Cheon Myeong-kwan: Eine Bumerangfamilie

Der Drehbuchautor, Regisseur und Schriftsteller Cheon Myeong-kwan (Jahrgang 1964) aus Südkorea stand mit seinem ersten Roman „Der Wal“ aus dem Jahr 2004 auf der Shortlist des International Booker Prize 2023. Sein zweiter Roman „Eine Bumerangfamilie“ ist im Oktober 2024 bei Weissbooks in einer Übersetzung von Matthias Augustin und Kyunghee Park erschienen.

Die Rückkehr der „Bumerang-Kinder“

In „Eine Bumerangfamilie“ kehrt Cheon Myeong-kwans Ich-Erzähler und Protagonist, der Regisseur Inmo, in die Wohnung seiner Mutter zurück. Als beinahe Fünfzigjähriger steht er vor dem Scherbenhaufen seiner Existenz. Inmo hat kein Geld mehr, aber einen Haufen Schulden und ein Alkoholproblem. In die Wohnung der über siebzigjährigen Mutter ist bereits Inmos älterer Bruder Hanmo eingezogen. Hanmo, genannt Hammer, ist ein fetter Möchtegern-Gangster. Es dauert nicht lange und es gesellen sich Miyǒn, die jüngere Schwester der beiden, mit ihrer halbwüchsigen Tochter Min’gyǒng dazu.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jennifer Bright: Almost isn‘t enough

Seitdem ihr Elternhaus in Flammen aufgegangen ist, wird Summer von Albträumen geplagt. Einzig beim Kitesurfen fühlt sie sich frei. Als der mysteriöse Student Ares in ihre WG in der Kleinstadt am Meer zieht, macht er sie wahnsinnig. Doch auch vom ersten Augenblick an fühlt Summer sich zu ihm hingezogen. Als Ares von ihren Albträumen erfährt, versteht er sie so gut wie niemand sonst. Denn niemand weiß, dass er ebenfalls tiefe Wunden in sich trägt. Als Summer mit Ares beginnt, die Wahrheit über den Brand ihres Elternhauses aufzudecken, stoßen sie auf eine schockierende Verwicklung 

Eine emotionale Achterbahn erlebt man hier beim Lesen.

Selten habe ich so ein wunderschönes, emotionales und vor allem realistisches Buch gelesen. Die Themen, die in dem Buch behandelt werden, ist wahrscheinlich nicht für jeden was, weshalb es ratsam ist, die Trigger-Warnung zu beachten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Christian Klar: Was ist los in unseren Schulen

Christian Klar ist Direktor einer „Brennpunkt“- Mittelschule in Wien. In seinem Buch berichtet er, wie es in seinem Haus zugeht, was sich in den Klassen abspielt. Er ist aus ganzem Herzen Lehrer und deswegen spricht er die Dinge glasklar an, die dem oft unglaublich ambitionierten Lehrpersonal die Ausübung des Berufes so schwer machen. Sehr, sehr oft ist der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern ein schwieriger, weil sie in Österreich nicht integriert sind und manche das auch gar nicht ernsthaft wollen.

Er schreibt: „Der Staat hat die Aufgabe, einen Rahmen und für jeden und jede alle Möglichkeiten für ein erfolgreiches Leben zu bieten. Diese Möglichkeit zu nutzen, ist die Verantwortung jedes Einzelnen!“ (S. 14) Klar steht – wenn man so will – jeden Tag an der „Front“. Er weiß, was Sache ist. Immer mehr Kinder können dem Unterricht nicht folgen, weil sie kein Deutsch verstehen. Manche von ihnen sind infolge von Familienzusammenführungen erst seit kurzem in Österreich, andere sind bereits in dritter Generation im Land und sprechen die Landessprache nicht.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alexandra Benedict: Das mörderische Christmas Puzzle

Ein Rätsel lösen, um Morde zu verhindern – halbwegs spannender Krimi aus England

Rätsel sind ja das A und O eines Kriminalromans, ist doch der Krimi an sich das Rätsel schlechthin. Von daher macht es Sinn, einen Krimi in Form eines Rätsels, in diesem Fall eines Puzzles, aufzubauen.

Doch leider schafft es der Plot nicht, ausreichende Spannung zu erzeugen. Dafür wird zu viel mit der Vergangenheit gehadert, zu viel Selbstreflexion und zu viele Selbstvorwürfe der Protagonistin beschrieben.

Edie O’Sullivan ist eine alte und sehr erfahrene Rätselexpertin. Sie schreibt für renommierte Zeitungen die Kreuzworträtsel und ist dafür berühmt. Eines Tages findet sie vor ihrer Tür ein Päckchen mit einzelnen Puzzlestücken und einem merkwürdig drohenden Brief. Würde sie das Puzzle nicht rechtzeitig lösen, würden noch vor Weihnachten vier Menschen sterben.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ella Berman: Das Comeback

Grace lebte einen Traum – eigentlich. Mit 13 Jahren wurde die Britin auf dem Schulhof entdeckt und nach Los Angeles geholt. Ihre ganze Familie siedelte mit ihr nach Amerika, aber sie sieht sie trotzdem kaum. Denn ihre ersten Filme werden volle Erfolge, sie ist viel beschäftigt und hat jede Menge Freunde. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt ihrer Karriere entscheidet sie sich dafür, das alles hinter sich zu lassen. Ohne jemandem auch nur ein Wort zu sagen, zieht sie zu ihren Eltern nach Anaheim und lebt dort beinahe ein Jahr mehr oder weniger unerkannt. Dann entscheidet sie sich dafür, zurückzukehren, aber es soll niemals wieder so werden, wie es einmal war.

Das Buch beginnt mit einem Unfall. Dann zeigt Ella Berman uns Grace bei ihren Eltern und warum sie zurück nach LA geht. Grace erzählt uns die Geschichte aus ihrer Sicht – unterbrochen immer wieder von Rückblenden, wie es so weit kommen konnte.

Es war Able, der sie einst entdeckte, der sie förderte und einen erfolgreichen Film nach dem anderen mit ihr produzierte. Aber es war auch Able, der sie manipulierte, ihr jedes Selbstbewusstsein raubte und sie auch sexuell missbrauchte – was erschütternderweise nicht der schlimmste Teil des Missbrauchs war.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Maria-Christina Piwowarski (Hg.): Und ich

In dieser Anthologie geht es um drastische Veränderungen im Leben von Frauen und wie die verschiedenen Protagonistinnen damit umgehen.

Zwanzig Geschichten sind in diesem Erzählband versammelt. Zu den Autorinnen gehören außer der Herausgeberin selbst unter anderem:

Gabriele von Arnim, Zsuzsa Bánk, Judith Poznan oder Mareike Fallwickl.

Manche der Geschichten zeigen vielleicht Parallelen zum eigenen Leben auf. Auch Texte die schwer wiegen, die man geradezu aushalten muss, sind zu lesen. Andere wiederum kommen federleicht daher; sie können motivieren, beflügeln, ermutigen.

Lesen ist für sie ein Grundbedürfnis, schreibt die Herausgeberin Maria-Christina Piwowarski in einem Vorwort.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Scott Hawkins: Die Bibliothek am Mount Char

Carolyn unterscheidet sich nicht sehr von ihren Mitmenschen. Sie mag Guacamole, Zigaretten und Steak und sie weiß, wie man ein Telefon benutzt. Mit der Kleidung ist es etwas schwierig, aber jeder sagt etwas Nettes über ihr Outfit mit dem Wollpulli über den goldenen Spandex-Radlerhosen und den Legwarmern. Schließlich war sie einmal eine ganz normale Amerikanerin.

Das ist natürlich schon lange her, genauer gesagt 23 Jahre. Bevor ihre Eltern starben. Bevor sie und die anderen elf Kinder von dem Mann aufgenommen wurden, den sie Vater nannten.

In den Jahren seither hatte Carolyn keine Gelegenheit, viel rauszukommen. Stattdessen wurden sie und ihre Adoptivgeschwister nach den alten Bräuchen des Vaters erzogen und ein jeder von ihnen in einer vergessenen Sprache, dem Pelapi in einem der 12 Kataloge (Bereiche des Wissens) der Bibliothek ausgebildet. Sie haben die Folianten studiert, sind gestorben und wurden wiedererweckt, wurden gemartert, im Stier/Bullen verbrannt und kamen zurück.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Elle Kennedy: The Risk: Briar U 02

Dass Jake Connelly der heißeste Mann ist, den Brenna je gesehen hat, beeindruckt sie nicht im Geringsten. Immerhin spielt er im Eishockey-Team für Harvard und ist somit für sie als Tochter des Briar-Coaches und eingefleischter Fan komplett off-limits.

Dann aber kommt es während eines Bewerbungsgespräches zu einer dummen Notlüge: Als der sexistische Chef des Sportsenders einen Witz zu viel darüber macht, dass Brenna hier als Frau komplett fehl am Platz ist, behauptet sie, mit Jake zusammen zu sein und wird prompt auf eine Dinnerparty eingeladen. Das Problem: Nun muss sie Jake davon überzeugen, sie als ihr Fake-Date zu begleiten und sie hat zuvor nur zu deutlich gemacht, was sie eigentlich von ihm hält.

Zu ihrer Überraschung lässt sich der Eishockey-Star jedoch leicht überzeugen und hat nur eine Bedingung: Für jedes Fake-Date möchte er ein echtes mit ihr haben. Riskiert Brenna diesen Deal?

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mareike Allnoch: A Glimpse of Northern Lights

Sophie und Jonas treten auf ihren lang ersehnten Roadtrip nach Island an. Die Insel ist bezaubernd und sie möchten dort einen Kurzfilm für ihr Studium drehen. Die Reise bietet einige Highlights, zwingt aber auch Sophie dazu ihre Gefühle für ihren besten Freund zu verdrängen, denn sie möchte die Freundschaft nicht zerstören und ahnt nicht, dass sie mit diesen Gefühlen nicht allein ist.

Island als Setting zu wählen ist der Autorin sehr gut gelungen, denn ich war noch nie dort, doch nach dem Lesen dieser Geschichte hat es sich so angefühlt. Ich hatte das Bild der beeindruckenden Landschaft die ganze Zeit vor Augen und konnte somit mit Sophie und Jonas gemeinsam reisen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Julia Malye: La Louisiane

Angeblich feministischer Roman, der die Erwartungen jedoch nicht erfüllen kann

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung ist manchmal schmerzhaft, besonders, wenn man mit dem Anspruch gewisse Erwartungen weckt, denen man denn leider nicht gerecht wird.

So sind Thema und historische Einordnung dieses Romans aus Frankreich hochinteressant, auch weil gerade das Thema bislang wenig bis gar nicht in Romanform auftauchte, jedenfalls, soweit mir bekannt ist.

Es geht um Frauen, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Amerika verschifft wurden – man muss diesen Ausdruck verwenden, denn sie wurden wie Ware behandelt. Es sind Frauen, die man aus der Gesellschaft ausgegrenzt hat, die nicht der „Norm“ entsprechen, die vielleicht kleinere oder größere Straftaten begangen hatten oder einfach nur niemanden hatten, der sie schützte. Diese Frauen wurde in der berüchtigten Salpetrière eingesperrt, meist ohne jede Chance, je wieder freigelassen zu werden.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: