Lotte Elstad: Mittwoch also

Die 33-jährige Hedda lebt in Norwegen. Dort hat ihre Affäre eben die Beziehung beendet und Hedda, irgendwie aus dem Lot geraten deswegen, stürzt sich in eine Reise. Über Umwege führt diese Reise sie in die Arme des Berliners Milo. Die beiden haben einen One-Night-Stand, danach sieht Hedda ihn nicht wieder. Doch die Folgen der Nacht reichen weiter als gedacht. Hedda ist ungewollt schwanger. Beim Gynäkologen erfährt sie, dass sie bis zur Abtreibung eine Bedenkzeit in Kauf nehmen muss, um sich ihren Entschluss genau zu überlegen. Mittwoch also wird ihre Abtreibung endlich stattfinden können. Es sei denn, Hedda entscheidet sich dagegen …

Lotte Elstads Roman ist ungewöhnlich und anders. Ihre Protagonistin Hedda lebt minimalistisch und muss sich mit ihren Mitmenschen und der Generation, zu der sie gehört, auseinandersetzen. Gerade befindet sich ihr eigenes Leben in einer Krise. Sie ist 33 Jahre alt, hat keinen festen Job mehr, war sehr verliebt in ihren Verflossenen und Vermögen besitzt sie auch keines. Weiterlesen

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Axel Hacke: Wozu wir da sind: Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben

Was sich anhört wie ein Ratgeberbuch, ist ein nachdenklicher und gleichsam verblüffender Roman mit vielen Gedanken über das Leben und wie unser Leben gelingen kann:

Der Protagonist Walter Wemut schreibt jeden Samstag für eine Zeitung einen Nachruf auf berühmte oder gänzlich unbekannte Menschen. Wem er seine Nachrufe widmet, bleibt ihm selbst überlassen. Abgesehen davon hat Walter Wemut die Erfahrung gemacht, dass es über jeden Menschen etwas Interessantes zu erzählen gibt und bezeichnet sich selbst als den publizistischen Totengräber der Zeitung.

Als er für eine achtzigjährige Freundin eine Rede über das gelungene Leben schreiben soll, macht er sich weitreichende Gedanken hierüber. Dieses Nachsinnen führt zu einem Monolog, der sich durch das gesamte Buch zieht. Walter Wemut lässt sich einesteils inspirieren von der Literatur, gleichsam erinnert er sich an Freunde, an gescheiterte Freundschaften und gescheiterte Menschen. Er macht sich Gedanken über Glück und Unglück, das diesen Menschen widerfahren ist oder über (scheinbar) ganz profane Dinge. Anregungen findet Wemut unter anderem bei seinem Zeitungshändler, der in seinen „Tagebüchern des Weltgeschehens“ die kuriosesten Geschichten gesammelt hat. Weiterlesen

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Fabian Hischmann: Alle wollen was erleben

Wenn man es positiv sehen will: Der deutsche Schriftsteller Fabian Hischmann, geboren 1983, trifft in den Stories seiner Sammlung „Alle wollen was erleben“ sicherlich das Lebensgefühl einer jüngeren Generation – mit Unsicherheiten und auch Enttäuschungen in der Partnerschaft, die auch gleichgeschlechtlich sein kann, oder Planungen für die noch unklare Zukunft. Hischmanns Figuren sind in der Regel unsicher und leiden an ihrer Gegenwart – wie Sophie, die früher ein Junge war, sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat und nun unglücklich in ihren Schulfreund Simon verliebt ist. Oder wie Lukas und Roman, die als Paar gemeinsam einen Jungen erziehen, sich der unqualifizierten Kommentare von Romans Mutter erwehren müssen und dann (seltsamerweise und etwas unpassend) in einen Nachbarschaftsstreit geraten. Oder wie ein von seiner Frau verlassener, einsamer Bäcker, der im Radio vom Tod Charles Mansons erfährt. Weiterlesen

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Inger-Maria Mahlke: Archipel

Es ist nicht das erste Mal, dass mir eine Entscheidung der Jury für den Deutschen Buchpreis komisch vorkommt. Bei „Die Habenichtse“ von Katharina Hacker kam ich mir sogar richtig verarscht vor. Oder „Tannöd“ (A.-M. Schenkel), ich erinnere mich noch, deutscher Krimipreis. Lächerlich. Dann wieder gibt es Highlights und verdiente Ehrungen wie für „Widerfahrnis“ von Bodo Kirchhoff, ach ich weiß es doch auch nicht und vielleicht Geschmackssache!  Naja, aber jetzt frage ich mich schon wieder, was das soll? „Archipel“ ist zwar von der Inselbeschreibung her, also das was hinter der Tourismusschiene, sozusagen auf der Rückseite von Teneriffa, an wirklichem Leben und Elend geschieht und geschah, sehr nah dran, aber die Familiengeschichten, von der Gegenwart zurück bis ins frühe 20. Jahrhundert verfolgt, bleiben eine einzige Anstrengung.

Da nutzen auch die (zur Hilfestellung) aufgeführten Namenslisten der vorkommenden Personen nichts, denn das immer wieder Vorblättern hilft dann auch nicht, wenn man grad wieder jemand neues im Buch vorfindet – der vorne nicht genannt wird – und vergeblich nach irgendeiner Affinität sucht. Weiterlesen

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Carla Berling: Der Alte muss weg

Pass auf, welche Sendungen du im Fernsehen siehst. Und achte auf die Folgen, die daraus entstehen. Diese Warnung hätte der Protagonistin in Carla Berlings witzigem Buch einige Wirrungen und viel Stress erspart. Dabei ist der Roman um die beige-braun-graue Heldin Steffi gar nicht so derb komisch, wie der Titel und das Cover suggerieren. Sicher sind manchmal die kölsch-rauen Späße ein wenig zotenhaft und manch ein Handlungsdreh vorhersehbar, dafür regt aber die Geschichte auch zum Nachdenken an.

Steffi, 50 und in den ausgefahrenen Spurrillen ihres Lebens gefangen, trifft sich regelmäßig mit ihren vier Freundinnen, die mehr oder weniger ähnlich mit sich, ihrem Leben und insbesondere mit ihren jeweiligen Lebenspartnern hadern. Und nun, inspiriert durch eine Fernsehsendung über unentdeckte Morde, entstehen in den Damen – in unterschiedlicher Ausprägung und mit unterschiedlichen Auswirkungen – diverse Ideen, sich ebendieser Lebenspartner zu entledigen. Weiterlesen

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Simone Lappert: Der Sprung

Es beginnt mit dem Sprung, dem Schritt über die Dachkante, dem Fall, den Empfindungen. Dann treten wir einen Schritt zurück und werfen einen Blick auf die Menschen, deren Leben durch die Frau auf dem Dach eine andere Richtung nimmt.

Da ist zunächst Felix, der Polizist. Die Schwangerschaft seiner Frau Monique wirft ihn aus der Bahn. Doch er kann nicht mit ihr darüber reden, sondern hält immer mehr Abstand. Nach der Arbeit zieht er sich in den Keller zurück, um Elektrogeräte auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen.

Auch Maren hat Probleme in ihrer Ehe. Früher haben ihrem Mann Hannes ihre Kurven gefallen. Doch seit er an seinem 40. Geburtstag beschlossen hat, sein Leben grundlegend zu ändern, hat er 25 Kilo abgenommen, achtet sehr auf seine Ernährung und trainiert fast wie ein Besessener. Marens halbherzige Versuche, es ihm gleichzutun sind nicht von Erfolg gekrönt. Eigentlich mag sie sich so, wie sie ist.

Teenagerin Winnie hadert ebenfalls mit ihrer Figur, die ihr unter ihren Altersgenossen häufig Spott einbringt. Ihre Bemühungen, dazu zu gehören, sind bisher gescheitert. Sie hat sich ihre eigene Comic-Welt geschaffen, in der sie allen zeigen kann, was in ihr steckt. Weiterlesen

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Mauríco Gomyde: Die schönste und die traurigste aller Nächte

Als Teenager entdecken Victor und Amanda bei ihrem Abschlussball Gefühle füreinander. Doch Victor weiß nicht, dass Amanda noch am folgenden Tag mit ihrer Familie das Land verlassen wird, um auf einen anderen Kontinent zu ziehen. Während sie ihm dies eröffnet, fällt er aus allen Wolken. Erst Stunden später kommt er wieder zu sich und befindet sich an einem ganz anderen Ort. Viele Tage später wird er den Zusammenhang erkennen. Denn Victor erlebt glückliche Momente gleich zwei Mal, traurige hingegen überspringt er, manchmal um Stunden, manchmal um Tage. Amanda glaubt er für immer verloren. Denn nur acht Monate nach ihrem Weggang erreicht ihn die Nachricht ihres Todes bei einem Attentat. Zwanzig Jahre später jedoch merkt er, dass er einem Irrtum aufgesessen ist.

Mauríco Gomyde ist mit „Die schönste und die traurigste aller Nächte“ ein sehr schöner Roman gelungen. Die Grundidee ist dabei pfiffig und rührend zugleich und passt sich somit dem Titel des Romans gut an. Erlebt Victor einen sehr schönen Moment, springt er in der Zeit zurück. Manchmal nur wenige Minuten, manchmal mehrere Stunden. So kann er den schönen Moment noch einmal erleben. Weiterlesen

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Chris Power: Mothers: Erzählungen

„Gewichtig wunderschöne Erzählungen“, so urteilt laut Klappentext die Daily Mail über dieses Buch. Gewichtig sind die Erzählungen von Chris Power in jedem Fall. Es sind keine leichten, seichten Texte, die man mal so eben zur Entspannung liest.

Chris Power hat bisher in Zeitungen und Magazinen veröffentlicht und stellt in diesem Debüt zehn Erzählungen von ganz unterschiedlicher Art vor. Er nimmt einen mit zu den verschiedensten Schauplätzen – Schweden, London, die englischen Hügellandschaften, Mexico. Und immer sind seine Beschreibungen so plastisch, dass man die Straßen, Wege und Wälder förmlich vor sich sieht, die scharfen Blätter der Pflanzen spürt, den Alkoholdunst der Kneipen riecht.

Es geschieht nicht viel in den Geschichten, es geht ihm mehr um die inneren „Geschehnisse“, um Einblicke in den Menschen. Sehr intensiv setzt er sich in drei der Erzählungen, die sich alle um die gleiche Person ranken, mit der Psychologie einer Frau auseinander, die als einzigen Bezugspunkt zu ihrer Mutter einen alten Reiseführer hat. Weiterlesen

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Drago Jancar: Wenn die Liebe ruht

Der sehr lesenswerte Roman „Wenn die Liebe ruht“ des 1948 geborenen slowenischen Autors Drago Jancar spielt in einer düsteren Zeit: der slowenischen Besatzung durch die Nazis während des Zweiten Weltkriegs. Sonja macht sich in Maribor an den Nazi-Kollaborateur Ludwig heran – mit dem Ziel, ihren Geliebten Valentin, der als Partisan gilt, aus der Haft zu befreien.

Obwohl das gelingt, steht allen drei Hauptfiguren keine rosige Zukunft bevor. Der Roman begleitet sie über die nächsten dunklen Jahre bis ins Jahr 1946 hinein, wenn der Nazi-Terror schon seit einem Jahr vorbei ist. Weiterlesen

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Jan Christophersen: Ein anständiger Mensch

Zum konzentrierten Schreiben zieht der Erfolgsschriftsteller Steen de Friis sich auf eine kleine Insel in Dänemark zurück, wo er ein geerbtes Haus besitzt. Frauke, seine Frau, kommt meist nur an den Wochenenden. An einem dieser Wochenenden erwarten die beiden Gäste, die in einer teuren Yacht anreisen: Ute, Steens langjährige Literaturagentin und deren Partner Gero. Das Zusammentreffen der beiden Paare knistert von Anfang an vor Anspannung. Da sind zum einen Steens Vorahnungen, zum anderen Fraukes Forderung nach einer offenen Partnerschaft, was sie und Steen sich vor vielen Jahren einmal gegenseitig zugestanden haben. Fraukes Andeutungen und ihr Gebaren Gero gegenüber sind eindeutig. Dazuhin übt auf Frauke auf Gero offensichtlich dieselbe Anziehung aus, wie er auf sie. Auch Ute spielt mit ihren Reizen Steen gegenüber. Und Steen, der medienerprobte Erfolgsautor, der ansonsten um keinen öffentlich bekundenden Rat in puncto „Anstand“ verlegen ist, weiß mit dieser Situation überhaupt nicht umzugehen.

Gero ist zum Rivalen für ihn geworden und Steens Welt- und Wertebild bröckelt. In seinen Büchern und in den Medien, in denen er partnerschaftliche Werte hoch ansetzt, weiß er für alle Problemlagen Rat. Weiterlesen

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