Deborah Levy: Black Vodka

deboMenschen unterwegs, bei Abschieden, Trennungen und der Suche begleitet die südafrikanische Autorin Deborah Levy in den zehn Kurzgeschichten in ihrem Band „Black Vodka“. Meist sind es flüchtige Begegnungen – im Restaurant, in Prag, Wien oder London. Und selten machen sie Hoffnung. Nur in der letzten Geschichte erzählt die 55-Jährige, die mit ihrem Buch „Heim schwimmen“ Finalistin des Booker-Preises war, sehr schön, dicht und liebenswert von einem besseren Leben, das zwei Waisenkinder suchen und finden. In Bilder schreibt Deborah Levy und schält die Geheimnisse der Figuren nicht immer ganz heraus. Manchmal bleiben sie rätselhaft und immer sind diese Anti-Helden sie melancholisch und taumeln am Abgrund.

Deborah Levy: Black Vodka.
Verlag Klaus Wagenbach, August 2014.
128 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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Arno Geiger: Selbstporträt mit Flusspferd

Geiger_24761_MR2.inddIn seinem neuen Roman „Selbstporträt mit Flusspferd“ gelingt es dem Gewinner des Deutschen Buchpreises von 2005, Arno Geiger, hervorragend, sich in die Psyche eines 22-Jährigen namens Julian hineinzuversetzen.

Das unfertige Wesen dieses jungen Mannes auf der Schwelle zwischen Jugend und Erwachsensein wird wohl am besten in seinen Gedanken auf Seite 276 zusammengefasst: „Gehe ich nach rechts oder links? Wird eine stabile Persönlichkeit aus mir oder ein Niemand, der nichts auf die Reihe kriegt? Finde ich meinen Platz oder gehe ich unter?“ Solche oder ähnliche Gedanken dürften viele Menschen in seiner Generation haben – was dieses Buch so allgemeingültig und lesenswert macht. Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Romeo und Julia in Vigata

Camilleri_Marchese_P04.inddDie Menschen in Vigata, der Heimatstadt von Andrea Camilleris Commissario Montalbano, sind ein lustiges Völkchen. Auch im zweiten Kurzgeschichtenband des italienischen Bestsellerautors, „Romeo und Julia in Vigata“, lernen wir viele von ihnen kennen: das Liebespaar, das sich auf einem Maskenball verliebt und flieht, die beiden Eisverkäufer, die sich mit immer wieder neuen skurrilen Ideen einen eiskalten Wettstreit um die Kunden liefern, und Amalia, die seitdem sie als Sechsjährige beim Krippenspiel Maria war, die Madonna von Vigata ist. Weiterlesen

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Annalena McAfee: Zeilenkrieg

zeileDer Wunsch, berühmt und reich zu sein, scheint heute besondere Blüten zu tragen. Für ein paar Minuten medialer Aufmerksamkeit wird fast alles geopfert. Die einen fressen Maden, andere zeigen unverhüllte Tatsachen oder der seelische Striptease wird universal verkauft: zum Beispiel in der Presse, im Fernsehen oder als Buch mit sensationellen Enthüllungen, die dann auch noch für das Kino filmisch aufgearbeitet werden. Man könnte lange darüber streiten, wer in diesem Medienfeuerwerk das wahre Opfer ist. Derjenige, der sich bloßstellt oder diejenigen, die sich von den neuesten Nachrichten unterhalten lassen? Weiterlesen

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Helle Helle: Färseninsel

helleDie Ich-Erzählerin Bente hat es zufällig in ein kleines Kaff an die Küste Seelands verschlagen. Hier sitzt sie im Wartehäuschen einer Bushaltestelle. Da kein Bus mehr kommen wird, lässt Bente sich von John und Putte, zwei völlig Fremden, überreden, die beiden in ihr Haus zu begleiten, weil ein Unwetter vorausgesagt ist.
Bente bleibt nicht nur für eine Nacht, nein, sie nistet sich wie selbstverständlich bei John und Putte ein. Dabei will sie eigentlich weg vom Festland, will auf einer vorgelagerten Insel wohnen, um dort mit sich und ihrer Traurigkeit allein zu sein. Weiterlesen

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Josep Pla: Die Schmuggler

plaDie Reise nach Katalonien kann man sich sparen und stattdessen einsteigen in das Boot der Fischer, die der katalanische Autor Josep Pla im Kurz-Roman „Die Schmuggler“ übers Meer schickt. In Hafenstädtchen legen die beiden Fischer an und kosten ausgiebig die regionalen Spezialitäten – vorwiegend die aus dem Meer.
Mit an Bord auf der Tour entlang der Costa Brava ist ein Schriftsteller, dem das Boot früher gehörte und der es gleich wiedererkannt hat.
Pla erzählt die Geschichte wie ein Stillleben – aufaufgeregt auch dann noch, als sich ein Mistral zusammenbraut. Der Plan der Fischer ist keine Urlaubsreise; sie wollen Fahrradersatzteile von Frankreich nach Spanien schmuggeln. Ein nettes Buch für zwischendurch.

Josep Pla: Die Schmuggler.
Verlag Klaus Wagenbach, August 2014.
96 Seiten, Gebundene Ausgabe, 13,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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Robert Kisch: Möbelhaus

robRobert Kisch ist das Pseudonym eines Journalisten, der (nach eigener Aussage) einmal zu den ganz großen gehört hat. Mit dem Sterben der Printmedien und den Einsparungen, die damit einhergingen, ist etwas geschehen, womit er niemals gerechnet hätte: Er verliert seinen festen Job und bekommt auch als freier Journalist keine Aufträge mehr. Aber die Familie will ernährt werden und so nimmt er einen Job als Verkäufer in einem Möbelhaus an. Damit gerät er direkt in den Vorhof der Hölle. Das System besteht darin, dass die Verkäufer – Verzeihung, die Einrichtungsfachberater – nur auf Provisionsbasis arbeiten. Weiterlesen

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Hanif Kureishi: Das letzte Wort

hanifHanif Kureishi kennen Kinogänger wegen des Drehbuchs zum lebenslustigen Stephan-Frears-Film „Mein wunderbarer Waschsalon“ (1985) und Leser wegen seines herrlichen Romans „Der Buddha aus der Vorstadt“ (1990).

Nun liegt ein neues Buch des mittlerweile 60-jährigen Briten mit pakistanischem Vater vor: „Das letzte Wort“: Ein alternder Schriftsteller namens Mamoon engagiert den jüngeren Kollegen Harry, auf dass er die Biographie des Seniors schreibe.
Harry quartiert sich in Mamoons Landsitz ein, und versucht Details aus dem Leben des Älteren in Erfahrung zu bringen – ein Unterfangen, das sich als schwierig erweist, weil Mamoon sonderbarerweise alles andere als bereit ist, mit Harry zu reden … Weiterlesen

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Julia Jessen: Alles wird hell

hellWie ein Leitfaden zieht sich der Titel „Alles wird hell“ durch den Roman. – Das Gute ist hell, Schlechtes ist dunkel.
Julia Jessen beschreibt Hoch- und Tiefphasen ihrer Protagonistin Oda in einer Art Selbstfindungsprozess, der beim kleinen Mädchen beginnt und einschneidende Situationen bis ins hohe Alter aufzeigt.
Es ist eine Familiengeschichte, in der sich die Autorin vieler Metaphern bedient, mit Bildern aller Schattierungen jongliert. Weiterlesen

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Amy Hatvany: Ein Platz in deinem Herzen

amy„Später würde ich zurückblicken und mich fragen, was genau ich in dem Moment getan hatte, als Kelli starb.“

Dass sie keine Kinder haben möchte, steht für Grace schon seit Jahren fest. Deshalb scheint es wie ein Glücksgriff, als sie Victor kennenlernt, der aus erster Ehe bereits zwei Kinder hat und keine weiteren wünscht. In der Woche nach der Verlobung der beiden, stirbt jedoch Victors Exfrau Kelli und die 13-jährige Ava sowie der 7-jährige Max müssen beim Vater leben. In tiefster Trauer wird die junge Beziehung auf eine harte Probe gestellt und auch die Kinder müssen mit der veränderten Situation klarkommen. Weiterlesen

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