Michael Murgia: Murmelbrüder

michUnbeschwert ist die Kindheit der Jungs auf Sardinien, von der Michela Murgia in den „Murmelbrüdern“ erzählt. Jedenfalls so lange, bis die Kinder sich in die Kanalisation schleichen, die Ratten dort bekämpfen wollen und die heiß geliebte Palme im Garten des Pfarrers in Brand stecken.
Ausgerechnet der Geistliche entzweit daraufhin die traute Dorfgemeinschaft; fortan gibt es zwei Gemeinden, zwei Kirchen, viel Feindschaft und zwei Osterprozessionen.
In einer schönen Sprache erzählt die Autorin aus Sardinien in dem schön aufgemachten Buch aus dem Wagenbach-Verlag, wie eine doppelte Maria bei der Prozession wieder Frieden in die Gemeinde bringt.
Ein Buch über den Wert der Freundschaft, deren Keimzelle in Kindertagen gelegt wird.

Michael Murgia: Murmelbrüder.
Verlag Klaus Wagenbach, August 2014.
120 Seiten, Gebundene Ausgabe, 14,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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Howard Jacobson: Im Zoo

zooSchriftsteller sollten lieber nicht über Schriftsteller schreiben. Booker-Preisträger Howard Jacobson tut das im Roman „Im Zoo“ und liefert eine Satire auf den Literaturbetrieb und und eine Abrechnung mit Internet-Händlern, die er für den Niedergang des Buchhandels verantwortlich macht.
Die Briten kürten den Roman zum witzigsten Buch des Jahres, aber es fällt schwer, sich durch die 448 Seiten zu lesen, weil Jacobsons Held, der erfolglose Schriftsteller Guy Ableman, abstruse Sex-Fantasien und animalische Triebe hat, von denen man so genau gar nicht lesen will. Weiterlesen

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Ian McEwan: Kindeswohl

kindBei Ian McEwan ist es egal, über was er schreibt, gut ist es – fast – immer. Das Wörtchen „fast“ bezieht sich auf seinen vorigen Roman „Honig“ (2013), von dem einige Kritiker sagen, dass er etwas schwächer ist, als seine übrigen Werke. Sollte das stimmen, so hat der 1948 geborene Brite diese Schwäche spätestens mit seinem neuesten Roman „Kindeswohl“ überwunden.

McEwan schlüpft diesmal in den Kopf einer Familienrichterin am High Court in London. Sie muss nicht nur den Seitensprung und den Auszug ihres Mannes verdauen, sondern steht auch beruflich vor einer schwierigen Entscheidung. Weiterlesen

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Alfonso Pecorelli: Mord und andere kleine Geschenke des Himmels

mordGeldgier, Hass und enttäuschte Liebe treibt die Menschen in den sieben Kurzkrimis von Alfonso Pecorelli an. Es sind perfide Morde, von denen die meisten nicht aufgeklärt werden können.
Da ist das Ehepaar, das nach 40 Jahren Ehe aus Versehen einen Doppelmord begeht, das Liebespaar, das mit dem Fallschirm in den Tod rast – dabei wollten sich Marine und Jean-Luc doch nur gegenseitig überraschen. Eine Adelige mit schwarzer Mamba und eine Gräfin, die ungewollt einen Kinderschänder überfährt, aber noch ein anderes Geheimnis hat. Alles liebeswerte Menschen.
Etwas Versöhnliches gibt es zum Schluss: „Die schönste Geschichte der Welt“ auf einer Seite.

Alfonso Pecorelli: Mord und andere kleine Geschenke des Himmels.
WOA, September 2014.
127 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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Stephan Thome: Gegenspiel

gegenDer neue Roman von Stephan Thome – „Gegenspiel“ heißt er – ist ein literarisches Experiment. Der 1972 geborene Autor benutzt dieselben Figuren und teilweise dieselbe Handlung wie in seinem vorigen Werk „Fliehkräfte“ (2012) – nur dass diesmal nicht der Philosophieprofessor Hartmut Hainbach im Mittelpunkt steht, sondern seine Frau Maria Antonia Pereira, eine gebürtige Portugiesin.

Abwechselnd durch die Zeiten springend, zeichnet der Roman das Leben Marias nach, wobei es besonders um ihre Beziehungen zu verschiedenen Männern geht. Weiterlesen

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Anna Romer: Das Rosenholzzimmer

annaWeit holt Anna Romer in ihrem Debüt-Roman „Das Rosenholzzimmer“ aus und entwickelt diese australische Familiensaga am Schluss zu einem packenden Thriller.
In einem verwunschenen Anwesen spürt die Fotografin Audrey einem Mord, den ihr Großvater am Ende des Zweiten Weltkriegs begangen haben soll nach. Und immer mehr beschleicht sie der Verdacht, dass der Mörder nicht ihr Großvater war und noch lebt.
Die Krimihandlung ist in dem Roman relativ schnell vorhersehbar. Anna Romer packt etwas viel hinein in die Geschichte, auch ihre Begeisterung für die Natur und eine große Liebesgeschichte für die Tochter der Heldin. Das macht das Buch etwas ausschweifen, trotzdem ist das ein gelungenes Debüt.

Anna Romer: Das Rosenholzzimmer.
Goldmann, August 2014.
576 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

HB Seethaler_978-3-446-24645-4_MR.inddErst im letzten Drittel beeindruckte mich das Buch wirklich. Dann aber auch tief. Andreas Eggers Geschichte ist die eines Alpenländlers, von denen es bestimmt viele gab und gibt, ärmlich aber fest naturverbunden, wetterkundig und leidlich mürrisch. In Gasthäusern auf Eckbänken still die Suppe löffelnd und draußen steht der Schlitten, den der bärtige Wuchtling, eigenhändig, beladen mit den Vorräten eines Monats, auf seine einsame Hütte zieht. Die steht hoch oben am Hang mit gnadenloser Aussicht auf das Wetter von Übermorgen. In etwa so. Eine schwere Kindheit bei Adoptiveltern, auch schwer geschlagen in Armut und Glauben, mit ein paar Widerwärtigkeiten durch den Bauern und der still leidenden Bäuerin. Weiterlesen

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Andrea Lochen: Das Wunschjahr

dasAls Olive am Neujahrsmorgen ihre Augen aufschlägt, traut sie dem Anblick kaum. Neben ihr schläft seelenruhig ihr Exfreund Phil, von dem sie sich vor zehn Monaten getrennt hat. Wie ist sie bloß bei ihm gelandet? Hat er sie etwa von ihrer Silvesterschicht im Krankenhaus abgeholt? Nachdem auch Phil wach geworden ist, scheint es für ihn das natürlichste auf der Welt zu sein, dass sie beide gemeinsam die Nacht verbracht haben. Nach und nach kommt Olive zu einer schrecklichen Erkenntnis: Es ist als habe jemand ihr Jahr in der Nacht zurückgespult! Alle Ereignisse der letzten zwölf Monate haben für ihre Mitmenschen gar nicht stattgefunden, nur sie kann sich daran erinnern. Weiterlesen

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Steffanie Burow: Vulkantöchter

vulAls das Ehepaar Martin und Alexandra nach Malaysia reist, ahnt keiner von beiden, welche Reise ihnen wirklich bevorsteht. Sie erreichen nicht nur ein fremdes, exotisches Land, sondern begeben sich unbewusst auf die Spuren der Vergangenheit. Dabei gefällt es Alexandra vom ersten Moment an nicht und als ihr Mann auch noch eine Affäre mit einer Einheimischen anfängt, ist das Chaos perfekt. Martin kehrt ihr den Rücken und reist nach Indonesien. Doch so leicht lässt Alexandra sich nicht abschütteln. Mit Hilfe der Touristenführerin Birgit begibt sie sich auf seine Fährte. Es steht allerdings viel mehr auf dem Spiel als nur eine gemeinsame Rückkehr nach Deutschland. Weiterlesen

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Elizabeth Strout: Bleib bei mir

Bleib bei mir von Elizabeth StroutEin Pastor darf eigentlich nie in einer Lebenskrise sein. Er muss in der Gemeinde Trost spenden. In ihrem zweiten Roman, „Bleib bei mir“ , beschreibt die Amerikanerin Elisabeth Strout, was passiert, wenn ein Pfarrer trauert.

Dieser Tyler Caskey hat seine junge Frau verloren, seine ältere Tochter spricht seitdem kaum noch, das Baby lebt bei seiner Mutter im Nachbardorf.
Einfühlsam beschreibt die Pulitzer-Preisträgerin das Leben in der Kleinstadt, in der die Menschen den Pastor argwöhnisch beobachten.
Dieser Roman fasziniert nicht nur durch die ausnehmend schöne Sprache, in der Strout erzählt, sondern auch durch das sensible Porträt von Menschen und ihren Umgang mit Trauer. – Ein herausragendes Buch, in dem sich Trauernde wiederfinden.

Elizabeth Strout: Bleib bei mir.
Luchterhand Literaturverlag, Juli 2014.
336 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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