Will Wiles: Kein Leben ohne Minibar

keinDieser seltsame Roman wechselt ungefähr auf der Mitte sein Genre. Zuerst liest sich „Kein Leben ohne Minibar“ wie eine Kritik an der modernen Geschäftswelt, danach wird das Buch unvermittelt zum Horror-Schocker – und bleibt es bis zum Ende.

Neil Double hat einen Job, den es eigentlich gar nicht gibt. Er ist Messevertreter – heißt: Er geht stellvertretend für Geschäftsleute, die dazu keine Lust haben, auf Messen. Kein Wunder, dass die Organisatoren nicht unbedingt gut auf ihn zu sprechen sind: Double hält mögliche Besucher von ihren Messen fern. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Zeichnungen: Drei Erzählungen

dreiDrei Geschichten von jeweils ungefähr hundert Seiten sind in Reinhard Kaiser-Mühleckers Roman „Zeichnungen“ zu lesen.
Der Titel „Zeichnungen“ ist von der dritten Erzählung übernommen.
Jede Geschichte legt Hintergründe und Wahrheiten offen, die das Leben der Agierenden elementar beeinflusst haben und noch beeinflussen. Immer wieder holt die Vergangenheit das Jetzt ein. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße

endeIn fortgeschrittenem Alter blickt der Erzähler bei einer Rückkehr in die Heimatstadt in seine Kindheit zurück, beginnend mit seinem siebten Geburtstag, den er ganz ohne Gäste verbrachte. Eine recht trostlose Zeit beschreibt er, unter anderem terrorisiert vom neuen Kindermädchen seiner Eltern, das einfach keine Jungs zu mögen scheint. Aber die 11-jährige Nachbarin Lettie entführt ihn in eine andere Welt und wird zu einer wichtigen Stütze und Verbündeten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Gaby Köster: Die Chefin

chefIn ihrem Bestseller „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ hat Gaby Köster von ihrem Leben nach dem Schlaganfall erzählt. Die Heldin des neuen Romans der Comedy-Frau, „Die Chefin“, erinnert auch an die starke Gaby Köster: Marie war Rocksängerin, sitzt nach einem Schlaganfall im Rollstuhl. Eine Abenteuerreise durch halb Europa mit zwei rumänischen Kindern, die sie in der Nachbarwohnung beim Diebstahl erwischt hat, führt Marie zurück auf die Bühne. An ihrer Seite ist Muskelprotz Tarkan, auch ein Nachbar. Gemeinsam suchen sie die Eltern der Kinder, die von Verbrechern verschleppt wurden.
Mit viel Humor schreibt Köster dieses Roadmovie. Und Marie, die „Chefin“ ist so taff und schlagfertig wie sie selbst. Kurzweilig und unterhaltsam ist der Roman. Mut, das Leben nach einer Krankheit zu meistern, macht er auch.

Gaby Köster: Die Chefin.
Pendo, März 2015.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Tom Perrotta: Die Verlassenen

tomAm 14. Oktober vor drei Jahren verschwand ein nicht unerheblicher Teil der Weltbevölkerung spurlos und unerklärlich. Wo sie hingegangen sind, ist unklar. Doch jeder, der geblieben ist, kennt mindestens eine Person, die jetzt wie ausgelöscht ist. Den Bürgermeister Kevin trifft es sogar mehrfach. Eigentlich ist am 14, Oktober zumindest niemand aus seiner Familie verschwunden. Doch seine Frau und sein Sohn schließen sich verschiedenen Sekten an, die sich in Reaktion auf die Ereignisse gebildet haben. Viele Menschen sehen in dem Verschwinden der anderen das Wahrwerden der biblischen Entrückung. Kevin bleibt zurück mit seiner Teenagertochter, die ihr Image von der Einserschülerin zum Partygirl wandelt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Saphia Azzeddine: Mein Vater ist Putzfrau

putzDer junge Paul, genannt Polo, durchläuft die Höhen und Tiefen der Adoleszenz.
Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Seine Mutter ist seit einem Unfall ans Bett gefesselt. Seine Schwester, die nicht eben mit hoher Intelligenz gesegnet ist, konzentriert ihr Leben auf Schönheitswettbewerbe, an denen sie in beständiger Regelmäßigkeit erfolglos teilnimmt. Der Vater putzt in einer Reinigungsfirma und Polo begleitet ihn häufig bei den nächtlichen Putzeinsätzen.
Die Wohnung der Familie liegt in einem Pariser Vorort, in dem überwiegend Araberfamilien wohnen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Cecilie Enger: Die Geschenke meiner Mutter

cefiEigentlich ist der neue Roman der Norwegerin Cecilie Enger eine Autobiografie ihrer Kindheit. Aber ein Buch, das viele Töchter und Söhne etwas angeht: Die 51-Jährige schreibt über die Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter.
Die inzwischen 75 Jahre alte Mutter lebt im Pflegeheim. Beim Ausräumen des Elternhauses findet Cecilie eine Liste der Mutter. Fein säuberlich hat sie über Jahrzehnte notiert, wer wem welche Geschenke zu Weihnachten gemacht hat. Die Liste wird für Cecilie zu einer Kartei der Menschen, die im Leben ihrer Eltern aufgetaucht und wieder daraus verschwunden sind. Mit der Liste erinnert sich die Tochter an ihre Kindheit, an die Großmutter (eine Malerin), an die Großtante, die unter Depressionen litt, an Freude. Die Eltern haben sich scheiden lassen, aber auch das hat die Mutter jetzt vergessen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Michel Houellebecq: Unterwerfung

michelEs ist ja im Vorfeld viel geschrieben worden über diesen Roman. Meistens, dass er davon handeln würde, wie der Islam in Frankreich die Regierung übernimmt und wie begeistert Teile davon von der ehemals christlichen Bevölkerung adaptiert werden. Eine Beschreibung der modernen europäischen Gesellschaft, die sich selbst abschafft, weil sie sich überlebt hätte. Nach dem Attentat auf Charlie Hebdo war „Unterwerfung“ dann in allen Medien. Obwohl ich Houellebecq eigentlich als viel zu sperrig und zu verkopft schon ad Acta gelegt hatte, bin ich dann doch noch mal schwach geworden. Und dieser Roman ist wirklich anders, als die Vorgänger. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

T.C. Boyle: Hart auf Hart

hartViele Kritiker meinen, die heutigen Bücher von T. Coraghessan Boyle haben nicht mehr soviel Pep, Spannung und Esprit wie seine früheren Werke – etwa „Wassermusik“ (1982). Dem Amerikaner sei seine bei den Lesern so beliebte Fabulierlust abhanden gekommen.

Der neueste Roman des 1948 geborenen Kultautors jedoch – „Hart auf Hart“ heißt er – scheint diesen Trend zu stoppen. Das Buch ist spannend, psychologisch glaubwürdig und bevölkert mit allerlei skurrilen Figuren. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Deborah Levy: Black Vodka

deboMenschen unterwegs, bei Abschieden, Trennungen und der Suche begleitet die südafrikanische Autorin Deborah Levy in den zehn Kurzgeschichten in ihrem Band „Black Vodka“. Meist sind es flüchtige Begegnungen – im Restaurant, in Prag, Wien oder London. Und selten machen sie Hoffnung. Nur in der letzten Geschichte erzählt die 55-Jährige, die mit ihrem Buch „Heim schwimmen“ Finalistin des Booker-Preises war, sehr schön, dicht und liebenswert von einem besseren Leben, das zwei Waisenkinder suchen und finden. In Bilder schreibt Deborah Levy und schält die Geheimnisse der Figuren nicht immer ganz heraus. Manchmal bleiben sie rätselhaft und immer sind diese Anti-Helden sie melancholisch und taumeln am Abgrund.

Deborah Levy: Black Vodka.
Verlag Klaus Wagenbach, August 2014.
128 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: