David Safier: Die Ballade von Max und Amelie

Die Hündin Narbe hat nur ein Auge und ist nicht sonderlich beliebt. Nach einem Streit im Rudel wird sie sogar ausgegrenzt. Da stolpert sie über den Hund Max, der auf der Suche nach seiner Familie ist. Einst hatte er eine Wohnung, ein Frauchen, einen kuscheligen Korb und eine Leine. Nichts, was Narbe sich wünschen würde. Und doch beschließt sie, mit Max zu ziehen. Denn irgendetwas, das spürt sie, verbindet die beiden. Dann hat sie nachts sonderbare Träume von sich und Max, als sie noch andere Hunde waren, in einem anderen Leben. Sollte es so sein, dass sie füreinander bestimmt sind? Doch wer ist der Mensch, der hinter ihnen her ist und sie in den Träumen ängstigt? Ist er ihnen vielleicht schon wieder auf den Fersen?

David Safiers ‚Ballade‘ liest sich wie eine Fabel. Man sollte gut damit klarkommen, dass zwei der drei Hauptfiguren Hunde sind. Und die dritte ihnen vor allem an den Kragen will. Weiterlesen

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Maarten `t Hart: So viele Hähne, so nah beim Haus

In diesem Erzählband sind achtzehn Geschichten abgedruckt, in denen der Autor in der Ich-Form über ganz unterschiedliche Begebenheiten, die in seiner Heimat, den Niederlanden angesiedelt sind, schreibt.

Maarten `t Hart ist ein Erzähler der alten Garde. Beim Lesen seiner Geschichten ist es ähnlich als wenn man Menschen mit einer reichen Lebenserfahrung lauscht, die frühere Zeiten wieder aufleben lassen. Einerseits kann man kann nicht genug bekommen von diesen so realistischen Beschreibungen, andererseits erscheint `t Harts Ausdrucksweise schonmal leicht antiquiert, wobei stets alles stimmig ist. Dieser teils etwas altmodisch anmutende, oft spitzbübische, aber durchaus angenehm passende Touch mag vielleicht daher kommen, dass `t Hart immer wieder Anekdoten aus Jugendzeiten beschreibt und er sich nun immerhin in seinem vierundsiebzigsten Lebensjahr befindet.

Möglicherweise hat `t Hart den Plot in einigen seiner Geschichten erfunden und der schriftstellerischen Kreativität freien Lauf gewährt, denn Manches erscheint beim Lesen auch mal ein wenig abwegig (obwohl erzähltechnisch plausibel) – So zum Beispiel die Erzählung „Im Kasino“, in der eine alte, über achtzigjährige Dame, die ihre freie Zeit im Spielkasino verbringt, dem Ich-Erzähler, der ihr dort Glück bringt, eindeutige Offerten macht. Weiterlesen

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Libby Page: Im Freibad

Seit Kate nach London gezogen ist, fühlt sie sich einsam. Ihre Studienkollegen haben sie eingeschüchtert, ihre Mitbewohner in der WG sieht sie kaum, weil sie sich außerhalb der Arbeit die meiste Zeit in ihrem Bett verkriecht, oft mit einem Glas Wein zu viel. Durch die Straßen läuft sie nur mit gesenktem Kopf, die Panik ständig im Schlepptau. Zu „echten“ Menschen hat sie kaum Kontakt. Geschichten sind ihre Freunde. „Möglicherweise ist es Frühling, aber Kate lebt unter einer Wolke. Sie folgt ihr auf Schritt und Tritt, und wie sehr sie ihr auch zu entkommen versucht, sie scheint sie nicht abhängen zu können.“

In der Redaktion des Lokalblattes Brixton Chronicle, in der sie nach dem Studium gelandet ist, schreibt sie über verschwundene Haustiere und Straßenbauarbeiten, also „die Artikel, die weiter hinten stehen, aber nicht ganz hinten, wo die Sportseiten sind. Die Artikel, die nicht gelesen werden.“

Doch ihr Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als der Chefredakteur Phil ihr den Auftrag gibt, über ein Freibad zu berichten, das geschlossen werden soll. Die Immobilienfirma Paradise Living möchte das Gelände kaufen und zu einem privaten Fitnessclub für die Bewohner ihrer Luxuswohnungen umwandeln, die in der Gegend aus dem Boden schießen. Zu Schwimmbädern hat Kate ein gespaltenes Verhältnis, aber sie nimmt den Auftrag an und trifft sich nicht nur mit dem Geschäftsführer, sondern auch mit Rosemary, der „treuesten Schwimmerin des Freibads.“ Weiterlesen

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Shumona Sinha: Erschlagt die Armen!

Der provokante Buchtitel lässt bereits auf den Inhalt schließen. Dafür sorgen auch Statements wie: „Menschenrechte enthalten nicht das Recht, dem Elend zu entkommen!“ Eine aus Indien stammende Dolmetscherin für die Asylbehörde schlägt in der Metro einem Migranten eine Weinflasche über den Kopf. Im Polizeirevier will der Beamte wissen, wie es dazu kommen konnte. Gemeinsam begleiten wir die Ich-Erzählerin zu ihrem auslaugenden Arbeitsalltag. In einer nicht enden wollenden Flut werden ihre ehemaligen Landsleute wie „Quallen“ in die Besprechungszimmer der Behörde gespült. Die Schleuser verkaufen den Männern nicht nur die Überfahrt und gefälschten Papiere, sondern auch die immer gleichen Geschichten, die sie vor den Beamtinnen vorbringen sollen. Bei näherer Befragung können diese jedoch schnell als Lügenkonstrukt entlarvt werden. Es gibt Männer, die behaupten, als Christen verfolgt worden zu sein. Doch sie wissen nicht, was an Weihnachten gefeiert wird oder wer die Heiligen Drei Könige sind. Es gibt Männer, die behaupten, von einer gegnerischen Partei bedroht zu werden, denen aber jegliche politische Grundbildung fehlt.

Mal reagieren die Antragsteller unterwürfig-devot, mal aggressiv-fordernd. Sie stammen aus einem Land, in dem arrangierte Ehe legitim sind und Frauen wenig zu sagen haben. Hier nun entscheiden zwei Frauen über ihre Zukunft! Weiterlesen

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Chip Cheek: Tage in Cape May

In Chip Cheeks Roman „Tage in Cape May“ verbringt ein etwas biederes Paar im Jahre 1957 seine Flitterwochen an der amerikanischen Ostküste. Es ist Spätsommer, viele Läden und Restaurants haben bereits geschlossen, und Effie und Henry langweilen sich. Als sie schon überlegen, die Reise vorzeitig abzubrechen, treffen sie auf das lebenslustige Paar Max und Clara sowie Max‘ Halbschwester Alma – und alles verändert sich: Die fünf neuen Freunde gehen gemeinsam segeln, sie feiern, spielen, betrinken sich und steigen zum Spaß in unbewohnte Nachbarhäuser ein. Doch dann beginnt Henry eine leidenschaftliche Affäre mit Alma, für die er sich jede Nacht aus dem Ehebett schleicht …

Chip Cheek, einem 1976 geborenen amerikanischen Schriftsteller, gelingt es seinem Debütroman, die unterschiedlichen Charaktere seiner fünf Hauptfiguren psychologisch glaubhaft einzufangen. Durch den gesamten Roman zieht sich eine erotische Atmosphäre, und auch die vielen Sexszenen gleiten keinesfalls ins Peinliche oder Platte ab. Weiterlesen

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Patrick Jacquemin: Der Duft von Gras nach dem Regen

Annabelle hat beruflich alles erreicht, was sie sich gewünscht hat. Sie ist ein Star in der Finanzwelt, hat eine Bank gegründet und muss sich um Geld keine Sorgen machen. Dafür arbeitet sie hart und dafür wird sie bewundert.

Doch privat läuft es nicht rund. Ihr Mann hat sich von ihr getrennt, sie teilen sich das Sorgerecht für ihre achtjährige Tochter Léna. Annabelle meidet – soweit es geht – Anlässe, bei denen Privates zur Sprache kommen könnte, denn dazu hat sie nur wenig zu sagen. Seit einer Weile fühlt sie sich nicht mehr wohl in ihrer Haut. Die Arbeit lenkt sie ab, kann sie aber nicht mehr befriedigen, wird sogar mehr und mehr zur Belastung.

Nach einem Essen mit Bekannten bricht sie zusammen. Wut paart sich mit Leere. Sie zweifelt am Sinn ihrer Arbeit und damit am Sinn ihres Lebens.

„Wofür ist es gut, verflixt, dass ich wie eine Kranke schufte? Dass ich von einem Termin zum nächsten hetze? Dass ich Erfolg habe? Wozu das alles?“

Sie sitzt in ihrem Auto und drischt so auf ihr Lenkrad ein, dass sich ein Passant schon Sorgen macht. Doch dann ist da diese verrückte Idee: Abhauen! Paris, die Firma, das Pflichtbewusstsein, die niederschmetternden Gefühle hinter sich lassen. Aufs Land fahren, wo sie aufgewachsen ist. Ruhe finden. Weiterlesen

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Christoph Simon: Spaziergänger Zbinden

Es kommt auf die richtige Freizeitbeschäftigung an. „… Das unbesorgte Sterben ist eine große Probe auf die Richtigkeit einer Freizeitbeschäftigung. Meine Großmutter spazierte bis ins hohe Alter. Mit vierundneunzig Jahren bückte sie sich so tief nach einer Wiesenblume, dass ihr Herz versagte.“ (S. 90)

Wenn bei anderen der Gedanke an das eigene Lebensende in den Vordergrund tritt, dann geht der pensionierte Lehrer Zbinden spazieren. Er wohnt im Alter von 87 Jahren in einem Seniorenheim. Jeden Tag sucht er das Gespräch, den Weg nach draußen, um mit möglichst vielen Menschen zu sprechen. Neue Menschen kennenzulernen wird zu seinem Motor.

Der Spaziergang über eine sehr lange Treppe hinunter bringt ihm den neuen Zivildienstleistenden Kâzim näher. Das, was im Leben wichtig ist, kommt unweigerlich zur Sprache: Die Liebe.

Der Autor und Kabarettist Christoph Simon aus Bern schlüpft in die Rolle eines wesentlich Älteren. Seine Perspektive kommt so nah an Lukas Zbinden ran, wie es nur in einem inneren Monolog möglich ist. Weiterlesen

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Judith Knigge: Zusammen ist der schönste Ort

Nach dem Tod ihres Mannes steht Dagmars Welt Kopf. Sie erkennt, dass sie das große Anwesen, welches sie mit ihm bewohnt hat, wohl oder übel verkaufen muss. Es ist finanziell nicht zu halten – es sei denn … Dagmar hat eine ungewöhnliche Idee: Wie wäre es, eine Art Wohngemeinschaft ins Leben zu rufen? Die zahlreichen Zimmer an Untermieter zu vermieten? Obwohl Freunde und Verwandte ihr davon abraten, wagt Dagmar diesen Schritt und lädt mehrere fremde Personen in ihr Heim ein. Natürlich ist da das Chaos vorprogrammiert.

Judith Knigge entwirft eine schöne Geschichte, in der sich die unterschiedlichsten Personen tummeln. Bald schon hat Dagmar ein volles Haus. Da gibt es eine Schwangere, die niemanden in ihre Schwangerschaft eingeweiht hat, einen Mann, der von seiner Familie verfolgt wird und der untertauchen muss, einen abgehalfterten Schlagerstar, der überraschend einen Hund mit in die WG bringt. Und eine Frau, die schon sehr bald einen Rollstuhl brauchen wird. So viel Durcheinander hätte Dagmar wohl nicht erwartet. Weiterlesen

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Lisa Genova: Im Traum höre ich dich spielen

Karina und Richard sind seit einigen Jahren geschieden und haben nicht mehr viel miteinander zu tun. Die gemeinsame Tochter ist auch erwachsen, geht eigene Wege und studiert weiter weg. Als Karina hört, dass Richard, ein gefeierter Star-Pianist, an ALS erkrankt sei, weiß sie nicht, was sie tun soll. Doch als sie ihn so sieht, ist die Entscheidung klar: Richard muss nach Hause kommen, in das ehemals gemeinsame Heim. Karina setzt alles daran, Richard zu pflegen und ihm die beste Betreuung zukommen zu lassen. Aber ALS ist grausam und unaufhaltsam. Bald muss Richard sich wichtigen Fragen stellen. Wie weit möchte er beim Leben unterstützt werden und wann ist es einfach mal genug?

Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, ist eine nicht heilbare Krankheit des Nervensystems. Sie führt unter anderem zu Lähmungen und lässt die Patienten immer mehr die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Auch atmen können sie irgendwann nicht mehr und müssen dauerhaft an ein Beatmungsgerät angeschlossen sein. Weiterlesen

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Jan Kuhlbrodt: Das Stockholmsyndrom

Herr Rudolph, Lehrer an einer Schule in Frankfurt, sitzt in der Dämmerung alleine in einer heruntergekommenen Lagerhalle. Eingesperrt. Als er nach dem Unterricht am Nachmittag aus seinem Stammcafé gekommen ist, hat ihn ein Fremder gepackt und in einen Lieferwagen gestoßen. Alles ging ganz schnell. Das einzige, was er von ihm gesehen hat, waren die eng beieinander stehenden Augen. Im Gedächtnis geblieben ist ihm auch das Wort „Hundsfott“, mit dem der Mann ihn beschimpft hat.

Ganz rational und logisch geht er an die Sache heran, schließlich ist er Mathematiklehrer. Er analysiert die Umstände anhand der wenigen Details, die ihm bekannt sind, denkt über den Sinn nach, entwirft für sich ein Bild der Situation, versetzt sich in den Entführer hinein, stellt ihn sich vor, sucht einen Ausweg aus der Lage.

Dann, nach ein paar Stunden, wird er wieder freigelassen. Ohne Erklärung. Ohne Lösegeldforderung. Einfach so. Er erzählt niemandem davon. Eigentlich hat er auch niemanden, den das interessieren könnte. Nur zu Frau Wicorek, der Sportlehrerin an seiner Schule, fühlt er sich hingezogen. Aber er hat sich ihr bisher nicht geöffnet. Seine sozialen Kontakte halten sich in engen Grenzen. Weiterlesen

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