Christian von Söchting ist ein erfolgsverwöhnter Anwalt. Kurz davor, einen Megadeal abzuschließen, eine renommierte amerikanische Kanzlei macht Fusionsangebote. Was will man mehr? Die einzigen Hindernisse sind das Schwarzgeldkonto des Vaters, das er auflösen soll, und der Seniorpartner der Kanzlei, der gegen die Fusion ist. Aber Christian ist davon überzeugt, dass er auch diese Probleme bald lösen wird. Nur, dass Freundin Charlotte ihn verlassen hat, trübt seine Stimmung. Dass er eine Putzfrau hat, merkt er nur daran, dass die Luxuswohnung regelmäßig in Ordnung gebracht wird und der 50 Euro Schein auf der Küchentheke verschwindet. Wer sie ist, weiß er nicht, Charlotte hatte sie damals eingestellt, schwarz. Weiterlesen
Belletristik
Cecelia Ahern: Das Jahr, in dem ich dich traf
Die Romane von Cecelia Ahern sind mehr als reine Liebesromane. Die Figuren sind meist besonders interessant. Immer sind die Bücher der 33-jährigen Irin Bestseller, oft werden sie verfilmt. Bei ihrem neuen Roman „Das Jahr, in dem ich Dich traf“ dürfte das schwer werden, denn es passiert nicht allzu viel auf den knapp 400 Seiten.
Jasmine wurde ein Jahr von der Arbeit freigestellt und langweilt sich nun zu Hause – so, wie auch oft die Leser dieses Buchs. Sie stürzt sich in die Gartenarbeit, ist Mutterersatz für die Schwester Heather, die das Downsyndrom hat, und lernt den alkoholkranken Nachbarn kennen. Weiterlesen
Carrie La Seur: Denn wir waren Schwestern
Der wichtige Anruf im Leben kommt meistens zu einem Zeitpunkt, wenn man ihn am wenigsten würdigen kann.
Für Alma ist dieser Anruf an einem Sonntagmorgen. Sie lebt als erfolgreiche Anwältin in Seattle und befindet sich gerade vor einem wichtigen Vertragsabschluss, von dem sich alle Beteiligten einen großen Profit versprechen. Als Belohnung wird Alma die Partnerschaft in der Kanzlei in Aussicht gestellt.
Almas wichtiger Anruf kommt aus dem Polizeipräsidium von Billings, Montana. Gerade sei die Leiche ihrer Schwester gefunden worden. Die Tochter Brittany befinde sich nun beim ermittelnden Beamten. Statt zu reden, habe sie Almas Visitenkarte vorgezeigt. Weiterlesen
Bettina Wündrich: Hochglanz
Bettina Wündrich weiß, wovon sie schreibt. Bevor die Münchnerin mit „Hochglanz“ ihr Romandebüt gab, war sie Chefredeakteurin bei vier bekannten Frauenzeitschriften. In dem Roman erzählt sie als Josephine, Chefredakteurin des Magazins „Happy“, vom Alltag des Cremetopf-Journalismus und vom Umgang mit den Reichen und Schönen auf Modeschauen.
Sehr überspitzt ist das, was all die Reporterinnen mit Schneewittchen-Gesichtern in dieser „Happy“-Welt erleben. Und Josephine hat die unliebsame Aufgabe, im Auftrag einer Spar-Managerin, mit weniger Geld mehr aus dem Magazin herauszuholen. Dabei gerät sie in ein Spiel von Macht und Intrigen. – Vergnüglich zu lesen, aber sehr leichte Kost.
Bettina Wündrich: Hochglanz.
rororo, Oktober 2014.
336 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Ralf Bönt: Das kurze Leben des Ray Müller
Das ist ein seltsames Buch. Man weiß nicht so recht, worauf Ralf Bönts „Das kurze Leben des Ray Müller“ hinauswill, was genau der Kern dieses Romans ist.
Ein Mann namens Marko Kindler – der Ich-Erzähler – sitzt im Wartezimmer eines Polizeipsychologen, weil er offenbar seinen zwei Wochen alten Sohn Ray entführt hat. Dass diese Geschichte nicht gut ausgegangen sein könnte, lässt bereits der Titel vermuten. Aber was es genau mit der Entführung auf sich hat und was dabei passiert ist, erfährt der Leser erst auf den allerletzten Seiten des Buches, und es nimmt einen vergleichsweise kleinen Teil ein. Weiterlesen
Kate Christensen: Das Ehespiel
Den Niedergang einer Ehe beschreibt die amerikanische Autorin Kate Christensen in ihrem Roman „Das Ehespiel“.
Harry und Luz sind seit 30 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder, als sie ihn aus der gemeinsamen Wohnung wirft, weil sie ihn verdächtigt fremdzugehen. Obwohl er das nicht tut, hat Luz kein Einsehen, bis sie schließlich sogar die Scheidung verlangt. Harry dagegen setzt alle Hebel in Bewegung, seine Frau zurückzuerobern. Weiterlesen
Susanne Fröhlich: Wundertüte
Geburt und Pubertät der Kinder, Trennung vom Mann, Wechseljahre. Die Leserinnen der Andrea-Schnidt-Romane von Susanne Fröhlich kennen das ganze Leben der Protagonistin. Jetzt ist der achte Band erschienen: „Wundertüte“. Und eine solche ist das Leben der schwäbischen Werbetexterin auch.
Tochter Claudia genießt nach dem Abi ihre Freiheit in Australien, Sohn Mark ist fast durch die Pubertät, Ehemann Christoph ist aus- und Andreas neuer Freund Paul, den sie am Ende des letzten Buchs kennengelernt hat, eingezogen in die Reihenhaus-Idylle. Weiterlesen
Joann Sfar: Der Ewige
Dass der Franzose Joann Sfar eigentlich Comic-Zeichner ist, merkt man seinem aberwitzigen und schrillen Debütroman „Der Ewige“ an. Die Geschichte ließe sich hervorragend in Bilder umsetzen. Und die wären zum Teil recht drastisch – die Farbe Rot für das viele Blut wäre eindeutig in der Übermacht. Aber wie sollte das bei einem Vampirroman auch anders sein?
Der Ukrainer Jonas stirbt auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Doch muss er bald feststellen, dass der Tod nur vorübergehender Natur war. Schon bald erwacht er als Vampir, immer noch verliebt in seine Jelena … Weiterlesen
Peter Richter: 89/90
Mit 15 mitten in der Pubertät hat man schon Probleme genug. Aber was macht man, wenn in dieser Situation zu allem Überfluss auch noch die Welt zusammenbricht? Mit dieser Frage beschäftigt sich Peter Richters autobiografischer Roman „89/90“. Er erzählt vom Ende der DDR aus der Sicht des jugendlichen Ich-Erzählers und seiner Freunde in Dresden.
Es macht Spaß, diesen Roman zu lesen, weil er auch sprachlich genauso rotzfrech geschrieben ist, wie 15-Jährige Jungs und Mädchen eben sind – nicht nur in der untergehenden DDR –, sodass man zwischendurch immer wieder laut auflacht oder auch leise vor sich hinkichert. Weiterlesen
Pierre Lemaitre: Wir sehen uns dort oben
Es gibt Bücher, die der Leser als wahren Glücksfall in der Literatur empfindet. Nach vielen Stunden kurzweiliger Lektüre, gepaart mit echter Anteilnahme, Spannung und Mitgefühl ist der Schlusspunkt vielmehr als nur das Ende eines Romans.
Der Autor Pierre Lemaitre hat in seinem wunderbaren Roman „Wir sehen uns dort oben“ eine aberwitzige Geschichte zum Leben erweckt, die so verrückt klingt, dass sie schon wieder wahr sein könnte:
Das Schicksal dreier Männer wird kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges an der Front verwoben. Da sind auf der einen Seite Albert und Édouard, die wie ihre kampfesmüden Kameraden nur noch überleben wollen. Weiterlesen