Zufälle gibt es, die gibt’s gar nicht. So wie bei Dunja und Saphie, Zwillingsschwestern, deren Ehemänner am gleichen Tag das Zeitliche segnen.
Die beiden Schwestern sind sich nur wenig ähnlich. Dunja lebt in der Großstadt, getrennt von ihrem Exmann, sie hat zwei halberwachsene Kinder, Jules und Augusta. Saphie ist im Dorf ihrer Kindheit, nahe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, geblieben und führt dort ein kleines Hotel, sie ist kinderlos.
Nach dem Tod ihres Mannes lässt Dunja ihr bisheriges Leben in der Stadt zurück und zieht zu ihrer Schwester ins Hotel, hilft ihr, die das Geschäft nur alleine leiten muss. Für Dunja ist es nicht einfach, wieder in das Dorfleben zurückzufinden, den Menschen ihrer Kindheit wieder zu begegnen, mit all ihren Vorurteilen und Erinnerungen. Sie hat ganz viele solcher Erinnerungen abrufbereit gespeichert, während Saphie sich an nichts mehr erinnert, was in ihrer Kindheit geschah, weder an Familienbräuche noch an Familiengeheimnisse. So wird es für beide Schwestern eine Art Wiederfinden verschütteter Ereignisse, Geschichten und Lügen.
Vor allem geht es im Roman von Franziska Hauser aber um das Finden von sich selbst, dem Erkennen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse. „Dunja knüllt sie zusammen. ‚Ich weiß einfach nicht, wer ich bin, wo ich hinwill und was ich kann‘, sagt sie zähneklappernd. Sie sieht in sein vom Mondlicht bläuliches Gesicht. ‚Hab ich wahrscheinlich noch nie gewusst.‘“ (Seite 93) Weiterlesen






„Gebrauchsanweisung: Manche Geschichten sind wie Steine, die man aus dem Fluss fischt. Rund und glatt und schwer in der Hand.“ Diese Anleitung stellt die Autorin ihren gesammelten Erzählungen voran.
