Friendly, schon erwartet, er ist in eine Fernsehshow eingeladen. Toxic spielt mit, er lebt für einige Tage bei einem isländischen Priester und dessen Frau und tritt mehrmals in der Show auf. Die Tochter der Familie erweist sich als „Tag 1“-Frau: „Wenn sie die einzige Frau in unserer Einheit wäre und wir einen Monat in den Bergen festsäßen, würde ich am Tag 1 anfangen, vor ihr zu träumen.“ (S. 47) Weiterlesen
Krimi & Thriller
Simon Beckett: Die Verlorenen
Simon Beckett gibt dem ersten Band seiner neuen Thrillerserie den Titel Die Verlorenen. Gemeint sind die Menschen, denen nicht mehr geholfen werden kann. Sie leben außerhalb der Reichweite einer Gemeinschaft und erfahren weder Schutz, noch erleben sie ein faires Rechtssystem. Ihr Alltagsleben wird ein gezinktes Pokerspiel, bei dem sie nie die richtigen Karten haben werden. Sie verlieren. So oder so. Jonah Colley arbeitet in einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei. Für diesen Job muss er in jeder Hinsicht fitt sein. Körperlich und seelisch. Doch seit zehn Jahren befindet er sich in einer Art Schockstarre und funktioniert nur noch. Privat hat er alles verloren. Sein Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben hat ihn isoliert. Jetzt steht er für sich allein.
Völlig überraschend ruft ihn ein alter Freund an und bittet ihn um ein heimliches Treffen an einem gottverlassenen Ort. Natürlich mitten in der Nacht.
„Du bist der Einzige, dem ich vertrauen kann.“ (S. 12) sagt der Freund.
Als Jonah zum Treffpunkt kommt, findet er vier Opfer eines Serienkillers. Recht schnell lernt er auf die harte Tour, was es bedeutet, einen Mörder bei seiner Arbeit zu stören. Weiterlesen
Wolf Harlander: 42 Grad
Deutschland erleidet eine nie dagewesene Dürre. Monatelang regnet es nicht und das bei großer Hitze. Europa trocknet aus. Hausbrunnen versiegen, in den Großstädten wird die Versorgung mit Trinkwasser reglementiert, der Rhein ist ein Rinnsal, wie alle anderen großen europäischen Flüsse auch. Wälder brennen, die Autobahnen sind nahezu unpassierbar, weil in der Hitze den Asphalt schmilzt. Unzählige Menschen versuchen in den Süden des Landes zu fahren, In Bayern fließt das Wasser noch regelmäßig aus den Hähnen. Schuld an der großen Wassernot ist das schon erwähnte „Jahrtausend-Hoch“ und ein Erdbeben mit Epizentrum in Italien, das tektonische Verschiebungen im Erdinneren verursacht, Wasserläufe verlegt und zum Versiegen gebracht hat.
Zwei Wissenschaftlern ist die Brisanz der Lage als Einzige bewusst: Elsa Forsberg, die als IT-Spezialistin und Daten-Analystin bei der europäischen Umweltagentur arbeitet, und Julius Denner, einem jungen Hydrologen. Beiden glaubt man an höchster Stelle in Brüssel aber nicht. Elsa hat als ehemalige Umweltaktivistin keine weiße Weste und sie gerät sogar in den Focus polizeilicher Ermittlungen. Zeitgleich eilt der Experte für Wasserwirtschaft Noah Luethy in ganz Europa von Wasserwerk zu Wasserwerk, weil die Versorgung zusammenzubrechen droht. Weiterlesen
Andreas Föhr: Unterm Schinder
Beim Versuch, seine attraktive Kollegin Lisa mit einer inszenierten Schießerei zu beeindrucken, entdeckt Polizeiobermeister Kreuthner von der Polizeidienststelle Miesbac
h in einem leerstehenden Bauernhof eine Frauenleiche. Diese wurde in einer Tiefkühltruhe versteckt. Es handelt sich um Carmen Skriba, Eigentümerin mehrerer Fitnessstudios. Sie wurde durch einen Kopfschuss getötet.
Kommissar Clemens Wallner macht sich mit seinem Team an die Ermittlungen und findet heraus, dass Frau Skribas Ehemann Gerry vor zwei Jahren ebenfalls erschossen wurde. Die geständige Täterin, eine Hausangestellte mit kriminellem Vorleben, sitzt hinter Gittern. Wallner eilt in die Justizvollzugsanstalt und erfährt in einigen Gesprächen mit besagter Hausangestellten interessante Details. Polizeiobermeister Kreuthner befragt inzwischen eingehend seinen Vater, der in zwielichtigen Kreisen alte Bekannte und auch noch eine Rechnung offen hat. Durch kuriose Verwicklungen findet sich Wallner als Drogendealer wieder, spielt plötzlich die Entführung einer Minderjährigen 1998 eine wichtige Rolle, führen alle Hinweise zu einer halbseidenen Autohändlerszene in Düsseldorf und muss ein abgeschlossener Fall gegen den zähen Widerstand des Staatsanwaltes neu aufgerollt werden. Weiterlesen
Alex Michaelides: Die verschwundenen Studentinnen
Marianna ist noch tief verfangen in der Trauer um ihren Mann. Da erhält sie einen Anruf von ihrer tochtergleichen Nichte Zoe, in deren Wohnheim in Oxford habe es einen Mord gegeben und vielleicht sei es ihre beste Freundin. Marianna ist Traumatherapeutin, also durchaus geeignet, Zoe und gegebenenfalls ihren Freundinnen beizustehen. Sie macht s
ich auf den Weg nach Oxford, wo sie vor Jahren selbst studierte und auch ihren Mann kennenlernte.
Vor Ort erweist sich die Lage als viel undurchsichtiger als angenommen. Zoe verdächtigt den charismatischen Professor, der angeblich vielen Studentinnen näher als erlaubt gekommen ist. Die Polizei glaubt bereits einen Täter gefunden zu haben und Marianna glaubt sich von griechischen Göttern verfolgt. Weiterlesen
Catherine Ryan Howard: The Nothing Man
Nachts dringt er in einige Häuser im Landkreis Cork ein. Unbemerkt beobachtet er seine zukünftigen Opfer, spielt seine Machtspielchen, um schließlich die Frauen zu vergewaltigen und teilweise zu ermorden. Eve überlebt im Alter von zwölf Jahren die Mordserie und verliert dabei Mutter, Vater und ihre kleine Schwester A
nna. Danach verlieren sich die wenigen Spuren des Mörders im Nichts.
Die irische Presse nennt ihn The Nothing Man. Das Rätsel über seine Identität ruht fast zwanzig Jahre, bis Eve ein Wagnis eingeht. Sie schreibt über seine Opfer ein Buch. Und sie kündigt sowohl in ihrem Buch als auch in der Presse an, in Kürze die Identität des Mörders ihrer Familie bekanntzugeben. Sie glaubt, wenn möglichst viele Sesseldetektive ihr Buch läsen, dann würden die fehlenden Spuren ein konkretes Bild zusammensetzen, und The Nothing Man bekäme ein Gesicht und einen Namen.
Die Irin Catherine Ryan Howard wurde in Cork geboren. Sie lebt in Dublin und schreibt fesselnde Thriller. Ihr aktuelles Buch hat in ihrem Land zu Recht die Bestsellerliste erobert Weiterlesen
Andreas Winkelmann: Die Karte
Der erfahrene Kommissar Jens Kerner befindet sich an einem Punkt, an dem seine Arbeit eine Bürde geworden ist. Dies liegt auch an der Kollegin, die seit einer Weile wegen Krankheit fehlt. Schaut er auf sein Leben zurück, blickt er auf zwei gescheiterte Ehen, eine leere Wohnung, ein leeres Leben.
Was macht ein Kommissar, der keine Leichen mehr sehen kann und aktuell einen brutalen Serienmörder fangen muss?
Andreas Winkelmann gehört zu den erfolgreichen Thrillerautoren. Er schreibt als überzeugter Naturliebhaber und „Outdoorfreak“ ebenfalls Sachbücher. Während in seinen Thrillern das Perfide, Brutale auf die eine oder andere Weise gestoppt wird, lebt er privat mit seiner Familie zurückgezogen in einem alten, in seinen Augen gruseligen Bauernhof, weit weg von anderen Menschen.
In seinem aktuellen Thriller geht es nur vordergründig um die Ermordung schöner selbstbewusster junger Frauen in der Hansestadt Hamburg. Seine verschiedenen Protagonisten zeigen sich von ihrer menschlichen Seite. Sie treiben Sport, pflegen in den sozialen Medien Freundschaften, zweifeln, haben Angst und machen Fehler. Mal reflektieren sie ihr Handeln und versuchen aus ihrem verhängnisvollen Kreislauf auszubrechen oder sie stolpern, bis sie am Boden liegen. Insbesondere der ermittelnde Kerner erfährt sehr schnell, dass jede seiner Entscheidungen Folgen haben wird, manche kommen ohne Vorankündigung wie ein Faustschlag. Weiterlesen
Ursula Poznanski: Blutkristalle
Auf gerade einmal 80 Seiten schafft es die bekannte österreichische Autorin, die Leserin zu fesseln, zu erschrecken und zu überraschen. In diesem neu-deutsch Short-Read genannten Kurz-Thriller erzählt sie aus der Perspektive des Antagonisten. Wolfram ist ein Stalker. Er verfolgt Ella, der er in Liebe verfallen zu sein glaubt. Ella aber liebt Paul. Die beiden planen eine mehrtägige Winterwanderung im Gebirge, über teils lebensgefährliche Wege und Pässe. Diese Gelegenheit will Wolfram nutzen, um sich seines vermeintlichen Nebenbuhlers zu entledigen. Minutiös bereitet er alles vor, wartet auf Ella und Paul am Rande einer Schlucht …
Es fasziniert mich jedes Mal wieder, wie Ursula Poznanski Atmosphäre schafft, Charaktere entwickelt und Spannung erzeugt. Und dies nun in einer Form, die nicht viel mehr als eine Erzählung ist, ihren anderen Thrillern aber in nichts nachsteht. Besonders geschickt ist es, Wolfram immer wieder, wie in einem Selbstgespräch, Dialoge führen zu lassen, ohne dass man erkennen könnte, mit wem er spricht. Allein dies ist schon ein erhebliches Spannungsmoment, vermutet man dahinter doch eine Art von Schizophrenie. Weiterlesen
Beate Maxian: Die Tote im Kaffeehaus
Wien ist bekannt für den Prater, die Hofreitschule, Schloss Schönbrunn und zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten. Mit dieser Stadt fest verbunden ist aber auch deren weltberühmte Kaffeehauskultur. Vor deren Hintergrund spielt der neue Kriminalroman der österreichischen Autorin Beate Maxian.
Marianne Böhm, die Grande Dame der Kaffeehaus-Dynastie Böhm regiert das tradition
sreiche Familienunternehmen trotz ihres fortgeschrittenen Alters uneingeschränkt und mit starker Hand. Ihren Sohn Clemens, der die Cafés gerne modernisieren würde, hält sie weitgehend aus der Geschäftsführung fern. Sie scheint andere Pläne für ihre Nachfolge zu haben. Bevor sie diese jedoch in die Tat umsetzen kann, verstirbt sie plötzlich und unerwartet während eines Interviews, das die Journalistin Sarah Pauli mit ihr führt. Ort des Todesfalls: ein Kaffeehaus. Weiterlesen
Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle
Pünktlich zum angekündigten Erscheinungsdatum liegt er im Buchhandel vor: Kommissar Dupins 10. Fall! Für den Autor sicherlich ein Grund zu feiern. Für den Kommissar auch, Duplizität der Ereignisse, der selbst sein zehnjähriges Dienstjubiläum begehen soll. Wer hier an Zufall glaubt unterschätzt die dramaturgischen Schachzüge des Autors. Auch das Erscheinungsdatum ist sorgfältig geplant. In die erste Hitzewelle des Jahres 2021 placiert sich dieser Krimi als Sommer- und Urlaubslektüre. Dass am bretonischen Schauplatz seinerseits eine Hitzewelle den Menschen den Schweiß auf die Stirn treibt, mag nun wirklich ein meteorologischer Zufall sein.
Wiederum kein Zufall ist, dass an der Küste Concarneaus eine männliche Leiche gefunden wird. Der Tote kann schnell identifiziert werden. Er war Schafzüchter und lebte auf der schönen Urlaubsinsel Belle Ile vor Quiberon. Ebenso zügig konnte die Todesursache ermittelt werden: Er wurde ermordet. Kommissar Dupin hat eine harte Nuss zu knacken. Doch zunächst muss er die Fahrt mit dem Polizeiboot überstehen, ohne Seekrank zu werden.
Als Schauplatz der Ermittlungen hat der Autor, der unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec schreibt und Jörg Bong heißt, einen der, wenn nicht den schönsten Ort der Bretagne ausgewählt. Mit seiner Wahl bleibt er seiner Tradition treu und entfaltet hier seine große Liebe für diese Landschaft. Er nimmt die Lesenden mit und ermöglicht ihnen ein kriminalistisches Reiseerlebnis mit allen Sinnen. Weiterlesen