Der Komponist Dimitri Schostakowitsch schrieb das Opus 77, als Stalin regierte. Es war sein erstes Violinkonzert und zugleich seine Antwort auf die allgegenwärtige Unterdrückung. „Nie hat Musik wohl mehr den Kampf des Lichts gegen die dunklen Mächte symbolisiert.“ (S. 147)
Ausgerechnet dieses Werk spielt die Pianistin Ariane Cleassens anlässlich der Beerdigung ihres Vaters, der in Genf ein berühmter Dirigent war. Sie widmet ihr Konzert auch ihrem abtrünnigen Bruder David, der mit dem gemeinsamen Vater sein ganzes Leben lang tiefgreifende Differenzen austrug. Denn nie hörten Ariane und David ein Lob. Also spielten sie gemeinsam um ihr Leben und gaben sich dabei gegenseitig Halt.
Und während Ariane zum Abschied für Vater und Bruder dieses Opus spielt, lässt sie ihre schwierige Kindheit mit dem häufig abwesenden Vater Revue passieren. Sie denkt unter anderem an ihren geliebten Bruder, der im Finale des Concours Reine Elisabeth auftrat. Die wichtigsten Kritiker verfolgten diesen Kraftakt, bei dem es für den Solisten nur wenige Pausen gibt.
Davids alter Lehrer meinte, um Opus 77 zu spielen, müsse man ganz unten gewesen und dort eine Weile geblieben sein. Für David war dies kein Problem, denn er war ganz unten angekommen. Nun ging es dank seines Talents und seiner exzellenten Technik aufwärts. Ariane erlebte ein tiefgreifendes Konzert, das sie niemals vergessen wird. Auch für den Dirigenten, Davids Vater, blieb es unvergesslich. Weiterlesen








Die Originalausgabe von „Tage des Verlassenwerdens“ erschien bereits 2003 und ist Elena Ferrantes zweiter Roman. Schon nach wenigen Zeilen ist man gefangen in der traurigen Geschichte mit einer unglücklichen Protagonistin, die bis zum Ende nicht mehr loslässt.